Analyse Aktien Flugzeugbau

Kursverzehnfachung: Takeoff für edle Sitze + Espressomaker

Ein Beitrag von Merquén 1 04.09.2013

Der globale Luftverkehr wächst seit Jahren. Neben Boeing und EADS gibt es auch dominante Zulieferbetriebe, wie die B/E Aerospace, die Aktie hat sich an der Börse seit 2009 verzehnfacht!
 
B/E Aerospace Inc
 
 
Zodiac Aerospace
 

BEAV,  EAD FP, ZC FP, AAMRQ 

Der Weltdachverband  der Airlines,  IATA, vermeldete erst gestern, dass auch im Juli 2013 die globalen Passagierzahlen erneut um 5 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind. Diese Wachstumszahlen beeindrucken. Es lohnt sich einzelne Player im Flugzeubau, bzw. unter den Zulieferern näher zu betrachten. Die B/E Aerospace mit Hauptsitz in Wellington, Florida (USA), ist Weltmarktführer für Flugzeugsitze und Kabineninterieurs, z.B. Galleys (Flugzeugküchen), Getränkemaschinen, Beleuchtung aber auch Sauerstoffsysteme und Teile – sowohl für die Geschäftsfliegerei (Business Aviation) als auch den Passagierbetrieb (commercial aviation) und die militärische Luftfahrt. Viele bedeutende Airlines weltweit sind unter den Kunden, z.B. United Airlines, Emirates Airlines, Qatar Airways, Air France, Lufthansa, Qantas, Japanese Airlines.

B/E Aerospace Inc (US0733021010)

Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1987 mit anfänglichen drei Mio. US-$ Jahresumsatz zum Weltmarktführer mit heute jährlich 2,5 Milliarden US-$ Einkünften entwickelt. Zahlreiche Aufkäufe und Akquisitionen sind mit Grund für das gigantische Wachstum. Aktuell notiert die Aktie bei 69 US-Dollar, noch im März 2009 lag der Kurs erst bei 6,51 USD! B/E ist folglich ein phänomenaler Aufstieg gelungen.

Das Passagieraufkommen wird in den kommenden Jahren weltweit moderat wachsen, damit auch der Bedarf nach Innenausstattung. Die Airlines müssen sich im Premium-Segment mit Topkabinen im Wettkampf behaupten. Bei den Billig-Airlines sowie im Segment Economy Class der klassischen Airlines begegnen die Unternehmen dem Wettbewerbsdruck mit Vereinheitlichung ihrer Flotten.

Selbst in eher stagnierenden oder langsam wachsenden Märkten wie Europa und USA wächst der Bedarf, da Flugzeuge zum einen mit einem neuen Innenleben umgerüstet werden (retrofit), zum anderen auch aufgemöbelt und saniert werden (refurbish). Das gilt derzeit auch für Märkte wie China und Indien, wo das Wirtschaftswachstum sich in der letzten Zeit stark verlangsamt hat – bei gleichzeitig steigenden Kerosinpreisen.

In diesem Szenario ist B/E ist das Unternehmen, welches aufgrund seiner strategischen Ausrichtung und seiner innovativen Produktpalette am meisten von diesem Auftrieb profitieren wird, prognostizieren Branchenexperten.

Wir halten B/E für ein interessantes Unternehmen, das seine Anteile mittelfristig steigern wird. Allerdings sehen Branchenkenner für die Zukunft aufgrund robuster Nachfrage nach B/E-Produkten auch mögliche Lieferengpässe. BEAV ist dabei, seine Kapazitäten (Einrichtungen und Infrastruktur) seit 2012 zu erweitern. Die wichtigsten Mitbewerber, allerdings nur bei einzelnen Produkten,  sind Zodiac Aerospace Inc. Zodiac Aerospace (FR0000125684) und Recaro Aircraft Seating GmbH & Co. KG.


Wachstum der Weltluftfahrt

B/E agiert in einem Markt mit moderatem bis signifikantem Aufwind. Der Weltdachverband der Airlines IATA sieht für die kommenden Jahre bis 2016 ein jährliches Wachstum beim Weltluftverkehr um durchschnittlich 5,3 Prozent. Die Passagierzahlen werden demnach von 2,8 Milliarden in 2011 auf 3,6 Milliarden 2016 ansteigen. Die meisten Passagiere kommen dieser Prognose zufolge in der Asien-Pazifik-Region dazu. In Europa dagegen werde sich das Wachstum verlangsamen. Dennoch bleibt Europa laut IATA der größte Markt für die Fluggesellschaften. Deutschland werde dabei vor allem im Hinblick auf die Gesamtpassagierzahlen wachsen. Im Gebiet der Bundesrepublik sollen bis 2016 28,2 Millionen Passagiere zusätzlich befördert werden (dann 172,9 Millionen).


Rückenwind: Branchentrends begünstigen B/E’s strategische Positionierung

Neben den quantitativen gibt es auch einige qualitative Trends in der Branche, die sich im Blick auf die Strategie von BEAV günstig auswirken.

