Analyse Aktien Carbon

Carbon: Flugverkehr kann Wachstum mit sich bringen!

Ein Beitrag von tzimmer 8 08.08 - 23:34

Carbon hat als Werkstoff in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Früher zumeist als teures Hightech-Material angesehen, findet Carbon in immer mehr industriellen Anwendungsgebieten Verwendung. Insbesondere im heutigen Flugzeugbau nimmt der Werkstoff eine große Rolle ein. Das österreichische Unternehmen FACC sowie der amerikanische Produzent Hexcel wollen nun vom expandierenden Fluggeschäft profitieren.
 
FACC AG (WKN A1147K)
 
 
Hexcel Corporation
 

Vor wenigen Jahren vor allem Motorsportfans ein gängiger Begriff, ist Carbon mittlerweile für viele Branchen und Anwendungsgebiete ein zunehmend wichtigerer Werkstoff geworden. Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten zählen hierbei Automobilbau, Flugzeugbau, Medizintechnik, Windenergie sowie Maschinenbau. Das Marktwachstum verläuft hierbei zwar nicht explosiv, aber stetig. Der Branchenverband Carbon Composites e.V. geht für das Jahr 2020 von einem weltweiten Bedarf an CFK, kurz für kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, von 146.000 Tonnen aus. Seit dem Jahr 2013, in dem weltweit 72.000 Tonnen Verwendung fanden, hätte sich der Bedarf somit mehr als verdoppelt. Dieses Marktwachstum könnte in Zukunft insbesondere durch die Bedürfnisse der Automobil- und Flugzeugbranchen nochmals bedeutend ansteigen. Gerade im Zusammenhang mit Elektroautomobilen und elektrischen Flugzeugen sowie bei modernen konventionellen Flugzeugtypen sind die mit Carbon erzielten Gewichtsreduktionen hinsichtlich der Effizienz von großer Bedeutung. Hierzu sind die Produzenten oftmals auch bereit, die Mehrkosten für Carbon-Bauteile gegenüber Werkstoffen wie Stahl oder Aluminium in Kauf zu nehmen. Durch den stetig wachsenden Markt für Flugreisen, vor allem in China und Indien, könnte sich die Zahl der weltweit operierenden Flugzeuge bis zum Jahr 2035 von heute 21.000 auf etwa 42.500 erhöhen. Da beim Bau moderner Flugzeuge eine immer höhere Anzahl von Carbon-Bauteilen benötigt wird, könnte dieses Industriesegment für Carbon-Produzenten in Zukunft noch wichtiger werden.

Gerade im Bereich des Flugzeugbaus hat sich die FACC AG (WKN A1147K) (AT00000FACC2) aus Österreich spezialisiert. Der Fokus liegt hier auf Bauteilen der Innenausstattung sowie Strukturbauteilen der Maschinen. Seit seiner Gründung im Jahr 1989 hat sich das Unternehmen innerhalb der Branche eine gute Position erarbeitet und zählt mittlerweile die wichtigsten Produzenten zu seinem Kundenkreis, insbesondere Boeing, Airbus oder auch Rolls-Royce, im Bereich des Antriebsbaus, wären hier zu nennen. Anfang Juni konnte sich FACC einen wichtigen Auftrag des kanadischen Konzerns Bombardier sichern. Für die C-Series soll FACC Flügel-Rumpf-Verkleidungen liefern, das Auftragsvolumen beträgt rund 100 Millionen Euro. Die zu produzierenden Teile hatte FACC zuvor im Auftrag für Bombardier bereits entwickelt. Kurz darauf konnte man auch von Rolls-Royce einen neuen Auftrag vermelden. Künftig soll FACC im Verlauf der nächsten sieben Jahre Triebwerkskomponenten über ein Auftragsvolumen von 35 Millionen Euro liefern. Die Intensivierung beziehungsweise Erneuerung beider Partnerschaften könnte man durchaus als Nachweis für die Qualität der FACC-Bauteile interpretieren, was für ein noch junges Unternehmen eine positive Außendarstellung bedeuten könnte. Dabei hat sich die österreichische Gesellschaft ehrgeizige Ziele gesetzt. Für das Geschäftsjahr 2020/2021 ist ein Jahresumsatz von einer Milliarde Euro angestrebt. Auf dem Weg zu diesem Ziel konnten auch die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2017/2018 überzeugen. FACC konnte den Quartalsumsatz im Vergleich zum Vorjahr um knapp 13 Prozent auf rund 184 Millionen Euro steigern. Der operative Gewinn wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit nun 10,8 Millionen Euro mehr als verfünffacht. Anfang des Jahres 2016 stand das Unternehmen noch als Opfer einer Cyber-Attacke in den Schlagzeilen. Insgesamt entstand dadurch ein Schaden in Höhe von 50 Millionen Euro, welcher FACC im vergangenen Geschäftsjahr operativ sowie an der Börse schwer belastete. Des Weiteren gab es Unstimmigkeiten bezüglich des Geschäftsberichts des Jahres 2015/2016. Hier musste das Unternehmen, auf Druck eines als Wirtschaftsprüfer tätigen Aktionärs der FACC, den ursprünglich in Höhe von 11 Millionen Euro ausgewiesenen Verlust auf 41 Millionen Euro korrigieren. Damit das Wachstum für die Zukunft nicht gefährdet wird, sollte FACC solche Fehler vermeiden.

