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Krebs Immuntherapie

Ein Beitrag von Squid 39 26.04.2015

Die Immuntherapie wird von vielen Experten als Durchbruch im Kampf gegen Krebs gefeiert. Während Tumore immer wieder Resistenzen gegen die Chemotherapie und zielgerichtete Therapeutika entwickeln, kann die Immuntherapie dieses Problem umgehen und den Krebs effektiv bekämpfen.
 
Pfizer Inc
 
 
Merck & Co Inc
 
 
Merck KGaA
 
 
Roche Holding Ltd
 
 
Amgen Inc
 

Seit 1987 gibt es Forschungen zur Immuntherapie als Alternative zur Chemotherapie. Immer wieder zeigten sich einzelne Erfolge, doch erst im Jahr 2013 kam der wirkliche Durchbruch in der Forschung. Das Fachmagazin „Science“ bezeichnet die Immuntherapie aus diesem Grund auch als wissenschaftliche Top-Entdeckung des Jahres 2013. Demnach haben in diesem Jahr mehrere, unterschiedliche Studien belegen können, dass der Aufbau des Immunsystems in der Immuntherapie klare, positive Ergebnisse zutage fördert. Ein neues Kapitel in der Krebsbehandlung sei eingeschlagen worden, so das Fachmagazin. Während die  Chemotherapie mit Strahlung und chemischen Mitteln den Tumor bekämpft, will die Immuntherapie das Immunsystem stärken. Es dazu bringen, die Krebszellen gezielt zu bekämpfen.

Zelluläre Immuntherapie

Der Begriff "zelluläre Immuntherapie" fast alle Formen von Immuntherapien zusammen, bei denen Immunzellen im Rahmen einer Krebsbehandlung gegen Tumorzellen eingesetzt werden. Im engeren Sinne verstehen Fachleute darunter heute meist die Aktivierung von sogenannten zytotoxischen T-Zellen.

Verschiedene Behandlungsansätze:

Tumorvakzinen

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Impfstrategien gegen Krebs untersucht und entwickelt. Ziel war die Blockade von krebstypischen Merkmalen, die für das Wachstum von Tumorgewebe entscheidend sind. Solche Impfstoffe sind jedoch schwierig zu entwickeln und noch schwieriger in größeren Mengen zu produzieren. Für experimentelle Impfungen verwendete man bislang selten ganze Tumorzellen und oft auch nicht die vollständigen tumorspezifischen Moleküle oder Antigene, gegen die sich die Impfung richten sollte. Die bisherigen Strategien setzen überwiegend darauf, dem Patienten nur Bruchstücke solcher Antigene zu geben, in der Hoffnung, sein Immunsystem möge entsprechend reagieren. Meist handelt es sich um sehr kleine Eiweiße, sogenannte Peptide, daher auch die Bezeichnung Peptidvakzinierung.

Dendritische Zellen

Um die Immunreaktion zu verstärken, wurde in bisherigen Studien auch versucht, isolierte Immunzellen von Krebspatienten sozusagen im Reagenzglas auf die Tumorantigene zu prägen und diese "geimpften" Zellen dann als Infusion zurückzugeben. Dazu nutzte man die dendritischen Zellen oder antigenpräsentierenden Zellen. Ihre Aufgabe ist es, im Körper einmal erkannte schädliche Stoffe regelrecht "herumzuzeigen", um eine Immunreaktion schnell auszuweiten.

Onkolytische Viren

Als onkolytische oder onkotrope Viren bezeichnet man Erreger, die Tumorzellen infizieren können - möglichst ohne eine schwere Erkrankung des Patienten zu verursachen. Die dahinter stehende theoretische Überlegung setzt auf Viren, die sich möglichst nur in Tumorzellen vermehren. Eine solche Infektion führt, so die Hoffnung der Forscher, zum Absterben der malignen Zellen. Vor allem dürfen die verwendeten Viren ihrerseits keine Erkrankungen beim Menschen hervorrufen.

Adoptiver T-Zell-Transfer

Der sogenannte adoptive Transfer von T-Lymphozyten beziehungsweise T-Zellen ist keine aktive Immunisierung, sondern ein sogenanntes passives Verfahren: Das Immunsystem des Patienten selbst wird nicht direkt aktiviert. Man isoliert zunächst T-Zellen aus dem Blut des Patienten und vermehrt sie im Labor. Mit molekularbiologischen Verfahren lassen sich aus den gewonnenen Zellen die  tumorspezifischen T-Zellen gezielt isolieren. Nur diese werden dem Patienten wieder zurückgegeben.

