Analyse Aktien Cannabis

Cannabisaktien - Rausch auf dem Parkett

Ein Beitrag von AndreaZZ 18 10.03.2014

Cannabislegalisierung in Colorado. In den USA könnten in Zukunft Cannabisprodukte im Wert von 150 Mrd. Dollar umgesetzt werden. Welche Aktien würden davon profitieren?
 
Medbox Inc
 
 
Cannabis Sativa Inc
 
 
GW Pharmaceuticals PLC
 

Zum Jahresbeginn 2014 wurde im US-Bundesstaat Colorado Cannabis legalisiert. In 20 anderen Bundesstaaten ist Marihuana zu therapeutischen Zwecken bereits legal und in Umfragen befürwortet die Mehrheit aller US-Amerikaner die komplette Freigabe von Marihuana. In Deutschland ist man anderer Meinung. Jedoch geht es beim Thema Legalisierung nicht nur um den freien Rausch, sondern auch um zusätzliche Steuereinnahmen und Entkriminalisierung. Marihuana muss nicht mehr illegal geschmuggelt und verkauft werden, Dealern wird ihr Nährboden entzogen, da die Droge nun an vielen Stellen frei erhältlich ist und niemand macht sich mehr strafbar, der Cannabis konsumiert beziehungsweise kauft. Mit dem grünen Kraut kann ein Riesengeschäft gemacht werden, an dem nun in den USA auch der Staat verdient. Colorado steht mit dem Schritt in die Legalität jetzt auf einer Stufe mit den Niederlanden, Samoa und Nordkorea – alles Länder, in denen Marihuana in Coffeshops gekauft werden kann. Gehandelt werden darf dort aber offiziell auch nicht. Auch der Bundesstaat Washington will bald nachziehen. In Colorado wurden bereits rund 350 Verkaufslizenzen vergeben, in Washington warten über 3700 Anträge auf ihre Prüfung. Das erste Land, das Marihuana komplett für den begrenzten Handel freigegeben hat war Uruguay. Durch diese Maßnahme sollen die dortigen Drogenkartelle bekämpft werden. 

In den USA wird Cannabis als die nächste große Industrie gehandelt und die Zahlen sprechen ebenfalls dafür. Der Umsatz, der in den letzten Jahren im Cannabis-Geschäft bei 25 bis 35 Mrd. US-Dollar lag, soll im Jahr 2014 dank der Legalisierung um über 60 % nach oben steigen. Beobachter der Situation in Amerika sind sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Haschisch in den kompletten USA legal sein wird. Falls dies irgendwann der Fall sein sollte, kann der Markt innerhalb von zehn Jahren auf 150 Mrd. Dollar wachsen. Dies wäre das Doppelte des US-Tabakmarktes und ein Wahnsinnsgeschäft. 

Wo ein Trend in der Wirtschaft lauert und das große Geld zu holen ist, ist auch die Börse nicht fern. Viele Unternehmen wollen von der Legalisierung profitieren  und ein paar haben den Sprung auf das Parkett schon geschafft. Im letzten Jahr stieg die Zahl der börsennotierten Gesellschaften, die in irgendeiner Form mit der Entwicklung von Cannabis- und Hanfprodukten betraut sind, stark an, so beispielsweise bei der Firma Cannabis Sativa, Medical Marijuana, GW Pharmaceutics und Medbox. Zwar ist noch keins der Unternehmen an der Börse wirklich bedeutsam, aber das Interesse vieler Anleger ist definitiv geweckt und auch für die Firmen wird es mit zunehmender Legalisierung leichter zu operieren. Die Absatzmöglichkeiten wachsen und der Ruf der Unternehmen ist nicht mehr mit einem illegalen oder negativen Touch behaftet. Natürlich gibt es auch nach wie vor Gegner der Marihuana-Legalisierung wie in Colorado oder bald in Washington, aber ein Schritt in die Legalität ist immer ein Schritt raus aus dem beschämten und versteckten Handeln im Verborgenen. Bisher waren Unternehmen immer darauf bedacht den medizinischen Wert ihres Produktes in den Vordergrund zu heben oder klarzustellen, dass alle bewusstseinsverändernden Substanzen aus dem Produkt heraus filtriert wurden. Mit dem neuen Gesetzt eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten, sowohl der Werbung als auch der Nutzung.

Cannabis Sativa [ISIN: Cannabis Sativa Inc (US13764T1051)]

Aus der Ultra Sun Corporation, eine Sonnenstudiokette aus Utah, wurde die Firma Cannabis Sativa, die zum Jahresbeginn ein Patent auf einen neuen Cannabis-Stamm erworben hat. Die Tochtergesellschaft von Cannabis Sativa (der Name entspricht dem biologischen Namen der Cannabispflanze), Wild Earth Naturals, vertreibt ein Hautpflegeprodukt auf Hanfsamenöl-Basis. Cannabis-Aktivist Steve Kubbey ist seit Jahresbeginn Vorstandsvorsitzender von Cannabis Sativa und bestätigt die starke Wirkung des neu entdeckten Cannabis-Stamms. Mit dem Weg in die Legalität kann die Pflanze nun nicht mehr nur unter einem medizinischen Deckmantel verkauft werden, sondern ganz offiziell als Rausch-Produkt. Und der geht laut Steve Kubbey bei hohem Konsum bis in ein psychodelisches Niveau hinauf. Der Aktienkurs des Unternehmens ist im Zuge der neuen Entwicklung seit Anfang Januar von 0,75 US-Dollar auf zwischenzeitlich über 15 US-Dollar geklettert. Zwar ist der Kurs nach ersten Euphorie-Käufen wieder etwas nach unten gesunken und notiert aktuell bei rund 11 US-Dollar, 

