Analyse Aktien Energieverbrauchscontrolling

Smart Metering grid: Immer noch in den Kinderschuhen

Ein Beitrag von R_Tarkovsky 23 11.05.2014

Immer noch Zukunftsmusik – die Spülmaschine, die dann anspringt, wenn der Strom gerade günstig ist. Ferngesteuerte Heizungen und Tankstellen für Elektroautos, die aber auch als Stromspeicher fungieren. Der Fantasie der Firmen sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es um Anwendungsbeispiele geht, die den Nutzen der Energiewende für den Verbraucher beschreiben. Bislang ist das jedoch in den allermeisten Fällen noch immer nur ein Traum, denn ein wichtiger Baustein der Energiewende sind intelligente Elektrogeräte, die Last aus dem Netz nehmen. Und die nötigen smarten Stromzähler lassen immer noch auf sich warten.
 
OPOWER INC. REGISTERED SHAR...
 
 
RWE AG
 
 
Siemens AG
 
 
Deutsche Telekom AG
 
 
Accenture PLC
 

Ein intelligenter“ Zähler, auch Smart Meter genannt, ist ein Zähler für Energie, z.B. Strom oder Gas, der entsprechend der Definition des §21d EnWG (Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung) dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit anzeigt und in ein Kommunikationsnetz eingebunden ist. Solche intelligente Zähler sind schon seit den 1990er Jahren vor allem für Großkunden in Betrieb, werden aber seit ungefähr 2010 auch für Privathaushalte angeboten. Modellabhängig können intelligente Zähler die erhobenen Daten automatisch an das Energieversorgungsunternehmen übertragen, was diesen eine intelligente Netz- und Ressourcensteuerung ermöglichen soll. Die Übertragungsvorgänge und die damit verbundenen Prozesse, Systemlösungen und Dienste werden unter „Smart Metering“ zusammengefasst. Neben intelligenten Stromzählern gibt es auch intelligente Zähler für den Gas-, Wasser- und Wärmeverbrauch. Soviel zur Theorie.

Das Problem ist nach wie vor, dass intelligente, digitale Stromzähler fehlen und immer noch in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern Mangelware sind. Solche Zähleinheiten könnten helfen, den Verbrauch zu steuern. Zwar ist deren Einbau seit 2010 in Neubauten und grundsanierten Gebäuden Pflicht und bis 2022 sollen nach der Vorgabe der EU 80 Prozent der Verbraucher mit intelligenten Maßsystemen ausgestattet werden. Doch auf klare Vorgaben warten die beteiligten Firmen inzwischen seit einiger Zeit. Zwar sind Pilotprojekte wie zum Beispiel der Stromversorger RWE AG (DE0007037129) "Smart Meter" getestet hat, immer wieder positiv verlaufen, denn alle 100.000 Haushalte im getesteten Mühlheim verfügen über intelligente Stromzähler. Die sogenannte Smart Meter gelten als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende: Die intelligenten Stromzähler sollen dabei helfen, den Energieverbrauch genau abzubilden und gegebenenfalls zu steuern, je nachdem wie groß das Angebot an produziertem Wind- oder Sonnenstrom gerade ist. Auf diese Weise können Versorger die Stromproduktion auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen und Schwankungen in ihren Netzen managen. Genau das was sich die Stromkonzerne immer gewünscht haben. Tankstellen für Elektroautos oder Nachtspeicherheizungen sollen beispielsweise als Energiespeicher dienen. Die Verbraucher profitieren davon, dass ihre Stromtarife flexibel angepasst werden können – inklusive des Preises versteht sich. Aber leider ist das in Deutschland noch ein kleiner Traum und die Umsetzung lässt noch auf sich warten. Andere europäische Länder wie Schweden, Italien oder die Niederlande haben längst mit dem Ausbau angefangen - in Deutschland ist wenig Aktivität zu verzeichnen. Zwar wurden Anforderungen zum Datenschutz schon 2012 definiert, aber erst seit vergangenem Sommer liegt eine vom Wirtschaftsministerium bestellte Kosten-Nutzen-Analyse für den Roll-out von Smart Metern in Deutschland vor.

Welcher Anbieter ist dabei und zu welchen Lasten gehen die Kosten?

