Analyse Aktien Fisch/Aquafarming

Aquafarming als ökologische Investment-Alternative?

Ein Beitrag von tzimmer 13 26.04 - 13:57

Für den globalen Fischfang hat das Aquafarming in den vergangenen Dekaden schrittweise mehr an Bedeutung gewonnen. Eine Reihe langfristiger Entwicklungen könnte diesen Trend auch in den kommenden Jahren bestätigen. Ergeben sich im Zusammenhang mit dem Aquafarming auch für Anleger interessante Möglichkeiten?
 
Marine Harvest ASA
 

Der Bereich Aquafarming hat im laufenden Jahrzehnt rasant an Bedeutung und Marktanteil gewonnen. Aus einer Reihe von Gründen heraus hat sich dieses Marktsegment in der jüngeren Vergangenheit vielversprechend entwickelt und weiteres Wachstum in dieser Branche könnte sich in Zukunft positiv auf globale Problemstellungen auswirken. Zunächst wäre in diesem Zusammenhang die prognostizierte weltweite Bevölkerungsentwicklung zu nennen. Bis zum Jahr 2050 könnte die Weltbevölkerung auf bis zu 10 Milliarden Menschen angestiegen sein. Aquafarming steht hierbei für einen effizienteren und nachhaltigeren Fischfang, um den Herausforderungen des gestiegenen Nahrungsbedarfs entgegen zu treten. Des Weiteren könnte eine stärkere Fokussierung des Fischfangs auf das Aquafarming positive Auswirkungen auf die Fischbestände haben. Forscher der Universität Kiel gehen derzeit davon aus, dass etwa 30 Prozent der globalen Fischbestände überfischt und knapp 60 Prozent der Bestände gar gefährdet sind. Die Aufzucht und der Fang in den Gehegen der Aquafarmen könnte den frei lebenden Beständen hierbei die Möglichkeit zur Regeneration geben, woraus auch für die Meere als Ökosysteme vorteilhafte Effekte folgen könnten. Letztlich besitzt das Aquafarming auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht das Potenzial für Kostenersparnisse. Innerhalb der Gehege gestaltet sich der Fang der Meerestiere einfacher als in der herkömmlichen Hochseefischerei, wodurch sich Zeit- und Materialkosten wesentlich senken lassen. Von diesen Potenzialen könnten die Branchenunternehmen in den kommenden Jahren auch weiterhin profitieren. Nach Prognosen der Weltbank könnten im Jahr 2030 bis zu 62 Prozent der weltweiten Fischerzeugnisse auf Aquafarmen entfallen. Zu Beginn des Jahrtausends entfielen noch zwei Drittel des globalen Ertrags auf die traditionellen Fangmethoden. Insgesamt könnte der globale Fischfang laut einer OECD-Studie bis 2024 auf circa 190 Millionen Tonnen ansteigen. Der Zuwachs gegenüber den Zahlen des Jahres 2015, in dem die weltweite Produktion bei rund 162 Millionen Tonnen lag, soll hierbei fast ausschließlich in Zuwächsen beim Aquafarming begründet sein. Für Anleger könnte es sich hierbei also um eine sowohl finanziell lohnenswerte, als auch ethisch wertvolle Investment-Möglichkeit handeln. Im Folgenden soll ein genauerer Blick auf zwei norwegische Unternehmen diese These überprüfen.

Marine Harvest ASA (NO0003054108)