Erfolgreiche Airlines in Mittleren Osten, z.B. Emirates, haben die Qualitätsstandards neu definiert – das Differenzierungsmerkmal der Airlines ist gegenwärtig vor allem die Kabine. Verkauft wird im Premium-Segment das Wohlgefühl an Bord. Daher müssen Mitbewerber, z.B. Lufthansa oder United Airlines in diesem Segment nachziehen, um auf dem internationalen Markt mithalten zu können; sie lassen ihre Flugzeuginterieurs um- und aufrüsten (retrofit, refurbish). Den Bedarf kann B/E decken.

Der Markt gliedert sich immer schärfer auf – in die Segmente Premium und Business einerseits und „No Frill“ (Billigflieger). Sowohl bei den Billigfliegern als auch im Bereich Touristenklasse herrscht ein extremer Kostendruck, was den Trend zur Vereinheitlichung fördert. So setzten z.B. Low Cost Carrier wie Ryan Air in ihrer Flotte auf einen einzigen Flugzeugtypen (Boeing 737), was erhebliche Kosteneinsparung bei Anschaffung, Unterhalt und Wartung der Maschinen bedeutet. Gleiches gilt für die Interiors.

In der Vergangenheit und bis heute gab und gibt es einen Nischenmarkt unter den Anbietern für Interiors, d.h. Mittelständler, die Galleys bauen, oder Firmen, die Sauerstoffsysteme anbieten. B/E jedoch bietet in seinem Portfolio nicht mehr nur die verschiedenen Produkte an, sondern offeriert den Airlines umfassende System-Lösungen („turnkey solutions“) – einschließlich Service und Wartung. Dies kommt dem Streben der Airlines nach Vereinheitlichung entgegen. So werden für die Fluglinien Arbeit und Kosten reduziert, indem B/E die langen Lieferketten herunterbricht und alles aus einem Guss anbieten kann.

Auch die Flugzeughersteller selbst wollen ein Stück vom lukrativen Kuchen für sich. Ihre Zauberformel heißt SFE. Das steht für „Supplier Furnished Equipment“ und bedeutet, dass sie immer öfter schon selbst, z.B. wie nun bei Airbus und Boeing, beim Verkauf des Flugzeugs integrierte Lösungen auch für die Kabine mitliefern wollen. Auch hier kann B/E mitspielen und mit Flugzeugbauern kooperieren.

„B/E hat gute Produkte, wettbewerbsfähige Preise und kann Wirtschaftlichkeit durch große Serien bieten. Es ist im großen und ganzen ein gut geführtes Unternehmen mit attraktiven Produkten. Es kann integriert aus seiner Palette anbieten, und dies macht den großen Abstand zwischen ihnen und ihren Mitbewerbern aus. B/E arbeitet mit In-House Designern an vereinheitlichten Lösungen. Das ist sein Wettbewerbsvorteil“, sagt ein US-Luftfahrtexperte. Daher werde B/E weiter Marktanteile gewinnen, während kleinere mittelständische Player sich als extreme Nischenanbieter aufstellen müssen oder ganz vom Market verschwinden werden. Allerdings bescheinigen Experten B/E Verbesserungspotenzial in punkto Service und Wartung.


Im Detail: Ein Blick in das Produktportfolio & Stimmen von Experten

Ich habe mit einigen  Branchenexperten gesprochen. Hier Ihre Eindrücke zu B/E-Produkten.


Super-First-Class-Sitze

„B/E hat ziemlich innovative, ergonomisch konfigurierte Sitze, Typ Kokon, man kann flach liegen, private Gardinen zuziehen und hat einen TV-Bildschirm. Es ist das führende Produkt in der Industrie. Man braucht die ersten zehn Minuten des Fluges, um die Funktionsweise zu verstehen. Der Mitarbeiter eines Flugzeugherstellers sagt: „Emirates Airlines kaufen diesen Sitz, der in hohem Maße individuell konfigurierbar ist. In diesem Bereich der Super Class Sitze ist B/E der führende Hersteller. Ein Mitbewerber ist Contour Aerospace Ltd.; das Unternehmen ist von Zodiac Aerospace Inc. übernommen worden, aber tritt weiterhin unter eigenem Namen auf.

Ein Airline-Experte aus Asien sagte, dass es infolge des hohen Kostendrucks derzeit nicht viel Nachfrage für die Super First Class gebe. Die Nachfrage komme eher aus dem Bereich der preiswerten Produkte, daher werde auch die Business Class bei seiner Airline aktuell eher verkleinert. Außerdem seien die Super First Class Sitze sehr aufwändig in Unterhalt und Wartung, und B/E sei nicht sehr gut, wenn es um Support gehe. Bei Zwischenfällen von unsachgemäßem Gebrauch der Sitze, mit verschütteten Flüssigkeiten etc., , so der Experte, als die Systeme schnell ausgetauscht mussten, habe B/E  diesen prompten Service nicht leisten. können Aber Airlines seien nicht per se imstande, größere Lagerbestände an Sitzen zu führen.