 

Unternehmen:

Erste Therapien mit dendritischen Zellen zur Behandlung von Prostatakarzinomen wurden vom US-Biotech Unternehmen Dendreon Corp. US24823Q1076 unternommen. In den USA wurde diese erste Vakzinetherapie 2010 von der FDA zugelassen. Der Wirkstoff ist seit dem dritten Quartal 2013 auch in innerhalb der EU und weiteren europäischen Ländern zugelassen. Mit der tatsächlichen Verfügbarkeit in allen EU-Ländern kann es allerdings länger dauern.




Sipuleucel-T ist ein als therapeutischer Krebsimpfstoff verwendetes Immuntherapeutikum und soll zur Behandlung fortgeschrittener Prostatakarzinomerkrankungen dienen. Das Arzneimittel wird unter dem Markennamen Provenge vermarktet. Im Rahmen der Krebs-Immuntherapie wird dem Patienten Blut entnommen und im Labor von Dendreon einer speziellen Behandlung ausgesetzt, die eine gezielte Immunreaktion gegen den Krebs auslösen soll und wieder dem Patienten injiziert. Die Vakzine muss aber für jeden Patienten individuell hergestellt werden.

Die Firma Dendreon weist nur noch eine sehr geringe Marktkapitalisierung von 6 Mio. US-Dollar auf und hat sich im November 2014 in ein Chapter 11 Insolvenzverfahren begeben. Aus diesem Grunde kann ich einen Kauf der Dendreon Aktien derzeit nicht empfehlen.

 

Der Basler Pharmakonzern Roche Holding AG Roche Holding Ltd (CH0012032113) Inhaberaktien hat auch sein Portfolio in dem Bereich der Krebs-Immuntherapie erweitert und u.a. eine Vereinbarung mit dem indischen Unternehmen Curadev Pharma Private getroffen. Curadev Pharma Private habe mit Roche eine exklusive Forschungs- und Lizenzvereinbarung für die Entwicklung und Kommerzialisierung von IDO1- und TDO-Hemmern abgeschlossen, teilte das indische Unternehmen am 20.04. mit.

 

Die Vereinbarung beinhalte die Entwicklung des Lead-Inhibitoren, der sich in vorklinischer Entwicklung befinde, sowie die Organisation zur weiteren Erforschung der IDO- und TDO-Signalpfade, heißt es weiter. Curadev erhält im Gegenzug laut Mitteilung eine Vorabgeltung in bar von 25 Mio. US-Dollar und ist im Erfolgsfall über Meilensteinzahlungen usw. zum Erhalt von bis zu 530 Mio. US-Dollar berechtigt. Darüber hinaus seien auch umsatzabhängige Zahlungen vereinbart worden. IDO1 (indoleamine-2, 3-dioxygenase-1) und TDO (tryptophan-2, 3-dioxygenase) sind Enzyme, die bei der Unterdrückung der körpereigenen Immunreaktion auf Krebserkrankungen eine Rolle spielen und die Immunreaktion hemmen.

Auch in die Genomforschung investiert der Pharmakonzern. Er kaufte Anfang April die kalifornische Forschungsfirma CAPP Medical. Das Ziel der Firma sei es, mittels Erkennung von Tumor-DNA im Blut Fortschritte für die Krebsuntersuchung zu erzielen. Die Technologie hat laut Roche-Diagnostics-COO Roland Diggelmann unter anderem das Potenzial, dass solche Untersuchungen kostengünstiger werden.

 

Der Pharmakonzern Merck KGaA Merck KGaA (DE0006599905) und der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer Inc. ISIN  Pfizer Inc (US7170811035) haben Ende 2014 eine Allianz bei der Entwicklung und Vermarktung von Krebsmitteln geschmiedet. Die beiden Unternehmen wollen zusammen Medikamente auf den Markt bringen, die das körpereigene Abwehrsystem dazu bringen sollen, bösartige Tumore zu bekämpfen. Bis zu 20 Medikamenten Studien sollen dieses Jahr starten, unter anderem mit der Bekämpfung von Nieren- und Blasenkrebs, wovon nach eigenen Angaben sechs zulassungsrelevant sein sollen. Aktuell wird das Krebsmittel Avelumab gegen bösartigen Hautkrebs nach eigenen Angaben in die dritte und damit letzte Phase der klinischen Erprobung gebracht.

