Analyse Aktien CRISPR Genveränderung

CRISPR/Cas9: Auch für Anleger vielversprechend?

Ein Beitrag von tzimmer 10 26.03 - 16:19

Das erst im Jahr 2012 entdeckte CRISPR/Cas9-Verfahren erweckt derzeit hohe Aufmerksamkeit in Medien und Forschung, nährt dabei auch die Hoffnung auf bessere Heilungschancen im Kampf gegen AIDS oder Krebs. Viele der Forschungsprojekte befinden sich noch in frühen Stadien, Anleger sollten diesen Markt aufgrund des hohen Potenzials der neuen Technologie dennoch genauer im Blick behalten.
 
Merck KGaA
 
 
CRISPR Therap N
 

Im Falle von CRISPR/Cas9 handelt es sich um eine der wichtigsten Entwicklungen der Biotechnologie in der jüngeren Vergangenheit. Es handelt sich hierbei um eine Methode aus der Molekularbiologie, mit deren Hilfe es möglich ist, einzelne Gene zu schneiden, um hierdurch Veränderungen an DNA-Bausteinen durchführen zu können. Die Methodik wurde erst im Jahr 2012 entdeckt, als die Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna das aus Bakterien stammende CRISPR/Cas-System als molekularbiologisches Instrument betrachteten. Dieses System dient Bakterien dazu, Viren zu erkennen und abzuwehren, lässt sich jedoch auch im Zusammenhang mit menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zellen anwenden. Die gesuchte DNA-Sequenz kann in diesem Zusammenhang „zerschnitten“ werden, indem man eine aus Ribonukleinsäure-Abschnitten bestehende Sonde erstellt und diese mit dem Cas9-Protein versieht. Dieses Protein zerschneidet an der gewünschten Stelle den DNA-Strang, welcher von der Zelle anschließend wieder rekonstruiert wird. Hierbei entstehen Mutationen, alternativ können bei der CRISPR/Cas9-Methode aber auch DNA-Bausteine ausgetauscht werden oder neue Abfolgen implementiert werden. Diese Vorgehensweise besitzt eine Reihe von Vorteilen gegenüber diversen Gentechnik-Verfahren. Durch die Verringerung der Entstehung von zufälligen Mutationen kann es zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen kommen, während die Gefahr von negativen und schädlichen Mutationen verringert wird. Aufgrund dieser Eigenschaften ist das Interesse an der neuen Vorgehensweise enorm, das derzeitige globale Marktvolumen wird momentan jedoch noch unter eine Milliarde US-Dollar beziffert. Dies dürfte hauptsächlich an dem Umstand liegen, dass Versuche im Zusammenhang mit menschlichen Zellen derzeit vielerorts noch nicht durchgeführt werden können oder dürfen, China ist in diesem Zusammenhang in einer Vorreiterrolle. In den USA wurde der Start dieser Testphase zuletzt für Ende 2017 oder Anfang 2018 erwartet, der endgültige Start könnte also in der nahen Zukunft möglich sein. Sollte sich das Potenzial des Systems bewahrheiten und sich tatsächlich neue Therapierezepte gegen Krankheiten wie AIDS, Krebs und diverse Erbkrankheiten realisieren lassen, könnte der globale Markt für CRISPR/Cas9 starkes Wachstum erfahren. In einem ersten Schritt geht die amerikanische Citi Group in einem Report von einem Marktwachstum auf bis zu 10 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2025 aus. In diesem Szenario sollen bis zu diesem Zeitpunkt auch erste CRISPR/Cas9-basierte Medikamente auf dem Markt eingeführt sein. Auf dem noch jungen Markt für diese Technologie könnten sich auf für Anleger interessante Möglichkeiten für die mittelfristige Zukunft ergeben.

Merck KGaA (DE0006599905)

