Analyse Aktien Bauwirtschaft

Bauwirtschaft: Helfen Konjunkturprogramme aus der Krise?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 13.04 - 15:54

Auch das Baugewerbe wurde direkt durch die Corona-Krise getroffen. In Folge von konjunkturellen Einbrüchen könnte dieses Wirtschaftssegment auch in der näheren Zukunft, vor allem im privaten Sektor, noch leiden. Hoffnung besteht für die Bauunternehmen aber durch öffentliche Infrastrukturprogrammen, wie sie etwa US-Präsident Trump kürzlich angekündigt hat.
 
Caterpillar Inc
 
 
STRABAG SE (WKN A0M23V)
 
 
Hochtief AG
 

Derzeit und in den kommenden Monaten wird auch die Bauwirtschaft die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Während sich die aktuellen Auswirkungen eher auf krankheitsbedingte Personalausfälle und Engpässe in spezifischen Lieferketten beziehen, könnte das Baugewerbe in den kommenden Monaten vor allem von den konjunkturellen Schwankungen getroffen werden, die sich an die Corona-Krise anschließen dürften. Andererseits besitzt die Branche den Vorteil, dass ihr Betrieb, zumindest in Deutschland, in den vergangenen Wochen nicht zum Erliegen kam. Das Baugewerbe durfte seinen Arbeitsbetrieb, wenn auch unter gewissen Vorsichtsmaßnahmen, fortführen und konnte hierdurch komplette Umsatzeinbußen umgehen. Für die Zukunft sind jedoch auch Szenarien denkbar, in denen die Bauwirtschaft maßgeblich profitieren könnte. Die gesenkten Zinssätze der Zentralbanken machen es weltweit für Regierungen attraktiv, die Volkswirtschaften über Infrastrukturprogramme wieder anzukurbeln, zudem im Zuge der aktuellen Krise vielerorts Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte aufgedeckt wurden. So kündigte etwa Donald Trump für die USA vergangene Woche ein Investitionspaket mit einer Größe von 2 Billionen US-Dollar an. Auch wenn die letztlich vereinbarten Maßnahmen geringer ausfallen könnten, so setzte der US-Präsident mit dieser Ankündigung ein Signal an die Märkte, dem im aktuellen Zinsumfeld auch weitere Regierungen folgen könnten. Daher soll im Folgenden ein Blick auf dieses Gewerbe gerichtet werden und eine aktuelle Einschätzung zu zwei großen europäischen Bauunternehmen sowie einem amerikanischen Produzenten für Bau-Equipment gegeben werden.

Hochtief AG (DE0006070006)

Die Essener Hochtief AG zählt zu den größten Baukonzernen Europas und der Welt. Während der aktuellen Krise gab das Unternehmen bekannt, dass sämtliche Projekte weitergeführt werden konnten, auch wenn in manchen Fällen umgeplant werden musste. Die Verwaltung des Konzerns konnte hierbei dank digitaler Medien und Kommunikationswege größtenteils ins Home-Office verlegt werden, sodass in diesem Bereich Ansteckungsketten vorgebeugt werden konnte. Die kommende Jahreshauptversammlung Ende des Monats wird Hochtief digital abhalten. Der Auftragsbestand des Konzerns befindet sich derzeit auf hohem Niveau. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2019 stieg dieser auf einen Wert von 50,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Gesellschaft hier einen Anstieg in Höhe von 12 Prozent verzeichnen. Auch wenn die Auswirkungen der Krise auf diesen Bestand wohl erst im Rahmen der Hauptversammlung bekannt werden, so könnte dieses hohe Niveau Hochtief in der näheren Zukunft mit ausreichend Aufträgen versorgen. Auch der Auftragseingang stieg um 10 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro, die Auftragsakquise verlief also sehr dynamisch. Die aktuelle Krise nutzte das Management sogar, um eigene Aktien zurückzukaufen. Die Effektivität eines bestehenden Rückkaufprogramms konnte hierdurch massiv gesteigert werden. In der Zeit vom 10. März bis zum 27. März konnte Hochtief insgesamt 208.104 eigene Aktien zu einem Kurs von 57,02 Euro zurückkaufen. Künftig wird der Konzern hierdurch hinsichtlich seiner Kapitalaufwendungen entlastet. Das anstehende Konzernergebnis für das Gesamtjahr 2019 verspricht gute Ergebnisse. In den ersten 9 Monaten hatte Hochtief beim Gesamtumsatz ein Plus von 8 Prozent verzeichnen können, der operative Konzerngewinn steigerte sich sogar um 29 Prozent auf 478 Millionen Euro. Die finanzielle Ausgangssituation des Konzerns könnte man vor der Krise als sehr solide einstufen, von Oktober 2018 bis Oktober 2019 flossen dem Konzern aus der laufenden Geschäftstätigkeit Nettozahlungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu. Die Größe und das internationale Portfolio des Auftragsbestands könnten ebenfalls für das Essener Unternehmen sprechen. Sofern die Pläne für ein amerikanisches Konjunkturprogramm umgesetzt werden, könnte Hochtief durch seine Präsenz auf diesem Markt direkt profitieren, vor allem durch die Tochtergesellschaft Turner Construction.

