Analyse Aktien Dividendenwerte

Dividendenwerte: Alternative in Zeiten des Niedrigzinses?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 03.02 - 11:39

Unternehmen, welche an ihre Aktionäre regelmäßig Dividenden auszahlen, ermöglichen den Eigentümern ihrer Anteilsscheine den Aufbau passiver Einkommensströme. In Zeiten eines niedrigen Zinsniveaus auf Spareinlagen erfreut sich das Segment des Dividenden-Investments wieder steigender Beliebtheit und wachsendem medialen Interesse. Eine Übersicht über eine Auswahl ausschüttender Unternehmen in verschiedenen Geschäftsfeldern soll Anlegern Einblicke in die derzeitige Situation der Gesellschaften verschaffen.
 
AT&T Inc
 
 
Nike Inc
 
 
Munich Reinsurance Company
 

In den vergangenen Jahren erfreuten sich Dividendenstrategien hoher Popularität. Medienseitig wird der Dividende in Zeiten des Niedrigzinses oftmals auch die Bezeichnung des „neuen Zinses“ zugeschrieben. Die Beliebtheit von Dividendenstrategien lässt sich beispielsweise dadurch aufzeigen, dass einer der größten deutschen Aktienfonds, der DWS Top Dividende, eine solche Strategie verfolgt. Darüber hinaus gibt es am Markt eine Vielzahl weiterer aktiv oder passiv gemanagter Dividendenfonds, zudem besteht ein reichhaltiges Angebot an Ratgebern und Webseiten bezüglich dieser Thematik. Dividendenwerte besitzen eine Reihe von Vorteilen gegenüber Unternehmen, die eine geringere Dividende ausschütten. Zunächst muss angemerkt werden, dass Aktien, die eine regelmäßige Dividende ausschütten, für die Besitzer der Wertpapiere ein zusätzliches Einkommen generieren. Dieses Zusatzeinkommen kann durch den Investor in der Folge konsumiert oder reinvestiert werden, bildet für die Aktienbesitzer hierdurch ein passives Einkommen. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich bei Gesellschaften, die sich entschließen, eine hohe Dividende auszuzahlen, um Blue-Chip Aktien. Dies bedeutet, dass es sich um stabile, größere Unternehmen handelt, welche sich sowohl technologisch als auch in Bezug auf ihre Marktanteile in ihren Kernmärkten etabliert haben. Die hierdurch resultierende gute Prognostizierbarkeit des eigenen Cash-Flows könnte zu einer geringeren Volatilität der Aktienkursbewegung führen, auch wenn diesen Unternehmen aufgrund ihrer Größe oftmals das Potenzial zu hohen Umsatz- oder Kurszuwächsen fehlt. Unternehmen, die durch die Ausschüttung einer regelmäßigen und vergleichsmäßig hohen Dividende die Attraktivität ihrer Aktie erhöhen möchten, tendieren dazu, diese Dividende im Zeitauflauf zu erhöhen, wodurch für Investoren auch Kapitalwertsteigerungen entstehen könnten. Neben weiteren Argumenten könnten die bisher beschriebenen Vorteile ein gezieltes Investment in Dividendenaktien für Anleger interessant machen. Im Folgenden werden daher einige Gesellschaften vorgestellt, die in diese Kategorie eingeordnet werden könnten. Hierbei wird jeweils ein Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung der Unternehmen geworfen sowie ihre Dividendenpolitik beleuchtet.

Munich Reinsurance Company (DE0008430026)

