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Humanoide Roboter - Die Serienreife rückt näher

Ein Beitrag von tzimmer 15 26.10.2015

Die Entwicklung menschenähnlicher Roboter schreitet immer weiter voran. Die Maschinen können zunehmend besser interagieren. Daraus ergibt sich für unterschiedliche Branchen ein hohes Wachstumspotential für die in diesem Bereich tätigen Unternehmen.
 
Honda Giken Kogyo KK
 
 
FOXCONN TECHNOLOGY CO. LTD...
 
 
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Ein Regierungsausschuss Japans verabschiedete noch im Jahr 2014 einen Fünf-Jahres-Plan zur Entwicklung des Robotermarktes. Das ehrgeizige Ziel dieses Plans bestand darin, den Markt für Dienstleistungsroboter, insbesondere auch im medizinischen Bereich, auf 9 Milliarden € Jahresumsatz zu erhöhen. Dies würde eine einer Erhöhung der Marktgröße um den Faktor 20 entsprechen. Währenddessen ist der Markt für Industrieroboter bereits erheblich größer. Auch hier lautete das Ziel, den Umsatz auf jährlich ca. 9 Milliarden € zu steigern. Die Wachstumsrate wäre hierbei jedoch nicht mehr ganz so rasant, da diese Entwicklung nur eine Verdoppelung des bestehenden Marktes bedeuten würde. Die Regierung möchte die Robotertechnik als neues Aushängeschild und Zugpferd der japanischen Wirtschaft etablieren, wodurch sich auch Chancen für Privatanleger ergeben. Sehr interessant sind in dieser Hinsicht humanoide Robotertypen, also Roboter, welche der menschlichen Gestalt ähneln. Diese Art Roboter könnte unser Alltagsbild in Zukunft nachhaltig prägen, da sie über zunehmend bessere Kommunikatons- und Interaktionsfähigkeiten verfügen und für eine Reihe einfacher Dienstleistungs-Tätigkeiten bereits heute in Frage kommen.  

Für Aufsehen sorgte Ende 2014 der Nestlé Konzern, als zu Versuchszwecken 20 Roboter des Typs „Pepper“. Dieser Roboter wird im Vertrieb der Kaffeesparte Nescafé eingesetzt. Hier soll er den Kunden der Kaffeemaschinen bei Kaufentscheidungen beratend zur Seite stehen. Pepper kann in einer kommerziellen Version darüber hinaus Emotionen simulieren und sein Verhalten entsprechend anpassen. Dazu verfügt er auch über einen Langfristigen Speicher, welcher es ihm erlaubt, mit zunehmender Nutzungsdauer eine eigene Persönlichkeit aufzubauen. Diese hängt dabei vom Umgang des Nutzers mit dem Roboter zusammen. Der Hersteller von Pepper, die Softbank Corporation JP3436100006, betont dabei, dass durch Updates auch Verhaltensweisen hinzugelernt werden können. Auch Nestlé möchte sein Kontingent nach erfolgter Testphase auf rund 1.000 Modelle ausweiten.

Softbank wird im Rahmen eines Joint Ventures namens „Softbank Robotics Holdings“ mit dem chinesischen Großhändler Alibaba Group ALIBABA GROUP HOLDING LTD (WKN A117ME) (US01609W1027) und Foxconn Technology (FOXCONN TECHNOLOGY CO. LTD. REGISTERED SHARES TA 10 (WKN A0D9A3) (TW0002354008)) zusammenarbeiten, um Pepper in Zukunft auch in Europa und Nordamerika anbieten zu können. Foxconn wird in diesem Zusammenhang wahrscheinlich für die Massenproduktion des Roboters zuständig sein, während sich Alibaba um die logistischen Fragestellungen kümmern wird. Softbank, mit 60% Anteil an dem Joint Venture, wird mit der Weiterentwicklung des Gerätes beschäftigt sein.

In dem Bereich für humanoide Roboter ist auch Honda schon länger aktiv. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre beschäftigt sich der japanische Großkonzern mit der Entwicklung des Roboters „ASIMO“. Die Erstveröffentlichung dieses Roboters fand bereits im Jahr 2000 statt. Mittlerweile befindet sich ASIMO in der vierten Generation. Das Entwicklungsziel besteht darin, dass der Roboter in der Lage sein soll, Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Alltag zu unterstützen. Im Gegensatz zu Softbank´s Pepper, wessen Fokus stark auf menschliche Interaktion und Kommunikation ausgerichtet ist, fokussierte Honda Honda Giken Kogyo KK (JP3854600008) vor allem flüssige Bewegungsabläufe und versuchte, den Einsatzbereich des Roboters möglichst groß zu gestalten. So kann ASIMO beispielsweise Treppen steigen, Fussball spielen, springen und bis zu einer Geschwindigkeit von 6 km/h rennen. Des Weiteren kann er mit Menschen sprechen, Gegenstände tragen und einfache motorische Aufgaben übernehmen, zum Beispiel Getränke ausschenken. Eine Simulation von Emotionen wie beim Konkurrenzmodell Pepper ist dagegen momentan noch nicht möglich. Zudem ist ASIMO mit einem kolportierten Preis von etwa 2,5 Millionen € erheblich teurer (Pepper ist in der Basisvariante bereits ab rund 1.500€). Mittel- bis langfristig handelt es sich bei ASIMO jedoch um ein Projekt mit enorm hohem Potential. Die Bewegungsabläufe und Motorik des Roboters sind konkurrenzlos weit ausgereift. So besitzt momentan wohl nur ASIMO die Fähigkeiten, um Alten- und Pflegedienst eine sinnvolle Rolle einzunehmen. Darüber hinaus wird ist das Erledigen einfacher handwerklicher Aufgaben bereits jetzt möglich.

