Analyse Aktien 3D-Druck

3D-Druck – Bewegtes Geschäftsjahr 2016

Ein Beitrag von tzimmer 7 04.04 - 15:33

Das Geschäftsjahr 2016 verlief für die beiden europäischen Anbieter für dreidimensionale Drucktechnik SLM Soutions und Arcam durchaus turbulent. Vor allem der amerikanische Mischkonzern General Electric trug durch seine Übernahmegeschäfte in Europa zu diesen Entwicklungen bei. Lohnt sich momentan ein Einstieg in beiden Werten?
 
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Vor einigen Jahren galt der 3D-Druck, industriell auch als Additive Fertigung bezeichnet, als eine der kommenden Boombranchen und es entstand unter vielen Anlegern eine regelrechte Euphorie hinsichtlich dieses neuen Industriesektors. In der Zwischenzeit hat sich diese Euphorie gelegt und bei einigen Werten gab es infolgedessen stark negative Kursentwicklungen. Unbeachtet dessen entwickelte sich der dreidimensionale Druck jedoch kontinuierlich weiter und spielt in einigen Industriebereichen mittlerweile eine zunehmend bedeutendere Rolle. So haben sich die Verkaufszahlen der dreidimensionalen Drucker zwischen den Jahren 2010 und 2014 verdreifacht. Deutschland nimmt bei der Verwendung der neuen Technologie sogar eine internationale Vorreiterrolle ein, was die Anwendung der Geräte betrifft. Laut einer Ernst & Young Studie mit insgesamt 900 befragten Unternehmen fertigungsbezogener Branchen (davon 200 deutsche Unternehmen) nutzen bereits 37 Prozent der deutschen Firmen 3D-Drucker, 12 weitere Prozent beabsichtigen zeitnah den Einsatz solcher Maschinen. Global betrachtet findet der 3D-Druck vor allem im Automobilbau und der Luftfahrt (29 Prozent der befragten Unternehmen setzen die Technologie ein), der Kunststoffindustrie (38 Prozent) sowie im Maschinen- und Anlagenbau (29 Prozent) Anwendung. Derzeit werden weltweit bereits etwa 10 Milliarden Euro Umsatz mit dem dreidimensionalen Druck umgesetzt. Die Vorteile der Technologie liegen dabei unter anderem in der Herstellung komplexer Geometrien und innerer Strukturen sowie der Möglichkeit zur Verarbeitung vieler verschiedener Materialien. Auch die amerikanische Beratungs- und Marktforschungsgesellschaft Gartner beurteilt die nähere Zukunft des 3D-Drucks positiv. Laut einer Studie des Unternehmens wird sich die Additive Fertigung im Bereich medizinischer Anwendungen bis zum Jahr 2020 weiterhin schnell verbreiten. Zu diesem Zeitpunkt sollen 30 Prozent der medizinischen Implantate und Geräte durch 3D-Drucker produziert werden. Zudem sollen in 75 Prozent aller industriellen Fertigungsstätten dreidimensionale Drucker zum Einsatz kommen.

Ein durchaus turbulentes Geschäftsjahr erlebte das Unternehmen SLM SOLUTIONS GROUP AG INHABER-AKTIEN O.N. (WKN A11133) (DE000A111338) mit Sitz in Lübeck. Im Verlauf des Jahres konnte das erst 2006 gegründete Unternehmen seinen Aktienkurs von 19 auf 32,50 Euro steigern, eine Zunahme um 71 Prozent. Beeinflusst wurde diese Entwicklung zum Teil auch durch ein Übernahmeangebot des amerikanischen General Electric-Konzern. 