STRABAG SE (WKN A0M23V) (AT000000STR1)

Die österreichische Strabag SE ist auf ihrem Heimatmarkt sowie in Deutschland stark vertreten. Darüber hinaus ist der Konzern jedoch auch im restlichen Europa aktiv, vor allem in Ost- und Südeuropa. Während Strabag den Baubetrieb auf den österreichischen Baustellen vorübergehend für 10 Tage einstellen musste, so konnte in der letzten Märzwoche die Arbeit wieder aufgenommen werden, nach einem Beschluss von umfassenden Schutzmaßnahmen. Da voraussichtlich nicht auf jeder Baustelle die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme hergestellt werden können, hat Strabag bis Mitte Juni Kurzarbeit für die Beschäftigten in Österreich angemeldet. Durch diesen Schritt eröffnet sich das Unternehmen die Möglichkeit, Kosten einzusparen und zeitgleich die Belegschaft, und somit auch die eigene operative Einsatzfähigkeit, aufrechtzuerhalten. Auf dem Heimatmarkt spürt Strabag die Krise somit recht deutlich, profitiert jedoch von seinen weiteren Geschäftsfeldern, vor allem in Deutschland verzeichnet Strabag ein hohes Auftragsvolumen und konnte hier weiterarbeiten. Die Strabag SE kann von einer gesunden Basis aus arbeiten. Das Geschäftsjahr 2019 schloss der Konzern, zum dritten Mal in Folge, mit einem Rekordumsatz in Höhe von 16,6 Milliarden Euro ab, was einem Wachstum von 2 Prozent entsprach. Der Auftragsbestand stieg ebenfalls auf ein neues Rekordniveau und belief sich, nach einer Steigerung von 3 Prozent im Jahresverlauf, auf 17,4 Milliarden Euro. Die Veröffentlichung des Quartalsergebnisses, und somit die Erfolgsauswertung für das Gesamtjahr, ist für den 29. April anberaumt. Wie bei Hochtief sollten Anleger auch in diesem Fall darauf achten, inwiefern die Krise die vorhandenen Aufträge beeinflusst. Insbesondere die Unternehmenssparte „Süd + Ost“ hatte mit einem Plus von 6 Prozent beim Umsatz und 4 Prozent bei den Auftragseingängen einen hohen Anteil an der positiven Geschäftsentwicklung, jedoch wurden gerade die südeuropäischen Länder besonders stark von der Pandemie getroffen. Auch wenn der Konzern in Spanien nicht aktiv ist, so sind unter anderem Italien und die Schweiz in diesem Segment betroffen. Mit Hinblick auf Informationen zu dieser Sparte sollten interessierte Anleger auf den anstehenden Lagebericht des Konzerns achten. Einen Vorteil könnte für Strabag in den kommenden Monaten der Umstand sein, dass es sich um einen voll integrierten Baukonzern handelt. Der Konzern bildet große Teile der Wertschöpfungskette im Bausegment ab, bis hin zum Facility Management. Die Herstellung von Baumaterialien könnte zudem konzernintern in den kommenden Monaten die Lieferketten optimieren und im Falle des Anschubs von Investitionsprogrammen für hohe Absätze sorgen.

Caterpillar Inc (US1491231015)

Caterpillar wird gemeinhin als größter Baumaschinenproduzent der Welt gesehen. Neben Turbinen, Antrieben und Schwermaschinen liegt der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit auch auf Generatoren und Transportmaschinen (beispielsweise Lokomotiven). Darüber hinaus produziert der Konzern auch Maschinen und Material für den Bergbau. Auch Caterpillar wurde von Corona getroffen. Der Maschinenverkauf an Privatkäufer ging stark zurück und der Konzern musste Probleme in seinen Lieferketten eingestehen. Des Weiteren musste man die Zielsetzung für das Jahr 2020 kassieren und einige Werke vorübergehend stilllegen. Dennoch verkündete das Unternehmen, seine angekündigte Dividendenstrategie beizubehalten und für das laufende Quartal eine Dividende von 1,03 US-Dollar pro Aktie auszuschütten. Durch den stark gesunkenen Kurs könnte Caterpillar aufgrund seiner Dividende ein attraktives Investment für Anleger darstellen. Die finanzielle Situation des Konzerns ist dabei sehr solide. Zum Ende des Jahres 2019 verfügte Caterpillar über einen Kassenbestand von 8,3 Milliarden US-Dollar und eine verfügbare Kreditlinie von 10,5 Milliarden US-Dollar. Das amerikanische Unternehmen operiert profitabel und konnte im vergangenen Jahr einen bereinigten Gewinn von 11,06 US-Dollar pro Aktie ausweisen. Der bereinigte Gewinn stieg dabei um 1 Prozent, während der Gesamtumsatz um 2 Prozent auf 53,8 Milliarden US-Dollar zurückging. Besonders auf dem heimischen Markt gab Caterpillar für das Jahr 2020 eine zurückhaltende Prognose ab und rechnete hier sogar mit einem rückläufigen Bauvolumen, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor. Während sich Corona für das Verpassen der Jahresziele verantwortlich zeigt, könnte die Pandemie mittelfristig für Caterpillar sogar positive Markteffekte auslösen. Ein umfassendes Investitionsprogramm für die amerikanische Infrastruktur könnte dem wichtigsten Markt des Unternehmens eine neue Dynamik einhauchen.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x