Analyse Aktien Biotechnologie (Medizin)

BioTech Aktien – Beginn der Rallye?

Ein Beitrag von Squid 39 16.05.2014

Turbulente Jahre hat die Biotech-Industrie hinter sich. Erst boomte sie, dann stürzte sie umso heftiger ab. Nun feiert die fast schon totgesagte Branche ihre Wiederauferstehung.
 
Evotec AG
 
 
Qiagen NV
 
 
PAION AG
 

Jahrelang forschten und tüftelten Biotech-Firmen an Medikamenten. Inzwischen haben sie zahlreiche Mittel auf dem Markt, die echte Blockbuster geworden sind, also Milliarden-Umsätze generieren. Das biotechnisch hergestellte Rheumamittel Humira von Abbott ist im Jahr 2013 Schätzungen zufolge sogar das umsatzstärkste Medikament der Welt gewesen mit Erlösen von rund zehn Milliarden Dollar. Andere Biotech-Blockbuster sind Enbrel von Amgen, Rituxan und Herceptin von Biogen sowie Avastin von Roche. "Über die Hälfte der Top-Ten-Medikamente weltweit sind heute Biotech-Mittel vom Ursprung her", freut sich Christian Lach, Biotech-Experte beim auf den Gesundheitssektor spezialisierten schweizerischen Vermögensverwalter Adamant Invest.

Die meisten neuen Medikamente kommen aus der Biotech-Schmiede

Die Produkt-Pipeline ist prall gefüllt. "Mehr als 60 Prozent aller neuen Medikamente stammen von Biotech-Firmen", weiß Nathalie Flury, Fondsmanagerin des Julius Bär Biotech Fund. Und rund 1.500 Mittel befänden sich derzeit in der medizinischen Testphase. "Viele Unternehmen in diesem Sektor profitieren von einem neuen Wachstumszyklus, der durch Pipeline-Erfolge erzielt werden kann", meint Noushin Irani, die bei der DWS einen Biotech-Fonds managt.

Die neue Generation von Medikamenten mit neuen Wirkmechanismen hat die Behandlung vieler Krankheiten stark verbessert und einen "Paradigmenwechsel in der Medizin eingeleitet", schwärmt Portfolio-Manager Lach. Tatsächlich gab es bei der Behandlung von Hepatitis-C und Aids einzelne Durchbrüche - dank neuer Biotech-Mittel. Gilead zum Beispiel bekam jüngst grünes Licht für ein Aids-Mittel, das nur noch einmal täglich eingenommen werden muss. "Innovationen, das Herzblut des Biotech-Sektors, haben sich in den letzten Jahren deutlich beschleunigt", weiß Rudi Van den Eynde, Biotech-Fondsmanager von Dexia.

Welche Unternehmen könnten interessant sein?

Epigenomics AG(DE000A1K0516) ist ein Molekulardiagnostik-Unternehmen, das proprietäre Produkte für die Früherkennung und Diagnose von Krebs entwickelt und vermarktet. Diese Produkte erlauben es Ärzten, Krebserkrankungen früher und genauer zu diagnostizieren, wodurch ein besserer Therapieerfolg für die Patienten ermöglicht wird. Das Flaggschiff des Unternehmens ist das Produkt Epi proColon, ein Bluttest zur Darmkrebsfrüherkennung. Dieser Test ist bereits in Europa auf dem Markt und befindet sich derzeit für die USA in der Entwicklung. Aktuell notiert die Aktie von Epigenomics mit 6,40 Euro auf nahezu dem gleichen Niveau wie vor einem halben Jahr, doch die Ruhe trügt. In den vergangenen Monaten durchlebten die Anteilseigner des Biotechunternehmens eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Höhepunkt war Ende März die Sitzung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA hinsichtlich der Zulassung von Epi proColon in den Vereinigten Staaten. Anders als erwartet, haben die Prüfer den Test aber nicht einfach so durch gewunken, sondern sich weitere Daten gewünscht, um offene Frage  zu klären. Seit dem muss sich das Berliner Unternehmen mit öffentlichen Kommentaren sehr zurückhalten. So redet Vorstandschef Thomas Taapken im Vorwort des neuesten Zwischenberichts auch ein wenig um den heißen Brei herum. „Während die Regularien der FDA es uns nicht erlauben, im Vorfeld eine Entscheidung oder einen konkreten Entscheidungszeitpunkt zu antizipieren, bleiben wir jedoch zuversichtlich, dass die Behörde nun zu einer Zulassungsentscheidung für Epi proColon in den USA in absehbarer Zukunft kommen kann.“ Die Zurückhaltung ist allerdings auch verständlich, immerhin geht es um einen potenziellen Milliardenmarkt.