 






Die Pharmasparte Serono des Merck Konzern Merck & Co Inc (US58933Y1055) hat Ende März eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung mit dem US-Unternehmen Intrexon geschlossen. Ziel ist die Entwicklung und Vermarktung von T-Zell-Krebstherapien. Im Rahmen der Vereinbarung erhält Merck Serono exklusiven Zugang zu den Technologien von Intrexon. Dem US-Unternehmen zahlt Merck im Gegenzug zunächst 115 Millionen US-Dollar. Für die ersten zwei von Merck Serono ausgewählten Tumorziele erhält Intrexon zudem Forschungsgelder und potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 826 Millionen Dollar für definierte Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsziele sowie Lizenzgebühren auf Produktumsätze. Die Intrexon Corp. ISIN US46122T1025 hat des Weiteren Anspruch auf weitere Zahlungen bei Erreichung von bestimmten Meilensteinen in der Technologieentwicklung.

 

Die Medigene AG DE0005020903 gibt dieser Tage auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AACR) ihre klinischen Daten zu ihrer DC-Vakzinen Plattform bekannt. Die Behandlung mit dendritischen Zellen wurde bisher bei jeweils einem Patienten mit Lungenkrebs bzw. Prostatakrebs sowie bei vier Patienten mit Glioblastom (bösartiger Hirntumor) und drei Patienten mit akuter myeolischer Leukämie begonnen. Diese neue Generation von dendritischen Zellen soll in der Lage sein, Antigene aufzunehmen, zu prozessieren und sie so auf ihrer Zelloberfläche zu präsentieren, dass antigen-spezifische T-Zellen aktiviert und dadurch zur Teilung und Reifung angeregt werden. Die T-Zellen werden dadurch in die Lage versetzt, Antigen-tragende Tumorzellen zu erkennen und zu eliminieren. Ebenso können dendritische Zellen natürliche Killerzellen dazu aktivieren, Tumorzellen anzugreifen.

 

Das Biotechnologie-Unternehmen Mologen AG Mologen (DE0006637200) präsentierte Anfang März auf der 2nd Immunotherapy of Cancer Conference (ITOC-2) in München detaillierte Daten zu einer Phase-I-Studie zu der Krebs-Immuntherapie mit der Bezeichnung MGN1703. Die Krebs-Immuntherapie wird zurzeit für die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Darmkrebs (Zulassungsstudie) und bei kleinzelligem Lungenkrebs (randomisierte kontrollierte Studie) entwickelt. Daneben befindet sich MGN1601, eine therapeutische Impfung gegen Nierenkrebs, in der klinischen Entwicklung und hat bereits eine klinische Studie der Phase I/II erfolgreich abgeschlossen.

 

Advanced Proteome Therapeutics Corporation Advanced Proteome (CA0076281009) gab Mitte April bekannt, dass das U.S. Patent and Trademark Office das US-Patent Nr. 8927485 an das Unternehmen erteilt hat. Das Patent umfasst Methoden für die standortspezifische Modifizierung von Peptiden, Polypeptiden und Proteinen, die allesamt Arten von durchführbaren Therapeutika darstellen. Ziel des Unternehmens, das eine Marktkapitalisierung von 21,06 Mio. Euro hat, ist neben dem Einsatz von Therapien zur gezielten Bekämpfung von Tumorzellen auch der Einsatz eines reinen monotherapeutischen Wirkstoffs in der Kombinationstherapie, der zur Verbesserung der Therapien auch mit weiteren Wirkstoffen kombiniert werden kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt das Unternehmen die Absicht, ein einzigartiges Protein (und die damit verbundenen Systeme) nicht nur als Transportmedium zur Tumorzelle, sondern auch als Gerüst zu verwenden, über das jede Antitumoreinheit mit ihrem ganz spezifischen Einsatzort auf der Proteinoberfläche verbunden wird. Beides soll für eine effiziente Herstellung und Produktentwicklung unerlässlich sein. Das Protein-Vehikel hat sich als potenzielles Immuntherapeutikum erwiesen, da es bei der Aktivierung des Immunsystems hinsichtlich der Bekämpfung und der Zerstörung von Krebszellen eine Rolle spielt.

