Analyse Aktien Energieversorger

Deutsche Energieversorger stellen sich neu auf!

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 21.01 - 16:44

Die bevorstehende CO2-Bepreisung sowie ein 40-Milliarden-Euro-Geschäft zwischen den beiden Energieriesen RWE und E.ON könnten den deutschen Energiemarkt künftig stark verändern. Wie sind die deutschen Versorger hinsichtlich der erneuerbaren Energien aufgestellt? Und wie sieht die Vereinbarung zwischen RWE und E.ON im Detail aus?
 
E.ON SE
 

Zu Beginn der Woche verständigten sich Vertreter von Bund und Länder auf eine Anhebung des CO2-Preises auf 25 Euro pro Tonne. Nach dem „Klimaschutzprogramm 2030“, welches die Bundesregierung vor wenigen Monaten veröffentlichte, war ab dem Jahr 2021 noch eine Bepreisung von 10 Euro je Tonne vorgesehen. Aufgrund anhaltender Kritik an diesem Wert, welcher gemeinhin als zu niedrig empfunden wurde, wurde die C02-Bepreisung neu verhandelt und infolgedessen wesentlich erhöht. Im Gegenzug dazu soll die EEG-Umlage stärker gesenkt werden und Pendler sollen künftig höhere Pauschalen als ursprünglich im Erstversuch festgehalten geltend machen können. Durch diesen Beschluss wird die Rolle der erneuerbaren Energien nochmals bedeutender und der fossile Energieverbrauch wird deutlich verteuert. Auch für die Energieerzeugung könnte der neue Beschluss in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen. Der deutsche Energiemarkt sah sich vor wenigen Monaten zudem mit einem Deal zwischen den beiden großen Erzeugern RWE und E.ON konfrontiert. Im Rahmen dieses Geschäfts werden die Anteile am Unternehmen Innogy neu verteilt. Die Unternehmensgeschichte der Innogy SE geht in ihren Anfängen auf den Energiekonzern RWE zurück. Im Jahr 2008 wurde diese Sparte noch unter dem Namen „RWE Innogy GmbH“ gegründet und im Jahr 2016 schließlich an die Börse gebracht. Das Unternehmen bündelte seit jeher auch die Bemühungen des Konzerns hinsichtlich der erneuerbaren Energien. Innogy ist primär in Westeuropa tätig, unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Zu Beginn des Jahres 2018 wurde der Verkauf des Unternehmens an den deutschen Konkurrenten E.ON bekannt gegeben (momentan hält E.ON 90 Prozent an Innogy). Für E.ON waren im Rahmen dieses Geschäfts primär die Aktivitäten der Gesellschaft hinsichtlich der Netzinfrastruktur und des Endkundengeschäfts interessant, während RWE die erneuerbaren Energiesysteme behalten konnte und zusätzlich die E.ON-Energieaktivitäten aus diesem Bereich übernahm. Innogy hat sich seit den Anfangsjahren zu einem Unternehmen von beachtlicher Größe entwickelt. Im Geschäftsjahr 2018 beliefen sich die Umsätze auf knapp 37 Milliarden Euro. Wie könnte sich dieses Geschäft auf die beiden beteiligten Unternehmen RWE und E.ON auswirken? Und wie sind die größten deutschen Energieversorger in Bezug auf die erneuerbaren Energien aufgestellt?