Der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern wurde bereits vor einigen Jahren auf die neue Technologie aufmerksam und erwarb Ende des Jahres 2015 den US-Laborausrüster Sigma Aldrich für die Summe von 13,1 Milliarden Euro. Dies stellte eine wesentliche Erweiterung des Biotechnologie-Bereichs des deutschen Unternehmens dar. Der Unternehmensbereich „Life Science“ konnte Mitte des vergangenen Jahres schließlich mit der Nachricht einer verbesserten CRISPR-Technologie auf sich aufmerksam machen. Die sogenannte Proxy-CRISPR-Technologie soll dabei die Anwendung von CRISPR/Cas9 im Zusammenhang mit menschlichen Zellen effizienter und flexibler gestalten. Bisher konnten die aus Bakterien entnommenen CRISPR-Systeme zwar an menschlichen Zellen verwendet werden, dies erforderte allerdings zuvor eine aufwendige Bearbeitung. Mit Hilfe von Proxy-CRISPR entfällt dieser Arbeitsschritt und es wird gar ein Zugriff auf zuvor nicht erreichbare Gen-Regionen ermöglicht, wodurch ein noch spezifischerer Einsatz der CRISPR-Technologie möglich sein soll. Merck hat für die neue Methodik mehrere Patentanträge gestellt. Sollten sich in der Praxis die angestrebten Verbesserungen realisieren lassen, wäre eine Patentierung der Merck-Technologie insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Technik auf die medizinische Anwendung auf menschliche Zellen zielt, ein wichtiger Schritt für den Darmstädter Konzern. Im August 2017 gab der Konzern per Pressemitteilung bekannt, dass das europäische Patentamt eine Absichtserklärung zur Erteilung von Patenten an Merck veröffentlicht hat. Investoren sollten jedoch den endgültigen Ausgang des Verfahrens und den Umfang des erteilten Patents abwarten, bevor ein Investment eingegangen wird. Durch die Proxy-CRISPR-Technologie hat der deutsche Konzern jedenfalls bereits bewiesen, dass man auf diese Forschungsrichtung erhebliche Mittel aufwendet und Fortschritte erzielen konnte. Durch den Zuwachs an Know-How durch die Sigma Aldrich-Übernahme sowie der aktuellen Positionierung und den zur Verfügung stehenden Mittel des Großkonzerns sollten interessierte Anleger Merck im Auge behalten.

CRISPR Therap N (CH0334081137)

Einen weiteren interessanten Kandidaten stellt die erst 2013 in der Schweiz gegründete CRISPR Therapeutics AG dar. Eine der ursprünglichen Entdeckerinnen des CRISPR-Verfahrens, Emmanuelle Charpentier, ist an dieser Gesellschaft beteiligt. Dieses Unternehmen besitzt einen engen Fokus auf die Anwendung der neuen Technologie, besitzt hierdurch eine geringe Diversifizierung, was tendenziell das Risiko dieses Investments erhöht. Derzeit arbeitet CRISPR Therapeutics an elf Forschungsprojekten, unter anderem auch in Kooperationen mit anderen Biotechnologie-Unternehmen. Die Liste der Großaktionäre des Unternehmens enthält dabei Namen wie Bayer, GlaxoSmithKine oder auch Vertex. Zusammen mit Vertex kündigte CRISPR Therapeutics kürzlich die Entwicklung eines Medikamentes gegen die Blutkrankheit ß-Thalassämie an. Zusammen mit Bayer gründete man ein Joint Venture namens „Casebia Therapeutics“. Großaktionäre halten derzeit etwa 75 Prozent aller Aktien. Das Know-How von CRISPR Therapeutics scheint für größere Bio-Tech-Unternehmen interessant zu sein. Eine weitere Kooperation mit Vertex erscheint von den verschiedenen Projekten momentan am vielversprechendsten. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenarbeit zur Heilung der Zystischen Fibrose, welche durch Defekte im CTFR-Gen verursacht wird. Vertex hatte sich bereits zuvor auf die Entwicklung von Therapeutika gegen diese Krankheit spezialisiert, dieses Vorwissen könnte zur erfolgreichen Gestaltung der Forschungsarbeit beitragen. Für CRISPR Therapeutics sprechen die Wissensbasis sowie die brancheninterne Vernetzung der Gesellschaft, darüber hinaus handelt es sich durch die starke Konzentration der Unternehmenstätigkeit um ein „Pure Play“ hinsichtlich der neuen Technologie. Zu beachten ist allerdings auch, dass sich die Projekte des Unternehmens noch in sehr frühen Stadien befinden, was eine zuverlässige Erfolgseinschätzung erheblich erschwert.

Auch wenn viele der herkömmlichen Probleme der Gentechnik durch CRISPR/Cas9 abgemildert werden können, ist auch die neue Technologie nicht ohne Bedenken zu betrachten. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit von falsch gesetzten Schnitten in Zellen, wodurch unerwünschte Mutationen entstehen können. Die Einführung der CRISPR-Werkzeuge in die Zellen erfolgt oftmals mit herkömmlichen gentechnischen Verfahrensweisen. Anleger, die Gentechnik ablehnen, sollten auch diese Informationen bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. 


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