Analyse Aktien Bemannte Raumfahrt

Bemannte Raumfahrt: (R)Evolution für Airbus und Boeing?

Ein Beitrag von tzimmer 13 28.07 - 22:22

Bereits seit Jahrzehnten konkurrieren Airbus und Boeing in diversen Feldern der Luftfahrt. So erscheint es nur folgerichtig, dass beide Unternehmen auch eine Rolle bei der Erschließung des Weltraums einnehmen möchten. Im Bereich der bemannten Raumfahrt verfolgen beide Konzerne seit geraumer Zeit umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Zwei der wichtigsten Projekte nähern sich nun zunehmend ihrem Abschluss.
 
Airbus Group NV
 
 
Boeing Co
 

1,1 Billionen US-Dollar. Auf diesen Wert schätzt Morgan Stanley das globale Marktvolumen für mit dem Weltraum in Verbindung stehende Dienstleistungen im Jahr 2040. Im Fokus stehen hier eine Reihe von strategischen Feldern und Anwendungen, etwa die weltweite Bereitstellung schneller Internetverbindungen über Drohnen oder Ballons, Transportdienstleistungen für Satelliten oder auch erste Formen des Weltraumtourismus. Große Aufmerksamkeit kommt derzeit vor allem den Unternehmungen des Amazon-Gründers Jeff Bezos, Blue Origin, sowie des von Elon Musk gegründeten SpaceX zu. Jedoch gibt es auch bei den meisten etablierten Luftfahrtunternehmen mittlerweile Pläne, sich in einem der Zukunftsmärkte in Verbindung mit dem Weltraum zu etablieren. Beschleunigt werden soll die Entwicklung auf diesem Sektor in den kommenden Jahren vor allem durch sinkende Kosten für die Antriebstechnologie sowie der zum Bau von Komponenten verwendeten Werkstoffe. Eine der wesentlichen Folgen aus dem wachsenden Geschäft im Weltraum könnte auch eine Zunahme der bemannten Raumfahrt sein. Bereits zu Beginn der Raumfahrt im 20. Jahrhundert stark im Fokus, könnte der Transport von Menschen ins All, beispielsweise auch mit touristischem Hintergrund, zukünftig nochmal einen wesentlichen Aufschwung erleben. Die bemannte Raumfahrt stellt hierbei jedoch auch besondere Anforderungen an die Gestaltung der Raumkapseln. Dennoch haben mit Airbus und Boeing zwei Unternehmen dieses Geschäftsmodell ins Auge gefasst, welche bereits seit Jahrzehnten in der Luftfahrt um den Personentransport konkurrierten. Während diese Unternehmen für Anleger mit Interesse an bemannter Raumfahrt derzeit noch zu den rar gesäten, tatsächlich investierbaren Möglichkeiten zählen, könnten sie aufgrund ihrer Risikostreuung (durch das Vorhandensein weiterer profitabler Konzernsparten) zum gegenwärtigen Zeitpunkt interessante, risikoadjustierte Werte für Anleger darstellen.

Boeing Co (US0970231058)