Auch das Unternehmen Sanrio (JP3343200006) aus Tokio verfügt bereits über erste Erfahrungen auf dem Markt menschenähnlicher Roboter. Aus einer Zusammenarbeit der Universität Osaka und der Sanrio-Tochtergesellschaft Kokoro Company entstand der „Actroid“, welcher 2003 veröffentlicht wurde. Das Besondere an diesem Modell ist die Tatsache, dass die meisten Versionen dieses Roboters äußerlich dem Erscheinungsbild einer jungen Frau nachempfunden sind. Ähnlich wie bei Pepper liegt auch hier der Fokus mehr auf der Interaktion mit Menschen. Actroid kann dabei sehr realistische Gesichtszüge eines Menschen nachzuempfinden. Der Roboter ist in der Lage zu blinzeln, zu lächeln und simuliert auch eine menschenähnliche Atembewegung. Die Stärke des Sanrio-Produktes liegt in der Kommunikation. In der aktuellsten Version implementierten die Entwickler zusätzliche Verbesserungen in der Gesprächsführung. So nimmt der Android Augenkontakt zu seinem Gesprächspartner auf und auch in der Lage auf Berührungen zu reagieren und diese mit eigenen Gesten zu erwidern. Darüber hinaus ist Actroid nun fähig, auf schnelle Themenwechsel in einer Unterhaltung angemessen zu reagieren und diesen Wechsel im eigenen Programm fließend herbei zu führen. Dies verbessert die Benutzerfreundlichkeit und Unterhaltung mit menschlichen Personen enorm, wodurch ein weiterer Schritt in Richtung Serienreife beispielsweise als Wegweiser gelungen ist. Des Weiteren umfasst das Bewegungsprofil nunmehr 18 verschiedene Gesten, die in Abhängigkeit des Gesprächsverlaufs zum Einsatz kommen. Durch die hohe Ähnlichkeit zum Menschen kommt der Roboter für eine Reihe von Aufgaben im Publikumsverkehr in Frage. So könnte der Actroid als Hostess auf Messen oder als Wegweiser in Einkaufszentren oder auf Flughäfen dienen. Langfristig sollte es möglich sein, ihn im Schulalltag zum Einsatz zu bringen, um Unterrichtssegmente oder ganze Schulstunden abzuhalten. Einen großen Vorteil stellt in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit dar, dass der Kunde den Roboter nach seinen eigenen optischen Wünschen bestellen kann. Leider verfügt der Actroid im Vergleich zu Pepper und ASIMO nur über sehr geringe Mobilitätsfähigkeiten. Momentan operiert der Roboter größtenteils aus dem Stehen oder Sitzen heraus. Gesten sind zwar möglich, jedoch sind die motorischen Fähigkeiten im Vergleich zu den Konkurrenten sehr eingeschränkt. Bisher ist ein Kauf des Actroids noch nicht möglich, lediglich eine Vermietung an Geschäftskunden wird derzeit angeboten.

Alles in allem lässt sich feststellen, dass der japanische Markt für humanoide Roboter gerade in den letzten zehn Jahren eine rasante Entwicklung genommen hat. Gerade im Bereich der Kommunikation mit Menschen haben Pepper und Actroid bereits ein beachtliches Niveau erreicht und sollten in nicht allzu ferner Zukunft für simple Dienstleistungen im öffentlichen Alltag zum Einsatz kommen. Das größte kommerzielle Potential bietet dabei momentan das Modell Pepper von Softbank. Der geringe Grundpreis des Roboters ist ein klares Argument für das Fabrikat der Firma Softbank. Darüber hinaus gibt ist es Softbank aus dem genannten Trio zuerst gelungen, ein massenmarkttaugliches Produkt zu veröffentlichen. Durch die Lernfähigkeit und die kompakte Größe bietet Pepper auch einen gewissen Entertainment-Faktor für die Heimnutzung des Gerätes.

Wegen dem zunehmend steigenden Altersschnitt in Japan und vielen europäischen Ländern werden Roboter aber auch im Pflegebereich in naher Zukunft hohe Wachstumsraten verzeichnen können. Aufgaben wie die Essensausgabe oder simple Gespräche mit den Patienten sind heute schon möglich. Das Gleiche sollte in den Bereichen Einzelhandel und Kundenverkehr gelten. Die Weitergabe von Produktinformationen und simple Verkaufsberatungen entlasten einerseits Mitarbeiter und sorgen andererseits auch für Marketingeffekte und erhöhen die Servicequalität durch permanente Verfügbarkeit. Somit ist auch eine gewerbliche Nutzung der humanoiden Roboter in Zukunft äußerst sinnvoll.

 

Offenlegung gemäß §34b WpHG: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren oder Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

 


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