Analyse Aktien Carsharing

Bewegung auf dem deutschen Carsharing-Markt!

Ein Beitrag von tzimmer 14 12.09 - 19:42

Carsharing erfreut sich in Deutschland weiterhin einem stetigen Zuwachs an neuen Nutzern. Mit mittlerweile knapp zwei Millionen Kunden verlässt das Konzept zusehends das Nischendasein. Im Laufe des aktuellen Jahres hat sich insbesondere auf dem deutschen Markt viel getan. Der Marktführer des klassischen Vermietgeschäfts, Sixt, möchte künftig wieder eigene Wege gehen, während die Automobilhersteller ihre Aktivitäten intensivieren.
 
Sixt SE
 
 
Bayerische Motoren Werke AG
 
 
Daimler AG
 

Zu Beginn dieses Jahres ereignete sich auf dem deutschen Carsharing-Markt ein Paukenschlag. BMW und Sixt gaben das Ende ihrer Zusammenarbeit im Zuge des Joint Ventures DriveNow bekannt. Dabei war der Markt im Vorjahr noch kräftig gewachsen. Die Zahl der registrierten Kunden hatte in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent auf rund 1,7 Millionen Nutzer zugelegt. Mittlerweile sind Carsharing-Services bundesweit in mehr als 650 Städten und Gemeinden verfügbar. Die BMW-Konzernführung scheint von diesem Potenzial überzeugt zu sein. Knapp 200 Millionen Euro ließ man sich den Sixt-Anteil an der Kooperation kostet, dabei hatte DriveNow im Vorjahr noch einen Verlust in Höhe von 4 Millionen Euro verzeichnet. Aber die Carsharing-Idee scheint für Automobilhersteller immer attraktiver zu werden. Anzeichen hierfür könnte man in der Zusammenlegung von DriveNow und Car2go sehen, wodurch BMW und Daimler ihre Aktivitäten in einem neuen Joint Venture bündeln, aber auch durch den geplanten Einstieg des VW-Konzerns in den Markt. Für Anleger könnte hierbei ein Blick auf die Aktivitäten die bereits im Markt etablierten deutschen Automobilproduzenten lohnen. Nicht außer Acht lassen sollte man dabei aber auch Sixt. Das in den letzten Jahren vor allem durch seine USA-Expansion gewachsene Unternehmen möchte sich seinerseits hinsichtlich zukünftiger Marktfelder und Technologien breiter aufstellen.

Sixt SE (DE0007231326)

Zu Beginn des Jahres verließ Sixt das gemeinsam mit BMW betriebene Joint Venture DriveNow. Offenkundig betrachtet die Unternehmensführung das Carsharing-Konzept nicht als langfristig profitablen Ersatz oder als Erweiterung für das derzeitige Geschäftsmodell. Das Auffinden solcher Geschäftspotenziale hinsichtlich von Moblitätskonzepten wurde intern kürzlich der neuen Abteilung „Sixt X“ übertragen. In die hier erarbeiteten Lösungen, welche unter dem Namen „Project 1“ entwickelt werden, gab der Konzern ein Investitionsvolumen in Höhe von etwa 100 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren bekannt. Gänzlich ausgeschlossen ist das Angebot eines eigenen Carsharing-Dienstes zukünftig hierbei nicht, dieser soll jedoch nach den derzeitigen Plänen lediglich einen kleineren Teil des gesamten Dienstleistungsangebots darstellen. Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass sich die IT-Prozesse, welche bei DriveNow zum Einsatz kamen, auch nach Beendigung der Zusammenarbeit mit BMW weiterhin im Besitz von Sixt befinden. Dieses erprobte System könnte die Wiederaufnahme eines eigenen Carsharing-Services erheblich beschleunigen. Das Gesamtangebot könnte auch Konzepte wie Chauffeur- oder Transferservices oder diverse Flatrate-Angebote für Vermietungen umfassen. Sixt plant dabei eine Bündelung aller Dienste innerhalb einer App. Dieser Funktionsumfang soll auch den digitalen Anmietprozess umfassen, der derzeit an sechs verschiedenen Flughäfen in Deutschland getestet wird. Des Weiteren hat Sixt damit begonnen, seine Fahrzeuge mit Telematik-Systemen auszustatten. Bis zu 20.000 der derzeit auf dem deutschen Markt 50.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte sollen nach derzeitigem Planungsstand bis Ende des Jahres mit den Systemen ausgestattet sein. Fernab der neuen Dienstleistungen möchte Sixt auch im klassischen Vermietungsgeschäft den Expansionskurs der letzten Jahre fortsetzen. Im Fokus steht hier der US-Markt, in welchen man erst im Jahr 2011 eingestiegen ist, sich mittlerweile jedoch etablieren konnte. Die Zahl der Stationen soll von derzeit etwa 50 Filialen weiter ausgebaut werden, um das mittelfristige Ziel von einer Milliarde US-Dollar Umsatz zu erreichen. Das erste Halbjahr 2018 verlief für Sixt positiv. Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr auf 1,35 Milliarden Euro gesteigert werden, was einem Zuwachs in Höhe von 10,8 Prozent entspricht. Auch der Vorsteuerertrag konnte, um die Einmaleinnahme durch die DriveNow-Zahlungen bereinigt, um 27,5 Prozent erhöht werden. Anleger sollten die Implementierung neuer Konzepte und Technologien bei Sixt genau verfolgen. Kurzfristig sollte der Expansionskurs in Verbindung mit der guten Profitabilität dem Unternehmen weiteres Wachstum ermöglichen. Mittel- bis langfristig dürfte es aber auch für Sixt unerlässlich sein, sich neuen Mobilitätskonzepten zu öffnen, um sich gegen die stetig steigende Anzahl an Konkurrenten wie Fahrdienstvermittlern oder Carsharing-Anbietern behaupten zu können.