Finanzierungsmöglichkeiten für die in Diskussion befindlichen Ausbau-Varianten würden derzeit auf Arbeitsebene sondiert und auch ein mehrstufiger Roll-out ist denkbar. Die Kosten sollen verteilt werden: Die Nutzer intelligenter Messeinheit-Systeme würden mit bis zu 72 Euro pro Jahr deutlich mehr belastet als Verbrauchsstellen ohne Smart Meter mit acht Euro pro Jahr. Die beteiligten Unternehmen hoffen, dass das Paket noch in diesem Jahr verabschiedet wird. Hersteller wie CH0001927166 warten schon lange auf grünes Licht. Während die Firma in Großbritannien bereits Aufträge für Millionen Smart Meter erhalten hat, seien in Deutschland nur Millionen Euro investiert worden und das bedauere der Konzern sehr. Auch die Deutsche Telekom AG (DE0005557508) steht in den Startlöchern. Der Start würde aber nicht vor dem Jahr 2016 erwartet, denn die Smart-Meter-Hersteller ließen sich zwar derzeit ihre Geräte vom zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren, diese müssen dann aber auch erst einmal gebaut werden. Auch die Netzagentur hat noch ein Wörtchen mitzureden. Ebenso auf Warteposition befinden sich Accenture PLC (IE00B4BNMY34) und Siemens AG (DE0007236101) – beide wollen ins Geschäft mit IT-Beratung und Abrechnung einsteigen. Auch die Fast Forward AG München macht durch eine sogenannte „EnergyCam“ aus jedem mechanischen Strom-, Gas- oder Wasserzähler mit einem einfachen Aufsatz einen Smart Meter. Das handflächengroße Auslesegerät erfasst die Stände optisch, digitalisiert den Wert und übermittelt ihn drahtlos oder per Kabel an ein beliebiges Gateway. Energieversorger, Messstellenbetreiber, Messdienstleister und Industriebetriebe können jeden Zähler mit Rollenzählwerk umrüsten und in die Smart-Metering-Kette einbinden. Das Gerät wird direkt über das Glas des jeweiligen Zählers gehalten und per Knopfdruck gestartet. Eine Komplettlösung für den Normalverbraucher gibt es derzeit immer noch nicht.

Finanzierungsmodelle anderer Länder lassen sich nicht übertragen. In Großbritannien ist der Energielieferant für den Zählertausch verantwortlich. Er trägt auch die Kosten der Umrüstung und kann versuchen, diese über den Strompreis dem Verbraucher weiter zu belasten. Die Umstellung von 27 Millionen Strom- und 22 Millionen Gaszählern soll zwischen 2014 und 2019 erfolgen. In allen anderen Ländern ist der Verteilnetz-Provider für den Zählertausch zuständig. In Italien und Schweden ist die Zählerumstellung schon komplett abgeschlossen. In Italien lagen die Umstellungskosten bei 68 Euro je Zähler und die Betriebskosten auf zwei Euro je Zähler und Jahr. Die Kosten werden über eine Erhöhung der Strompreise finanziert. Der Nutzen der neuen Zähler liegt vorwiegend beim Verteilnetz-Provider. In Schweden wurden der Zählertausch wegen der gesetzlichen Vorgaben einer monatlichen Abrechnung anhand der tatsächlichen Verbräuche zwischen 2006 und 2009 durchgeführt. Die digitalen Zähler sind auch dort fernauslesbar. Die Kosten werden in Schweden mit insgesamt 176 bis 293 Euro je Mess-Stelle beziffert.

Der US Konzern OPOWER INC. REGISTERED SHARES DL -,001 (WKN A1XEEY) (US68375Y1091) setzt hier verstärkt auf Datenanalyse: Das Programm des Unternehmens hat eine einfache Hypothese: Die Nutzer werden über ihren Energieverbrauch sofort in Kenntnis gesetzt und können so helfen Energie zu sparen. Opower erreicht heute über 32 Millionen Haushalte und Unternehmen mit bis zu 93 Versorgungsunternehmen in acht Ländern, das ergibt eine gesamte Analyse von über 100 Milliarden Zählerstände pro Jahr. Dieser Industriezweig hat in der Vergangenheit in Technologien wie CRM (Customer Relationship Management) nicht viel investiert, aber die Industrie hat sich geändert und Versorgungsunternehmen haben unter zunehmenden regulierenden Bestimmungen und Minderungen der Umweltbelastung zu dealen, es werden immer weniger Kraftwerke in Bau gesetzt, sauberer Brennstoffquellen müssen verwendet werden und dann kam noch die Konkurrenz mit neuen Marktteilnehmern aus der Solar- und Windenergie. Und genau hier setzt Opower durch erweiterte Verhaltensforschung, Cloud Computing und "Big Data"-Analysen an, um den Energieversorgern, aber auch dem Endnutzer ein reichhaltiges Verständnis des Energieverbrauches liefern zu können.

Kunden wollen lieber Smart Meter

Der Einbau intelligenter Stromzähler wird von 83 Prozent der deutschen Stromkunden befürwortet, wenn die Stromkonzerne die Kosten tragen, und ebenfalls von 83 Prozent, wenn der Datenschutz gewährleistet ist. Soweit besagt das eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Unternehmensberatung Putz & Partner unter 1.000 Verbrauchern im 1. Quartal 2014. 24 Prozent sprechen sich für einen Einbau eines Smart Meter sogar aus, wenn für sie dadurch Kosten entstehen. Auf die Frage ob man den eigenen  Stromanbieter wechseln würde, wenn ein intelligenten Stromzähler durch einen anderen Provider angeboten werde, antworten 72 Prozent mit ja, und der Begründung dadurch Stromkosten sparen zu können. Die Transparenz über den eigenen Stromverbrauch, die Smart Metering den Kunden ermöglicht, ist für 63 Prozent ein starkes Argument. Nur jeder Vierte hat Sorgen wegen der Datensicherheit.

Damit ist klar, Deutschland sollte schnell aufholen und für beteiligte Unternehmen ist das Thema Smart Metering auf alle Fälle ein Gewinn.

Über weiteren Diskussionen zum Thema Smart Metering würde ich mich sehr freuen.


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