Analyse Aktien Autovermietung

Autovermietung: Weiteres Wachstum und neue Trends

Ein Beitrag von tzimmer 8 17.10 - 1:08

Die Automobilindustrie befindet sich derzeit in einer Phase des Wandels, gleichzeitig steigt der weltweite Bedarf nach Mietwagen kontinuierlich weiter an. Wie stehen die etablierten Anbieter den Neuerungen gegenüber? Und wie wollen sie in den kommenden Jahren Wachstum generieren?
 
Sixt SE
 
 
Avis Budget Group Inc
 

Das Geschäftsmodell Autovermietung ist in seinen Ursprüngen fast so alt wie das Automobil selbst. Weltweit gesehen hat das Vermietungsgeschäft für Automobile dabei eine beträchtliche Größe erreicht. Im Jahr 2016 betrug der weltweite Gesamtumsatz etwa 58 Milliarden US-Dollar. Einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Zion Market Research“ zufolge soll dieses Marktvolumen bis zum Jahr 2022 auf bis zu 125 Milliarden US-Dollar ansteigen. Dies entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von rund 13,5 Prozent. Hauptwachstumstreiber sollen in diesem Zusammenhang das global nach wie vor wachsende Tourismusgeschäft, aber auch der wachsende Bedarf an Mobilitätsdienstleistungen, vor allem in Asien, sein. Aber auch die weitere Entwicklung auf den etablierten Märkten in Europa und Nordamerika wird in Zukunft spannend zu beobachten sein. Über lange Zeit veränderte sich das Konzept nicht, Innovationen aus der Automobilindustrie konnten oftmals unverändert auch in das Vermietungsgeschäft integriert werden. Man könnte sagen, dass durch den stärker werdenden Einfluss des E-Antriebs sowie einer sukzessiven Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens, vor allem in urbanen Gebieten, die Branche Autovermietung erstmals vor einer Reihe von maßgeblichen Innovationen im eigenen Geschäftsfeld steht. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen könnte es sich für Anleger lohnen, einen Blick auf die Strategien etablierter Wettbewerber in diesem Geschäftsfeld zu werfen.

Sixt SE (DE0007231326)

Aus deutscher Sicht lohnt in diesem Zusammenhang sicher zunächst ein Blick auf den hiesigen Marktführer Sixt. Das in Pullach bei München ansässige SDax-Unternehmen konnte seinen Investoren zuletzt zufriedenstellende Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 verkünden. So konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Euro gesteigert werden, während man gleichzeitig beim Gewinn einen neuen Rekordwert in Höhe von 157 Millionen Euro erzielte. Weiteres Wachstum soll zukünftig vor allem auf dem amerikanischen Markt generiert werden. Den Markteinstieg vollzog Sixt dort im Jahre 2011, betreibt mittlerweile 58 Stationen, derzeit noch größtenteils an der amerikanischen Ostküste. Bereits jetzt sind die USA der zweitgrößte Markt für Sixt, gemessen am Umsatz, und im laufenden Geschäftsjahr soll hier erstmals die Gewinnzone erreicht werden. Sollte dies gelingen, könnte dies ein starkes Signal an den Markt sein und potenziell die Unternehmensleitung in ihren Wachstumsplänen für die USA bestärken. Hinsichtlich neuer Technologien aus der Automobilbranche forciert Sixt vor allem die Implementierung von Carsharing-Modellen und die Aufnahme von Elektrofahrzeugen in die Konzernflotte. Zusammen mit BMW betreibt man das Joint Venture „DriveNow“, ein Carsharing-Service, welcher momentan noch größtenteils in Europa operiert. Im Jahr 2016 betrug die Flottengröße hier fast 6.000 Fahrzeuge, wovon etwa 15 Prozent auf Elektrofahrzeuge entfielen. Vor kurzem verkündeten die Stadt Hamburg und DriveNow die Absicht, bis zum Jahr 2019 die Elektromobilität in Hamburg auszubauen. DriveNow soll hierzu 550 elektrifizierte Automobile im Stadtgebiet zur Verfügung stellen, die Stadt Hamburg möchte bis dahin 1150 Ladestationen einrichten. Sixt könnte hier wertvolle Informationen über den Betrieb von Elektrofahrzeugen auch in der eigenen Flotte sammeln und würde darüber hinaus bei einem Erfolg des Projektes und dem Aufbau ähnlicher Konzepte in anderen Großstädten maßgeblich vom finanziellen Erfolg profitieren können.