Die Übernahme durch die Tochtergesellschaft GE Aviation scheiterte jedoch am Veto des Hedgefonds Elliot, welcher mit mehr als 20 Prozent an SLM Solutions beteiligt ist. Der Übernahmevorgang könnte zu einer zögerlichen Haltung der Kunden der SLM Solutions geführt haben, im dritten Quartal erlitt das Unternehmen einen Umsatzeinbruch in Höhe von 6 Prozent. Infolgedessen entstand in diesem Quartal ein operativer Verlust in Höhe von 972.000 Euro, woraufhin SLM Solutions eine Gewinnwarnung veröffentlichen musste. Laut der vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr konnte der Umsatz trotz der Turbulenzen jedoch auf 80,7 Millionen Euro gesteigert werden, was einem Plus in Höhe von 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015 entspricht. Die Anzahl der produzierten Maschinen stieg dabei von 102 auf 130 an. Das ursprüngliche Jahresziel für den Konzernumsatz wurde zwar verfehlt, den Wachstumskurs der vergangenen Jahre konnte SLM Solutions aber beibehalten. Dennoch wurde der bisherige Vorstandsvorsitzende Markus Rechlin zum Ende des Geschäftsjahres durch den Aufsichtsrat abberufen. Als Gründe hierfür nannte das Unternehmen unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Konzernausrichtung, genauer konkretisiert wurden diese Differenzen nicht. Anleger könnten hinsichtlich des unruhigen Jahres 2016 zunächst die Geschäftsentwicklung von SLM Solutions abwarten. Die Jahreszahlen könnte man in Anbetracht der Umstände zwar positiv bewerten, jedoch erfüllte der Auftragseingang für das kommende Geschäftsjahr die Erwartungen einiger Marktbeobachter nicht vollends und auch der Amtsstart des neuen Vorstandsvorsitzes sollte zunächst beobachtet werden.

Einen der innereuropäischen Konkurrenten der SLM Solutions AG stellt der schwedische Konzern ARCAM AB NAMN-AKTIER O.N. (WKN A0JM3C) (SE0005676160) dar. Das Unternehmen ist ebenfalls im Bereich der Additiven Fertigung aktiv und produziert über Tochtergesellschaften zudem Metallpulver und medizinische Implantate. Arcam beliefert mit seinen Produkten vor allem den Flugzeugbau und die Industrie für medizinische Implantate. 


Das Jahresergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigte gemischte Tendenzen. Zwar konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent auf rund 68 Millionen Euro gesteigert werden, trotz eines leichten Auftragsrückgangs, allerdings verbuchte der Konzern im Jahr 2016 einen Verlust in Höhe von 1,1 Millionen Euro. 2015 konnte man noch ein Konzerngewinn von 2,5 Millionen Euro erzielt werden. Im Gegensatz zu SLM Solutions war General Electric im Falle von Arcam mit seinen Übernahmeplänen erfolgreich. Seit Dezember 2016 hält GE Aviation 76,15 Prozent der Aktien an der Arcam AB. Diese Transaktion könnte man im Zusammenhang mit der aktuellen Marktlage im noch jungen Technologiesektor des dreidimensionalen Druckens durchaus positiv bewerten. Die momentan noch vorherrschenden Konjunkturschwankungen in diesem Sektor könnten durch das Kapital und die Ressourcen von General Electric im Bedarfsfall aufgefangen werden. Jedoch sollten Anleger auch im Fall von Arcam abwarten, wie sich die Eingliederung in den GE-Konzern entwickelt und wie die operativen Zahlen in den folgenden Quartalen aussehen.

Momentan könnte für Anleger eine abwartende Haltung hinsichtlich des dreidimensionalen Drucks noch Sinn machen. Hinsichtlich von Unternehmens- und Auftragszahlen kann es nach wie vor zu Schwankungen kommen, auch wenn sich die Technologie vor allem in der industriellen Fertigung zusehends etabliert. Einer noch schnelleren Markterschließung stehen zurzeit jedoch noch Faktoren wie hohe betriebliche Einführungskosten, mangelnde Expertise im Bereich der Additiven Fertigung sowie teils noch hohe Material- und Servicekosten entgegen. Gerade im Falle von kleinen und mittelständischen Unternehmen stellen sich diese Punkte oftmals noch als problematisch dar.  


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