Analyse Aktien Bioplastik

Carbios: Revolution in der Plastikproduktion?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 09.05 - 11:27

Kürzlich lies das französische Unternehmen Carbios aufhorchen, als es ein Enzym vorstellte, das in kurzer Zeit PET-Abfälle in wiederverwendbare Ausgangsstoffe zersetzen kann. Das Verfahren nährt Hoffnung hinsichtlich einer Steigerung der Nachhaltigkeit in Verbindung mit der Produktion und Verwendung von Plastikstoffen. Derweil arbeiten weitere Unternehmen an der Entwicklung Bioplastikstoffen, welche ebenso ökologische Vorteile bieten könnten.
 
Novozymes A/S
 

Plastikstoffe bilden nach wie vor einen wesentlichen Bestandteil unseres alltäglichen Lebens. Täglich werden beispielsweise weltweit 1,3 Milliarden Plastikflaschen verkauft, viele Lebensmittel werden mit Plastik verpackt und verkauft. Erdölbasiertes Plastik dominiert hierbei den Markt, aufgrund des geringen Gewichts und der günstigen Produktion, jedoch ergeben sich hier Probleme bezüglich der Wiederverwendbarkeit und der Entsorgung. Die Recyclingrate bei Plastikerzeugnissen lag zwischen 1950 und 2015 lediglich bei 9 Prozent, bei einer Gesamtproduktionsmenge von 6,3 Milliarden Tonnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass über diesen Zeitraum mehr als 5,7 Milliarden Tonnen Plastik deponiert, verbrannt oder nicht selten auch im Meer versenkt wurden. Um zukünftig den derzeit beträchtlichen Umweltauswirkungen entgegen zu treten, wird seit längerer Zeit bereits nach umweltverträglicheren Stoffen und Produktionsverfahren geforscht. Kürzlich scheint einem französischen Unternehmen im Zusammenhang mit dem Recycling von PET-Stoffen ein beträchtlicher Fortschritt gelungen zu sein. Ein Blick auf diese Veröffentlichung soll deren Potenzial aufzeigen, darüber hinaus werden jedoch auch zwei Alternativen aufgezeigt, die ebenfalls zur Reduktion des täglichen Plastikverbrauchs beitragen könnten.

Carbios sorgte vergangenen Monat für erhebliches Aufsehen, als das französischen Unternehmen in der Fachzeitschrift „Nature“ ein neuartiges Enzym vorstellte, mit dessen Hilfe alte Plastikflaschen innerhalb weniger Stunden in chemische Bestandteile zur Produktion neuer Flaschen zersetzt werden können. Das Verfahren bezieht sich auf PET-Flaschen, welche biologisch depolymerisiert werden und hierdurch, bei Erhaltung hoher Qualität, in neue Produkte einfließen können. Während bisherige PET-Stoffe sich nur in wenigen Recycling-Zyklen verwenden ließen (in der Regel nur 6 bis 7 Durchläufe), bei jeweils stark abnehmender Qualität, könnte das Carbios-Verfahren die Wiederverwendbarkeit der Abfälle stark erhöhen. PET könnte hierdurch erheblich länger genutzt werden, bevor es verbrannt oder deponiert werden müsste. Das neue Enzym ist hierbei auch hocheffizient, das Verfahren kann laut Unternehmensangaben innerhalb von 10 Stunden eine Tonne geschredderten Plastik zu 90 Prozent abbauen. Die Kosten für das Enzym namens „Cutinase“ sollen hierbei überschaubar bleiben. Carbios geht derzeit davon aus, dass die zum Abbau einer Tonne Altmaterial benötigte Enzymmenge etwa 4 Prozent des Neupreises für petrochemisch produziertes PET betragen würde. Die Kosten für die Herstellung unter Nutzung des Carbios-Verfahrens würden den Neupreis nach aktuellem Stand noch leicht überschreiten, da auch der Ankauf und die Vorbereitung des Altmaterials noch zugerechnet werden muss. Mit steigender Produktionsmenge und Anwendungsbreite könnten die Kosten zukünftig noch sinken, bereinigt um die vorteilhaften Effekte bezüglich der Entsorgung und damit einhergehenden Image-Effekten könnte die Entscheidung aber auch bei der aktuellen Kostenlage für Carbios ausfallen. Ein Indiz hierfür ist die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich wie L’Oréal, Nestlé oder PepsiCo. Sofern sich das neue Verfahren im Testbetrieb bewährt, hätte Carbios bereits absatzstarke Partner um das Produkt schnell und umfassend zu etablieren. In Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen Novozymes, welches die Herstellung des Enzyms übernehmen wird, sowie der französischen Gesellschaft TechnipFMC, zuständig für die Planung und Bauaufsicht, entsteht in der Nähe von Lyon eine erste Anlage zum PET-Recycling nach dem neuen Verfahren, welche bereits im Jahr 2021 in Betrieb gehen soll. Technologisch hat sich Carbios in eine gute Ausgangssituation gebracht, auch bezüglich der Partnerschaften und Kooperation sehen die Vorzeichen vielversprechend aus. Interessierte Investoren sollten den Produktionsstart im neuen Werk genau verfolgen, um sicherzustellen, dass auch der hochskalierte Einsatz in der Praxis ausreichend leistungsfähig zur Erreichung der Produktionsziele ausfällt.

