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Ästhetische Medizin: Neue Konkurrenz für Botox!

Ein Beitrag von tzimmer 17 13.04 - 19:54

In der Vergangenheit konnte sich Allergan einer sehr soliden Marktposition seines Neurotoxins Botox erfreuen. Der Markt für Schönheitsoperationen befindet sich weiterhin im Wachstum, jedoch könnte die kürzlich erfolgte Marktzulassung des Produktes „Jeuveau“ des amerikanischen Konkurrenten Evolus auf diesem Gebiet für Einbußen an Marktanteilen sorgen. Ein Blick auf den Marktführer und den neuen Konkurrenten soll deren aktuelle Position und Potenzial einschätzen.
 
ALLERGAN PLC
 

Botolinumtoxin, im Rahmen der ästhetischen Medizin primär unter der Bezeichnung Botox vertrieben, spielt insbesondere bei der Behandlung von Gesichtsfalten heutzutage eine große Rolle. Kürzlich konnte Produzent Allergan das 25. Jubiläum der Marktzulassung in Deutschland feiern. Lange Zeit wirkte die Marktposition des Mittels unantastbar, durch die zu Beginn dieses Jahres für den amerikanischen Markt erfolgte Zulassung des Mittels „Jeuveau“ des Konkurrenten Evolus könnte nun erstmals seit langer Zeit ernsthafte Konkurrenz den Markt für ästhetische Neurotoxine betreten haben. Der zugrundeliegende Markt scheint dabei weiterhin im Wachstum begriffen. Laut der „Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Plastische Chirurgie“ wurden im Jahr 2016 circa 2,5 Millionen Gesichtsbehandlungen zur Verjüngung durchgeführt, die Tendenz ist weiterhin steigend. Der Gesamtmarkt für ästhetische Medizin soll währenddessen nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Global Market Insights“ bis zum Jahr 2024 auf 18,5 Milliarden US-Dollar ansteigen. 2017 hatte diese Zahl noch bei 9,2 Milliarden US-Dollar gelegenen. Den wichtigsten Markt stellten die USA dar, auf die rund 20 Prozent aller weltweit durchgeführten Gesichtsliftings entfielen, wodurch der Zulassung des neuen Evolus-Produktes zusätzliche Bedeutung entgegenkommt. Vor dem Hintergrund dieser Umstände könnte ein Blick auf die beiden Konkurrenten lohnen, um deren gegenwärtige Situation zu betrachten.

ALLERGAN PLC (IE00BY9D5467)

Das Unternehmen Allergan besteht in seiner derzeitigen Form erst seit Mitte des Jahres 2014. Damals wurde Allergan im Rahmen einer freundlichen Übernahme vom europäischen Unternehmen Actavis übernommen. Actavis beschloss im Anschluss an die rund 66 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme den Namen Allergan anzunehmen. Der Sitz des Unternehmens befindet sich im irischen Dublin, die operative Zentrale ist jedoch im US-Bundesstaat New Jersey verortet. Die teure Fusion schaffte dem neuen Konzern jedoch denkbar schlechte Startvoraussetzungen. In Folge der Finanzierung des Geschäfts beliefen sich die langfristigen Verbindlichkeiten im Juli des Jahres 2015 auf knapp 43 Milliarden US-Dollar. Infolgedessen wurde ein Verkauf der Actavis Generika-Geschäftseinheit an Teva Pharmaceutical beschlossen, welcher sich auf einen Gesamtwert in Höhe von rund 40 Milliarden US-Dollar belief. In Verbindung mit der Ausgabe neuer Aktien, welche von steigenden Kursen aufgrund aufkeimender Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme durch Pfizer profitierten, sorgte diese Veräußerung für eine schnelle Linderung der Schuldenlast und zu einem Rückgang der Rückzahlungsbelastungen. Der Verkauf der Generika-Abteilung führte allerdings ebenfalls zum Verlust einiger wichtiger Exklusivprodukte, was sich in der Folge auch bei Umsatz und Gewinnen bemerkbar machte und an der Börse zu rückgängigen Bewertungen führte. Die neue drohende Konkurrenz durch Evolus trug ebenfalls dazu bei, dass der Aktienkurs in den letzten Monaten unter Druck geriet. Positiv bewerten könnte man in Zusammenhang mit dem Teva-Geschäft jedoch die deutliche Reduktion der Verbindlichkeiten, welche auf rund 25 Milliarden US-Dollar gesenkt werden konnten und Allergan erhebliche Zins- und Tilgungskosten einsparen. Die für das Jahr 2018 veranschlagten Zinskosten belaufen sich auf circa 900 Millionen US-Dollar, zwei Jahre zuvor lagen diese noch 1,3 Milliarden US-Dollar. Das Auslaufen einiger wichtiger Patente will Allergan durch Neuzulassungen auffangen. Geplant sind in diesem Zusammenhang die Anmeldungen von „Ubrogepant“, welches zur Behandlung akuter Migränefälle zum Einsatz kommen soll, sowie „Abicipar“, dessen Ziel in der Behandlung altersbedingter Makula-Degeneration liegt. Darüber hinaus soll das Medikament „Vraylar“, das derzeit der Therapie von Schizophrenie dient, auch zum Einsatz in Verbindung mit schweren Depressionen zugelassen werden. Im Erfolgsfall der Zulassungen geht Allergan derzeit von einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum in Höhe von 5 Prozent bis zum Jahr 2022 aus. Anleger sollten diese Zulassungsverfahren zunächst abwarten und gegebenenfalls auch die Markteinführungsphasen der neuen Therapeutika beobachten, um besser einschätzen zu können, ob diese ambitionierte Zielsetzung tatsächlich praktikabel sein könnte.

