Analyse Aktien Autonomes Fahren

Autonomes Fahren: Die Weiterentwicklung schreitet voran!

Ein Beitrag von tzimmer 13 10.07 - 15:38

Die Weiterentwicklung der Technologie zum Autonomen Fahren macht weiter große Fortschritte, kürzlich vermeldete die Alphabet-Tochter Waymo die Aufnahme des Testbetriebs einer vollkommen autonom agierenden Fahrzeugflotte. Auch andere Wirtschaftssektoren wie die Halbleiterproduzenten arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung ihrer Systeme. Ein Blick auf zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle bezüglich der autonomen Mobilität könnte auch für Anleger interessant sein.
 
STMicroelectronics NV
 
 
Alphabet Rg-A
 

Autonomes Fahren stellt für viele Branchen eine der wichtigsten Evolutionen der vergangenen Dekaden dar, beispielsweise für die Automobilhersteller selbst, aber auch für Sensorik- oder Halbleiterproduzenten. Darüber hinaus spielt das Autonome Fahren auch im Zusammenhang mit Themenfeldern wie der „Sharing Economy“ eine Rolle, das Auto soll laut dieser Idee zukünftig vermehrt als Dienstleistung in Anspruch genommen werden und nicht mehr zwingend als privater Besitzgegenstand. Durch die Bedeutung über viele Wirtschaftszweige hinweg und das transformative Potenzial für diverse Lebensbereiche fällt auch das wirtschaftliche Potenzial der autonomen Fortbewegung entsprechend hoch aus. Die Marktforschungsgesellschaft „IHS Markit“ schätzt den globalen Absatz im Jahr 2040 auf bis zu 33 Millionen autonome Fahrzeuge. Viele der etablierten Automobilhersteller führen bereits seit einigen Jahren sukzessive autonom agierende Assistenzsysteme ein und automatisieren hierdurch eine stetig wachsende Zahl an Verkehrssituationen und Fahrmanövern. Im Gegensatz hierzu interpretieren amerikanische Unternehmen wie Alphabet oder Uber die Zukunft des Automobils als Dienstleistung. Während das Autonome Fahren für Alphabet eine Erweiterung seiner vielfältigen Aktivitätsfelder darstellen würde, gibt es insbesondere im Zulieferermarkt auch Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit zukünftig stärker auf die neuen Bedürfnisse der Automobilbranche ausrichten wollen. Der Halbleiterproduzent STMicroelectronics könnte in diese Kategorie eingeordnet werden. Für Anleger könnten beide Unternehmen durchaus eine eingehendere Analyse wert sein.

Alphabet Rg-A (US02079K3059)

Gerüchte, Berichte und Veröffentlichungen zum Google-Projekt für selbstfahrende Autos erreichen die Öffentlichkeit bereits seit mehreren Jahren. 2011 wurde Alphabet in den USA ein Patent für ein autonom fahrendes System erteilt, schon ein Jahr später startete der Testbetrieb auf öffentlichen Straßen. Ende des Jahres 2016 verlagerte man die Aktivitäten zum Autonomen Fahren in die Tochtergesellschaft Waymo aus. Nachdem bis im vergangenen Jahr noch die selbstproduzierten „Google Cars“ zu Testzwecken im Einsatz waren, ist Waymo mittlerweile eine Kooperation mit Chrysler eingegangen und benutzt seither das Modell „Pacifica“ als Basisfahrzeug zur Weiterentwicklung der Technologie. Die Flotte umfasst 600 modifizierte Fahrzeuge, seit der Einführung der Minivans bieten die Testfahrzeuge nun auch ausreichend Platz für Passagiere. Zu Beginn des Jahres führte dieser Umstand dazu, dass Waymo einen weiteren wichtigen Schritt hin zur Serienreife des Systems absolvieren konnte. Ein Pilotprojekt in Phoenix, Arizona erlaubt es ausgewählten Nutzern bereits seit April 2017, über eine App ein autonom fahrendes Fahrzeug anzufordern und mit diesem Strecken innerhalb bestimmter Stadtteile zurückzulegen. Bis März dieses Jahres musste dabei jedoch permanent ein Fahrer am Steuer der Wagen sitzen. Nun operieren die Fahrzeuge komplett autonom. Dieses Testprogramm wurde im März auch in Atlanta, Georgia aufgenommen. Bereits Anfang des Jahres stellte der Fiat Chrysler-Konzern seine Bereitschaft zur Ausweitung der Kooperation in Aussicht. Das Unternehmen wolle in naher Zukunft mehrere Tausend Fahrzeuge zur Verfügung stellen, gegen Ende dieses Jahres soll die Produktion von Fahrzeugen beginnen, welche für die Ausrüstung mit der Waymo-Soft- und -hardware optimiert werden. Auf diese Weise soll eine zügige Erweiterung der Testflotte ermöglicht werden. Dieses Joint Venture nimmt das zukünftig geplante Waymo-Geschäftsmodell womöglich vorweg. Ziel könnte der Betrieb eines Fahrtendienstes mit autonomen Taxen sein, ähnlich der Form, in der es jetzt bereits im Testbetrieb zu beobachten ist. Denkbar wäre auch ein Modell, in dem Waymo rein als Taxivermittler aktiv wäre. Und während man den Bau eigener Automobile ausschließt, schließt die Unternehmensführung in Zukunft die Verwendung weiterer Automarken und -modelle nicht aus, wodurch Waymo auch als Zulieferer der Automobilindustrie potenziell in Frage käme.