RWE kämpfte in den letzten Jahren mit dem Image eines primär auf fossile Energiequellen ausgerichteten Unternehmens. Die Übernahme der E.ON-Sparten und des Innogy-Geschäftszweigs für erneuerbare Energien soll dies künftig ändern. Offensiv ließ der Vorstand in den letzten Monaten verlauten, dass RWE zu den global führenden Anbietern für Ökostrom aufschließen möchte. Ein wichtiges Zeichen setzte der Konzern im Anschluss, als er im Frühjahr die Planungen zur Errichtung neuer fossiler Kraftwerke für beendet erklärte. Ab kommendem Jahr sollen hingegen jährlich 1,5 Milliarden Euro in den Aufbau der erneuerbaren Energien investiert werden. Das eigene Portfolio wird allein durch die Übernahme des E.ON-Portfolios um etwa 9 Gigawatt erweitert. Nach derzeitigem Stand besitzt das Unternehmen zudem noch 29 Gigawatt an fossilen Energiekapazitäten. Der Anteil der Erneuerbaren dürfte in den kommenden Jahren jedoch durch eine Reihe unterschiedlicher Projekte steigen. Von E.ON übernimmt man ein schwedisches Projekt zum Aufbau des größten Onshore-Windparks Europas. Aus dem Innogy-Portfolio wären vor allem zwei Projekte aus England und Australien zu nennen, welche künftig die Kapazitäten bedeutend erhöhen könnten. In England wird derzeit ein Offshore-Windpark mit einer Gesamtleistung von 860 Megawatt errichtet, in Australien entsteht derweil der größte Solarpark des Landes, welcher 350 Megawatt leisten soll. Wie einst im Falle von Innogy wird RWE das neue Geschäftsmodell ebenfalls in einer eigenen Tochtergesellschaft organisieren. Die Tochter „RWE Renewables“ wird das Themenfeld “Erneuerbare Energie” hierbei vollständig abdecken. Entwicklung, Bau, Betrieb und Vermarktung von Solar- und Windenergie sowie der Aufbau eines Energiespeichernetzes sollen den Gegenstand der Geschäftstätigkeit des neuen Tochterunternehmens bilden. Durch den Aufbau der erneuerbaren Energiesysteme möchte RWE wieder an Profitabilität gewinnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die von RWE betriebenen Atom-, Gas- und Kohlekraftwerke zusammen ein geringeres EBITDA abwarfen als die Innogy-Aktivitäten, die neu in das Portfolio aufgenommen werden. Neben seinem Imageproblem könnte sich der Konzern durch die Kursänderung zukünftig möglicherweise auch seines Profitabilitätsproblems entledigen.

E.ON SE (DE000ENAG999)

Im Gegensatz zu RWE orientiert sich E.ON im Rahmen seiner Zukunftsplanung in die Richtung intelligenter Netze und der Stromverteilung. Den Aufbau erneuerbarer Energien möchte man jedoch weiterhin im Blick behalten. Zukünftig soll dies jedoch im Rahmen des eigenen Kundengeschäfts stattfinden. Industrie- und Gewerbekunden sowie Kommunen sollen dabei beim Aufbau eigener Energiesysteme betreut werden. E.ON wird in diesem Zusammenhang den Bau, die Wartung und die Steuerung der Systeme übernehmen. Auf den Dächern des Audi-Werks in Gyor wird zurzeit beispielsweise ein Solarsystem auf einer Fläche von 160.000 Quadratmeter installiert. Wie RWE setzte auch E.ON zu Beginn ein deutliches Zeichen hinsichtlich der fossilen Energieträger, als man die Energieerzeugungssparten Kohle, Wasser und Gas in die neue Tochtergesellschaft „Uniper“ ausgliederte. Auch wenn dies die Probleme, welche sich im Zusammenhang mit dem alten Geschäft ergeben haben, nicht lösen wird, so kommunizierte dieser Schritt doch deutlich, dass die Zukunft des Essener Konzerns auf anderen Geschäftsfeldern liegt. Namentlich wären dies die Stromnetze sowie das Kundengeschäft. Nach der Übernahme des Innogy-Kundengeschäfts steigt E.ON zum größten Stromanbieter auf dem deutschen Markt auf. Der Geschäftsbereich des Unternehmens erstreckt sich über zwei Drittel der deutschen Grundfläche, hier deckt man circa 70 Prozent der Endkunden ab. Sollte der Ausbau von Solarenergie auf dem privaten Sektor in Zukunft wieder an Schwung aufnehmen, könnte man bei Stromeinspeisung und -speicherung hier ein ansprechendes Kundenpotenzial vorweisen. E.ON betont bereits heute, dass man in den verantworteten Regionen etwa 90 Prozent der neu errichteten Solar- und Windenergiesysteme in das Netz integriert. Sofern man die Steuerung moderner Netze und den Ausbau von Smart Metern in Zukunft betrachtet, ergibt sich für E.ON auch ein interessantes Datenpotenzial. Allein in Deutschland verfügt man derzeit über die Daten von rund 16 Millionen Kunden, insgesamt könnte man zukünftig über etwa 20 Millionen intelligente Stromzähler kommen. Diese Datenbasis könnte dem Unternehmen beispielsweise bei der Optimierung seiner Netze, bei der Planung neuer Systeme und bei der Betreuung der Kunden helfen. Abschließend lässt sich zu dem Geschäft zwischen E.ON und RWE sagen, dass sich beide Konzerne hinsichtlich der erneuerbaren Energien auf eine Synergie auf dem deutschen Markt geeinigt haben. Während sich RWE auf die Erzeugung der Energie und den Aufbau neuer Erzeugungskapazitäten aus Kraftwerken konzentrieren wird, fokussiert sich E.ON in Zukunft auf die Endkundenbetreuung und den Ausbau der Netzinfrastruktur. Diese Lösung könnte beiden Gesellschaften ausreichendes Geschäftspotenzial auf dem Sektor der erneuerbaren Energiequellen bescheren und stellt für beide nach Jahren, die vor allem unter den Umständen unsicherer Marktbedingungen und sinkender Profitabilität standen, einen Weg zur Modernisierung des eigenen Geschäftsmodells dar.