Evolus blickt auf eine vergleichsweise junge Unternehmensgeschichte zurück. Das Unternehmen mit Hauptsitz im kalifornischen Newport Beach wurde erst 2012 gegründet und beschäftigt derzeit circa 75 Mitarbeiter, wobei für den Vertrieb von Jeuveau eigens rund 150 Vertriebsmitarbeiter akquiriert werden sollen. Der bevorstehende Markteintritt mit Jeuveau dürfte für Investoren interessant zu beobachten sein. Die letzten Ergebnisse der klinischen Studien (Phase 3), welche 2.100 Testpersonen in Nordamerika und Europa umfassten, zeigten bessere Wirkungseffekte und höhere Zufriedenheit der Testpersonen im Vergleich zu Botox, die Kosten für das Neurotoxin könnten zudem geringer ausfallen als beim Konkurrenten Allergan. Die Unternehmensführung plant derzeit eine Marketingkampagne zur Markteinführung des Produktes. Infolgedessen rechnet man aufgrund von Probebehandlungen und Sonderangeboten mit verminderten Umsätzen für die ersten Quartale nach dem Start des Mittels. Nach dem derzeitigen Plan sollen sich im vierten Quartal 2019 dann erstmals Umsatzeffekte zeigen, das volle Marktpotenzial soll sich dann nach 12 bis 18 Monaten abschätzen lassen. Insbesondere diese beiden Entwicklungen werden für Anleger in nächster Zeit von Interesse sein. Zudem sollte darauf geachtet werden, wie profitabel Evolus den Vertrieb gestalten kann, bezüglich des Absatzes der ersten Eigenentwicklung könnten für Evolus noch Lernkurveneffekte eine Rolle spielen. Bei der Finanzierung des Marktstarts setzt das Management auf eine Kombination von Eigen- und Fremdkapital. Kürzlich gab man die Aufnahme eines Darlehens über 100 Millionen US-Dollar von „Oxford Finance LLC“ bekannt. Diese hat eine Laufzeit bis zum Jahr 2024 und stellt Evolus sofort 75 Millionen US-Dollar zur Verfügung, mit einer Option auf die Auszahlung weiterer 25 Millionen US-Dollar zu bestimmten Zeitpunkten. Zudem muss Evolus bis zum Jahr 2022 lediglich Zinszahlungen, jedoch keine Tilgungsraten leisten. Darüber hinaus wird Evolus 15,7 Millionen neue Aktien ausgeben, die Einnahmen aus dieser Ausgabe werden jedoch an die frühen Investoren des Unternehmens weitergeleitet, um Verbindlichkeiten abzubauen. Die Aktienkursentwicklung könnte im Falle von Evolus in den kommenden Quartalen eng mit der Marktentwicklung für Jeuveau verbunden sein. Das Potenzial ist gegeben. Sofern sich Jeuveau einen 20-prozentigen Marktanteil erarbeiten könnte, was durch die Test-Performance des Produktes und die Preisvorteile im Bereich des Möglichen anzusiedeln ist, könnten die Umsätze bis zum Jahr 2022 auf jährlich etwa 550 Millionen US-Dollar ansteigen. Die Marktentwicklung des neuen Produktes sollten Anleger hierzu kurz- bis mittelfristig jedoch genau im Blick behalten.


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