Analyse Aktien Autohersteller China

Chinesische Automobilproduzenten unter Druck?

Ein Beitrag von tzimmer 14 14.01 - 20:21

Im Rahmen ihrer Reformen lockerte die chinesische Regierung im vergangenen Jahr den seit Jahrzehnten im Automobilsektor für ausländische Unternehmen bestehenden Zwang zur Kollaboration mit einheimischen Herstellern. Diese Marktöffnung, aber auch wirtschaftliche Einflussfaktoren auf die chinesischen Konsumenten, könnte in den kommenden Jahren zu einer Herausforderung für die Automobilindustrie Chinas werden.
 
BYD Company Ltd
 
 
Geely Automobile Holdings Ltd
 

Mitte des Jahres 2018 lockerte die chinesische Regierung ihre Bestimmungen für den Automobilmarkt innerhalb der Volksrepublik. Waren Automobilhersteller bisher auf Kooperationen mit einheimischen Produzenten angewiesen, so können Produzenten von Elektroautos bereits seit April vergangenen Jahres ohne Joint Ventures auf dem Markt agieren. Für Nutzfahrzeugproduzenten soll dieser Zwang im Jahr 2020 ausgesetzt werden, Hersteller regulärer PKWs könnten laut Plan ab 2022 frei operieren. Als weiterhin wichtigster Zukunftsmarkt der Automobilindustrie dürfte diese Politikänderung das Interesse der internationalen Automobilproduzenten erregen. Gleichzeitig erhöht die Regierung somit auch den Innovations- und Erfolgsdruck auf die einheimischen Unternehmen. Diese scheinen in der jüngeren Vergangenheit bezüglich ihrer Forschungs- und Entwicklungsbemühungen auf einem guten Weg zu sein. Laut einer Studie des „Centers of Automotive Management“ und PwC entfielen 18 Prozent der Innovationen innerhalb der Automobilbranche auf chinesische Hersteller. In der globalen Rangliste bedeutete dies den zweiten Platz hinter Deutschland (32%). Auffällig ist jedoch der Umstand, dass die chinesischen Unternehmen ihren Anteil seit 2015 verdoppeln konnten. Insbesondere im Bereich der Elektrofahrzeuge zeigte sich die chinesische Industrie präsent, bereits 66 vollelektrische Fahrzeuge wurden im Jahr 2017 produziert. Dennoch standen die Aktienwerte der chinesischen Automobilbauer in den vergangenen Monaten unter Druck. Der schwelende Handelsstreit mit den USA und die daraus resultierende Unsicherheit der chinesischen Konsumenten bremsten den Automobilabsatz im vergangenen Jahr ein. Zum Rückgang des Absatzes trugen aber auch weitere Faktoren bei, beispielsweise allgemein steigende Lebensunterhaltungskosten, angetrieben von stark steigenden Mieten in den Städten. Vor diesem Hintergrund wird es für die einheimischen Automobilproduzenten wichtiger denn je sein, der ausländischen Konkurrenz technologisch die Stirn bieten zu können, um sich auf dem umkämpften Markt behaupten zu können.

BYD Company Ltd (CNE100000296)











Mit 1,2 Millionen produzierten Fahrzeugen handelt es sich bei der Automobilsparte des Konzerns Build Your Dreams um den sechstgrößten Autoproduzenten des Landes. Internationale Aufmerksamkeit erhielt das Unternehmen bereits im Jahr 2008, als Warren Buffet Anteile an BYD erwarb. Sitz des Unternehmens ist die Stadt Shenzhen, in der sich in der vergangenen Dekade ein Zentrum für Antriebstechnologien gebildet hat, welchem insbesondere bezüglich Akkutechnologien eine hohe Kompetenz attestiert wird. Verbindungen nach Deutschland bestehen durch ein gemeinsam mit Daimler betriebenes Joint Venture, das unter der Markenbezeichnung „Denza“ Fahrzeuge vertreibt. Hinsichtlich der Produktion von Elektroautos besitzt BYD den Vorteil, als integrierter Mischkonzern auf ein umfangreiches Know-How aus der eigenen Energiespeicherproduktion zurückgreifen zu können. Infolgedessen kann BYD sowohl den Motor, als auch die Batterietechnik und Steuerungskomponenten selbst produzieren und könnte zukünftig auch die Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge bereitstellen. Derzeit besitzt das Unternehmen noch eine hohe Fokussierung auf die heimischen Märkte. So entfallen 90 Prozent der Umsätze auf den chinesischen und 98 Prozent auf den asiatischen Raum. Während chinesische Automobile auf den internationalen Märkten, vor allem in Europa und den USA, noch kaum eine Rolle spielen, sieht dies bei Nutzfahrzeugen anders aus. BYD könnten sich vor allem aufgrund seiner Elektrobusse Potenziale bieten. In den letzten Monaten konnten in diesem Zusammenhang Erfolgsmeldungen verzeichnet werden. Anfang Dezember wurden im neuen französischen Werk die ersten beiden Fahrzeuge fertiggestellt und dem Kunden übergeben. Bestellungen über Busse konnten in den vergangenen Monaten vor allem aus Skandinavien verbucht werden, laut eigenen Angaben konnten 2018 mehr als 100 Bestellungen angenommen werden. Insgesamt beliefe sich die Zahl der in Europa abgesetzten Einheiten auf mittlerweile mehr als 600 Fahrzeuge. Darüber hinaus sollen im März 15 Busse als Pilotprojekt in den Fuhrpark von Sao Paulo aufgenommen werden und in Indien erhielt das Gemeinschaftsunternehmen „Olectra-BYD“ einen Auftrag über die Produktion von 500 E-Bussen. Insbesondere aufgrund der von der chinesischen Regierung im vergangenen Jahr angekündigten Subventionspolitik für Elektroautos aus einheimischer Produktion könnte die hohe Kompetenz in Bezug auf Elektroantriebe für BYD eine wichtige Rolle spielen. Der gute Mix aus PKWs und Nutzfahrzeugen im elektrischen Segment könnte für das Unternehmen hinsichtlich von Verteidigung und Ausbau der eigenen Marktanteile in den kommenden Jahren noch wertvoll sein.

