Analyse Aktien Erdgas / LNG

LNG: Das amerikanische Exportgeschäft zieht an!

Ein Beitrag von tzimmer 3 11.07 - 13:56

Flüssiges Erdgas könnte in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle als Energiequelle einnehmen. Unter anderem die chinesische Regierung möchte den Anteil dieses Energieträgers an der Gesamtenergiegewinnung steigern, aber auch für viele andere Industrienationen könnte LNG während der Übergangsphase zu den erneuerbaren Energien attraktiv sein. Die technologischen Fortschritte im Förderbereich ermöglichen es den USA neuerdings als Exporteur des Flüssiggases aufzutreten, dabei drängt sich für Investoren vor allem ein Unternehmen aus Houston, Texas in den Vordergrund.
 
Cheniere Energy
 

Bei LNG (Liquefied Natural Gas) handelt es sich um ein auf minus 164 Grad abgekühltes, verflüssigtes Erdgas. Durch die Verflüssigung wird das Volumen auf einen Bruchteil des Erdgases reduziert. Der Transport erfolgt wie bei Erdgas durch Tankschiffe. Noch zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika Import-Häfen für dieses flüssige Erdgas geplant, so haben sich die USA mittlerweile durch den technologischen Fortschritt, vor allem bei der Schiefergasförderung, zu einem der bedeutendsten Produzenten entwickelt. Der Bedarf nach LNG nimmt dabei immer weiter zu, laut McKinsey & Company besteht bis zum Jahr 2025 ein weltweiter Bedarf an 15 neuen Gasverflüssigungsanlagen und mehr als doppelt so vielen bis zum Jahr 2030. Des Weiteren soll laut dieser Studie der Bedarf an LNG bis zum Jahr 2030 jährlich zwischen 4 bis 6 Prozent steigen, mit den heutigen Förderkapazitäten könnte das weltweite Angebot in diesem Szenario ab 2023 knapp werden. Eine wichtige Rolle spielt der ostasiatische Markt für LNG. Vor allem China ist in diesem Zusammenhang wichtig. Zwar sieht der neue Fünf-Jahres-Plan der Regierung eine stärkere Fokussierung auf erneuerbare Energieträger vor, diese können den Bedarf in der weiterhin schnell wachsenden chinesischen Wirtschaft und Bevölkerung in der kurzen bis mittleren Frist nicht decken. Auch die eigene Förderung wird in China zwar nach und nach ausgebaut, dennoch erreichten die LNG-Importe auch im Jahr 2016 ein Rekordhoch, mit einem Plus in Höhe von 47 Prozent.

Das momentan wohl bedeutendste amerikanische Unternehmen im Bereich des LNG-Exports ist Cheniere Energy (US16411R2085). Cheniere exportiert derzeit als einziges amerikanisches Unternehmen bereits heute verflüssigtes Erdgas. Seit Aufnahme dieses Geschäfts letztes Jahr konnten bereits mehr als 100 Tankerladungen abgesetzt werden, dabei wurden 18 unterschiedliche Abnehmer auf fünf Kontinenten bedient. Das wichtigste Terminal für diesen Export, Sabine Falls im US-Bundesstaat Louisiana wurde wie viele andere Projekte dieses Industriezweigs ursprünglich für den Import von Flüssigerdgas vorgesehen. Nachdem sich der Markt hierfür während der Planungs- und Bauphase jedoch weitestgehend aufgelöst hatte, erfolgte nach der Beschaffung neuer Finanzmittel ein erneuter Umbau für Exportzwecke. Mittlerweile stellt Sabine Falls das momentan einzige aktive Export-Terminal in den USA dar und umfasst nach heutigem Stand zwei Gasverflüssigungsanlagen. In der Vergangenheit stand das Unternehmen öffentlich in der Kritik, da sich der CEO der Cheniere Energy während seiner Tätigkeit enorm hohe Vergütungen ausbezahlte, obwohl das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch keine Gewinne erzielte. Im Jahr 2013 zahlte sich Charif Souki ein Gehalt in Höhe von 142 Millionen US-Dollar aus, was ihn zum bestbezahltesten CEO der USA machte. Auf Druck des Investors Carl Icahn hin hat Souki das Unternehmen mittlerweile verlassen und wurde durch Jack A. Fusco ersetzt. Den Durchbruch in die Gewinnzone schaffte Cheniere unter der neuen Führung schließlich im vergangenen Jahr. Erstmals erreichte man dies im vierten Quartal des Jahres 2016, als das Unternehmen einen Nettogewinn in Höhe von 110 Millionen US-Dollar verzeichnen konnte. Diese Entwicklung wurde bedingt durch ein sehr starkes Absatzwachstum, eine Entwicklung, die sich auch im laufenden Geschäftsjahr weiterhin fortsetzt. Im ersten Quartal 2017 konnten 43 Ladungen produziert werden, wodurch ein Umsatz in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar erzielt werden konnte. Im Vorjahreszeitraum lag der Umsatz noch bei rund 70 Millionen US-Dollar.

Derzeit arbeitet Cheniere an einer zügigen Ausweitung der Produktionskapazität. In Sabine Pass wird im Laufe des Jahres die Fertigstellung zweier weiterer Gasverflüssigungsanlagen erwartet, was in etwa einer Verdoppelung der Kapazität entspräche. Eine fünfte Verflüssigungsanlage soll hier im Jahr 2019 einsatzbereit sein. Darüber hinaus ist für das Jahr 2019 die Fertigstellung eines weiteren Export-Terminals in Corpus Christi geplant, welches wiederum zwei Verflüssigungsanlagen umfassen soll. Für alle diese Projekte hat Cheniere bereits Cash-Flows gesichert. Das Unternehmen hat 20-Jahresverträge mit diversen Abnehmern ausgehandelt, welche rund 85 Prozent der zu erwartenden zukünftigen Produktionsleistung abdecken. Auch im wichtigen ostasiatischen Absatzmarkt konnte Cheniere kürzlich ein wichtiges, langfristig ausgelegtes Geschäft verkünden. Über einen Zeitraum von 20 Jahren wird Cheniere jährlich 3,5 Millionen Tonnen LNG an die südkoreanische Gesellschaft Korea Gas Corporation liefern. Das Gesamtvolumen dieses Geschäfts beläuft sich auf etwa 25 Milliarden US-Dollar. Wachstum in China ist hierbei ebenfalls noch möglich. Cheniere befindet sich in Gesprächen, um auch in China, dem wahrscheinlich stärksten Wachstumstreiber in den kommenden Jahren, langfristige Lieferverträge abschließen zu können. In diesem Zusammenhang könnte man die kürzlich erfolgte Erlaubnis durch die Handelskammer der USA, mit chinesischen Staatsunternehmen Lieferverträge aushandeln zu dürfen, sehr positiv einordnen.

Für Investoren könnte man also eine Reihe positiver Faktoren heranziehen, die für ein Investment sprechen. Sicherlich könnte man hierzu die momentane Marktsituation im amerikanischen Exportmarkt zählen, in dem Cheniere momentan noch eine Monopolstellung einnimmt und sich zumindest nach heutigem Stand einen gewissen Vorsprung auf diesem Markt erarbeitet haben dürfte. Ebenfalls positiv könnte man die große Anzahl an langfristigen Lieferverträgen sehen, insbesondere weil diese konstante und vorhersehbare Zahlungsströme generieren, welche aufgrund des hohen Investitionsbedarfs in diesem Industriesegment Planungssicherheit ermöglichen. 


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