Analyse Aktien Autonomes Fahren

Autonomes Fahren – Chance für neue Zulieferer?

Ein Beitrag von tzimmer 3 21.03 - 21:11

Die zunehmende Veränderung der Mobilitätskonzepte eröffnet Markteintrittsmöglichkeiten für Unternehmen, die bisher nicht im Automobilsektor aktiv waren. Insbesondere auch das Autonome Fahren zieht unterschiedliche Technologieunternehmen an. Welche dieser Konzerne könnten für ein Investment interessant sein?
 
Infineon Technologies AG
 
 
Intel Corp
 

Das Autonome Fahren gehört zu einem der wichtigsten Trendthemen im Bereich der Automobilindustrie. Bereits seit einigen Jahren unterstützen Systeme wie automatische Abstandshaltesysteme oder Spurwechselassistenten die Fahrer moderner Fahrzeuge im Alltag. Auf Autobahnen können manche Oberklassefahrzeuge mittlerweile auch teilautonom fahren. Dies lässt erahnen, dass die Technologie zum vollautonomen Fahren in mittelfristiger Zukunft die Serienreife erreichen könnte. PwC prognostiziert in einer im Jahr 2016 veröffentlichten Studie zum Thema Mobilität, dass im Zeitraum zwischen den Jahren 2025 bis 2030 bereits vollautonomes Fahren auf Autobahnen möglich sein wird. Für die Automobilbranche und Anleger könnte sich hieraus ein profitables Geschäft entwickeln, das prognostizierte Marktpotenzial dieses Technologiesektors wird bis zum Jahr 2021 auf fast 40 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ein solches Marktwachstum sowie der Bedarf an neuen Technologien zieht zunehmend auch Unternehmen in die Automobilsparte, die zuvor nicht als Zuliefererbetriebe in diesem Bereich operierten. Beispiele wie das israelische Unternehmen Mobileye zeigen dabei, dass sich durch die Assistenzsysteme in Automobilen bereits heute Gewinne erzielen lassen, trotz durchaus berechtigter Skepsis hinsichtlich rechtlicher, ethischer und sicherheitsrelevanter Bedenken. Mobileye konnte beispielsweise im Geschäftsjahr 2016 seinen Umsatz um 50 Prozent, seinen Gewinn gar um 57 Prozent steigern. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es noch weitere vielversprechende Unternehmen gibt, welche bisher nicht mit dem Automobilmarkt assoziiert werden, im Zusammenhang mit dem Autonomen Fahren aber potenziell bedeutende Zulieferer der Industrie werden könnten.

Ein erster Kandidat wäre hier das deutsche DAX-Unternehmen Infineon Technologies AG (DE0006231004). 1999 aus der Abspaltung des Halbleitergeschäfts aus der Siemens AG hervorgegangen, beschäftigt die Gesellschaft momentan rund 36.000 Arbeitnehmer. Die Halbleitersysteme des Unternehmens kommen unter anderem in den Bereichen der Mobilitäts- und Sicherheitssysteme zum Einsatz, was sie auch in Verbindung mit moderner Fahrzeugtechnik interessant macht. Infineon befindet sich bereits seit einigen Jahren auf einem Wachstumskurs und auch für das abgelaufene Geschäftsjahr konnten die Zahlen überzeugen. 