Geely Automobile Holdings Ltd (KYG3777B1032)











Auch Geely gehörte zum Kreis der Unternehmen, deren Börsenbewertung im vergangenen Jahr beträchtlich gesunken ist. Analog zu BYD gibt es aber auch hier Nachrichten, die Anlegern Hoffnung auf eine zukünftige Erholung des Aktienkurses machen könnten. Geely gelangte vor allem durch seine Investitionen außerhalb Chinas zu Bekanntheit. So befindet sich der Konzern seit 2010 in Besitz des schwedischen Autobauers Volvo, zählt darüber hinaus aber auch weitere Marken wie den britischen Sportwagenproduzenten Lotus oder das malaysische Unternehmen Proton zu seinem Beteiligungsportfolio. Kürzlich bestätigte die BaFin die Rechtmäßigkeit des Erwerbs von 9,7 Prozent der Daimler-Aktien durch Geely, wodurch das Unternehmen zu einem Großaktionär des deutschen Konzerns wurde. Trotz des schwächelnden heimischen Marktes konnten die Zahlen für das Jahr 2018 größtenteils überzeugen. In den Monaten bis einschließlich Oktober konnte Geely 1,27 Millionen Autos verkaufen, wodurch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 33 Prozent entstand. Wichtiger noch als die reinen Absatzzahlen war die hohe Profitabilität des Unternehmens. Bei einem durchschnittlichen Fahrzeugpreis von umgerechnet etwa 9.500 Euro konnte Geely eine Gewinnmarge in Höhe von 14,4 Prozent verzeichnen. Im Bereich der Batterietechnik gründete man kurz vor Weihnachten mit dem Batteriezellenproduzenten „Contemporary Amperex Technology“ ein Joint Venture namens „CATL Geely Power Battery“, welches von den beiden Partnern mit einem Grundkapital von rund 130 Millionen Euro ausgestattet wurde. Bis zum Jahr 2020 möchte Geely laut aktueller Planung insgesamt 40 teil- und vollelektrische Fahrzeuge veröffentlichen. Das neu gegründete Joint Venture soll hierfür Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten sowie die Produktion und den Vertrieb von Batteriezellen und -paketen übernehmen. In Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz arbeitet Geely derzeit aber auch an weiteren Mobilitätskonzepten. Ziel der Bemühungen ist die Etablierung einer Luxus-Fahrtenvermittlung. Auch in diesem Zusammenhang soll die Gründung eines gemeinsamen Tochterunternehmens erfolgen. Zunächst soll der Service auf Mercedes-Benz-Fahrzeugen basieren, zukünftig ist dann auch der Einsatz von Geely-Modellen möglich. Die hohe Profitabilität und die erfolgreichen Auslandsbeteiligungen könnte man derzeit als die größten Stärken des Geely-Konzerns bezeichnen. Investoren sollten insbesondere die technologische Entwicklung der elektronischen Antriebskonzepte verfolgen, da diese Konzepte bereits heute eine zentrale Rolle in den Unternehmensplänen für die nahe Zukunft spielen und sich hier durch die intensivierten Entwicklungsbemühungen noch weitere Potenziale ergeben könnten.


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