Die in Oslo ansässige Marine Harvest Aktiengesellschaft ging 2006 aus dem Zusammenschluss der Gesellschaften „Marine Harvest N.V.“, „Fjord Seafood“ und „Pan Fish ASA“ hervor und firmiert seit 2007 unter dem heutigen Namen. Im Geschäftsjahr 2017 war die Gesellschaft weltweit in 24 Ländern tätig und beschäftigte insgesamt mehr als 13.000 Angestellte. Hierbei betrug der Gesamtunternehmensumsatz rund 3,65 Milliarden Euro. Der von Marine Harvest gefangene Fisch wird dabei in Nord- und Mittelamerika, Europa und Ostasien verkauft. Eine besondere Fokussierung weist das Unternehmen in Bezug auf den Lachsfang und die Produktion von Räucherlachs auf, im Jahr 2013 erwarb man den zum damaligen Zeitpunkt weltgrößten Räucherlachs-Produzenten, die Morpol-Gruppe. Zu Beginn des Jahres gab der Konzern die Übernahme des Unternehmens „Nothern Harvest“ bekannt, welches seinen Sitz in Neufundland hat und in der Bucht von Fundy über 9 Seefarmen verfügt. Damit expandiert Marine Harvest seine Tätigkeiten vor den Ostküsten des nordamerikanischen Kontinents. Dieses Geschäft könnte zur Gewinnung weiterer Marktanteile in den USA beitragen, zumal das Fanggebiet in der Nähe einer Produktionsstätte für Räucherlachs im US-Bundesstaat Maine gelegen ist, welche sich in Besitz von Marine Harvest befindet. Die Bucht von Fundy hat dabei auch experimentellen Charakter, wie die Unternehmensführung verlauten lässt. Bisher verfügt das Unternehmen hinsichtlich der Gegebenheiten in Neufundland über wenige Erfahrungswerte. Im Falle zufriedenstellender Produktionsraten erwägt Marine Harvest zukünftig weitere Zukäufe in dieser Region, wodurch insbesondere der wichtige nordamerikanische Markt besser versorgt werden könnte, woraus weitere Wachstumspotenziale für den norwegischen Konzern entstehen könnten. Weiteres Wachstum soll darüber hinaus auf dem chinesischen Markt entstehen. Noch im Laufe dieses Jahres ist in China die Eröffnung einer Verarbeitungsfabrik geplant, die erste innerhalb Chinas. Nachdem im Jahr 2016 eine diplomatische Krise zwischen Norwegen und China beigelegt wurde, haben sich die Handelsbeziehungen zunehmend normalisiert, der Absatz von Lachs hat sich in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres mit 3.295 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr etwa verzehnfacht. Um von dieser Entwicklung zu profitieren, plant Marine Harvest die Eröffnung von bis zu 2.000 Lachs-Fast-Food-Restaurants auf dem chinesischen Markt. Bisher besitzt das Unternehmen fünf solcher Restaurants in Taiwan.

In Bergen ist das Unternehmen Leroy Seafood ansässig. Die Geschichte des Unternehmens reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert, 2002 erfolgte schließlich die Börsennotierung. Mit einem Jahresumsatz in Höhe von 1,77 Milliarden Euro und 3.800 Angestellten im Geschäftsjahr 2016 hat sich Leroy Seafood mittlerweile als einer der größten Fischzuchtbetriebe der Welt etabliert. Hervorstechen will Leroy Seafood durch besonders ökologische Fischzucht, bisher vertreibt man als einziger Anbieter ASC-zertifizierten Fisch aus Aquafarming-Beständen. Bis 2020 hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, ausschließlich Fisch mit dieser Zertifizierung zu verkaufen. In einer Branche, welche zuletzt des Öfteren von Umwelt- sowie Tierschutzskandalen erschüttert wurde, könnte diese Art der Unternehmensführung vor Aktienkursschwankungen schützen und zusätzliche Kundenbindung bei Konsumenten bewirken. Ähnlich wie Marine Harvest setzt auch Leroy Seafood zu Beginn dieses Jahres auf Expansion. Anfang Februar wurde in den Niederlanden eine neue Verarbeitungs- und Lagerungsfabrik eröffnet. Das Gebäude soll als zentrale Lagerstelle für das europäische Geschäft genutzt werden, wovon sich Leroy Seafood eine schnellere und effizientere Versorgung des Europageschäfts verspricht. Hierbei wurde die Anlage so entworfen, dass sie auch den angekündigten Regulierungsänderungen hinsichtlich des Salzgehalts während der Lagerung seitens der EU gerecht werden soll, wodurch künftig Kosten durch Umbaumaßnahmen eingespart werden könnten. Des Weiteren plant der Konzern Investitionen in Höhe von mehr als 65 Millionen Euro in seine Aufzuchtanlagen für Junglachse. Im Rahmen dieses Programms soll auch eine komplett neue Anlage in Hordaland in Norwegen entstehen. Durch diese Anlage soll die Produktionskapazität um Junglachse mit einem Lebendgewicht von bis zu 4.000 Tonnen erhöht werden.

Die langfristigen Rahmenbedingungen für das Aquafarming könnte man aufgrund der eingangs genannten, makroökonomischen Entwicklungen als positiv bezeichnen. Jedoch besitzen viele der Unternehmen innerhalb der Branche die Eigenschaft, in ihrer Geschäftsentwicklung sehr von den Fischpreisen abhängig zu sein. Von daher sollten Anleger beachten, dass sich kurz- und mittelfristig Ertragsschwankungen bei den Fischzucht-Unternehmen einstellen können.


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