 

Entwicklung, Investitionen und Übernahmen:

Seit der Übernahme der Münchener Firma Micromet AG durch den US-Biotech-Konzern Amgen Amgen Inc (US0311621009) im Jahr 2012 gehört das Biotech-Krebsmedikament Blinatumomab zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie zum Portfolio der Amerikaner. Bei Blinatumomab handelt es sich um einen künstlichen bispezifischen Antikörper, der auf der Basis der sogenannten BiTE-Technologie entwickelt wurde. Konventionelle therapeutische Antikörper markieren Krebszellen lediglich und setzen sie der menschlichen Immunabwehr aus. Wird die Antikörper-Therapie allerdings abgesetzt, so klingt auch der medizinische Effekt ab. Experten sprechen von passiven Immuntherapien. Das ehemalige Münchner Biotech-Unternehmen Micromet hatte es aber geschafft, die Antikörper so schrumpfen zu lassen, dass sie Tumorzelle und Killerzellen des Immunsystems in direkte Nachbarschaft zueinander bringen können. So richtet sich Blinatumomab wie ein Adapter gleichzeitig gegen den CD3-Rezeptor von T-Zellen und gegen das Oberflächenprotein CD19 auf den Tumorzellen. Die T-Zellen werden auf diese Weise aktiviert, sie gehen gezielt gegen die Krebszellen vor und zerstören sie.


Die Immatics Biotechnologies GmbH wurde im Jahr 2000 in Tübingen gegründet und zählt mittlerweile knapp 80 Mitarbeiter im schwäbischen Hauptsitz. Neben zahlreichen Klinikstandorten in Deutschland kooperieren die Tübinger inzwischen auch mit internationalen Partnern, unter anderem mit der Houstoner M.D. Anderson Krebsklinik, um ihre Immuntherapien zu testen. Immatics gehört zu den am besten finanzierten Unternehmen der deutschen Biotechnologie-Branche. Zu dem Investorenkreis zählen gleich mehrere Milliardäre: Dietmar Hopp über dessen Dievini Hopp Biotech Holding sowie die Strüngmann-Brüder über deren Beteiligungsgesellschaft Athos. Allein im Rahmen der jüngsten, vierten Finanzierungsrunde hat Immatics 2014 rund 34 Millionen Euro eingesammelt. Hoffnungsträger für Immatics ist der Arzneikandidat IMA901, der sich in einer Phase III-Zulassungsstudie befindet. Die therapeutischen Vakzine enthalten zehn sogenannte Tumor-assoziierte Peptide, die bei der Mehrzahl von Patienten mit Nierenkrebs nachgewiesen wurden. Sie dienen als Antigene, die das Immunsystem der Patienten gezielt gegen die Tumore ausrichten. IMA901 wird in Kombination mit dem bereits zugelassenen Tyrosinkinase-Inhibitor Sunitinib bei Patienten mit Nierenkrebs eingesetzt. Mit einem Studienergebnis wird noch dieses Jahr gerechnet.

Das Potential des Unternehmens wurde schon 2013 vom Roche Konzern erkannt und eine Kooperation in der Erforschung von Impfstoffen gegen Magen-, Lungen- und Prostatakrebs geschlossen. Bei Erfolg soll die Zusammenarbeit 765 Millionen Euro in die Kassen von Immatics bringen.


Das 2014 von der Universitätsklinik ausgegründete Bonner Unternehmen Rigontec entwickelt RNA-basierte Immuntherapeutika zur Behandlung von Krebs und Viruserkrankungen.  Leitprodukt ist ImOI100, eine modifizierte, doppelsträngige RNA, die als Ligand des Rezeptors RIG-I fungiert. Der Rezeptor RIG-I ist an der Erkennung von RNA-Viren beteiligt. Seine Aktivierung durch ImOI100 könnte die Zerstörung von erkrankten Zellen beschleunigen, die Mikroumgebung des Tumors verändern und eine dauerhafte Immunantwort einleiten. Rigontec-Geschäftsführer Schetter ist begeistert über das enorme Interesse, das Investoren und Pharmaindustrie der Technologie entgegenbringen. Der Immuntherapie-Spezialist hat im März die Riege seiner Investoren um zwei weitere Geldgeber erweitert. Mit den beiden neuen Wagniskapitalfonds stehen dem Bonner Unternehmen für die Entwicklung ihrer RNA-basierten Immuntherapeutika nunmehr sechs finanzstarke Investoren zur Seite. Die im Oktober vergangenen Jahres gestartete erste Finanzierungsrunde konnte somit von 9,45 auf 14,25 Millionen Euro aufgestockt werden.


Und so kann es ewig weitergehen. Mit den beiden letzten Beispielen wollte ich Aufzeigen, das die Entwicklung im Bereich Krebs-Immuntherapie gerade im „kleinen“ Bereich von Privatunternehmen voranschreitet.

 

Über Beiträge und Kommentare würde ich mich freuen.

 


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