Analyse Aktien Brennstoffzelle

Nähert sich die Brennstoffzelle der Serienreife?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 09.03 - 16:07

Neben der Elektromobilität wird auch der Brennstoffzelle eine wichtige Rolle für unsere künftige Mobilität attestiert. Vor allem für große und schwere Fahrzeuge könnte die Technologie eine sinnvolle Alternative darstellen. Einige Aktien in diesem Segment konnten im vergangenen Jahr Kursrallyes hinlegen, wie sieht deren aktuelle Situation aus? Und wodurch wurde das starke Kurswachstum angetrieben?
 
Ballard Power Systems Inc
 
 
ITM Power PLC
 

Neben Elektroantrieben wird weiterhin auch der Brennstoffzellentechnologie eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft eingeräumt. Derzeit scheitert eine schnellere Diffusion der Technologie noch an den hohen Produktionskosten sowie der Komplexität der Fahrzeugtechnik. Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen werden in diesem Sektor jedoch zunehmend intensiviert, erste Fahrzeugmodelle mit Wasserstoffantrieb sind bereits verfügbar. Fahrzeughersteller wie Toyota, Hyundai oder Daimler bieten die Technik bereits serienreif an oder planen in der nahen Zukunft die Einführung solcher Modelle. Hinsichtlich des Wirkungsgrades der reversen Elektrolyse, welche die physikalische Basis für das Antriebskonzept darstellt, ist die Brennstoffzelle den konventionellen Verbrennungsmotoren überlegen. Aus diesem Grund geht das Marktforschungsinstitut Navigant Research von einer einsetzenden Verbreitung der Technologie in den kommenden Jahren aus und prognostiziert für das Jahr 2024 einen globalen Bestand von rund 230.000 Fahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb. McKinsey stellt für das Jahr 2030 gar einen Bestand von 10 bis 15 Millionen solcher Fahrzeuge in Aussicht. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau schätzt den Markt für Wasserstoff global für dieses Jahr auf 2 Milliarden Euro. Sollte diese Prognose eintreten, so hätte sich die Marktgröße im Verlauf der letzten 3 Jahre verzehnfacht. Derweil geht eine Studie von Deloitte davon aus, dass die Vollkosten des Wasserstoffantriebs für 100 Kilometer bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts unter die Preise für Elektromobilität und der konventionellen Antriebe fallen könnte. Skaleneffekte durch höhere Produktionsmengen und der weitere technologische Fortschritt sollen die Hauptgründe für diese Entwicklung sein. Unter dem Eindruck dieser Informationen soll in der Folge ein Blick auf einige zentrale Unternehmen im Bereich des Wasserstoffs geworfen werden und die Potenziale dieser Aktien für die Zukunft aufgezeigt werden.

Ein erstes interessantes Unternehmen mit Bezug auf Wasserstofftechnologien ist das schwedische Unternehmen PowerCell Sweden. Ursprünglich im Jahr 2008 aus dem Volvo-Konzern ausgegründet, beschäftigt sich das Unternehmen mit der Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellensystemen. Mitte des vergangenen Jahres konnte man eine umfassende Kooperation mit dem deutschen Unternehmen Bosch verkünden. Die Zusammenarbeit soll die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb der Brennstoffzellenstapels PowerCell S3 umfassen, mit spezifischem Anwendungsbezug auf die Automobilindustrie. Für die Lizenz erhält PowerCell hierbei 50 Millionen Euro. Einen ersten Auftrag im Rahmen dieser Zusammenarbeit erhielt man im September. Die Lieferung von S3-Brennstoffzellen-Stacks umfasste dabei einen Auftragswert von 243.000 Euro. In Shanghai gründete das Unternehmen im Oktober vergangenen Jahres die Tochtergesellschaft „PowerCell Fuel Cell“, welche kürzlich den ersten Auftragseingang zur Lieferung von S2-Brennstoffzellen erzielen konnte, deren Auslieferung für diesen Monat vorgesehen ist. Eine Etablierung auf dem wichtigen chinesischen Markt könnte das Wachstum des Unternehmens in Zukunft umfassend positiv beeinflussen. Einen weiteren Auftrag konnte man in den vergangenen Tagen im Schiffbausektor generieren. An das Unternehmen Fincantieri, einem der größten Schiffsproduzenten der Welt, wird PowerCell ein Brennstoffzellensystem liefern. Dieses System soll zu Testzwecken eingesetzt werden, um neuartige Methoden der Antriebs- und Stromerzeugung zu entwickeln. Bei erfolgreichem Testverlauf könnten sich für das schwedische Unternehmen zukünftig lukrative Folgeaufträge ergeben. In Deutschland ist PowerCell zudem an einem Forschungsprojekt zur Ermöglichung der Massenproduktion von Brennstoffzellen beteiligt, gemeinsam mit Unternehmen wie BMW, Daimler oder Ford. Das erlangte Know-How und Netzwerk aus diesem Projekt könnte für PowerCell Sweden zukünftig ebenfalls noch von enormem Wert sein. Derzeit operiert das Unternehmen noch defizitär, steigende Umsätze und die Positionierung in einer Reihe vielversprechender Forschungsprojekte und Kooperationen könnten in Zukunft jedoch das weitere Wachstum des Unternehmens und wichtige Schritte in Richtung Profitabilität bewirken.

