Analyse Aktien Autonomes Fahren

Autonomes Fahren: Entwicklungen in Richtung Serienreife

Ein Beitrag von tzimmer 14 06.05 - 11:06

Im Mobilitätsbereich gilt das Autonome Fahren als eine der wichtigsten Entwicklungen der kommenden Jahre. Hoffnungen auf einen Rückgang der Unfallrate oder eine effizientere Verkehrsauslastung befeuern das Interesse an diesem Themengebiet. Ein Blick auf Unternehmen, die im Bereich des autonomen Fahrens bereits in der Vergangenheit medial auf sich aufmerksam gemacht haben, soll zeigen, welche Fortschritte in den vergangenen Monaten erzielt werden konnten.
 
Tesla Motors Inc
 
 
Baidu Inc
 
 
Alphabet Rg-A
 

Das Themengebiet Autonomes Fahren stellt nach wie vor eine der bedeutendsten Entwicklungen dar, die unser Mobilitätsverhalten künftig maßgeblich beeinflussen könnte. Neben den etablierten Automobilherstellern, die mittlerweile intensiv und flächendeckend an Technologien zum autonomen Fahren forschen und entwickeln, könnte dieses neue Segment auch Unternehmen den Einstieg in den Mobilitätsmarkt erleichtern, ohne dass diese zwangsläufig selbst Fahrzeuge produzieren müssten. Das Marktpotenzial des autonomen Fahrens scheint diese Bemühungen lohnend erscheinen zu lassen. So taxiert die Strategieberatungsgesellschaft Berylls das Marktvolumen für die Technologien des autonomen Fahrens bis zum Jahr 2030 auf 13 Milliarden US-Dollar, allein für den amerikanischen Markt. Gleichzeitig sollen die Kosten im gleichen Zeitraum durch technologische Fortschritte und Skaleneffekte um bis zu 90 Prozent zurückgehen. Für die USA wird zudem prognostiziert, dass im Jahr 2030 jedes zehnte Privatfahrzeug über Ausstattungsmerkmale verfügen soll, die ein autonomes Fahren ermöglichen. Neben Gewinnpotenzialen für Privatunternehmen könnten sich durch eine flächendeckende Einführung autonomer Fahrzeuge aber auch volkswirtschaftlich betrachtet positive Effekte ergeben. Der Deutsche Industrie- und Handelstag bezifferte die möglichen Einsparungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene innerhalb Deutschlands auf mehr als 8 Milliarden Euro jährlich, ebenfalls ab dem Jahr 2030. Das Hauptpotenzial sieht man vor allem in Kosteneinsparungen durch eine höhere Sicherheit der autonom operierenden Fahrzeuge. Man erhofft sich in diesem Zusammenhang eine Reduktion der Todesfälle im Straßenverkehr um bis zu 10 Prozent. Des Weiteren könnte die effizientere Routenplanung autonomer Fahrzeuge auch das Auftreten von Staus reduzieren, hier beziffert man die Zielsetzung auf einen Rückgang um 20 Prozent auf Autobahnen sowie etwa 15 Prozent auf den weiteren Verkehrswegen. Dieser Umstand könnte auch den Kraftstoffverbrauch der Verkehrsteilnehmer bedeutend senken. Vor dem Hintergrund dieser Informationen könnte ein aktueller Blick auf die Entwicklungsbemühungen innerhalb dieses Marktsegmentes lohnend sein. Insbesondere soll im Folgenden auf Unternehmen geblickt werden, die nicht zu den etablierten Automobilproduzenten zählen.