Das niederländische Unternehmen Avantium wurde im Jahr 2000 gegründet und hat sich der Produktion pflanzenbasierter Plastikerzeugnisse verschrieben. Eine der Kerntechnologien der Gesellschaft ist das „YXY“-Verfahren zur Herstellung von Plastik aus pflanzlichen Zuckerarten, wodurch das Plastik im Anschluss zu 100 Prozent abbaubar ist. Ähnlich wie bei Carbios lesen sich auch hier die Partnerunternehmen nicht schlecht: Danone, Carlsberg oder Mitsui zählen zu dieser Auswahl und ebnen Wege in die industrielle Anwendung der Technologie. Zu Beginn des Jahres verkündete Avantium den Bau einer neuen Produktionsanlage zur Herstellung des Grundstoffs „FDCA“. Die neue Fabrik wird durch ein regionales Konsortium mit 30 Millionen Euro unterstützt, diese Förderung erstreckt sich über den kompletten Bauvorgang, der 2023 abgeschlossen werden soll. Die Kapazität der neuen Anlage wird pro Jahr 5 Kilotonnen betragen und soll Avantium somit neue Kapazitäten für weiteres Wachstum ermöglichen. Diese Expansion soll auch durch eine neue Niederlassung in Japan unterstützt werden. Ende vergangenen Jahres etablierte das Unternehmen dort eine neue Tochtergesellschaft, welche künftig die Tätigkeiten in der japanischen Konsum- und Verpackungsindustrie ausweiten soll. Auch in Japan soll ein Werk mit einer Kapazität von jährlich 5 Kilotonnen errichtet werden, das vor allem FDCA und das Plastik PEF für leistungsorientierte und aufwendige Anwendungen produzieren wird. Der Baubeginn ist hier jedoch erst für die kommenden Jahre geplant, die Inbetriebnahme spätestens für das Jahr 2030 vorgesehen. Eine Zusammenarbeit mit BASF im Rahmen des Joint Ventures Synvina wurde im Laufe des vergangenen Jahres beendet, Avantium erwarb alle Anteile an dem im Jahr 2016 gegründeten Unternehmen und möchte dessen Produktion jetzt ausweiten. Synvina wurde für die Herstellung des neu entwickelten Kunststoffs PEF aus dem pflanzlichen FDCA-Plastik gegründet. In Zukunft könnte Avantium bei einem Erfolg des neuen Plastiks also vollumfänglich profitieren, trägt nun jedoch auch zu 100 Prozent das Kostenrisiko. Das Fiskaljahr 2019 konnte man mit einer 22-prozentigen Steigerung des konsolidierten Umsatzes auf 13,8 Millionen Euro abschließen. Betrug der Verlust im Jahr 2018 noch 68,4 Millionen Euro, so belief er sich 2019 nur noch auf 23,5 Millionen Euro. Avantium nähert sich nach den hohen Investitionen vergangener Jahre langsam den schwarzen Zahlen an.

Novozymes A/S (DK0060336014)

Während es sich bei den ersten beiden Kandidaten um junge Unternehmen handelt, wurde die dänische Gesellschaft Novozymes bereits 1925 gegründet. Dieser Konzern produziert industrielle Enzyme, Biopolymere sowie Mikroorganismen. Auch mit dem Themengebiet Plastikvermeidung kommt das Unternehmen in Kontakt und ging hierdurch schließlich das Joint Venture mit Carbios ein. Von einem Erfolg des neuen plastikzersetzenden Enzyms könnte Novozymes somit ebenfalls profitieren, ohne hierbei gegenwärtig größere finanzielle Risiken eingehen zu müssen. Entgegen der ersten beiden Aktien ist Novozymes bezüglich der Plastikvermeidung und Bioplastik kein Pure Player. Konservativere Anleger könnten die Aktie hierdurch interessant empfinden. Die Enzyme des Konzerns werden weltweit vertrieben und finden beispielsweise auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln, bei der Versorgung und Ernährung von Tieren oder bei der Reduzierung von Textilchemikalien Anwendung. Die Vielfältigkeit verhalf dem Unternehmen trotz der Corona-Krise zu einem guten Start ins Jahr 2020. Der Umsatz konnte im ersten Quartal um 10 Prozent zulegen, die EBIT Marge fiel mit knapp 29 Prozent ebenfalls zufriedenstellend aus. Die hohe Profitabilität des Konzerns stach bereits in der Vergangenheit hervor. Für das gesamte Jahr 2019 lag die operative Marge bei 24,66 Prozent. In den vergangenen 35 Jahren zahlte Novozymes hierbei jedes Jahr eine Dividende aus, zuletzt betrug diese umgerechnet 74 Cent. Zudem befindet sich der Konzern in einem stark wachsenden Markt, der Weltmarkt für industrielle Enzyme soll laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „bcc Research“ von 5,5 Milliarden US-Dollar (2018) auf circa 7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 anwachsen. Hierdurch könnte Novozymes als globaler Marktführer bedeutend profitieren. Die gute Diversifizierung über mehrere Märkte und Anwendungsbereiche spricht hier für den dänischen Konzern.


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