Die Hexcel Corporation (US4282911084) ist ebenfalls auf dem Gebiet der Carbonfaser-Produktion aktiv. Der Fokus dieses Unternehmens ist im Vergleich zu FACC weniger stark auf die Flugzeugindustrie ausgerichtet. Zusätzlich beliefert Hexcel beispielsweise auch die Automobilindustrie oder Windkraftunternehmen. Im Bereich des Flugzeugbaus ist Hexcel allerdings ein wichtiger Zulieferer des Airbus-Konzerns. Ende des Jahres 2016 konnte man den Abschluss zweier Verträge bekannt geben, welche ein Gesamtvolumen in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar umfassen. Hexcel liefert hierbei für viele Flugzeug- und Helikoptertypen Bauteile und ist auch in die Weiterentwicklung des Typs A350 involviert, in diesem Zusammenhang laufen die Verträge zwischen beiden Unternehmen bis ins Jahr 2030. Des Weiteren wird Hexcel zukünftig auch für den Helikoptertypen H160 wichtige Bauteile, unter anderem die Rotorblätter, liefern. Dass die Unternehmensführung im Bereich der Carbontechnik auch zukünftiges Wachstum erwartet, könnte man anhand der Akquisitionsaktivitäten Hexcels schließen. Zunächst erwarb man Ende des Jahres 2016 das auf Carbon-Recycling spezialisierte Unternehmen Carbon Conversions Incorporated mit Sitz in Salt Lake City, Utah. Für Ende des Jahres 2017 ist darüber hinaus der Zukauf des französischen Unternehmens Structil S.A. vorgesehen. Structil produziert Hochleistungsbauteile aus Carbon für diverse industrielle Anwendungen sowie den Flugverkehr. Die Umsätze lagen im zweiten Quartal mit 491,3 Millionen US-Dollar 6 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums, diese Entwicklung sollten Anleger im Auge behalten, auch wenn die Quartalsdividende im Vergleich zum Vorjahr um 13,6 Prozent auf 0,125 US-Dollar pro Aktie angestiegen ist.

Hexcel und FACC befinden sich in Marktpositionen, in denen sie durchaus von einem Wachstum der Luftfahrtbranche profitieren könnten. Während sich FACC derzeit noch selbst in einer Wachstumsphase befindet, welches prozentual gesehen höhere Zuwachsraten begründen könnte, spricht für Hexcel die breitere Diversifizierung über mehrere Branchen und Industriebereiche hinweg sowie das große Auftragsvolumen bei vielen bedeutenden Flugzeugtypen des Airbus-Konzerns.


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