 

Die MorphoSys AG(DE0006632003) ist ein Biotech-Unternehmen, das auf die Entwicklung von Antikörper-basierten Produkten für die pharmazeutische Industrie spezialisiert ist. Die firmeneigene HuCAL® Technologie (Human Combinatorial Antibody Library) wird eingesetzt, um neue Arzneimittel für die Behandlung von Krankheiten wie Krebs, Autoimmunkrankheiten, Infektionen, verschiedene Entzündungen und anderen Erkrankungen herzustellen. HuCAL® ermöglicht es exakt maßgeschneiderte Antikörper für bestimmte Therapien zu generieren. Mit Ylanthia hat das Unternehmen zudem die nächste Generation der Antikörpertechnologie entwickelt, die über 100 Milliarden unterschiedliche, vollständig humane Antikörper enthält. Die Experten der Capital-Depesche verweisen auf die Gewinnhalbierung von MorphoSys im ersten Quartal des laufenden Jahres. Der Vorstand bestätigte das Ziel für das Gesamtjahr eines operativen Ergebnisses zwischen minus elf und minus 16 Millionen Euro. Mit den hohen Investitionen in neue Produktkandidaten legte das Biotechnologieunternehmen aber den Grundstein für künftige, langfristige Erfolge. Derzeit entwickelt MorphoSys 83 Antikörper, von denen sich bereits 20 in einer klinischen Testphase befinden.

 

Die Paion AG (PAION AG (DE000A0B65S3)) ist ein biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Aachen. Sie hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung innovativer Arzneimittel für den Krankenhausbereich in den Indikationsbereichen Zentrales Nervensystem (ZNS) und thrombotische Erkrankungen/Herz-Kreislauf spezialisiert.  Das Entwicklungsportfolio umfasst sechs Kandidaten. Nach dem starken Kursrutsch von rund 4,95 Euro bis im Tief auf 2,99 Euro sendet die Paion-Aktie aktuell wieder erste Lebenszeichen. Am Dienstag ging das Papier mit 3,28 Euro aus dem Handel. Damit hat die Aktie nahe der 90-Tage-Linie gedreht. Zu einem Test der Ausbruchslinie bei 2,87 Euro ist es nicht gekommen. Die Zuversicht bei Paion bleibt aber bestehen: das Narkosemittel Remimazolam gilt als der große Hoffnungsträger der Biotech-Firma. Jährliche Spitzenumsätze von bis zu 1,5 Milliarden Euro werden dem Mittel zugetraut. Für das Jahr 2014 stehen die Vorbereitungen des Phase-III-Programms in Europa und den USA sowie die Auslizenzierung in weitere Regionen an. In Japan ist die Entwicklungsarbeit im Anwendungsbereich Anästhesie bereits abgeschlossen. Zudem gab Paion bekannt, einen Wechsel des Börsensegments vom General Standard in den Prime Standard des regulierten Markts anzustreben. Dadurch würde die Attraktivität der Aktie erhöht und aufgrund der Erfüllung höherer Transparenzanforderung auch für internationale Investoren deutlich interessanter.

 

Die Medigene AG (DE0005020903) ist ein deutsches Biotechnologieunternehmen. Die Kernkompetenz der Gesellschaft ist die klinische Erforschung, Entwicklung und Zulassung von Medikamenten in den Bereichen Onkologie und Autoimmunerkrankungen. Als erstes deutsches Biotech-Unternehmen verfügt Medigene über Einnahmen aus einem vermarkteten Medikament (Veregen), das von Partnerunternehmen vertrieben wird. Dieses Medikament dient der Behandlung von Genitalwarzen. Darüber hinaus hat der Konzern die Medikamentenkandidaten EndoTAG-1 zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs und RhuDex zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen in der klinischen Testung und verfügt über eine eigene Technologie zur Wirkstoffsuche und Entwicklung.

Das Unternehmen gab am 28. April bekannt, dass das US-Patentamt das Patent mit dem Titel "High affinity T cell receptor and use thereof" erteilt hat. Das Patent schützt T-Zell-Rezeptoren die gegen das Tumor-assoziierte Antigen Tyrosinase gerichtet sind und hat eine Laufzeit bis 2030. Es wurde exklusiv vom Helmholtz Zentrum München an Medigenes Tochtergesellschaft Trianta Immunotherapies GmbH lizenziert. Dr. Frank Mathias, Vorstandsvorsitzender der Medigene AG: "Wir freuen uns über dieses neue Patent, das das Patentportfolio unserer kürzlich erworbenen TCR-veränderten T-Zell Immuntherapie weiter stärkt."

 

Das Hamburger Biotechnologie-Unternehmen Evotec (Evotec AG (DE0005664809)) zählt zu den weltweit führenden Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen. Die Firma ist auf Neurowissenschaften, Schmerz, Stoffwechsel- und Entzündungskrankheiten sowie Onkologie spezialisiert. Das Kerngeschäft bildet die Wirkstoffforschung, die in Kooperation mit Partnerunternehmen aus der Pharma- und Biotechnologieindustrie realisiert wird. Unternehmen, die ihre Wirkstoffentwicklung auslagern wollen, werden hochwertige Lösungen und Dienstleistungen in diesem Bereich angeboten. Evotec übernimmt dabei alle Aktivitäten bis hin zur klinischen Entwicklung.