In die Riege der großen deutschen Energieversorger reiht sich auch der baden-württembergische Konzern EnBW ein. Dieses im Jahr 1997 aus einer Fusion der größten Regionalversorger Baden-Württembergs hervorgegangene Unternehmen beschäftigt mehr als 20.000 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Geschäftsjahr 20,6 Milliarden Euro um. Die erneuerbaren Energien spielen für EnBW eine große Rolle, der Geschäftsbereich wurde in der vergangenen Dekade stark erweitert. So wuchs in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres der Anteil der erneuerbaren Energien am EBITDA um 38,5 Prozent, insgesamt betrug der Umsatz aus erneuerbaren Energiequellen 298,6 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis konnte ein Ende des vergangenen Jahres erworbener schwedischer Windpark bereits beitragen. In naher Zukunft sollen zudem die beiden Off-Shore-Windparks „Hohe See“ und „Albatros“ den Betrieb aufnehmen. Insgesamt 87 Windräder werden hier zukünftig jährlich 2,5 Milliarden Kilowattstunden Energie produzieren, umgerechnet auf den Durchschnittsverbraucher konnten damit mehr als 700.000 Haushalte versorgt werden. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass EnBW trotz rückläufiger Umsatzzahlen, der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,2 Prozent auf 14,37 Milliarden Euro, an seiner Ergebnisprognose festhalten kann. Der operative Gewinn soll sich für das Gesamtjahr 2019 auf einen Wert zwischen 2,35 und 2,5 Milliarden Euro belaufen. Das ursprünglich für das Jahr 2020 vorgesehene Ziel von 2,4 Milliarden Euro könnte somit bereits im laufenden Jahr erreicht werden. Die stetig steigende Profitabilität der erneuerbaren Energiewerken wird auch durch die Planungen des kommenden Jahres verdeutlicht. 2020 wird EnBW seinen ersten Solarpark ans Netz bringen, welcher ohne Fördermittel aus dem Erneuerbare-Energie-Gesetz errichtet wird. Die in Brandenburg befindliche Anlage soll insgesamt 465.000 Solarmodule umfassen und eine Leistung von 180 Megawatt besitzen. Der Baubeginn soll Anfang des Jahres erfolgen. Nach Fertigstellung würde dieser Solarpark die derzeit größte Anlage ihrer Art in Deutschland darstellen. Die Versorgungskapazität des Konzerns würde sich durch den neuen Solarpark um weitere 50.000 Haushalte erhöhen. Solarenergie möchte die Unternehmensführung auch zukünftig stark ausbauen. So ließ der technikvorstand des Konzerns, Hans-Josef Zimmer, verlauten, dass man zuversichtlich sei, dass die in den vergangenen 10 Jahren um 80 Prozent gesunkenen Kosten für Solaranlagen es EnBW ermöglichen, dauerhaft ohne Förderung Solarparks zu errichten und gewinnbringend zu betreiben. Im Bereich des Vertriebs musste EnBW unterdessen im vergangenen Jahr etwas Federn lassen. Um auf dem hart umkämpften Endkundenmarkt zusätzliches Marktpotenzial zu erzielen, setzt das Unternehmen derzeit auf den Ausbau der Infrastruktur zur E-Mobilität. Gemeinsam mit 77 Stadtwerken und regionalen Versorgern hat man in den vergangenen beiden Jahren 450 Ladesäulen im Südwesten Deutschlands installiert. In Intervallen von 10 Kilometern wurden diese Säulen errichtet und sichern dem Konzern in den kommenden Jahren so Teileinnahmen aus dem Projekt. Allgemein könnte man die Position, in die sich EnBW in Bezug auf die Erneuerbaren Energien gebracht hat, derzeit als solide bezeichnen. Die Investitionen der vergangenen Jahre scheinen sich nun auszuzahlen.


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