Neben SpaceX besitzt auch Boeing derzeit Kooperationen mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA zur Entwicklung von Transportkonzepten, vor allem im Hinblick auf Transporte zur Weltraumstation ISS. Den Kern der Entwicklungsarbeit stellt der „CST-100 Starliner“ dar. Hierbei handelt es sich um ein bemanntes und wiederverwendbares Raumschiff, welches sich mit verschiedenen Trägerraketen kombinieren lässt. Anfang Juni konnte verkündet werden, dass NASA die Verträge mit Boeing bezüglich des bemannten Transports ausgeweitet hat. Dies beinhaltet die Option, den ersten Testflug des Raumschiffs zeitlich auszudehnen und potenziell ein drittes Crewmitglied mit an Bord zu nehmen. Diese Ausweitung der Zusammenarbeit könnte bedeuten, dass die bisherigen Tests der einzelnen Komponenten zufriedenstellend verliefen und dass das grundlegende Konzept der CST-100 auch im tatsächlichen Testbetrieb als belastbar eingestuft wird. Momentan geht man von einer endgültigen Zertifizierung für den bemannten Betrieb für Ende des Jahres 2019 aus, bis zu diesem Zeitpunkt laufen auch die Vereinbarungen der NASA mit den russischen Soyuz-Raketen für den Transport amerikanischer Astronauten. Es könnte sich also ein Ende des langjährigen, kostenintensiven Entwicklungsprogramms der CST-100 ankündigen, wodurch ein kommerzieller Betrieb in den Bereich des Möglichen käme. Jedoch drängt auch die Zeit. Russland hat angekündigt, nach Ablauf der Vereinbarung keine Kapazitäten mehr verkaufen zu können, wodurch die bemannte Testphase der Boeing-Rakete minimiert wird. Sollten Probleme auftreten oder während des kurzen Testzeitraums nicht erkannt werden, könnte das Risiko für Zwischenfälle oder Unfälle ansteigen, welche das Programm um Jahre zurückwerfen beziehungsweise die Monetarisierung des Entwicklungsprojekts einschränken könnten. Dem gegenüber steht das positive Szenario, in dem Boeing bei erfolgreicher Inbetriebnahme der CST-100 in naher und mittelfristiger Zukunft einen beständigen Strom an Aufträgen generieren könnte und die aus dem Betrieb des Raumschiffs gewonnenen Erfahrungswerte dem Unternehmen einen Entwicklungsvorsprung in einem sehr kapitalintensiven Forschungsfeld sichern könnten. Interessierte Anleger sollten den Verlauf der Testphase abwarten, da sich erst im endgültigen, bemannten Testbetrieb belastbare Erkenntnisse ergeben dürften.

Airbus Group NV (NL0000235190)

Ähnlich der Verhältnisse in der Luftfahrt, steht Airbus auch in diesem Zusammenhang für die europäische Raumfahrtindustrie. Auch 35 Jahre nach dem Start der „Spacelab-Missionen“ zeichnet sich Airbus als zentrale Figur der europäischen Raumfahrtbemühungen aus. 2008 dockte schließlich die europäische Forschungseinrichtung „Columbus“ an die ISS an. Erfahrungen hinsichtlich des Transportverkehrs konnte Airbus letztlich vor allem durch den Einsatz von automatischen Transferfahrzeugen in den Jahren 2008 bis 2015 sammeln, mit deren Hilfe insgesamt mehr als 30 Tonnen Materialien zur ISS transportiert werden konnten. Bezüglich der bemannten Raumfahrt scheint die derzeitige Strategie die Lieferung von Komponenten zu umfassen. Im Rahmen der Entwicklung des NASA-Projekts „Orion“, einem Raumschiff, welches zukünftig potenziell auch für Mars-Missionen geeignet sein soll, zeichnet sich Airbus für die Entwicklung eines europäischen Servicemoduls verantwortlich. Dieses Modul soll das Raumschiff mit Energie, Antrieb, Wasser und Luft versorgen und darüber hinaus auch die Temperatur regulieren. Es handelt sich somit um einen integralen Bestandteil des Gesamtprojekts. Auch dieses Entwicklungsprojekt ist bereits weit fortgeschritten. 2019 oder spätestens 2020 soll eine erste unbemannte Mission stattfinden. Ziel dieser Mission wird es sein, bis zu 64.000 Kilometer über den Mond hinweg zu fliegen. Bei erfolgreichem Verlauf dieser ersten Mission ist für das Jahr 2023 schließlich die erste, mit vier Besatzungsmitgliedern bemannte, Mission-2 geplant. Als Zulieferer des wichtigen Servicemoduls könnte auch Airbus, bei Einhaltung des Entwicklungsplans, in mittelfristiger Zukunft eine solide Position in einem der wichtigsten globalen Raumfahrtprojekte einnehmen und hierdurch beständige Erträge generieren. Analog zur Boeing-Situation ist es für Investoren aber auch in diesem Fall unerlässlich, den weiteren Testverlauf zu beobachten.


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