Zur Evolution und Diversifizierung seines aktuellen Geschäftsmodells entwickelt auch der amerikanische Fahrtenvermittler Uber intensiv an eigenen Lösungen auf dem Gebiet des autonomen Fahrens. Im März 2018 war das Uber-Programm nach einem tödlichen Unfall mit einer Fußgängerin im Rahmen einer Testfahrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Deaktivierung des Notbremssystems sowie die Unachtsamkeit der Testfahrerin wurden als Ursachen für den Unfall identifiziert, bevor Uber das Testprogramm im Juli 2018 wieder fortsetzte, wobei die Fahrzeuge nach der Wiederaufnahme unter permanenter manueller Kontrolle stehen mussten. Zudem lässt sich das Notbremssystem seitdem nicht mehr deaktivieren. Zu Beginn dieses Jahres wurde Uber aus strafrechtlicher Sicht im Zusammenhang mit dem Unfall freigesprochen. Der Fahrerin des Testfahrzeugs könnte jedoch ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung drohen, da sie derzeit unter dem Verdacht steht, ihre Aufsichtspflichten in Verbindung mit dem Test vernachlässigt zu haben. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft bedeutet für Uber, wohl aber auch für den kompletten Testbetrieb autonom fahrender Fahrzeuge, eine Beseitigung rechtlicher und finanzieller Unsicherheiten, die seit des Unfallzeitpunkts bestanden. Kürzlich berichtete das „Wall Street Journal“, dass Uber vor Abschluss eines Investitionsgeschäfts über eine Gesamtsumme in Höhe von einer Milliarde US-Dollar stünde. Zu den bekanntesten Unternehmen aus dem Konsortium, welches das Finanzpaket zur Verfügung stellen würde, zählen die Softbank Group sowie der japanische Automobilkonzern Toyota. Die Investition soll vollständig in die Unternehmenssparte „Advanced Technologies Group“ fließen, im Rahmen derer Uber die autonomen Fahrzeuge entwickelt. Die Bedeutung, die das Uber-Management seiner Entwicklungsarbeit einräumt, lässt sich anhand der Investitionssummen ablesen. Im Jahr 2018 lag die Gesamtinvestitionssumme hier beispielsweise bei circa 450 Millionen US-Dollar. Die Partnerschaft zu Softbank und Toyota könnte sich in den kommenden Jahren noch als wertvoll erweisen. Softbank ist derzeit bereits Hauptaktionär bei Uber und verfolgt global eine Strategie, mit deren Hilfe man sich als Mobilitätsdienstleister etablieren möchte. Durch Investitionen in Fahrdienstvermittler wie Uber oder den chinesischen Anbieter „Didi Chuxing“ soll dieser Einstieg gelingen. Uber könnte durch diese Kooperation auch künftig Investitionen und Finanzierungen generieren, welche angesichts der hohen Investitionen und des nach wie vor vorhandenen operativen Verlusts (2018 betrug dieser immer noch 370 Millionen US-Dollar) durchaus benötigt werden könnten, zumal es neben der technischen Entwicklung auch Einflussfaktoren wie die Gesetzgebung gibt, welche die Marktreife des autonomen Services verzögern könnten. Toyota könnte aufgrund seines technischen Knowhows und als Partner bei der Etablierung einer autonomen Fahrzeugflotte noch eine wichtige Rolle einnehmen. Darüber hinaus gab Uber vor kurzem jedoch auch die Bestellung von etwa 24.000 Fahrzeugen beim schwedischen Automobilhersteller Volvo bekannt. Gleichzeitig planen sowohl Volvo als auch Toyota in den kommenden Jahren die Markteinführung autonomer Fahrzeuge auf Basis der Uber-Technologie. Hierdurch erscheint der Schritt hin zum Technologieanbieter plötzlich möglich. Vor allem im Falle anhaltender Profitabilitätsprobleme im Kerngeschäft könnte dies für Uber künftig eine willkommene Erweiterung der eigenen Geschäftsstrategie darstellen. Für Anleger mit Interesse am Themengebiet Autonomes Fahren könnte Uber nach erfolgtem Börsengang durchaus einen Blick wert sein.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)