Das Unternehmen gab am 06. Mai 2014 bekannt, das es eine Forschungsallianz mit der nicht börsennotierten Eternygen an Land gezogen hat. Mit dem Berliner Unternehmen werde Evotec an zukünftigen Medikamenten zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes forschen. Finanzielle Details nannte Evotec nicht. An der Börse kam das gut an: Die Aktie stieg im Handel um 1,54 Prozent auf 3,60 Euro. Die Hamburger erzielen einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen mit sogenannten Meilensteinzahlungen, die bei Forschungserfolgen und Entwicklungsfortschritten von den Kooperationspartnern gezahlt werden.

Anfang April wurde bereits eine Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen Debiopharm zur Erforschung und Entwicklung von Krebstherapien bekannt gegeben. Evotec werde Zahlungen im hohen zweistelligen Bereich für die klinische Entwicklung wie auch für weitere Fortschritte auf dem Weg zur Zulassung erhalten. Zudem werde der Konzern bei erfolgreicher Zulassung von Krebsmitteln aus der Kooperation am Umsatz beteiligt. Ziel der Zusammenarbeit mit der in Lausanne ansässigen Debiopharm ist die Erforschung von Substanzen, die zur Behandlung von Tumoren und verschiedener Formen von Leukämie (Blutkrebs) eingesetzt werden können.

 

Der Biotechkonzern Qiagen (Qiagen NV (NL0000240000)) hat zum Jahresstart von einer kräftigen Nachfrage nach seinem Tuberkulose-Test und nach Verbrauchsmaterial für seine Analyse-Geräte profitiert. Das Unternehmen steigerte nach eigenen Angaben im ersten Quartal seinen bereinigten Konzerngewinn um zwölf Prozent auf 53,7 Millionen Dollar. Das entsprach der Erwartung von Analysten. Qiagen hatte allerdings seine Vergleichszahlen zum Vorjahr angepasst. Konzernchef Peer Schatz bekräftigte die Ziele für das Gesamtjahr. Qiagen setzte von Januar bis März 317,4 Millionen Dollar um, ein Plus von fünf Prozent. Zu dem Anstieg trugen auch die Übernahmen der Bioinformatik-Firmen Ingenuity und CLC bio bei.

Zuwächse verzeichnete das Unternehmen auch im Geschäft mit begleitenden Gentests für die personalisierte Medizin - einem der Wachstumsfelder in der Pharmabranche. Solche Untersuchungen kommen immer häufiger etwa in der Krebsmedizin zum Einsatz, um Patienten unwirksame Behandlungen zu ersparen. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 1,07 bis 1,09 Dollar nach 1,02 Dollar im vergangenen Jahr zulegen. Großes Potenzial für zukünftiges Wachstum verspricht sich Schatz von der Genomsequenzierung und der Bioinformatik. Mit der Entwicklung von Produkten zur schnelleren Auswertung von Gen-Daten (Next-Generation-Sequencing) scheint der Konzern vorangekommen zu sein. Schatz erwartet, dass der sogenannte GeneReader in den kommenden 12 bis 18 Monaten auf den Markt kommen wird.

 

Anleger - Risiko siehe USA

Der politische Druck nimmt zu

Auch die US-Politik ist auf den Sektor aufmerksam geworden, weil die Medikamente beziehungsweise Behandlungsmethoden teuer sind. Biotech-Unternehmen müssen sich auf Anfragen von Politikern rechtfertigen, so wie Gilead Sciences (s.o.). Ihr neues Medikament gegen Hepatitis C, Sovaldi, soll 300.000 US-Dollar teure Lebertransplantationen verhindern. Doch mit 84.000 US-Dollar für eine 12-wöchige Behandlung ist Sovaldi trotzdem alles andere als ein Schnäppchen.

Experten befürchten, dass nach Gilead auch die anderen Biotechfirmen unter Druck kommen könnten, ihre Preise zu senken. "Wenn sich der Kongress erst einmal eingeschaltet hat, besteht Gefahr für den ganzen Sektor, vor allem da sich der Fokus der Politik hauptsächlich auf den Preis richtet", sagte Tim Ghriskey, Fondsmanager bei Solaris Asset Management.

Großes Short-Interesse

Hinzu kommt, dass gerade der US-Biotechsektor hoch bewertet ist. Das lässt sich jedoch nicht am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erklären, weil die meisten Firmen noch keine Gewinne abwerfen und daher eine Berechnung dieser Kennzahl nicht möglich ist. Aber obwohl sie noch auf Jahre hinaus rote Zahlen schreiben dürften, sind vor allem kleinere und mittelgroße Biotech-Unternehmen ambitioniert von der Börse gepreist. Im Vergleich sind hier wie Schwergewichte wie Amgen nicht überbewertet.

Ein Grund für die steile Kursentwicklung der kleinen Biotech-Unternehmen ist die Übernahmefantasie durch große Pharmaunternehmen. Daher scheiden sich die Geister bei diesem Sektor, was in der Vergangenheit auch immer wieder zu starken Kursschwankungen in den Aktien geführt hat. Vor allem Einzelwerte sind bei negativen Nachrichten anfällig.

 

Über  Beiträge zu dem Thema würde ich mich freuen.

Verweis: http://www.trendlink.com/aktienanalysen/aktien/Biosimilar/104-Biosimilars__Aufbruchsstimmung


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