Der Konzernumsatz stieg dabei auf 6,473 Milliarden Euro, die vier Unternehmensbereiche Automotive, Industrial Power Control, Power Management und Chip Card & Security verzeichneten hierbei allesamt ein Umsatzplus. Das Umsatzwachstum des Konzerns betrug knapp 8 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Reinhard Ploss kündigte für die Zukunft an, dass sich sein Unternehmen stärker auf das Thema Autonomes Fahren konzentrieren wird. Diesen Aussagen folgend tätigte Infineon im vergangenen Jahr eine Reihe von Akquisitionen. Unter anderem erwarb man auch das niederländische Unternehmen Innoluce, welches besondere Expertise im Zusammenhang mit Lidarsystemen besitzt. Lidar ist die englische Abkürzung für „Light detection and ranging“, eine Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Diese Systeme sind für autonom fahrende Fahrzeuge von großer Bedeutung, allerdings werden sie erst durch die Kombination mit Halbleitersystemen kompakt genug, um sie sinnvoll in die Automobile integrieren zu können. Diese Übernahme macht Infineon im Zusammenhang mit Autonomem Fahren besonders interessant, da das Unternehmen nun in den drei wichtigsten Technikkomponenten der Fahrzeuge, Lidar, Radar und Kameratechnik, über ausgeprägtes Know-How verfügt. Ein weiteres Plus könnte sein, dass sich Infineon auf elementare Systembestandteile konzentriert, wodurch man die Konkurrenz großer Mitbewerber wie Intel oder Nvidia vermeidet, welche sich vor allem auf Anwendungen künstlicher Intelligenz in den Fahrzeugen fokussieren. Auf diese Weise könnte sich Infineon eine eigene Marktnische im Zulieferersegment erschaffen. Im Zusammenhang mit einem Investment könnte allerdings problematisch sein, dass der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) für das kommende Jahr lediglich ein Marktwachstum des Halbleitermarkts von 3,3 Prozent prophezeit. Es erscheint zumindest fraglich, ob Infineon sich abermals gegen den Markttrend stellen kann und das letztjährige Wachstum halten kann.

Ein weiteres Unternehmen von Interesse ist der amerikanische Halbleiter- und Chipproduzent Intel Corp (US4581401001). Das 1968 mit Sitz im kalifornischen Santa Clara gegründete Unternehmen beschäftigt mittlerweile weltweit mehr als 100.000 Menschen und erwirtschaftete 2016 einen Gesamtumsatz von knapp 60 Milliarden US-Dollar. Kürzlich sorgte Intel durch die Übernahme von Mobileye für 15,3 Milliarden US-Dollar für Aufsehen. 



Mobileye ist ein israelischer Hersteller von Kamera- und Steuersystemen, welche insbesondere im Zusammenhang mit Autonomem Fahren zum Einsatz kommen. Dieses große Investment könnte als Zeichen interpretiert werden, dass Intel in Zukunft einen noch stärkeren Fokus auf die Belieferung des Automobilsektors legen möchte. Intel und Mobileye hatten dabei bereits zuvor in einem Joint-Venture mit BMW zusammengearbeitet. Ziel dieser Zusammenarbeit ist die Veröffentlichung eines autonom fahrenden Automobils bis zum Jahr 2021. Intel zeichnet sich im Rahmen dieses Projektes für die Rechenleistung verantwortlich, Mobileye stellt die Technologie zur Umgebungserfassung zur Verfügung. Im Rahmen dieses Joint-Ventures sollen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 40 Versuchsfahrzeuge auf die Straße gebracht werden. Eine große Stärke des Unternehmens liegt in der Leistungsstärke seiner Chips. Die aktuelle Generation der in den Fahrzeugen verbauten Chips soll dabei eine Rechenleistung von 20 Teraflops erreichen, in der nahen Zukunft soll eine Erhöhung auf das Zwei- bis Dreifache möglich sein. Diese Leistungsdaten liegen teils deutlich über den Werten der direkten Konkurrenten. Gerade im Vergleich zu Infineon fällt im Falle von Intel allerdings negativ ins Gewicht, dass Intel im Bereich der Lidarsysteme momentan noch auf externe Lieferanten angewiesen ist. Diese Lücke im Produktionsportfolio konnte auch durch die Mobileye-Übernahme nicht geschlossen werden.

Letztlich stellt sich hinsichtlich eines Investments auch die Frage, ob man die ungeteilt große Euphorie der Autoindustrie in Gänze teilen sollte, denn noch gibt es einige ernstzunehmende Probleme und Grenzen, die die endgültige Markteinführung der Technologien behindern könnten (und nicht technologischer Natur sind). Dazu zählen unter anderem rechtliche Fragen, ethische Bedenken und Probleme hinsichtlich der Haftung in Unfallsituationen. Alle diese Punkte liegen außerhalb des Einflussbereiches der Unternehmen und könnten den technologischen Fortschritt somit ein Stück weit verlangsamen. Ein Investment in Infineon und Intel könnte aber auch unabhängig von der Situation des Autonomen Fahrens Sinn machen. Beide Unternehmen sind breit aufgestellt und könnten durch ihre frühzeitige Positionierung in wichtigen Zukunftsmärkten, wie dem autonomen Fahren, auch zukünftig eine positive Entwicklung nehmen.


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