Tesla verbaut bereits seit dem Jahr 2016 optionsweise Sensorik und Hardware in Fahrzeugen, welche ultimativ das autonome Fahren ermöglichen sollen. Durch Updates des Fahrassistenzsystems „Autopilot“ wurden die Möglichkeiten hinsichtlich autonomen Fahrens in den vergangenen Jahren stetig erweitert. Bis 2020 sollen die Tesla-Fahrzeuge laut Elon Musk vollständig autonom fahren können. Ende vergangenen Jahres kündigte Musk ein Update des Systems an, im Rahmen dessen der Funktionsumfang auch auf das Erkennen von Ampeln, Haltestellen und Kreisverkehren ausgeweitet werden sollte. Um den Weg in Richtung des vollautonomen Fahrens weitergehen zu können, wurde kürzlich eine neue Hardware-Generation angekündigt. Ein neuer K.I.-Chip soll hierbei die erweiterten autonomen Funktionen ermöglichen. Im Rahmen dieser Maßnahme sollen Kunden, die beim Kauf ihres Fahrzeugs das sogenannte „Full Self Driving Paket“ gebucht hatten, die Hardware der dritten Generation kostenfrei erhalten, Umbauten an der vorhandenen Sensorik sollen nicht erforderlich sein. Einhergehend mit dieser neuen Hardware wird Tesla ab dem 1. Mai 2019 allerdings auch die Preispolitik im Bereich des autonomen Fahrens ändern und die Preise teils erheblich erhöhen. Das oben genannte Paket soll so künftig in den USA etwa 3.000 US-Dollar teurer werden als bisher. Die Kundenbasis reagierte auf diese Ankündigung teils verärgert. Kunden, die in der Vergangenheit Kaufoptionen für den Autopiloten erworben hatten, sorgen sich derzeit über mögliche Mehrkosten. Die Preiserhöhung könnte eine Folge der Bemühungen zur Steigerung der Profitabilität des Unternehmens sein. Zuletzt stoppte Tesla den Verkauf der Basisversion des Model 3, eine Entscheidung, der ebenfalls Profitabilitätsbestrebungen zugrunde gelegen haben könnten. Hinsichtlich des autonomen Fahrens könnte für Tesla insbesondere der umfangreiche Datenstamm und der intensive Testbetrieb sprechen. Technisch ließe sich das autonome Fahren durch die teils bereits verbaute Hardware und der Begebenheit, dass man die Fahrzeuge im Gegensatz zu einigen Konkurrenten selbst produziert, bei erfolgreichem Testabschluss zudem zügig umsetzen. Zu hoffen bleibt, dass die Preisgestaltung für die Kunden nicht zum Gegenargument wird und dass Tesla im Falle rückläufiger Technologiepreise in der Lage sein wird, die Technik weiterhin profitabel anbieten zu können.

Alphabet Rg-A (US02079K3059)

Einer der ersten Wettbewerber und Innovatoren im Bereich des autonomen Fahrens war Google. Das ursprünglich unter dem Titel „Google self-driving car project“ bekannte Unternehmen firmiert mittlerweile als Alphabet-Tochterunternehmen mit dem Namen Waymo. Nach wie vor scheint Waymo seinem Ziel, der Etablierung eines autonom agierenden Fahrdienstes, mit großen Schritten näher zu kommen. Vergangene Woche erst veröffentlichte Waymo eine App im Google Play Store, mit deren Hilfe Nutzer autonome Taxis anfordern können. Derzeit befindet sich die App noch in einem Testmodus. Neue Nutzer können sich über die App in eine Warteliste einschreiben, um im Rahmen des „Early Rider Program“ an den Testfahrten im Raum Phoenix, Arizona teilnehmen zu können. Bisher war eine solche Registrierung nur durch eine Bewerbung über ein Online-Portal möglich. Die Veröffentlichung der App samt vereinfachtem Registrierungsprozess könnte das Interesse für den autonomen Testbetrieb weiter erhöhen, Waymo scheint mit dem bisherigen Testverlauf zufrieden zu sein. Parallel zu den nach wie vor andauernden Testfahrten der Vans befindet sich auch das spätere Geschäftsmodell seit Ende vergangenen Jahres im Live-Test. Das Projekt „Waymo One“ bietet Testpersonen bereits Taxifahrten mit den autonomen Fahrzeugen an, in dieser zweiten Projektstufe allerdings bereits gegen Bezahlung. In diesem Szenario gibt es jedoch im Vergleich zu vorherigen Testfahrten wieder eine Kontrollperson im Fahrzeug, welche die autonome Fahrt überwacht. Laut Unternehmensaussagen soll dies jedoch dem Sicherheitsgefühl der Testpassagiere dienen und keine technische Notwendigkeit darstellen. Denkbar wäre jedenfalls, dass sich Waymo auch gegen juristische Konsequenzen im Falle von Unfällen absichern möchte. In diesem Zusammenhang könnte es eine Verbindung zur Rechtsprechung im Uber-Fall geben, zumal auch diese durch ein Gericht des Bundesstaates Arizona erfolgte. Auch technologisch gesehen gelingt es Waymo immer wieder, der Öffentlichkeit neue Details und Funktionen vorzustellen. Zu Beginn des Jahres konnte man beispielsweise bekannt geben, dass man die Künstliche Intelligenz darauf trainieren konnte, auch auf die Gesten von Verkehrspolizisten zu reagieren. Den Testbetrieb könnte man derzeit als erfolgreich einschätzen. Im Jahr 2018 legte die Testflotte des Unternehmens insgesamt etwa 2 Millionen Kilometer zurück. Die Kontrollperson musste hierbei im Schnitt nur noch alle 18.000 Kilometer aktiv in die Steuerung eingreifen. Das intensive Entwicklungs- und Testprogramm zwingt die Muttergesellschaft Alphabet jedoch auch zu hohen Investitionen, diese sollen sich nach Branchenkreisen auf bis zu eine Milliarde US-Dollar pro Jahr belaufen. Zudem ist Waymo derzeit als eigenständige Gesellschaft noch nicht handelbar. Anleger sollten also sowohl die Profitabilität als auch die Position innerhalb des Alphabet-Konzerns im Blick behalten. Der erfolgreiche Testbetrieb sowie die technische Ausgereiftheit des Unternehmens könnten diese Wartezeit jedoch künftig rechtfertigen.