Avis Budget Group Inc (US0537741052)

Einer der größten Sixt-Konkurrenten auf dem US-Markt ist die Avis Budget Group. Zu dieser Gruppe zählen neben den beiden größten Firmen Avis und Budget unter anderem auch Unternehmen wie Payless Car Rental, die italienische Maggiore Group oder Apex Car Rental. Insgesamt beschäftigt Avis Budget rund 30.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2016 einen Umsatz von knapp 8,7 Milliarden US-Dollar. Hinsichtlich neuer Technologien und Konzepte im Vermietungsgeschäft versucht sich der Konzern frühzeitig zu positionieren. Einen ersten Schritt stellte in diesem Zusammenhang im Jahr 2013 der Erwerb von Zipcar für 500 Millionen US-Dollar dar. Bei Zipcar handelt es sich um ein Carsharing-Unternehmen, welches weltweit in etwa 500 Städten eine Flotte von mehr als 12.000 Fahrzeugen unterhält. Hiervon erhofft sich die Avis Budget Group vor allem im innerstädtischen Verkehr und in der Nähe großer Universitäten hohe Marktanteile zu erreichen. Derzeit besitzt der Dienst schon mehr als eine Milionen Nutzer. Auch das Konzept des autonomen Fahrens scheint die Avis Budget frühzeitig ins eigene Angebot aufnehmen zu wollen. Im Juni dieses Jahres konnte eine Kooperation mit der Alphabet-Tochter Waymo verkündet werden. Avis soll hierbei zunächst die Flotte für Waymo in Phoenix, Arizona warten und die Flottenverteilung koordinieren. Im Falle eines Erfolgs dieses Pilotprojektes könnte auch eine tiefergehende Zusammenarbeit zukünftig denkbar sein. Für Avis Budget könnten die heutigen Erfahrungen mit den autonomen Fahrzeugen aber auch unabhängig von Alphabet von Vorteil sein. Durch die Autonomie der Fahrzeuge, was deren Transfers betrifft, könnten zukünftig massiv Kosten eingespart werden. Avis Budget kann bereits heute analysieren, welche Änderungen im Stations- und Vermietungsablauf hieraus entstehen. Auch im Bereich der Vernetzung passt der Konzern seine Fahrzeugflotte an. Laut einer Aussage des Chief Innovation Officers, Arthur Orduna, wird Avis Budget die Anzahl der Connected Cars in der eigenen Flotte bis zum Frühjahr 2018 auf 50.000 Fahrzeuge verdoppeln. Hierdurch will das Unternehmen Daten sammeln, was das Mobilitätsverhalten der eigenen Kunden betrifft und wie das Flottenmanagement infolgedessen optimiert werden kann. Zukünftig sind aber auch das Angebot zusätzlicher Services für die Kundschaft denkbar, welche unabhängig vom eigenen Filialnetz auch während der Vermietungszeitraums anfallen könnten. Denkbar wären in diesem Zusammenhang etwa Entertainment-Features oder die Freischaltung zusätzlicher Ausstattungsmerkmale, beispielsweise des Navigationssystems. Für das Ziehen von endgültigen Rückschlüssen auf den mittel- bis langfristigen Erfolg ist es sicher noch zu früh. Der Einfluss der neuen Technologiefelder, sicher aber auch rechtliche und versicherungstechnische Fragen werden hier zukünftig eine maßgebliche Rolle für die Profitabilität der Innovationen spielen. Für Investoren könnte es jedoch ein gutes Zeichen sein, dass die Unternehmensführung von Avis Budget proaktiv versucht, frühzeitig Erfahrungen mit den neuen Marktinnovationen zu sammeln.


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