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Biotech und IT wachsen zusammen

Ein Beitrag von Squid 39 20.07.2014

Die Biotechnologie und die Informationstechnologie (IT) rücken immer näher zusammen, da es eine wahre Datenflut aus dem wachsenden Geschäft für Gensequenzierungs-Technologien gibt.
 
Illumina Inc
 
 
Qiagen NV
 
 
SAP SE
 
 
Thermo Fisher Scientific Inc
 
 
Roche Holding Ltd
 
 
Baxter International Inc
 
 
Sigma-Aldrich Corp
 

Dieses Zusammenwachsen der beiden Technologien führt zwangsläufig zu Übernahmen:

Auf die Gensequenzierung spezialisierte Unternehmen kaufen kleinere IT-Firmen. Große IT-Konzerne versuchen auf dem Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen. Es scheint also, dass die Anleger einem Bioinformatik-Konzern wesentlich bessere Ergebnisse zutrauen, als einem der nur Diagnostik und Probenvorbereitung betreibt. Laut Studien soll sich das Marktvolumen für Bioinformatik  alleine im nächsten Jahr auf mehr als zwei Milliarden Dollar verdoppeln.

Was ist Bioinformatik?

Die Bioinformatik (englisch bioinformatics, auch computational biology) ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Probleme aus den Lebenswissenschaften mit theoretischen computergestützten Methoden löst. Sie hat zu grundlegenden Erkenntnissen der modernen Biologie und Medizin beigetragen. Bekanntheit in den Medien erreichte die Bioinformatik in erster Linie 2001 mit ihrem wesentlichen Beitrag zur Sequenzierung des menschlichen Genoms.

Die rasch wachsende Menge biologischer Daten, insbesondere DNA- und Proteinsequenzen, deren Kommentierung (die Annotation), 3D-Proteinstrukturen, Interaktionen biologischer Moleküle und Hochdurchsatzdaten von beispielsweise Microarrays, stellt besondere Anforderungen an die Handhabung dieser Daten. Ein wichtiges Problem der Bioinformatik besteht daher in der Datenaufbereitung und Speicherung in geeignet indizierten und verknüpften biologischen Datenbanken. Die Vorteile liegen dabei in der einheitlichen Struktur, der leichteren Durchsuchbarkeit und der Automatisierbarkeit von Analysen durch Software.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bioinformatik

 

Damit gehört die Firma Qiagen N.V. (ISIN Qiagen NV (NL0000240000)) zu einem potentiellen Übernahmekandidaten. Qiagen hat die Markteinführung von 14 neuen Genpanels, die eine breite Palette an krebsrelevanten Genen und Genregionen abdecken, bekannt gegeben und baut damit sein bereits Marktführendes Portfolio an Panels für die Untersuchung von Krebs weiter aus. Das Unternehmen mit Sitz in Hilden bei Düsseldorf will vom Anbieter diagnostischer Tests und Proben-Vorbereitungen auch zu einem Spezialisten für Bioinformatik werden.

„Inzwischen bieten wir das umfangreichste Genpanel-Portfolio am Markt an und erweitern unser Angebot stetig um weitere leistungsfähige Lösungen, die Labors bei der Etablierung schneller und integrierter Arbeitsabläufe unterstützen", erklärt Peer M. Schatz, Vorstandsvorsitzender von Qiagen.

Die als mögliche Käufer von Qiagen gehandelten Unternehmen sind:

Sigma-Aldrich (ISIN Sigma-Aldrich Corp (US8265521018)) ist ein weltweit führendes Life-Science- und Technologie-Unternehmen. Der Konzern entwickelt, produziert und vertreibt eine breite Palette an hochwertigen Chemikalien, Biochemikalien sowie das entsprechende Equipment für einen internationalen Kundenstamm. Die hergestellten Chemikalien und Biochemikalien sowie die molekularbiologischen Reagenzien und Laborgeräte kommen weltweit in Laboratorien zu Zwecken der wissenschaftlichen Forschung und der pharmazeutischen Produktentwicklung zur Anwendung.

 

Illumina (ISIN Illumina Inc (US4523271090)) ist ein im Bereich Genforschung tätiges US-amerikanisches Unternehmen. Die Kernkompetenzen des Konzerns liegen auf Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Life Science-Geräten und integrierten Systemen für die Analyse von genetischen Variationen und Funktionen. In diesem Zusammenhang werden innovative Sequenzierungs- und Array-basierte Lösungen für Genotypisierung, Variationsanalyse, Methylierung sowie Genprofilierung und DNA-, RNA- und Protein-Untersuchung in Studien zur Verfügung gestellt.

 

Baxter International Inc. (ISIN Baxter International Inc (US0718131099)) ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich Gesundheitswesen. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet Lösungen zur Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten und körperlichen Mängeln, die an medizinische Labors, Krankenhäuser, Dialyse-Zentren und Ärzte vertrieben werden. Das Unternehmen ist außerdem in der Herstellung und Vermarktung von Instrumenten und Dialysatoren zur Behandlung von Nierenkrankheiten tätig. Ein dritter Unternehmensbereich beinhaltet Gerinnungsmittel für Bluterkrankheiten und Biopharmazeutika zur Behandlung von Krebs, Immun-Krankheiten und anderen Erkrankungen.