Business Class Sitze

„In diesem Segment gibt es mehrere Hersteller und mehr Wettbewerb. Der beliebteste Sitz ist „Minipod“ von B/E, der diverse Konfigurationen ermöglicht.“, so ein Branchenkenner aus Europa. Die Produkte von B/E sind besser gestaltet, mit ihrer neuen Geometrie, andere sind günstiger und auch qualitativ gut. – In der ersten Klasse, ist B/E mit seinem Sitz Marktführer, dicht gefolgt von „Sogerma“, dem Sitz von EADS Airbus.“


Economy Class Sitze

Der Economy Class Sitz von B/E heißt “Pinnacle“. Ein Airline-Experte: „Die Vorteile dieses Sitzes sind das geringe Gewicht und seine Haltbarkeit. Das macht dann einen großen Unterschied beim Gesamtgewicht. Diese Sitze sind sehr nachgefragt. Ein Experte aus Asien: „In der Economy Class führt Zodiac mit seinem Produkt „Weber“, doch B/E will in dieses Marktsegment noch stärker vordringen.“ Ein anderer Airliner hingegen meinte zu den Sitzen von B/E: „Wir haben seit 2009 die Finger davon gelassen, weil wir nach der Auslieferung keinen Service bekamen, und die Qualität war mies.“


Lavatories (Waschräume)

„Mit seinen Waschräumen hat B/E einen Durchbruch erreicht, z.B. beim Platzsparen. Das lässt mehr Raum für den Passagier; auch das Design ist ästhetisch. Nach der Testphase wird diese Waschkabine nun ab 2013 in Serie gehen“, so der Mitarbeiter eines Flugzeugherstellers. Und ein weiterer US-Industrieexperte: „Kleinere Waschräume wie der von B/E bringen mehr Platz. Airlines mögen das.“


Sky Interior / Boeing 737 Beleuchtung

Der US-Mitarbeiter eines Flugzeugherstellers sagt: „Im Bereich Sky Interior kooperieren Boeing und B/E. Es handelt sich im Grunde eher um ein Produkt von Boeing, welches zunächst für den Typ 737 entwickelt wurde. Nur das Beleuchtungssystem kommt von B/E, und das ist hervorragend: geringes Gewicht, anspruchsvolle Technologie und niedriger Stromverbrauch.“

„Sky Interior ist innovativ und erzeugt eine angenehmere Atmosphäre als das traditionelle Innenleben. Bei Airbus wird an demselben Thema gearbeitet, aber B/E hat die Nase vorn und etwa zwei bis drei Jahre Vorsprung. Aber Airbus wird bald aufholen“, so ein anderer Experte.

Ein Airliner aus den USA sagte: „Bei Sky Interior sind die Gepäckfächer über den Sitzen größer und besser. Die Beleuchtung ist eher indirekt. LED wirft nicht so viele Schatten. Es sieht so aus, dass Airlines diese Produkt gern ordern.“ Der Mitarbeiter eines Luftfahrtunternehmens sagte: „Das neue Boeing 737 Interior gibt einem das Gefühl von mehr Raum. Ich weiß derzeit von keinem Mitbewerber.“


Bordverpflegung und Getränke

Ein US-Experte: „Die Galleys, Öfen und Kaffeemaschinen von B/E funktionieren viel besser. Es gibt sogar Espressomaschinen für die First Class. Und die Getränkewagen, von denen es früher viele zertifizierte Typen gab, werden stärker vereinheitlicht. Es war auch Zeit für eine Marktbereinigung. Bei der Boeing 727 zum Beispiel war es in der Vergangenheit so, dass es allein 120 verschiedene Typen Servicewagen (Trolleys) gab, die für den Getränkeausschank Bord zertifiziert waren.“ Und der Mitarbeiter eines Flugzeugbauers: „Die Galleys von B/E sind sehr beliebt, verkaufen sich sehr gut“, 


Sauerstoffsysteme

Ein asiatischer Airliner sagte zu dem Produkt: „B/E Sauerstoffsysteme sind effizienter und leichter im Gewicht. Meines Wissens gibt es da nicht viele Mitbewerber.“


Fazit

B/E erscheint laut Branchenmeinungen insgesamt gut positioniert. Man profitiert nicht nur vom wachsenden Flugzeugmarkt, sondern auch vom Trend hochwertiger, leichterer, moderner oder platzsparenderer Flugzeuginnenausstattung.

Wer gerne in globale Champions investiert, für den kann die B/E Aerospace Aktie interessant sein. Die Aktie befindet sich seit 5 Jahren in einem Aufwärtstrend und ist mit einem KGV von 26 im Moment nicht gerade günstig bewertet. Größere Rückschläge im Aktienkurs sollten vielleicht zu einem Kauf für einen langfristigen Investor genutzt werden.

Auch eine Betrachtung des Insiderverhaltens zeigt auf, dass der Aktienkurs im Moment an der Börse nicht gerade niedrig notiert. So gab es in den vergangenen sechs Monaten keine Insiderkäufe, jedoch 5 Insiderverkäufe!

Ich werde die Aktie im Auge behalten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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