Daimler AG (DE0007100000)

Auf eine umfassende Zusammenarbeit hinsichtlich neuer Mobilitätskonzepte einigten sich die Vorstände von BMW und des Daimler-Konzerns im Frühjahr. Auch Daimler hatte Europcar zuvor aus dem Gemeinschaftsunternehmen Car2Go herausgekauft und so die alleinige Kontrolle übernommen. Auch die Apps „Mytaxi“ und „Moovel“ aus dem Daimler-Konzern sowie Ladedienste von BMW fließen in das neue Unternehmen ein, welches für das Carsharing zusammen über europaweit etwa 4 Millionen Kunden verfügen würde. In Deutschland würde das neue Unternehmen über etwa 1,6 Millionen Kunden verfügen, was in etwa dem Vierfachen des drittgrößten Anbieters, Flinkster, entsprechen würde. Die beiden Markennamen DriveNow und car2go sollen zunächst, von der Fusion unberührt, weitergeführt werden. Endgültige Entscheidungen der Kartellbehörden stehen noch aus, im Falle einer Genehmigung entstünde jedoch ein Unternehmen mit einem beträchtlichen Nutzervorsprung vor den Mitkonkurrenten. Durch die neue Kooperation könnten BMW und Daimler ein „Gegengewicht“ gegen die US-Mobilitätsdienstleistern Uber und Lyft bilden, welche den deutschen Markt ins Auge gefasst haben. Bisher standen DriveNow und Car2Go in Konkurrenz zueinander. Die Preiswettkämpfe in der jungen Branche hatten negative Auswirkungen auf die Profitabilität der Carsharing-Anbieter, bisher waren Zuschüsse der Mutterkonzerne von Nöten. Die strategische Bündelung der beiden Anbieter, welche gemeinsam über eine Flotte von etwa 20.000 Fahrzeugen in weltweit mehr als 30 Städten verfügen, soll die Rentabilität steigern und Synergieeffekte erzeugen. Ein erstes Beispiel hierfür wäre die geplante Zusammenlegung der Mietabwicklung in einer gemeinsamen App, über die Auswirkungen auf die Flotten der beiden Anbieter gibt es derzeit noch keine Stellungnahmen. Anleger sollten in jedem Fall die endgültige Entscheidung der Kartellbehörden abwarten. Auch nach erfolgter Fusion sind die Implikationen der Zusammenarbeit eher mittel- bis langfristiger strategischer Natur. Momentan ist der Anteil des Carsharings an den Gesamtumsätzen der Automobilproduzenten noch sehr gering. Aber es ist ein wichtiges Signal, dass sich BMW und Daimler den zunehmenden Veränderungen des Mobilitätsverhaltens bewusst sind und neben der reinen Produktion von Fahrzeugen auch selbst Dienstleistungen vorantreiben. Dabei könnte das neue Joint Venture zukünftig einen immer stärkeren Beitrag leisten. Gute Startvoraussetzungen könnte man hinsichtlich der technischen Infrastruktur, der Flottenstärke und des bereits vorhandenen Kundenstamms jedenfalls durchaus attestieren.

Bayerische Motoren Werke AG (DE0005190003)


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