Analyse Aktien Energiespeicherung

Energiespeicher: Revolution auf dem Energiemarkt?

Ein Beitrag von tzimmer 8 19.09 - 21:40

Der Energieversorgermarkt und die öffentliche wie private Energieinfrastruktur könnte zukünftig durch neuartige Speichertechnologien nachhaltig verändert werden. Sowohl Markteinsteiger, als auch etablierte Versorger bemühen sich derzeit um eine Positionierung im noch neuen Geschäftsfeld. Bei Panasonic und AES könnte sich ein genauerer Blick dabei lohnen.
 
Panasonic KK
 

In den vergangenen Jahren waren im Bereich der Speichertechnologie erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Lithium-Ionen-Akkus bieten gegenüber den zuvor genutzten Bleispeichern hierbei einige wesentliche Vorteile. Hauptsächlich sind in diesem Zusammenhang das geringere Gewicht, eine geringere Größe, eine ungleich höhere Lebensdauer sowie eine bessere Entladetiefe zu nennen. Vor allem die geringere Größe und die wesentlich höhere Speicherkapazität machen die Technologie hinsichtlich von Heimspeichern in Verbindung mit Photovoltaikanlagen immer interessanter. Anstatt den durch die Photovoltaik-Anlage produzierten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, entscheiden sich immer mehr Privathaushalte für eine Speicherung des Stroms und den anschließenden Selbstverbrauch. Hausbesitzer können ihre Stromkosten auf diese Weise momentan etwa halbieren. Heimenergiespeicher besitzen durch die technischen Fortschritte nun also das Potenzial, sich langfristig als Bestandteil von Photovoltaik-Anlagen zu etablieren. Hoffnungen setzen Produzenten solcher Systeme insbesondere in Deutschland auch auf eine seit 2016 eingeführte Förderung durch die KFW, welche Interessenten die Finanzierung erleichtern soll und somit zu steigenden Absatzzahlen führen könnte. Deutschlandweit sind rund 1,5 Millionen Photovoltaik-Anlagen installiert, kurzfristiges Absatzpotenzial könnte also auch hier vorhanden sein. Des Weiteren ergeben sich aber auch für Unternehmen enorme Potenziale für die Verwendung dieser Technologie. Durch die Vernetzung solcher Energiespeicher könnte ein zweites Energienetzwerk erzeugt werden, welches vor allem Nachfragespitzen zu bestimmten Tageszeiten ausgleichen könnte. Insbesondere in den USA ist dies für Unternehmen interessant, da diese in vielen Staaten eine Gebühr auf ihren Verbrauch zu diesen Zeiten zahlen müssen. Die beiden Speicherproduzenten Panasonic und Power-One schätzen den weltweiten Energiespeichermarkt für das Jahr 2020 auf ein Gesamtvolumen von 8 Milliarden US-Dollar, dieser neue Industriezweig könnte also auch für Anleger einen Blick wert sein.

Panasonic KK (JP3866800000)

