Analyse Aktien Fluggesellschaften

Fluggesellschaften: kommt bald der Turnaround?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 22.05 - 17:03

Der Ausbruch der Corona-Pandemie bewirkte das fast vollständige Erliegen des internationalen Personen-Flugverkehrs. Auch auf das Cargo-Geschäft fielen die Auswirkungen bedeutend aus. Mittlerweile läuft der Flugverkehr vielerorts wieder an, daher soll an dieser Stelle betrachtet werden, wie sich die Situation einiger Wettbewerber in dieser Branche derzeit gestaltet.
 
Delta Air Lines Inc (DE)
 
 
Singapore Airlines Ltd
 
 
Atlas Air Worldwide Holdings Inc
 

Wenige Branchen wurden von der Corona-Pandemie so hart getroffen wie die Fluggesellschaften. Laut einer Anfang Mai veröffentlichten Studie des Dachverbands IATA könnte die aktuelle Krise Umsatzeinbußen von bis zu 113 Milliarden US-Dollar für diese Industrie bedeuten. Zwischenzeitlich kam der zivile Personenverkehr fast gänzlich zum Erliegen. Dies stellte auch den internationalen Frachtverkehr vor Probleme, da erhebliche Anteile dieser Transporte mit zivilen Linienmaschinen durchgeführt werden. Warren Buffett veräußerte infolgedessen medienwirksam sämtliche Anteile an den amerikanischen Fluggesellschaften. Nachdem der Höhepunkt der Pandemie vielerorts überwunden zu sein scheint und vermehrt Forderungen nach Lockerungen für Tourismus-Gesellschaften laut werden, könnte die starke Preiskorrektur bei vielen Aktien aus diesem Sektor eine Einstiegsgelegenheit für Investoren darstellen. Moody´s besserte den Ausblick für die globale Flugindustrie kürzlich wieder auf. Nach den Einschätzungen der Rating-Agentur soll die Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 bis 18 Monaten moderat, aber stetig besser werden, der im Zuge der Krise ebenfalls stark verfallene Ölpreis soll sich in diesem Zusammenhang gar positiv auswirken.

Atlas Air Worldwide Holdings Inc (US0491642056)

Eine erste Airline, welche die Pandemie gut bewältigen konnte, ist die amerikanische Gesellschaft Atlas Air. Dieses 1993 gegründete Unternehmen fokussiert sich auf weltweite Charterflüge sowie dem Wet-Leasing von Maschinen an andere Fluggesellschaften. Atlas Air besitzt eine Flotte, die größtenteils aus Frachtmaschinen (primär Boeing 747) besteht. Dieser Umstand führte dazu, dass das Geschäftsmodell der Gesellschaft gut zur spezifischen Situation passte. So konnte Atlas Air drei zuvor geparkte 747-Frachter wieder in den aktiven Dienst stellen. Während der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2019 um 5 Prozent auf 643,5 Millionen US-Dollar zurückging, konnte der Nettogewinn auf 23,4 Millionen US-Dollar gesteigert werden. In Q1 2019 hatte die Gesellschaft hier noch einen Verlust von 29,7 Millionen US-Dollar verzeichnet. Das Chartergeschäft konnte im Jahresvergleich hierbei um 7 Prozent auf 327,6 Millionen US-Dollar zulegen. Ertragreich war für Atlas Air auch die Kooperation mit Amazon Air. In diesem Zusammenhang führt die Gesellschaft, im Auftrag, Fracht- und Warentransportflüge für Amazon aus, deren hohes Bestellvolumen sich auch auf die Auftragslage bei Atlas bemerkbar machte. Während dieses erste Quartal für das Unternehmen einen soliden Start in das Geschäftsjahr markierte, sollten sich die Haupteffekte der Corona-Krise in stärkerem Ausmaß in den Zahlen des zweiten Quartals bemerkbar machen. Marktbeobachter gehen von einem deutlichen Gewinnanstieg aus. Die durchschnittliche Analystenschätzung für den Gewinn wurde für das Gesamtjahr von 6,65 US-Dollar pro Aktie auf 8,45 US-Dollar angehoben. Das Management selbst geht derzeit für das zweite Quartal von einer 40- bis 50-prozentigen bereinigten Gewinnsteigerung aus. Auch aus dem Leasing-Bereich gab es derweil positive Meldungen. Durch den gestiegenen Bedarf an Frachtmaschinen konnte Atlas Air zwei weitere Boeing 777 an DHL sowie zwei Boeing 747-400 an Nippon Airlines vergeben.

