Analyse Aktien 3D-Druck

3D-Druck: Der Markt wächst langsam, aber stetig!

Ein Beitrag von tzimmer 15 23.06 - 21:23

Ob in der industriellen Fertigung, der Medizintechnik oder der Luft- und Raumfahrttechnik, die Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Drucks erstecken sich über viele Wirtschaftszweige und Fertigungsmethoden. Den teilweise überzogenen Erwartungen an ihr Marktpotenzial mussten die Aktien in diesem Sektor in den vergangenen Jahren Tribut zollen. Wie sieht die aktuelle Lage auf diesem, nichtsdestotrotz, vielversprechenden Markt aus?
 
Stratasys Ltd
 
 
voxeljet AG
 

Das Themengebiet 3D-Druck durchlief, wie viele andere revolutionäre Innovationen zuvor, einen typischen Diffusionsverlauf. Nach anfänglicher Euphorie bezüglich des Potenzials der neuen Fertigungsart setzte zwischenzeitlich eine Ernüchterung und bedeutende Marktabkühlung ein. Seit geraumer Zeit erscheinen die Signale aus diesem Segment nun aber wieder positiv, zudem hat sich der Markt mittlerweile konsolidiert und es gibt eine Reihe von Unternehmen, welche sich eine eindeutige Marktnische und -position erschlossen haben. Während die auch als Additive Fertigung bezeichnete Technologie aus dem Fokus der breiteren Öffentlichkeit verschwunden war, setzte sich ihre Verbreitung in ausgewählten Industrie- und Produktionssektoren fort. Gerade in der Medizintechnik, der Automobilentwicklung oder auch in der Luft- und Raumfahrttechnik findet der 3D-Druck heute vielfältige Anwendung. Insbesondere die große Zeitersparnis im Vergleich zum herkömmlichen Prototypenbau sowie Vorteile beim Thermomanagement der mit Hilfe der Additiven Fertigung produzierten Komponenten sorgen für eine zunehmende Adaption im Produktionssektor. Mittel- bis langfristig könnte für eine umfassende Marktdurchdringung der Technologie die Entwicklung der Druckkosten und der Materialien eine große Rolle spielen. Dementsprechend groß ist auch die Bandbreite der globalen Marktprognose für den 3D-Druck. Laut Berechnung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens IDC könnte das Marktvolumen für das Jahr 2020 bei bis zu 35 Milliarden US-Dollar liegen. Für das vergangene Jahr wurde diese Marktgröße noch auf 12 Milliarden US-Dollar taxiert. Im Folgenden soll eine Reihe von Unternehmen aus diesem Marktsegment genauer betrachtet werden. Die analysierten Unternehmen unterscheiden sich hierbei teils bezüglich der Haupteinsatzgebiete ihrer Produkte, wodurch sich unterschiedliche Profile und Entwicklungschancen ergeben könnten.

Stratasys Ltd (IL0011267213)

