Analyse Aktien China-Internet

Alibaba, Weibo und Tencent – Online Boom in China?

Ein Beitrag von tzimmer 8 14.03 - 21:36

Die vergangenen Jahre bescherten dem chinesischen Internetmarkt massive Wachstumszahlen, nicht zuletzt durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones. Es zeichnet sich jedoch eine Ver-langsamung des Wachstums der Nutzerzahlen ab. Wie haben sich drei Unternehmen, die von den steigenden Nutzerzahlen der vergangenen Dekade profitierten, aktuell im Markt platziert? Und wie wollen sie weiteres Wachstum generieren?
 
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Tencent Holdings Ltd
 
 
WEIBO CORP. R.SH.CL.A(SP.ADR...
 

In den vergangenen Jahren begünstigte die zunehmende Verbreitung von Smartphones in der Volksrepublik China das ohnehin starke Wachstum der Internetnutzer zusätzlich. Auch im Jahr 2016 stieg die Anzahl der Internetnutzer in China weiter. Die Zahl der Nutzer stieg dabei um rund 43 Millionen Personen, ein Anstieg um 6,2 Prozent. Momentan nutzen in China 731 Millionen Menschen das Internet, etwa 695 Millionen davon auch über ein eigenes Smartphone. Eine Cisco Studie aus dem Jahr 2016 geht für die Volksrepublik bis zum Jahr 2020 von einem weiteren Nutzerzuwachs in Höhe von 238 Millionen Menschen aus. Das Wachstum dürfte sich in der mittelfristigen Zukunft jedoch verlangsamen. Insbesondere das starke Wachstum auf dem mobilen Sektor dürfte durch eine zunehmende Marktsättigung der Smartphones abnehmen, bereits heute nutzen mehr als 95 Prozent aller Internetnutzer in China ein Smartphone. Durch das sich verlangsamende Wachstum durch reine Zunahme von Nutzerzahlen wird sich in Zukunft auf diesem Gebiet zunehmend ein Verdrängungswettbewerb herausbilden. Daher wird es für chinesische Internetunternehmen wichtig werden, durch qualitativ hochwertige Funktionen und Dienstleistungen zu überzeugen. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf einige der größeren chinesischen „Internetgiganten“, um zu überprüfen, inwieweit diese für einen strengeren Wettbewerb gewappnet sind und inwiefern weiteres Wachstumspotenzial vorhanden ist.

Die ALIBABA GROUP HOLDING LTD (WKN A117ME) (US01609W1027) ist seit ihrem Börsengang im Jahr 2014 den meisten Menschen in Europa und Nordamerika ein Begriff. Erst im Jahr 1999 gegründet, beschäftigt Alibaba mittlerweile etwa 46.000 Angestellte und ist in mehr als 190 Ländern weltweit aktiv. Im Jahr 2016 hat Alibaba sogar Wamart als das größte Handelsunternehmen der Welt abgelöst, der Umsatz im Fiskaljahr 2016 betrug dabei 15,6 Milliarden US-Dollar. Richtete sich das ursprüngliche Onlineportal des Unternehmens noch hauptsächlich dem Großhandel, so besitzt die Alibaba Group mittlerweile eine Vielzahl von Tochtergesellschaften, welche eine große Bandbreite an zumeist online-basierten Diensten anbieten. Als Beispiele könnten in diesem Zusammenhang die Onlinezahlungsplattform Alipay, der Online-Marktplatz Taobao oder der Clouddienstleister Alibaba Cloud genannt werden. Goldman Sachs bewertete den Ausblick für das Unternehmen in einer Analyse kürzlich als positiv. Als Grund hierfür führten die Analysten unter anderem das breite Dienstleistungsangebot der Alibaba Group an, welches eine umfangreiche Generierung von Nutzerdaten an insgesamt fast 100 Datenpunkten ermöglicht. Eine solch umfangreiche Datengenerierung könnte durch die zunehmende Verbreitung von Big Data-Technologien in Zukunft die Kundenakquise, Kundenbindung sowie die operationale Effizienz der Dienstleistungen erhöhen. Einen weiteren Wachstumstreiber könnte laut der Analyse der Clouddienst der Alibaba Group darstellen. Die Analysten prognostizierten in diesem Unternehmensbereich im Jahr 2020 ein Umsatzpotenzial in Höhe von 8,3 Milliarden US-Dollar und zwischenzeitlich jährlich zweistellige Wachstumsraten. Durch Partnerschaften mit den chinesischen Einzelhandelsunternehmen Bailian und Intime könnten sich weitere Wertschöpfungspotenziale ergeben. Mit Bailian ging Alibaba erst kürzlich eine Kooperation ein. Alibaba und Bailian werden im Zuge der Kooperation Kundendaten austauschen und vernetzen, darüber hinaus werden weitere Features, wie das Online Zahlungssystem Alipay in den Filialen implementiert. Durch diese Erweiterungen soll das Einkaufserlebnis der Kunden optimiert werden. Durch die Kooperation erhält Alibaba Zugriff auf rund 4700 Filialen in 25 chinesischen Provinzen, um seine Dienstleistungen weiter zu verbreiten.