STMicroelectronics NV (NL0000226223)

Einen durch das Autonome Fahren ebenfalls stark betroffenen Industriesektor stellt der Zulieferermarkt für Automobilhersteller dar. In diesem Zusammenhang ist das europäische Unternehmen STMicroelectronics zu nennen. Bei dem im Jahr 1987 gegründeten Unternehmen handelt es sich um einen Halbleiterproduzenten mit Sitz in Amsterdam und Verwaltungssitz in Genf. Derzeit beträgt der Anteil der Automotive-Sparte am Konzernabsatz etwa 30 Prozent. Im Bereich des Autonomen Fahrens konzentriert sich STMicroelectronics auf die Produktion von Chips für diverse Zulieferer der Automobilbranche. Hervorzuheben ist in dieser Hinsicht die Kooperation des Unternehmens mit der israelischen Gesellschaft MobilEye, welche ihrerseits als einer der wichtigsten Innovationstreiber bezüglich der Entwicklung von Systemkomponenten für autonome Fahrzeuge gilt. Gemeinsam entwickelt man derzeit die fünfte Generation des System-on-Chips „EyeQ“, welcher die Daten der einzelnen Sensorsysteme zusammenführt und verarbeitet. „EyeQ5“ soll dabei die Leistungsfähigkeit der vierten Generation um das Achtfache erhöhen. Bis zum Jahr 2020 soll der Chip die Serienreife erlangt haben. Da STMicroelectronics entscheidend an der Entwicklung des Systems beteiligt ist, auch hinsichtlich von sicherheitsrelevanten Komponenten der Chips, könnte man sich im Falle der Markteinführung gut im Zuliefermarkt etablieren. EyeQ5 ist ein zentraler Bestandteil der autonomen Systeme und die MobilEye-Komponenten werden von einer Reihe bedeutender Automobilproduzenten verbaut, darunter BMW, der GM-Konzern oder auch Hyundai. Auch außerhalb dieser Kooperation arbeitet STMicroelectronics an einer Erweiterung und Verbesserung der aktuellen Produktpalette. . Ende des Jahres 2017 vermeldete man die Übernahme des schwedischen Unternehmens „Atollic“, welches auf Werkzeuge zur Software-Entwicklung spezialisiert ist. Ziel dieser Übernahme ist es, die Entwicklungsumgebung „True Studio“ noch besser auf die 32-Bit-Mikrocontroller-Prozessoren aus der eigenen Produktion anzupassen, um so zukünftig eine vollintegrierte Softwarelösung zur Anwendungserstellung anbieten zu können. Diese Prozessoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eingebetteter Systeme und STMicroelectronics erhofft sich durch das kostenlose Angebot der optimierten Entwicklungsumgebung zukünftig eine größere Bedeutung der hauseigenen STM32-Mikrocontroller durch eine verstärkte Applikationsentwicklung im Zusammenhang mit den Prozessoren, wodurch zukünftig die Nachfrage nach diesen steigen könnte. Potenziell könnte STMicroelectronics von unterschiedlichen Trends im Automotive-Sektor profitieren. Auch die zunehmende Verbreitung von E-Fahrzeugen sowie das Thema “Vernetzung von Fahrzeugen“ lässt den Bedarf an Halbleitern im Automobilbau steigen. Dies könnte zu einer Diversifizierung der Einnahmequellen führen und das Unternehmen weniger abhängig vom Erfolg der Systeme für das Autonome Fahren werden lassen. Bei Komponenten für E-Fahrzeuge befindet sich STMicroelectronics seit 2003 am Markt, die Positionierung des Unternehmens wird auch hier branchenintern als solide eingeschätzt.


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