Das japanische Unternehmen Panasonic ist im Bereich der Energiespeicherproduktion vielen durch die Kooperation mit Tesla hinsichtlich der „Gigafactory 1“ im US-Bundestaat Nevada ein Begriff. Seit Beginn des Jahres 2016 läuft hier bereits die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen und Batteriepaketen für diverse Anwendungsgebiete, hauptsächlich Akkus für Elektromobilität sowie Anwendungen des Energiesektors. Für Panasonic könnte diese Partnerschaft fernab der Elektromobilität im Markt für Energiespeicher von überragender Bedeutung sein. Einerseits sollte die Gigafactory 1 nach ihrer Fertigstellung enorme Produktionskapazitäten ermöglichen, geplant sind hier Batteriespeicherproduktionen mit einer jährlichen Gesamtleistungskapazität von 35 GWh, andererseits könnten durch Skaleneffekte hier die Produktionskosten um bis zu 30 Prozent sinken. Diese Preis- und Kapazitätsvorteile könnten für Panasonic bedeuten, dass man neben der Deckung des Bedarfs für die selbst produzierten Speicher auch Komponenten an Drittanbieter verkaufen könnte, wodurch man zusätzliches Absatzpotenzial wahrnehmen könnte. Einer der wichtigsten Zukunftsmärkte dürfte Indien sein. Die indische Regierung, welche sich eine komplett elektrische Mobilität bis zum Jahr 2030 zum Ziel gesetzt hat, besitzt auch hinsichtlich von Erneuerbaren Energien und ihrer Speicherung ambitionierte Ziele. Panasonic ist hier einer der Hauptbewerber für die Errichtung einer neuen Gigafactory, wodurch man sowohl die eigenen Produktionskapazitäten weiter erhöhen könnte, als auch strategisch günstig in einem wichtigen Absatzmarkt platziert wäre. Was Heimenergiespeicher für den privaten Gebrauch betrifft, ist Panasonic bereits seit 2012 im Markt vertreten. Auch hier setzt das Unternehmen auf strategische Kooperationen. Durch eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Unternehmen Pika Energy konnte man vor kurzem eine neue Generation von Heimspeichersystemen namens „Harbor“ vorstellen, welche technologisch derzeit zu den Leistungsfähigsten der Branche gehören. Panasonic besitzt darüber hinaus den Vorteil, dass es sich um einen Konzern mit diversen Geschäftsfeldern handelt. Wie die kürzlich erfolgte Insolvenz von Alevo, einem der Hauptkonkurrenten im neuen Industriezweig zeigt, kann in diesem sich noch nicht fest etablierten und neuen Markt eine alleinige Konzentration auf dieses Geschäftsfeld problematisch sein. Hier dürften die Einkünfte aus anderen Unternehmensbereichen die Etablierung im Speichermarkt unterstützen und bei Nachfrageschwankungen ausgleichend wirken.

Die zunehmende Verbreitung von Speichersystemen könnte auch für Energieerzeuger das eigene Geschäftsfeld maßgeblich beeinflussen. Die amerikanische AES Corporation, in der Vergangenheit hauptsächlich als konventioneller Energieerzeuger tätig, stellt sich jedoch bereits auf eine potenzielle Veränderung des eigenen Kernmarktes ein. Interessant ist hierbei zu beobachten, dass das Unternehmen nicht nur Kraftwerke zur Generierung Erneuerbarer Energien mit Speichern ausstattet, sondern auch andere Kraftwerkstypen diesbezüglich ausrüstet. Das neue, 640 MW starke „Alamitos Energy Center“ in Kalifornien soll beispielsweise einen 100 MW großen Speicher erhalten, um so Nachfragespitzen glätten zu können. Zusammen mit der Siemens AG gründete AES darüber hinaus das Joint Venture „Fluence“. Dieses Unternehmen soll die Technologien beider Partner kombinieren und insbesondere für gewerbliche Kunden individuelle Energiespeichersysteme bereitstellen. In dieser Hinsicht erweitert AES das eigene Konzernportfolio nun auch durch ein spezifisches Dienstleistungsunternehmen und öffnet auch Absatzpotenziale in Ländern, in denen man selbst bisher nicht präsent war. Bisher installierte Fluence in 13 verschiedenen Ländern 48 Systeme mit einer Gesamtkapazität in Höhe von 463 MW. Für die Zukunft ist im Rahmen dieser Zusammenarbeit aber auch die Entwicklung kleinerer Speicher für den Heimgebrauch denkbar. Derzeit arbeitet AES zusammen mit San Diego Gas and Electric am weltweit größten Energiespeicherprojekt auf Lithium-Ionen-Basis. Der Speicher, welcher zu Südkaliforniens Versorgung beitragen soll, wird eine Kapazität von 30 MW besitzen. In den asiatischen Markt möchte man vor allem durch Allianzen mit Mitsubishi und Eaton eintreten. Durch die konsequente Verfolgung des neuen Marktes möchte das Management einem Abwärtstrend im bisherigen Kerngeschäft entgegentreten. Der Jahresumsatz ist im Zeitraum von 2012 bis heute um 26 Prozent auf rund 13,5 Milliarden US-Dollar zurückgegangen.


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