Analyse Aktien China-Internet

Internet-Dienstleister China: Wachstum auch weiter möglich?

Ein Beitrag von tzimmer 13 29.05 - 24:57

Bedingt durch den schnellen Netzausbau und die zunehmende Technologisierung, aber auch durch die Zensur ausländischer Dienste durch die Regierung, erfahren chinesische Internet-Unternehmen seit Jahren ein starkes Wachstum. Gibt es trotz mittlerweile hoher Bewertungen noch interessante Investments?
 
51job Inc
 
 
Baidu Inc
 

Auch im vergangenen Jahr hielt für viele chinesische Internet-Unternehmen der Wachstumskurs an, was sich nicht zuletzt auch an der Börsenbewertung der jeweiligen Aktien widerspiegelte. Vor allem der zügige Infrastrukturausbau, welcher immer größere Nutzergruppen zur Folge hat, aber auch die staatliche Zensur einiger wichtiger internationaler Konkurrenten wie Facebook oder Google ermöglichten den Aufschwung der letzten Jahre. Mittlerweile haben sich drei Unternehmen herauskristallisiert, welche die chinesische Internetnutzung zunehmend dominieren. Infolgedessen sind Baidu, Tencent und Alibaba auch bei westlichen Investoren beliebt. Gemeinsam sind diese Unternehmen seit einiger Zeit schon für eine Vielzahl von Neuemissionen von Tochterunternehmen verantwortlich. Innerhalb des chinesischen Marktes kommt es um diese Werte bereits zu Phänomenen, die an die Anfangszeit der „Dot-com-Blase“ auf westlichen Aktienmärkten erinnern. Zuletzt waren beispielsweise die Emissionen von „ZhongAn“ und „China Literature“ jeweils um das mehrere Hundertfache überzeichnet. Während sich also ein immer größerer Teil der Online-Geschäftsmodelle in den Tätigkeiten der drei größten Unternehmen zentriert, stellen die hohen Bewertungen vieler Unternehmen derzeit für Anleger eine weitere Herausforderung dar. Eine Abkühlung des Marktes könnte Unternehmen ohne solides Geschäftsmodell mittel- bis langfristig schwer treffen oder, wie im Falle der „Dot-com-Blase“, komplett aus dem Markt drängen. Dabei besteht insbesondere für solide Unternehmen weiterhin Kurspotenzial. Das vor zwei Monaten eingeführte Verbot für VPN-Verbindungen kappt Nutzern innerhalb Chinas den Zugriff auf ausländische Dienste, die ehrgeizigen Ziele der Regierung bei der Etablierung des Mobilfunkstandards 5G verbessern die Rahmenbedingungen für die einheimischen Unternehmen weiter. Laut eines BCG-Reports wurden in China im Jahr 2016 Online-Umsätze in Höhe von 967 Milliarden US-Dollar erzielt. Dabei nutzten 2016 lediglich 52 Prozent der chinesischen Bevölkerung das Internet. Alleine hinsichtlich dieser Zahlen lässt sich erkennen, dass für Internetunternehmen in Zukunft weiteres Wachstumspotenzial besteht.

51job Inc (US3168271043)