Zu den bekanntesten Dividendenaktien auf dem europäischen Markt zählt die deutsche Rückversicherungsgesellschaft Münchener Rück. Im vergangenen Jahr konnte der Kurs des Münchener Konzern dabei eine regelrechte Kursrallye hinlegen, um circa 40 Prozent stieg der Aktienkurs des Unternehmens in den vergangenen 12 Monaten. Mitverantwortlich für die gute Geschäftsentwicklung des Konzerns im Jahr 2019 war ein, hinsichtlich von Naturkatastrophen, ruhiges Geschäftsjahr für die Rückversicherer. Die Branche musste im vergangenen Jahr für Wirbelstürme, Erdbeben, Überschwemmungen und Waldbrände insgesamt 150 Milliarden US-Dollar regulieren. Im Jahr 2018 hatte dieser Wert noch bei 186 Milliarden US-Dollar gelegen. Im 30-Jahres-Schnitt fiel dieses Jahr leicht überdurchschnittlich aus, der inflationsbereinigte Durchschnitt liegt über diesen Zeitraum bei 145 Milliarden US-Dollar. Unterdurchschnittlich fiel die Zahl der Naturkatastrophen hingegen auf dem nordamerikanischen Kontinent aus. Hier wurden im vergangenen Jahr lediglich 18 tropische Wirbelstürme und Hurrikans registriert. Von diesem Umstand konnte auch die Münchener Rück profitieren, da sie in den USA und Kanada ein hohes Vertragsvolumen aufweist. In der Folge könnte man den Geschäftsverlauf des Konzerns für das Jahr 2019 als solide bezeichnen. Auch im dritten Quartal konnte die Gruppe einen Gewinn in Höhe von 865 Millionen Euro vermelden, insgesamt erhöhte sich der Profit des Gesamtjahres hierdurch auf 2,49 Milliarden Euro. Der Großteil der Gewinne entfiel dabei auf das Rückversicherungsgeschäft, welches 746 Millionen Euro zum Quartalsgewinn beitrug. Darüber hinaus profitierte der Konzern von positiven Währungseffekten, insbesondere im Zusammenhang mit Entwicklungen des US-Dollars und einiger Devisen der Emerging Markets. Durch diese Effekte konnte das Management Währungsgewinne im Umfang von 228 Millionen Euro verkünden. Auch aus Investments mit den eigenen Kapitalbeständen konnte im dritten Quartal eine Rendite in Höhe von 3,4 Prozent erzielt werden. Während das Eigenkapital der Münchener Rück zu Jahresbeginn noch auf 26,5 Milliarden Euro taxiert wurde, lag dieser Wert zum Ende des dritten Quartals 2019 bei über 31,5 Milliarden Euro. Im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms wurden in diesem Zeitraum Aktien im Umfang von 0,7 Milliarden US-Dollar zurückerworben. Durch die gute Geschäftsentwicklung der ersten 9 Monate des Jahres konnte die Prognose für das Gesamtjahr angehoben werden. Das Gewinnziel wurde für das Geschäftsjahr 2019 auf 2,5 Milliarden Euro angehoben. Sofern sich diese letzten Prognosen bewahrheiten, sollte einer Beibehaltung der Dividendenstrategie der Vergangenheit nichts im Wege stehen. Derzeit beträgt die Dividende pro Aktie 9,25 Euro, was einer Dividendenrendite von 4,87 Prozent zum Abschluss des Geschäftsjahres 2018 entsprach. Bei erfolgreichem Geschäftsabschluss könnte die Dividende im Rahmen der nächsten Hauptversammlung abermals erhöht werden.

AT&T Inc (US00206R1023)

Zu der Riege beliebter Dividendenwerte zählt auch die Aktie des US-amerikanischen Mobilfunkanbieters AT&T. Mit einem jährlichen Umsatz von knapp 171 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2018) zählt der Konzern derzeit zu den größten Unternehmen der Welt. AT&T blickt hinsichtlich seiner Dividendenpolitik auf eine lange Historie an Ausschüttungen zurück. Seit 35 Jahren erhöht das Unternehmen jährlich die eigene Dividende. Die aktuelle annualisierte Dividende beläuft sich auf 2,04 US-Dollar pro Anteilsschein, wodurch sich nach aktuellem Kurs eine Dividendenrendite in Höhe von 5,35 Prozent ergibt. Das Ausschüttungsverhältnis beträgt hierbei derzeit noch moderate 71,5 Prozent. Um der Konkurrenz auf dem Mobilfunk- und Kommunikationsmarkt zu begegnen und sich weitere Umsatzströme zu erschließen, bemüht sich AT&T nun um Marktanteile im Streaming-Geschäft. Im Rahmen eines etwa 3 Jahre andauernden Übernahmeprozesses, im Laufe dessen sich AT&T auch mit einer Kartellrechtsklage der US-Regierung konfrontiert sah, sicherte man sich schließlich das Medienunternehmen Time Warner. Der Gesamtumfang des Geschäfts belief sich letztlich auf eine Kaufsumme von 85 Milliarden US-Dollar, durch die Übernahme des Schuldenstandes von Time Warner lag das Gesamtinvestment jedoch über der 100 Milliarden-Marke. Mit seinem Kundenstand von etwa 170 Millionen Nutzern in Mexiko, Kanada und den USA bietet sich AT&T eine gute Grundlage, um die neu erworbenen Medieninhalte zu vermarkten. Darüber hinaus möchte das Management auch einen weiteren Unternehmensbereich ausbauen. Im Jahr 2018 erwarb man das Werbesoftware-Unternehmen „AppNexus“, um künftig auch mit Werbeinhalten höhere Umsätze erzielen zu können, zumal in diesem Zusammenhang auch mögliche neue Werbekonzepte denkbar sind. Insbesondere die Analysewerkzeuge der AppNexus-Lösungen eröffnen AT&T hierbei umfassende Auswertungsmöglichkeiten der Streaming- und Werbeangebote. Das erste Jahr nach der Time Warner-Übernahme verlief jedoch noch nicht wie gewünscht. Insgesamt musste ein Videoabonnenten-Rückgang von circa 3 Millionen Nutzern festgestellt werden. Der Nutzerrückgang in diesem Bereich entspricht allgemein rückgängigen Zahlen in diesem Marktsegment, jedoch konnten viele Wettbewerber Zugewinne im Internetgeschäft verzeichnen. Auch hier waren die AT&T-Zahlen rückläufig. Diese Verluste entstammten jedoch größtenteils den Altverträgen aus dem DSL-Bereich, hier wurde aufgrund der veralteten Technik mit Rückgängen gerechnet. Dieser Entwicklung soll in der Zukunft durch ein gebündeltes, einfach zugängliches Produktangebot entgegengetreten werden. Im Februar soll der Dienst „AT&T TV“ starten, welcher das Streaming-Medienangebot zentral für Kunden abrufbar machen soll. Auch hinsichtlich des Glasfasergeschäfts könnten die jüngsten Zahlen Hoffnung schüren. In den ersten 3 Quartalen des vergangenen Jahres konnte man auf dem US-Markt etwa 1 Millionen neuer Abonnenten verzeichnen. Für interessierte Investoren wird das Geschäftsjahr 2020 zwei wesentliche Fragestellungen bereithalten. Gelingt es AT&T die rückläufigen Zahlen seines Medienangebotes durch die neuen Angebote zu stoppen? Und wie entwickelt sich der Markt für 5G, welcher durch die zunehmende Verfügbarkeit 5G-fähiger Endgeräte für Verbraucher immer interessanter wird? Wenn die Kundenzahlen sich in diesen beiden Segmenten positiv entwickeln, könnte einer Weiterführung der bisherigen Dividendenstrategie seitens des Unternehmens wenig im Wege stehen.