Nachdem die Aktie von Stratasys einen ähnlichen Kursverlauf genommen hatte wie viele der Konkurrenten im Verlauf der vergangenen Jahre, hat die Unternehmensführung zu Beginn des Jahres 2018 den Vertriebsfokus gewechselt. Waren zuvor auch Privatkunden und Geräte für Kleinserienfertigungen im Mittelpunkt der Bemühungen, so konzentriert sich Stratasys derzeit vor allem auf das Geschäft mit Großkunden und auf Verträge mit öffentlichen Stellen. Da auch diese Marktsegmente mit den vielerorts prognostizierten Wachstumszielen zunächst nicht Schritt halten konnten, wurden die Erwartungen vieler Anleger nicht erreicht. Nun scheint die neue Strategie jedoch erstmals Wirkung zu zeigen. Die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres sahen, gerade im Vergleich zu denen mancher Konkurrenten, im Jahresvergleich verbessert aus. Zwar konnte Stratasys beim Umsatz im Jahresvergleich nur leicht um ein Prozent auf 155,3 Millionen US-Dollar zulegen, die Gewinnzahlen konnten jedoch verbessert werden. Unter dem Strich stand pro Aktie immer noch ein Verlust von 4 Cent, dieser hatte im ersten Quartal des vergangenen Jahres aber noch bei 24 Cent pro Aktie gelegen. Um außergewöhnliche Belastungen und Investitionen bereinigt konnte Stratasys einen Gewinn von 10 Cent pro Aktie ausweisen, dieser Wert konnte im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt werden. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben verblieben auf einem Niveau und liegen mit 14,5 Prozent des Umsatzes relativ hoch, was angesichts der branchenüblichen Standards jedoch in einen ähnlichen Bereich fällt wie die Ausgaben einiger Konkurrenten. Im Falle des 3D-Drucks handelt es sich um einen technologisch dynamischen Markt, welcher aufgrund seiner vergleichsweise hohen Innovationsgeschwindigkeit diese Investitionen erforderlich macht. Im Rahmen der veränderten Absatzstrategie konnte Stratasys in den vergangenen Monaten einige Erfolgsmeldungen bekannt geben. So konnte beispielsweise eine Vertragsverlängerung mit dem Unternehmen Boom Supersonic bekannt gegeben werden, welches sich zum Ziel gesetzt hat, das weltweit schnellste Überschallpassagierflugzeug zu bauen. Hunderte Bauteile dieses Flugzeugs sollen mit den Stratasys-Systemen produziert werden. Der neue Vertrag läuft über sieben Jahre und beinhaltet die FDM-3D-Druck-Technologie. Für Stratasys könnte diese Vereinbarung einerseits einen konstanten Einnahmenstrom für die kommenden Jahren bedeuten und darüber hinaus im Rahmen eines technologisch aufwändigen Projekts die Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte unter Beweis stellen. Des Weiteren konnte Stratasys kürzlich neue Verträge mit dem Rennstall Arrow Schmidt Peterson Motorsports bekannt geben. Arrow Schmidt Peterson wird die Geräte zur Entwicklung seiner Fahrzeuge verwenden. Mit dem belgischen Unternehmen Solvay veröffentlichte man zudem neue Materialien für den 3D-Druck. Im Rahmen dieser Vereinbarung könnte Stratasys künftig auch eine größere Rolle als Lieferant von Druck-Materialien einnehmen und sich hierdurch weitere Umsatzquellen erschließen. Interessierte Anleger sollten sich angesichts des volatilen Kursverlaufs der vergangenen Jahre anschauen, ob sich die neue Strategie des Unternehmens auch in den kommenden Quartalsberichten positiv bemerkbar macht und ob der Kurswechsel sich nachhaltig auf die Geschäftsentwicklung auswirkt.

voxeljet AG (US92912L1070)

Auch ein deutsches Unternehmen hat sich auf dem Markt des 3D-Drucks etabliert. Das in Friedberg bei Augsburg ansässige Unternehmen Voxeljet ist seit dem Jahr 2013 an der Börse gelistet. Das vergangene Geschäftsjahr konnte Voxeljet mit einem guten Ergebnis abschließen. Mit 26 Millionen Euro Jahresumsatz konnte man den Vorjahreswert in Höhe von 23,2 Millionen Euro um etwas mehr als 12 Prozent übertreffen. Im vierten Quartal betrug die Steigerungsrate sogar rund 40 Prozent. Diese Umsätze verteilten sich gleichmäßig auf die beiden Geschäftszweige des Unternehmens, dem Verkauf von 3D-Druckern und Druckmaterialien sowie der Teilefertigung von Sand-, Keramik- und Kunststoffformen für Kundenunternehmen. Auch im ersten Quartal des aktuellen Jahres sahen die Zahlen gut aus. Im Vergleich zum Vorjahresquartal steigerte man den Umsatz um mehr als 10 Prozent auf 5,65 Millionen Euro und übertraf somit sogar die eigenen Erwartungen, welche auf einen Bereich zwischen 5 und 5,5 Millionen Euro geschätzt wurden. Vor allem der Absatz neuer Drucker und Druckmaterialien verursachte diese Entwicklung, hier lag der Umsatz mehr als 75 Prozent über den Vorjahreszahlen. Voxeljet befindet sich derzeit operativ jedoch noch im Verlustbereich. In Q1 2019 lag der operative Verlust beispielsweise bei 1,94 Millionen Euro. Dies stellte zwar ebenfalls eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahresquartal (-2,39 Millionen Euro) dar, gesteigerte Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie ein durch die Geschäftsentwicklung gesteigerter Personalbedarf sorgten aber dafür, dass sich der gesteigerte Umsatz nicht uneingeschränkt auf das operative Ergebnis auswirken konnte. Die Entwicklungsarbeit beschäftigte sich unter anderem mit dem „VJET X 3D“, einem neuen Druckermodell für die Produktion von komplexen Sandkernen von Metallkomponenten. Laut Unternehmensangaben ist man sich mit einem deutschen Premium-Automobilkonzern bereits über den Einsatz des neuen Druckers handelseinig. Das Produkt soll Ende Juni im Rahmen GIFA in Düsseldorf vorgestellt werden. Brancheninsider gehen von einem großen Fortschritt in Bezug auf die Produktionsgeschwindigkeit aus, welche um das bis zu zehnfache gesteigert werden soll. Interessant wird zu beobachten sein, inwieweit Voxeljet seinen Wachstumskurs beibehalten kann. Die technologischen Voraussetzungen erscheinen hierfür gegeben, das Unternehmen ist jedoch im Vergleich zu vielen seiner Konkurrenten immer noch relativ klein. Weiter steigende Umsätze und gesteigerte Produktionskapazitäten samt eines wachsenden Personalbedarfs umfassen aber eigene Herausforderungen, welche es für das Management in den kommenden Monaten und Jahren zu bewältigen gilt.