Ein Kandidat für interessierte Anleger könnte das Unternehmen „51job Inc.“ sein. Die 1998 gegründete Gesellschaft ist ein integriertes Personaldienstleistungsunternehmen, welches über seine Tochtergesellschaften eine Vielzahl von Human Resource Services anbietet. Hierzu zählen unter anderem Online-Stellenanzeigen und -Recruiting, Print-Anzeigen, Headhunting, Personalschulungen sowie das Outsourcing von Geschäftsprozessen. Der Fokus liegt jedoch auf der Bereitstellung der Online-Dienstleistungen. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatzanteil des Online-Recruitings bei 61 Prozent. In den vergangenen Jahren hat 51job ein beträchtliches Wachstum verzeichnet. Auch im Geschäftsjahr 2017 konnte dieser Trend aufrechterhalten werden. Mittlerweile nutzen mehr als 370.000 Arbeitgeber die Dienstleistungen des Unternehmens. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2016 konnte der Umsatz vergangenes Jahr um 21,4 Prozent auf knapp 443 Millionen US-Dollar gesteigert werden. Das operative Ergebnis konnte gar um 42,3 Prozent auf 133,8 Millionen US-Dollar erhöht werden. Auch im ersten Quartal des aktuellen Jahres konnten die Zahlen überzeugen. Der Umsatz stieg um 33,5 Prozent auf 129,3 Millionen US-Dollar, während das operative Ergebnis um mehr als 43 Prozent zulegen konnte. Das Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung sowie eine steigende Arbeitskraftmobilität sind allesamt Faktoren, welche positive Auswirkungen auf die Marktsituation von 51job Inc. haben könnten. Die Diversifizierung über diverse HR-Bereiche eröffnet dem Unternehmen vielfältige Kooperationsmöglichkeiten mit Kundenunternehmen und könnte 51job vor der Marktmacht der großen Mitbewerber im Online-Geschäft schützen. Mittelfristig könnte es für das Unternehmen daher wichtig sein, auch außerhalb des Online-Recruitings seine Aktivitäten ebenfalls im bisherigen Maße weiter auszubauen. Im Vergleich zu den großen Internet-Dienstleistern könnte für 51job darüber hinaus eine stärkere Abhängigkeit zum allgemeinen Wirtschaftswachstum, hier insbesondere dem Arbeitsmarkt, bestehen, welche es zu berücksichtigen gilt.

Baidu Inc (US0567521085)

Das chinesische Google-Äquivalent heißt Baidu. Das Unternehmen betreibt unter anderem die gleichnamige Suchmaschine, mit welcher man innerhalb Chinas Marktführer ist. Im Jahr 2000 gegründet, handelt es sich bei Baidu mittlerweile um die viertgrößte Suchplattform der Welt. Weiteres Wachstum soll zukünftig vor allem in Schwellenländern generiert werden. Im Fokus stehen dabei afrikanische, südamerikanische und asiatische Staaten. Bisher erzielt Baidu beinahe ausschließlich innerhalb Chinas Umsätze. Ähnlich wie Google hat sich auch Baidu ein großes Portfolio an unterschiedlichen Services und Geschäftsfeldern aufgebaut. Zu diesem Portfolio zählen etwa eine eigene Videoplattform, ein Filmstudio sowie ein eigenes Projekt zur Entwicklung eines autonomen Fahrzeugs. Die wichtigste Einnahmequelle stellt jedoch nach wie vor das Werbegeschäft in Zusammenhang mit der Suchmaschine dar. Im vergangenen Jahr konnte man auf diese Weise 11,2 Milliarden US-Dollar umsetzen, konzernübergreifend generierte man so 86 Prozent des Gesamtumsatzes in diesem Bereich. Zukünftig dürfte vor allem die Entwicklungsarbeit hinsichtlich Künstlicher Intelligenz für Baidu von großer Bedeutung sein, sowohl im Zusammenhang mit der Suchmaschine, als auch im Bereich des Autonomen Fahrens. Spielraum für Forschungs-Investitionen oder Zukäufe hat sich Baidu zwischenzeitlich aufgebaut. So verfügt das Unternehmen derzeit über eine Kassenhaltung in Höhe von mehr als 26 Milliarden US-Dollar. Kürzlich konnte Baidu seine Streaming-Plattform „iQiyi“ erfolgreich an der Börse platzieren. Seit der erstmaligen Listung hat die Börsenbewertung um 13 Prozent zugelegt. Baidu hält knapp 60 Prozent der Aktien an iQiyi, weitere Kurszuwächse hätten also auch für die Baidu-Bilanz positive Folgen. In der näheren Zukunft könnte Baidu seinen Wachstumskurs innerhalb Chinas durchaus fortsetzen. Mit rund 70 Prozent Marktanteil bei Desktop-Suchen sowie 82 Prozent der Suchen auf mobilen Endgeräten könnten steigende Internetnutzerzahlen vor allem bei Baidu zu Zuwächsen führen. Ab einem gewissen Zeitpunkt dürfte aber auch innerhalb Chinas eine Marktsättigung erreicht werden. Interessierte Investoren sollten daher genau beobachten, inwieweit die KI-Entwicklungen und die Markteintritte in weiteren Schwellenländern verlaufen. Hinsichtlich der KI steht man in China den beiden großen Konkurrenten Tencent und Alibaba gegenüber, während man sich außerhalb Chinas im Zusammenhang mit Suchmaschinen vor allem der Konkurrenz durch Google gegenübersieht.


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