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Elektroquote als Chance für chinesische Automobilindustrie?

Ein Beitrag von tzimmer 11 10.04 - 17:57

Lange Zeit standen einheimische Automobilproduzenten in China im Schatten der etablierten Konkurrenz. Doch nun besteht für die chinesischen Hersteller durch die Regierungspläne einer Elektroquote neue Hoffnung. Daher könnte auch für Anleger der Blick auf die chinesische Autoindustrie lohnen.
 
Dongfeng Motor Group Compan...
 
 
Geely Automobile Holdings Ltd
 

Als die chinesische Regierung ihren Plan einer 100-prozentigen Zielquote für Elektrofahrzeuge bekannt gab, sorgte diese Nachricht für Aufsehen innerhalb der Automobilindustrie. Für viele Automobilproduzenten weltweit stellt China bereits heute einen sehr wichtigen Absatzmarkt dar, der VW-Konzern verkauft beispielsweise etwa 40 Prozent seiner Fahrzeuge in China. Auch als Zukunftsmarkt besitzt China einen hohen Stellenwert. Viele Hersteller setzen in ihrer Zukunftsprognose auf den steigenden Wohlstand Chinas als Gegengewicht zu den tendenziell stagnierenden Fahrzeugmärkten der meisten etablierten Industrienationen. Neben der geringen Luftqualität in vielen chinesischen Großstädten dürfte die Regierung aber auch wirtschaftliche Interessen verfolgen. Der Abstand zu den meisten etablierten Automobilproduzenten hinsichtlich der Verbrennungstechnologie, aber auch bezüglich des Prestiges der Importprodukte, erscheint derzeit wohl zu groß. Bei der Elektromobilität erscheinen die Ausgangsbedingungen für chinesische Produzenten besser. Zur Unterstützung der einheimischen Produzenten plant die Regierung derzeit eine Prämie in Höhe von umgerechnet 8.000 Euro für ein Elektroauto aus chinesischer Produktion. Das Ziel der Kampagne soll es sein, dass bis zum Jahr 2020 70 Prozent aller verkauften Elektrofahrzeuge aus chinesischer Produktion stammen, bis zum Jahr 2025 schließlich 80 Prozent. Für Investoren könnte dies die Attraktivität der chinesischen Automobilhersteller erhöhen, daher soll im Folgenden ein genauerer Blick auf zwei Produzenten erfolgen. In beiden Fällen ist neben dem zukünftigen Potenzial auch die derzeitige Positionierung im Markt von Interesse.

Geely Automobile Holdings Ltd (KYG3777B1032)

Das in Hangzhou ansässige Unternehmen Geely besitzt aktuell etwa 80.000 Angestellte und beschäftigt sich mit der Produktion von Automobilen und Motorrädern. Zu den Marken des Konzerns zählen unter anderem Emgrand, Englon oder Proton. In den europäischen Fokus rückte Geely erstmals 2010, als man die Übernahme von Volvo bekannt geben konnte. Vergangenes Jahr erwarb Geely dann auch den britischen Sportwagenproduzenten Lotus. Wurde der Kauf von Volvo von Marktbeobachtern zu Beginn noch kritisch beäugt, vor allem wegen der geringen Erfahrung mit westlichen Kundenansprüchen und dem europäischen Automobilmarkt, so erwies sich die Transaktion bisher überwiegend als Erfolg. Mit einem Nettogewinn von circa 1,2 Milliarden Euro erzielte Volvo beispielsweise im Geschäftsjahr 2016 fast den doppelten Nettogewinn der Muttergesellschaft Geely Automobile Holdings Ltd. (688 Millionen Euro). Darüber hinaus könnte das erworbene Know-How, insbesondere im Bereich der Sicherheitstechnik, auch für die Weiterentwicklung der Modelle der anderen Marken des Konzerns eine wichtige Rolle spielen. So überrascht es auch nicht, dass Geely kürzlich auch Pläne bekannt gab, neben der PKW-Sparte nun auch Anteile am LKW-Geschäft des schwedischen Herstellers erwerben zu wollen. Insgesamt ist der chinesische Konzern international gut aufgestellt. Neben den etwa 1.000 chinesischen Vertretungen ist der Konzern mit seinen Marken und Tochtergesellschaften in weiteren 23 Ländern aktiv. Das Geschäftsjahr 2017 stellte für Geely ein Rekordjahr dar. Mit konzernübergreifend etwa 1,1 Millionen verkauften Autos gelang Geely ein Rekordjahr. Im ersten Halbjahr konnte das EBIT, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, um knapp 120 Prozent gesteigert werden. Seine Zukunft sieht das Unternehmen derweil in der Produktion von Elektroautos. Unternehmensgründer Li Shufu verkündete kürzlich in einem Interview, dass Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2020 90 Prozent der verkauften Einheiten des Konzerns ausmachen sollen. In der näheren Zukunft möchte Geely vor allem mit der Marke Volvo von der Elektrifizierung des Automarktes profitieren. Schon ab dem kommenden Jahr soll Volvo in China ausschließlich Fahrzeuge mit Elektromotoren vertreiben, vollelektrisch oder als Hybrid. Damit will der Konzern von dem nach wie vor stark wachsenden Markt für Premium-Fahrzeuge und SUVs profitieren. Die Subventionen könnten im Falle von Geely bei den preisgünstigeren Fahrzeugen der Marken Emgrand und Kandi zukünftig eine positive Rolle spielen.