Nike Inc (US6541061031)

Der US-amerikanische Sportartikelhersteller Nike ist traditionell nicht als Dividendenwert bekannt. Dabei zahlt auch Nike bereits seit 1985 Dividenden aus, im Jahr 2019 beläuft sich diese auf 88 US-Cent pro Anteilsschein. Auffällig ist eine deutliche Steigerung der Ausschüttungsquote in den vergangenen drei Jahren, über diesen Zeitraum hinweg stieg die Dividende jährlich um knapp 16 Prozent an. Im Tagesgeschäft könnte man die derzeitige Situation des Unternehmens ebenfalls positiv bewerten. Ende des vergangenen Jahres erreichte der Aktienkurs ein neues Allzeithoch, verharrt seit einigen Wochen konstant oberhalb der 90 Euro-Marke. Vor allem die Digitalstrategie des Unternehmens aus dem US-Bundesstaat Oregon scheint Früchte zu tragen. Die letzten Quartalszahlen wiesen ein Umsatzplus von 7 Prozent auf 10,7 Milliarden US-Dollar aus. Hierbei sorgten negative Währungseffekte noch für Abschläge, währungsbereinigt hätte sich der Zuwachs auf 10 Prozent belaufen. Vor allem das Online-Geschäft trieb diese Entwicklungen an. Während die Online-Umsätze auf dem nordamerikanischen Markt um 30 Prozent zulegten, fiel das Plus in China mit einer 70-prozentigen Steigerung nochmals größer aus. Auch auf dem europäischen Markt konnten in diesem Zusammenhang leicht zweistellige Zugewinne vermeldet werden. In Folge dieser Umstände wuchs der Gewinn an und legte um 25 Prozent auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar zu. Die starken Online-Zahlen egalisierten die negativen Erwartungen der Analysten an die Sportmarke, welche aus den internationalen Handelskonflikten resultierten. Durch innovative Vermarktungsstrategien, wie turnusmäßigen Abonnements für Bekleidungsstücke, und der Einsparung von Händlermargen, welche durch die Direktvermarktung über das Internet entfallen, konnte Nike die eigenen Margen seiner Produkte beträchtlich erhöhen. Für Anleger könnten auf dem chinesischen Markt und im Digitalgeschäft die Fokuspunkte gesetzt werden. Das Wachstum der letzten Jahre wurde auch durch die starken Zugewinne auf dem chinesischen Markt ermöglicht. Im vergangenen Jahr konnte hier ein Zugewinn von 22 Prozent auf 1,68 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang der im Jahr 2017 mit der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA geschlossene Exklusiv-Vertrag für die Ausrüstung aller Teams der Liga. Die NBA ist in China die mit großem Abstand populärste internationale Sportliga, sie weist allein mehr Fans auf als die drei größten europäischen Fußballigen zusammen. Die Marketingwirkung und die Trikotverkäufe könnten das Wachstum innerhalb Chinas auch in den kommenden Jahren antreiben. udem sollte die weitere Entwicklung der Online-Umsätze für Investoren von Interesse sein. Während der Gewinn des Konzerns in den letzten drei Jahren um jährlich etwa 5 Prozent wuchs, wiesen die Online-Umsätze im gleichen Zeitraum eine durchschnittliche Steigerungsrate von 42 Prozent auf. Auch wenn das Aufrechterhalten dieser Wachstumsraten in den kommenden Jahren schon rein mathematisch nicht möglich sein wird, so sollten Anleger die Entwicklung des Online-Geschäfts genauer verfolgen, da dieses Segment eine wichtige Rolle für die derzeitige Geschäftsentwicklung spielt. Sofern sich diese positiven Entwicklungen fortsetzen, könnte auch die aggressivere Ausschüttungsstrategie der jüngeren Vergangenheit beim Unternehmen aus Beaverton Fortführung finden.


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