Hinsichtlich von sozialen Medien lohnt sich ein Blick auf die WEIBO CORP. R.SH.CL.A(SP.ADRS)/1 DL-,00025 (WKN A110V7) (US9485961018). Dieser Kurznachrichtendienst ging im Jahre 2009 als Sina Weibo online. Die mittlerweile ausgelagerte Sina Corporation hält heute 51 Prozent der Anteile am Unternehmen, auch die Alibaba Group ist mit 32 Prozent beteiligt. Hinsichtlich der Funktionalität stellt Weibo einen Hybrid aus den Diensten von Twitter und Facebook dar. Die Textlänge der Nachrichten ist auch hier auf 140 Zeichen limitiert, jedoch liegt ein stärkerer Fokus auf der Einbindung von Bild- und Videoquellen. In den vergangenen Jahren überzeugt auch Weibo durch starke Unternehmenszahlen. In den Jahren 2014 bis 2016 betrug das Wachstum der jährlichen Nutzerzahlen immer mehr als 30 Prozent. Mit momentan 313 Millionen aktiven monatlichen Nutzern hat Weibo den US-Rivalen Twitter fast eingeholt, welcher derzeit über 319 Millionen aktive monatliche Nutzer verfügt. 2016 stieg der Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 213 Millionen US-Dollar, ein Plus von 43 Prozent. Der Nettogewinn legte im gleichen Zeitraum gar um 125 Prozent zu und stieg um 43 Millionen US-Dollar an. Als den Haupttreiber dieser Zahlen gibt das Unternehmen höhere Einnahmen durch Werbeplatzierungen an. Uneingeschränkt positiv kann die Analyse der aktuellen Situation von Weibo jedoch nicht ausfallen. Die Internetzensur der chinesischen Regierung könnte sich für das Unternehmen zugleich als Segen und Fluch erweisen. Durch die Zensur von Twitter schaffte die Regierung eine Marktlücke auf dem chinesischen Markt, welche Weibo ausnutzte. Als soziales Medium unterliegt Weibo aber auch der Zensur der chinesischen Regierung und ist dazu verpflichtet, kritische Inhalte selbstständig zu löschen. Dies stellt sich als Risikofaktor eines Investments in diesen Wert dar, da Sanktionen der Regierung sich nachteilig auswirken könnten. Des Weiteren herrscht auf dem chinesischen Markt für Kurznachrichtendienste ein großer Wettbewerb, zu den Konkurrenten zählen unter anderem auch die Kurznachrichtendienste der Konkurrenten Tencent, Sohu oder Netease. Sanktionen gegen einzelne Marktteilnehmer in dieser Branche könnten zu nachhaltigen Veränderungen der Kräfteverhältnisse in diesem Marktumfeld führen.

Tencent Holdings Ltd (KYG875721634) könnte man als größten Rivalen der Weibo Corporation ansehen. Ähnlich wie die beiden zuvor genannten Unternehmen verfolgt auch Tencent seit seiner Gründung im Jahr 1998 einen starken Wachstumskurs. Derzeit beschäftigt die Gesellschaft weltweit mehr als 32.000 Arbeitnehmer. Im September 2016 wurde Tencent zum wertvollsten Unternehmen Chinas, als die Marktkapitalisierung einen Wert von 256,6 Milliarden US-Dollar erreichte. Durch diese Bewertung zählt Tencent sogar zu den 10 wertvollsten Unternehmen der Welt. Die beiden wichtigsten mobilen Anwendungen des Unternehmens stellen die Apps „WeChat“ und „Weixin“ dar. Zusammen besitzen beide momentan etwa 846 Millionen aktive monatliche Nutzer. WeChat bietet hierbei neben der Kernfunktion der App, dem Chatten, eine große Bandbreite verschiedener Dienstleistungen. Innerhalb der App ist es neben den Kommunikationsmöglichkeiten der Benutzer miteinander unter anderem möglich, Taxis zu rufen, Essen zu ordern, Mobile Games zu spielen, E-Commerce Einkäufe zu erledigen und weitere Online-to-Offline Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Dieser komplett integrierte Ansatz ist in diesem Umfang innovativ und könnte innerhalb des chinesischen Marktes in Zukunft eine der größten Stärken der App darstellen sowie die Position des Unternehmens innerhalb der Branche festigen. Innerhalb der Apps sorgt momentan vor allem der Spielevertrieb für kräftiges Wachstum. Im dritten Quartal des Jahres setzte das Unternehmen hiermit allein 2,6 Milliarden Dollar um, fast die Hälfte des Gesamtumsatzes der Gesellschaft. Tencent entwickelt hierbei nur eingeschränkt eigene Spiele, das Unternehmen lizensiert stattdessen bekannte und erprobte Spiele der europäischen und amerikanischen Entwickler für den chinesischen Markt. Neben dem Angebot der Online-Dienstleistungen investiert Tencent in eine Vielzahl weiterer Innovationsfelder, beispielsweise in Elektroautos oder künstliche Intelligenz. Ähnlich wie Alibaba versucht also auch Tencent, nicht ausschließlich nur im Internetgeschäft zu operieren. Potenziell problematisch ist jedoch die Teilung der Nutzer auf die beiden Apps Weixin und WeChat. Die Kundendaten sind laut Branchenbeobachtern noch nicht voll integriert, was in der näheren Zukunft zu Problemen führen könnte, sofern es Konkurrenten schneller gelingen würde, mit Hilfe von Big Data Wertschöpfungspotenziale durch die enormen Datenmengen zu generieren. Insbesondere im Vergleich zu Alibaba scheinen sich in diesem Zusammenhang derzeit noch Nachtteile zu ergeben.


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