 

Grundsätzlich sind die Analysten auch ohnedies zuversichtlich: Sie schätzen, Qiagen werde den Umsatz in dem kommenden drei Jahren um durchschnittlich 19 Prozent pro anno erhöhen. Das KGV von hohen 23 für dieses Jahr dürfte allerdings im nächsten Jahr auf 21 sinken. Wegen der vielversprechenden Transformation zu einem Bioinformatik-Unternehmen und der Übernahmefantasie bleibt die Aktie allerdings interessant.

 

Auch der Schweizer Roche-Konzern  (ISIN Roche Holding Ltd (CH0012032113)) baut sein Diagnostikgeschäft mit einem Zukauf in den USA aus. Der Arzneimittelhersteller legte Anfang Juni für die auf DNA-Sequenzierung spezialisierte Firma Genia Technologies bis zu 350 Millionen Dollar auf den Tisch. Die Eigentümer der im Privatbesitz befindlichen Firma erhalten sofort 125 Millionen Dollar, teilte Roche mit. Bei Erreichen festgelegter Meilensteine werden weitere bis zu 225 Millionen Dollar fällig. Genia entwickelt eine Plattform zur Gensequenzierung auf Halbleiterbasis unter Verwendung von Nanoporen-Technologie. Roche setzt stark auf dieses neue Feld der personalisierten Medizin. Dank des eigenen Diagnostikgeschäfts kann der Basler Konzern im Gegensatz zu vielen anderen Pharmakonzernen die dazu nötigen Gentests selbst entwickeln und anbieten. 2012 startete der Roche-Konzern den Übernahmeversuch von Illumina (s.o.). Das Angebot über 6,5 Milliarden Dollar erschien Illumina aber zu gering. Auch der Versuch 2013 das Unternehmen Life Technologies zu übernehmen (13,6 Milliarden Dollar) scheiterte.

 

Life Technologies war eine der weltweit größten Biotechnologie-Firmen. 2011 beschäftigte Life etwa 10.400 Menschen und erwirtschaftete einen Umsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar. Life besitzt mehr als 4.000 Patente und Lizenzen und bietet über 50.000 Produkte auf dem Markt für medizinische und Grundlagenforschung an.  Anfang 2014 wurde das Unternehmen von  Thermo Fisher Scientific Inc.  (ISIN Thermo Fisher Scientific Inc (US8835561023)) übernommen, der Name blieb aber erhalten.

Das Unternehmen  Thermo Fisher Scientific Inc. ist ein international tätiger Hersteller von industriellen und wissenschaftlichen Maßsystemen. Des Weiteren entwickelt und vertreibt das Unternehmen Informations-Management-Software und Geräteausstattungen für verschiedene Branchen. Die Abnehmer kommen aus den Bereichen Life Sciences, Telekommunikation, Nahrungsmittel und Getränke, Chemie sowie der Öl- und Gasindustrie. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte über vier Hauptmarken: Thermo Scientific, Life Technologies, Fisher Scientific und Unity Lab Services. Dabei ist Thermo Scientific hauptsächlich für technologische Produkte zuständig, während Life Technologies und Fisher Scientific Produkte für Labore, Chemikalien und Zubehör anbieten und Unity Lab Services ein Portfolio an Services für Laborequipment- und Instrumente offeriert.

 

Auch große IT-Konzerne versuchen auf dem Gesundheitsmarkt Fuß zu fassen, wie etwa die SAP  AG (ISIN SAP SE (DE0007164600)) mit der Datenbank HANA und aktuell mit dem Kauf des Medizinpflaster-Hersteller LTS Lohmann. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis verkaufte seinen rund 43-prozentigen Anteil an den Miteigentümer Hopp, zugleich gebe der Stuttgarter Finanzinvestor BWK seinen Anteil von 24 Prozent ab, teilten die Unternehmen mit. Damit erhöht Hopps Beteiligungsgesellschaft Dievini ihren Anteil an LTS Lohmann auf 96 Prozent von zuvor rund 30 Prozent. Ziel sei, das Unternehmen komplett zu übernehmen, sagte Dievini-Geschäftsführer Christof Hettich der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden den verbliebenen Kleinaktionären ein gleichwertiges Angebot unterbreiten“, führte er aus. Entsprechende Gespräche liefen bereits. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Der Pharmariese Novartis erwartet eigenen Angaben zufolge aus dem Verkauf seines Anteils einen Gewinn von rund 300 Millionen Euro nach Steuern.

Nähere Informationen zu der SAP Datenbanktechnologie HANA:

http://help.sap.com/saphelp_nw73/helpdata/de/af/81f38183cf46b9b919f82d7bb7ec47/content.htm?current_toc=/de/a0/efe8240b754ee4ac1acc1ff57fa87c/plain.htm&show_children=true

 

Generell ist im Moment zu beobachten, dass in diesem Bereich eine ähnliche Übernahmewelle im entstehen ist, wie sie seit Mitte des Jahres im Bereich der Pharmaindustrie passiert.

 

Über Beiträge und Anregungen zu diesem Thema würde ich mich freuen.

 


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