Viele der Pure Plays im Bereich des 3D-Drucks haben die Nerven ihrer Anleger in den vergangenen Jahren teilweise erheblich strapaziert. Mit dem amerikanischen Konzern Hewlett-Packard hat nun auch ein Großkonzern den 3D-Druck für sich entdeckt. Auch wenn der Geschäftsbereich für den 3D-Druck nur einen geringen Anteil am Gesamtumsatz beträgt, so können Anleger mit einem Investment dennoch am Wachstum des 3D-Drucks partizipieren und sehen sich gleichzeitig einer geringeren Kursvolatilität ausgesetzt. HP konzentriert sich hierbei ausschließlich auf die Anforderungen von Unternehmen und produziert, im Gegensatz zu seinem klassischen Geschäftsmodell, keine Drucker für den Gebrauch von Privatpersonen. Im Mittelpunkt steht vor allem die „Multi Jet Fusion“-Technologie, welche primär für die Anwendung von kleinen bis mittelgroßen Produktenentwicklungen geeignet ist. Das Unternehmen betätigt sich operativ erst seit dem vergangenen Jahr auf dem Markt, möchte neben der Produktion eigener Geräte aber auch hinsichtlich des Vertriebs von Produktionsmaterialien künftig wachsen. Der Fokus der Geräte soll auf Anwendungen der Automobilindustrie, des Gesundheitswesens und des Konsumgütersegments liegen. Im Rahmen dieser Bemühungen könnte HP auch von dem Umstand profitieren, dass der Konzern bereits über einen großen Kundenstamm in vielen unterschiedlichen Wirtschaftssektoren verfügt und seine Kunden so gezielt auf die eigenen Innovationen aufmerksam machen könnte. Zu den Kunden, die HP in diesem Jahr akquirieren konnte, zählen unter anderem Unternehmen wie RecTech, Aptiv, Vestas, BASF, BMW oder Volkswagen. Die letztgenannten Automobilproduzenten möchten die HP-Drucker in der Fertigung von Bauteilen für die Fahrzeuge und von Werkzeugen für die Produktion der Fahrzeuge einsetzen. Mit dem „Jet Fusion 5200“ stellte HP zu Beginn des vergangenen Monats erstmals auch ein Modell vor, welches sich für die Produktion größerer Bauteile eignet und auf die Anforderungen der Großserienproduktion hin optimiert wurde. Zur Intensivierung seiner Forschungsbemühungen gab HP vor wenigen Tagen die Eröffnung eines neuen „3D Printing and Digital Manufacturing Center of Excellence“ in Barcelona bekannt. Auf einer Fläche von mehr als drei Hektar sollen künftig Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter des Unternehmens zusammenarbeiten. Die Anlage umfasst zudem eine Fabrikanlage, in der sich auch Partnerunternehmen an der experimentellen Entwicklung digitaler Fertigungstechnologien beteiligen können. Für Anleger sollte die weitere Entwicklung dieser groß angelegten Offensive interessant zu beobachten sein, zukünftig wäre zudem eine Abspaltung des Geschäftsbereichs samt Börsengang eine Option für HP.


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