Baidu Inc (US0567521085)

Ein Blick auf China sollte im Rahmen dieser Betrachtung ebenfalls nicht fehlen. Das Unternehmen Baidu rückte hier vor allem durch seine Kooperationen mit deutschen Herstellern in den Fokus. Mitte vergangenen Jahres etwa erfolgte die Vereinbarung zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Daimler AG. Gemeinsam waren die beiden Partner auch Mitinitiatoren der Entwicklungsplattform „Apollo“ im Jahr 2017. Diese Plattform könnte für Baidu zukünftig noch wertvoll werden. Der Testbetrieb innerhalb Chinas ist für Automobilproduzenten nur möglich, wenn sie eine Kooperation mit einem einheimischen Unternehmen eingehen, welches über eine Kartenlizenz verfügen. Für ausländische Unternehmen könnte die als technisch gute Basis geltende Baidu-Technologie interessant sein und infolgedessen Baidu wertvolle Testeinblicke und Kooperationen ermöglichen. In Folge der Vereinbarung erwirkte auch Daimler im vergangenen Jahr eine Testerlaubnis für Fahrzeuge, die mit der Baidu-Technik ausgestattet sein sollen. Baidu erhielt bereits früher eine solche Lizenz zum Testbetrieb auf den Straßen Pekings. Apollo ist mittlerweile auf mehr als 130 Partnerunternehmen angewachsen. Jüngst stieg Volkswagen in die Kooperation ein, auch BMW zählt mittlerweile zu diesem Konsortium. Zwar handelt es sich bei diesem Programm, das neben der Entwicklung von Sensortechnik auch die notwendigen Algorithmen hervorbringen soll, um ein Open-Source Projekt, die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten bedeutenden Automobilproduzenten und Zulieferern könnte für Baidu dennoch einen erheblichen Knowhow-Zuwachs und potenzielle spätere Geschäftsbeziehungen zu Folge haben. Im Januar stellte Baidu eine Enterprise-Version der Apollo-Plattform vor, die die Bereiche Autobahnfahrt, selbstständiges Parken, eine Plattform für Kartendienste und Lösungen für vernetzte Fahrzeuge umfasste. Außerdem zählte hierzu auch Lösung zur Steuerung autonomer Minibusse. Neben einer Aktualisierung seiner technischen Möglichkeiten könnte man in dieser Präsentation auch erste Bemühungen sehen, wie sich Baidu den Vertrieb und die spätere Monetarisierung seiner Produkte vorstellt. Was den Testbetrieb innerhalb Pekings darstellt, führt Baidu das Ranking deutlich an. Mit insgesamt 45 Fahrzeugen konnten im Jahr 2018 knapp 140.000 Kilometer zurückgelegt werden. Die Einschätzung der Störfälle und des Erfolgs lässt sich daraus jedoch leider nicht ablesen, hierzu fehlten in dem staatlichen Testbericht genaue Angaben. Baidu könnte man momentan wegen des in China großen Testvorsprungs auf die einheimische Konkurrenz sowie des guten Kooperationsnetzwerks eine derzeit gute Ausgangsposition auf dem chinesischen Markt attestieren. Somit könnte auch dieses Unternehmen für Anleger eine Investmentalternative in Verbindung mit dem autonomen Fahren darstellen.


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