Medical Marijuana [ISIN: US13764T1051]

Medical Marijuana ist eines der ältesten amerikanischen Unternehmen im Cannabis-Bereich und trägt diesen Namen seit 2009. Als man sich für diesen Unternehmensnamen entschied, wurden der Firma erst einmal für einige Zeit die Bankkonten gesperrt – zu ungewöhnlich war dieser. Medical Marijuana vertreibt Hanföl als Rohprodukt für weitere Anwendungsgebiete wie beispielsweise Kosmetik, Kaugummis mi t Cannabis und medizinische Cannabistropfen. Medical Marijuana weist für das Geschäftsjahr 2013 Millionengewinne aus, obwohl mit dem Hanföl und den Kaugummis nur knapp 300.000 US-Dollar eingenommen wurden. Grund für den Umsatz von 1,4 Mio. US-Dollar ist in erster Linie der Verkauf von Vermögenswerten einer Tochtergesellschaft an einen Verwaltungsratsvorsitzenden der eigenen Firma, der ein eigenes Unternehmen betreibt. Der Konzern erhielt dafür als Gegenwert insbesondere Aktien. Die Aktien von Medical Marijuana sind mit einem Wert von derzeit 0,29 US-Dollar zwar Penny Stocks, aber seit dem 1. Januar 2014 ist der Kurs von 0,10 US-Dollar auf 0,30 Dollar gestiegen und auch für die Zukunft kann das Unternehmen im Rahmen der Legalisierung in Colorado noch besser agieren. 

GW Pharmaceuticals [ISIN: GW Pharmaceuticals PLC (GB0030544687)]

Ein Unternehmen, das solide Umsätze erzielt, ist GW Pharmaceuticals. Der britische Pharma-Konzern stellt ein Medikament mit einem kleinen Cannabis-Anteil für Multiple Sklerose-Patienten her. Allerdings ist GW Pharmaceuticals eher in der Forschung stark und hat auf diese Weise den Großteil seiner 27 Millionen Pfund erwirtschaftet. Nur 8  % dieses Betrags entfallen auf die Verkäufe von Medikamenten. Das Beispiel Uruguay hat allerdings gezeigt, dass dort seit der Legalisierung des kontrollierten Anbaus und Verkaufs von Marihuana schon mehrere Pharmakonzerne angeklopft haben und nach Produktions- und Exportmöglichkeiten gefragt haben. Für den medizinischen Bereich scheinen sich also durch die Legalisierung noch weitere Möglichkeiten zu ergeben, was für die Wirtschaft des Landes positive Auswirkungen haben kann, wenn internationale Konzerne nun anfangen, in Uruguay zu produzieren und exportieren. Der Aktienkurs von GW Pharmaceuticals ist in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen und notiert aktuell bei 4,50 Euro.


Medbox [ISIN: Medbox Inc (US58405D1000)]

Die Aktie des Cannabis-Verkaufsmaschinenherstellers Medbox stieg Anfang Januar innerhalb eines Tages auf 85 %, nach deinem Fernsehauftritt des Medbox-Chefs. Nachdem das Unternehmen im letzten Jahr 3,5 Mio. US-Dollar Umsatz gemacht hat, trieb die Hoffnung, dass die Firma im Zuge der Legalisierung nun auch Kifferautomaten aufstellt, den Börsenwert der Firma auf 540 Mio. US-Dollar. Selbst der Firmen-Mitgründer warnte schon, dass ihm der Preis aufgeblasen erscheint.


Für Anleger gilt es, die Situation in nächster Zeit kritisch zu beobachten. Experten sehen die Gefahr, dass sich hier eine Blasenbildung abzeichnet, die dem wahren Wert des Marktes nicht gerecht wird. Auch das Geschäft mit Penny Stocks ist hoch spekulativ, da diese Aktien sehr stark schwanken und für viele Aktionäre keine Option sind. Dennoch ist es für Anleger interessant am Ball zu bleiben und das Thema Marihuana weiterzuverfolgen.  Gerade wenn noch mehr US-amerikanische Staaten - oder sogar noch andere Länder – hinzukommen, die den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis legalisieren, wird der Markt weiter wachsen. Schließlich kommt Cannabis nicht nur als Rauschmittel vor, sondern kann in Kosmetika oder medizinischen Produkten seine positive Wirkung entfalten. Dadurch dass der Branche durch die Legalität ihr anrüchiger Touch entzogen wird, ist in diesem Bereich noch viel Geld zu machen – neue Produktionsstätten und Exportabkommen wären definitiv ein guter Weg.



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