Delta Air Lines Inc (DE) (US2473617023)

Im Gegensatz zu Atlas Air spürte Delta Airlines die Auswirkungen von Corona deutlicher. Der Ausstieg Berkshire Hathaways aus dem Papier, der Anteil betrug annährend 10 Prozent, setzte die Aktie zusätzlich unter Druck. Wichtig für Investoren ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Abschläge der Aktie gerechtfertigt waren, oder ob eine zu pessimistische Überkorrektur vorliegt. Delta nutzt die außergewöhnliche Geschäftssituation, um aufgeschobene Probleme zu adressieren. So nutzte die Airline die Gelegenheit, um den Bestand an Boeing 777 um 18 Maschinen zu verringern, und die kostenintensiveren alten Maschinen somit zu einem günstigen Zeitpunkt aus der Flotte zu entfernen. Stellte das hohe Durchschnittsalter der Delta-Piloten vor der Krise noch ein Problem dar, so kommt der Gesellschaft dieser Umstand nun zugute. Durch den Renteneintritt vieler Piloten wird der Überhang von 7.000 Piloten auf einen Wert zwischen 2.500 und 3.500 reduziert, wodurch Delta stark an Personalkosten sparen kann. Das operative Geschäft im Personenverkehr läuft derweil, mit reduzierter Kapazität, wieder an. Delta besetzt Economy- und Business-Plätze hierbei zu 60 Prozent, die First-Class mit 50 prozentiger Auslastung. Ab Juni wird Delta neben Atlanta und New York auch Flüge in die Karibik, nach Lateinamerika und weiteren internationalen Destinationen aufnehmen. Das Management verfolgt hierbei eine recht aggressive Strategie, was die Wiederaufnahme des Flugbetriebs betrifft und setzt auf eine schnelle Erholung der Reiselust der Kunden. In den vergangenen Wochen wurden die Annahmen der Unternehmensführung durch die Zahlen der staatlichen Sicherheitsverwaltung TSA bestätigt. Auf einigen Routen hat sich Delta so bereits einen Anbieter-Vorteil gesichert. Nichtsdestotrotz verliert die Airline auch weiterhin Geld. Die US-amerikanische Regierung ließ jedoch durchblicken, dass man an der Unterstützung der Fluggesellschaften unbedingt festhalten wolle. Delta bekam aus dem Regierungsprogramm der SEC bereits Gelder in Höhe von 3,8 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt. Im April wurden vom Management zum gegenwertigen Zeitpunkt tägliche Verluste in Höhe von 50 Millionen US-Dollar befürchtet, Brancheninsider gehen derzeit jedoch eher von Werten um 20 Millionen US-Dollar aus. Zurück zu alter Stärke könnte es für Delta noch ein langer Weg sein, die derzeitigen Wiederaufnahmen und Einsparungen könnten die Aktie jedoch für spekulative Investoren interessant machen.

Singapore Airlines Ltd (SG1V61937297)

Ähnlich wie Delta wurde auch Singapore Airlines von Corona stark beeinträchtigt. Ende März gab die Gesellschaft bekannt, die eigene Flugkapazität um 96 Prozent zu reduzieren. Wie Delta besitzt auch Singapore den Rückhalt der eigenen Regierung. Die Temasek Holdings, eine staatliche Investmentgesellschaft, hält 55 Prozent der Anteile an der Gesellschaft und unterstützt die Airline mit insgesamt 13,27 Milliarden US-Dollar. Singapore Airlines ist für den Stadtstaat von enormer Bedeutung, um sich zukünftig weiterhin als wichtiger Hub im asiatischen Raum zu etablieren. Die Ausgabe von Wandelanleihen mit 10-jähriger Laufzeit über einen Gesamtwert von 10,5 Milliarden US-Dollar sowie ein Brückenkredit in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar seitens der DBS Bank sollen die finanziellen Sorgen weiter mildern. Diese Zuflüsse sollen die Airline zudem in einer Position halten, um die betrieblichen Aktivitäten zeitnah wieder hochfahren zu können. Hierzu zählen auch 75 prozentige Gehaltsübernahmen für die Angestellten der Gesellschaft und Hilfszahlungen an das eigene Netzwerk an Hotels und touristischen Aktivitäten. Vor der Corona-Krise befand sich Singapore auf einem starken Wachstumskurs. Über die vergangenen 5 Jahre hat das Unternehmen seinen Gewinn im Durchschnitt jährlich um 9,7 Prozent gesteigert. Der in Südostasien nach wie vor steigende Wohlstand und Flugverkehr versetzt Singapore Airlines in eine aussichtsreiche Marktposition. Die Marke Singapore Airlines steht für Qualität und wurde durch gezielte Marketingaktivitäten, vor allem in Bezug auf die Kerngesellschaft, zu einem Premiumprodukt aufgebaut. Die Flotte an Airbus A380 wurde bei den neusten Maschinen mit der neuen „Suites Class“ im Oberdeck ausgestattet und mit vergrößerten Business- sowie Premium Economy-Abteilungen ausgestattet. Die Profitabilitätszugewinne in diesen Maschinen führten dazu, dass man künftig auch die übrigen A380 umrüsten möchte. Sofern Ressourcen aus den Finanzierungspaketen verblieben, würde sich die aktuelle Situation gut zur Durchführung der aufwendigen Umrüstungsmaßnahmen eignen. Das große Streckennetz, das gute Service-Konzept und die solide Finanzierungslage könnten somit zum aktuellen Kurs auch in Bezug auf Singapore Airlines eine interessante Einstiegsmöglichkeit darstellen.


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