Ballard Power Systems Inc (CA0585861085)

Ballard Power Systems ist ein Brennstoffzellenproduzent mit Sitz im kanadischen Vancouver. In Bezug auf die Wasserstofftechnologie zählt das Unternehmen zu den Marktpionieren, bereits in den 1990er-Jahren war Ballard Power in diesem Sektor aktiv. Das Unternehmen verfügt durch die Kooperation mit dem chinesischen Motorenproduzenten Weichai, welcher zudem 20 Prozent der Anteile an Ballard hält, über eine wichtige strategische Partnerschaft. Die chinesische Regierung scheint in Bezug auf den LKW- und Frachtverkehr der Brennstoffzelle eine hohe Priorität einzuräumen. Die Zusammenarbeit mit Weichai könnte daher dem Unternehmen zukünftig Forschungskapazitäten sowie Aufträge aus einem der wichtigsten Mobilitätsmärkte sichern. Zu diesem Zweck errichtet man derzeit, gemeinsam mit Weichai, eine Produktionsstätte auf chinesischem Boden. Die Lösungen von Ballard Power Systems finden derzeit vor allem aber auch abseits des Mobilitätsmarktes Anwendung. Im vergangenen Jahr konnte man einen Auftrag über neun 100-Kilowatt-Module zum Antrieb von Minenförder-Trucks durch den Mischkonzern Anglo American vermelden. Auch aus Deutschland konnte Ballard Power Systems vor kurzem einen Auftragseingang verkünden. Die Unternehmen SFC Energy AG und adKor bestellten 500 Brennstoffzellen-Stacks, also in Reihe geschaltete Brennstoffzellen, um die Notstromversorgung von Mobilfunkstationen zu gewährleisten. Die im Jahr 2019 vorgestellte neue Generation von Brennstoffzellen-Stacks, die wesentliche Fortschritte bezüglich von Kosten und Effizienz bieten soll, dürfte eine zentrale Rolle für die weitere Geschäftsentwicklung des Unternehmens spielen und sollte daher von Investoren bezüglich ihres Absatzes beobachtet werden. Zudem muss auf den Gesamtumsatz geachtet werden, da Ballard Power Systems derzeit recht hoch bewertet ist. Sollte das Unternehmen bezüglich des Umsatzes in den kommenden Quartalen enttäuschen, könnte dies in der Folge zu stärkeren Korrekturen führen.

ITM Power PLC (GB00B0130H42)

Das dritte der betrachteten Unternehmen hat seinen Sitz in Großbritannien. ITM Power beschäftigt sich ebenfalls mit der Entwicklung und Produktion von Anlagen zur Wasserstoffproduktion und -speicherung sowie für das „Power to Gas“-Verfahren. Aus Leitungswasser und Strom aus erneuerbaren Energiequellen werden durch die ITM-Systeme Wasserstoffgase produziert. Das Unternehmen hofft so, überschüssige Energie aus abnahmearmen Tageszeiten zur Produktion von Wasserstoff verwenden zu können. In den vergangenen 4 Jahren konnte das britische Unternehmen ein jährliches Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent verzeichnen. Wie viele junge und technologieintensive Unternehmen ist auch ITM Power noch nicht profitabel, das EBITDA wies im Jahr 2019 einen Negativwert in Höhe von 7,42 Pfund Sterling auf. Solange die Gewinnung von Marktanteilen und die technologische Weiterentwicklung jedoch voranschreiten, dürfte die Refinanzierung der Forschungsaufwendungen auch weiterhin möglich sein, zudem weist ITM Power eine Eigenkapitalquote von fast 60 Prozent auf. Angetrieben wurde die Aktie zuletzt auch von einer angekündigten Kooperation mit dem deutschen DAX-Unternehmen Linde. Zusammen soll ein Joint Venture gegründet werden, um künftig im Bereich der Wasserstoffproduktion gemeinsam zu arbeiten. Ein neues Werk namens „Bessemer Park“, welches eine Gesamtleistung von einem Gigawatt aufweist, bewirkte im vergangenen Jahr bereits einen starken Umsatzanstieg. Zusammen mit dem progressiven Geschäftsmodell und der anstehenden Kooperation mit Linde bildet dieser Umstand die Grundlage für die aktuell hohen Erwartungen an die Aktie. Die hohe Bewertung müsste ITM Power in den kommenden Quartalen jedoch auch mit wachsenden Umsätzen und steigenden Auftragseingängen rechtfertigen.


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