Dongfeng Motor Group Company Ltd (CNE100000312)

Eine Alternative könnte die Dongfeng Motor Group darstellen. Der Staatsbetrieb produziert seit 2003 Personenkraftwagen, zusätzlich zählen auch LKW und Busse zum Produktionsportfolio. Im Vergleich zu Geely verfügt Dongfeng über eine vergleichsweise geringe Anzahl an eigenen Marken, Fahrzeuge werden lediglich unter den Marken Dongfeng und Fengshen vertrieben. Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit Kia, der französischen PSA Gruppe sowie Honda und Nissan. Zusammen mit Nissan unterhält man in diesem Zusammenhang das 50:50 Joint Venture „Dongfeng Motor Company“, welche für den chinesischen Markt größtenteils PKW unter dem Markennamen Nissan und Nutzfahrzeuge unter der Bezeichnung Dongfeng produziert. Insbesondere diese Zusammenarbeit könnte für Dongfeng zukünftig von enormem Wert sein. Nissan gab kürzlich Pläne bekannt, nach denen das Unternehmen im Jahr 2022 mindestens eine Million elektrische Fahrzeuge absetzen will. Bei der Erreichung dieses Ziels dürfte der chinesische Markt eine wichtige Rolle einnehmen. Hierdurch dürfte Nissan sein Know-How in die Zusammenarbeit einbringen, derzeit gilt Nissan als einer der führenden Hersteller für Elektroautomobile weltweit. Vergangenes Jahr konnte das japanische Unternehmen rund 163.000 E-Autos verkaufen und besitzt mit dem Nissan Leaf bereits seit 2010 ein vollelektrisches Fahrzeug am Markt. In der nahen Zukunft plant man die Veröffentlichung von acht neuen elektrischen oder hybriden Modellen für den chinesischen Markt. Durch das große Angebot könnte man verschiedene Käuferschichten ansprechen und den durch die neuen staatlichen Vorgaben wachsenden Markt für E-Autos von Beginn an in der Breite abdecken. Neben der Nissan-Kooperation könnte die staatliche Unterstützung des Konzerns in den kommenden Jahren wichtig werden. Insbesondere kleinere Automobilhersteller und Unternehmen, welche nicht die erwünschten Fortschritte bei der Entwicklung der neuen Technologie erzielen, könnten dem Innovationsdruck, den die Initiative der Regierung erzeugt, zum Opfer fallen. In diesem Zusammenhang könnte die Entwicklungskooperation mit den anderen staatlichen Automobilproduzenten China FAW und Chongquing Changan Automobile Skaleneffekte bewirken und Dongfeng weniger anfällig für den Konsolidierungsprozess der chinesischen Fahrzeugindustrie machen. Hierdurch könnte sich Dongfeng trotz der im Vergleich zu Geely derzeit schlechteren Marktplatzierung mittel- bis langfristig ebenfalls als interessante Investmentalternative herausstellen.


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