Analyse Aktien Glas

Glas: Wachstum in unterschiedlichen Sektoren möglich?

Ein Beitrag von tzimmer 7 24.05 - 17:29

Die verschiedenen Anwendungsgebiete von Glas sind für viele moderne Bauprojekte und Technologien von großer Bedeutung. Sowohl im Bereich der Unterhaltungselektronik, als auch im Bau- und Automobilsektor spielen die Erzeugnisse dieser Branche eine wichtige Rolle. Für Anleger könnte sich der Blick auf zwei Unternehmen aus diesem Themengebiet lohnen.
 
Corning Inc
 
 
Compagnie de Saint-Gobain SA
 

Das Anwendungsgebiet Glas betrifft eine weite Bandbreite von Industriezweigen und Branchen. Der Bausektor, die Automobilindustrie oder der Bereich der Unterhaltungselektronik zählen unter anderem zu den Branchen, in denen Glastechnologien wesentliche Bestandteile der Enderzeugnisse darstellen. Glasproduzenten veröffentlichen dabei mit höherer Regelmäßigkeit wesentliche Innovationen, als man dies im Alltag vermuten könnte. Mit Blick auf oben genannte Märkte könnte das Themengebiet Glas auch für Anleger interessant werden. Ein Blick lohnt in diesem Zusammenhang auf das amerikanische Unternehmen Corning Inc. sowie den französischen Mischkonzern Saint-Gobain.

Corning Inc (US2193501051) hat sich in der vergangenen Dekade eine dominierende Marktposition im Bereich der Smartphones und Tablets aufgebaut. Laut eigenen Angaben sind weltweit in rund 5 Milliarden mobilen Endgeräten Displays des Unternehmens verbaut. Zu den Abnehmern des Unternehmens zählen hierbei einige der größten Smartphone-Produzenten, beispielsweise HTC, Samsung, LG, Motorola und Apple. Grund für diesen Erfolg ist eine Eigenentwicklung namens Gorilla Glass. Dabei handelt es sich um ein besonders sturz- und kratzfestes Glas. Das Glas wird in einem speziellen Verfahren in einer alkalischen Salzschmelze produziert und bietet neben seiner höheren Robustheit bei einem geringeren Gewicht auch eine bessere Lichtdurchlässigkeit als herkömmliches Glas. Mit der ersten Generation dieses Produkts ist Corning vor etwa 10 Jahren in den Markt eingetreten. Stetige Weiterentwicklungen der Technologie erhöhten Kratzfestigkeit und Stabilität des Glases dabei immer weiter. Damit einher ging ein immer weiter steigender Marktanteil im Bereich der Smartphones und Tablets, welcher auch ein wesentliches Unternehmenswachstum zur Folge hatte. So hat sich seit 2010 die Zahl der Mitarbeiter beispielsweise von etwa 26.000 auf mittlerweile rund 40.000 fast verdoppelt. Auch der Unternehmensumsatz stieg im gleichen Zeitraum um circa ein Drittel an. Auch im Geschäftsjahr 2016 konnte der Umsatz nochmals um 3,2 Prozent auf 9,4 Milliarden US-Dollar erhöht werden. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal des Jahres 2017 stimmten die Marktteilnehmer ebenfalls positiv. Der Gewinn pro Aktie lag mit 0,39 Dollar rund 4 Cent über den Erwartungen der meisten Wall Street Analysten. Auch der Umsatz lag mit 2,38 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen. Darüber hinaus konnte der Vorstand der Gesellschaft innerhalb des letzten Monats zwei weitere erfreuliche Nachrichten übermitteln. Einerseits gab Apple vor wenigen Tagen bekannt, rund 200 Millionen Dollar aus seinem neuen Advanced Manufacturing Fonds in Corning zu investieren. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit der ersten iPhone-Generation zusammen und dieses Engagement könnte man als Beweis für die Stabilität dieser für Corning überaus wichtigen Kooperation sehen. Im weiterhin wachsenden weltweiten Markt für Smartphones ist die gute Positionierung Cornings größte Stärke, eine Verteidigung dieser Position dürfte nur mit einer weiteren Belieferung Apples verteidigt werden können. Ende April konnte Corning zudem einen Deal über 1 Milliarde Dollar mit dem amerikanischen Telekommunikationsunternehmen Verizon bekannt geben. Das Geschäft beinhaltet die Lieferung von 37 Millionen Meilen Glasfaserkabel zum Netzausbau des Kommunikationsanbieters. Corning gelingt es momentan zunehmend, auch außerhalb des Bereichs der Elektronikgeräte Einnahmen zu generieren.

Für Anleger, die eine größere Diversifizierung präferieren, könnte der französische Konzern Compagnie de Saint-Gobain SA (FR0000125007) interessant sein. Durch ein umfangreiches Netz von Tochtergesellschaften ist der Konzern in vielen Bereichen des Baustoffhandels und der Herstellung von Baustoffen präsent, mit seinen Tochtergesellschaften aus dem Glasbereich hauptsächlich auf den Bausektor und den Automotive Bereich ausgerichtet. Als Mischkonzern könnte das Unternehmen von der europäischen Konjunkturentwicklung durch eine Zunahme von Bauprojekten momentan in mehrfacher Hinsicht profitieren. Auch die Zunahme von weltweiten Infrastrukturprojekten, laut Bloomberg soll der momentan 660 Milliarden schwere Markt bis 2027 jährlich um 8 Prozent wachsen, könnte positive Folgen für Saint Gobain haben. Im ersten Quartal 2017 stieg der Konzernumsatz um 8 Prozent auf 9,94 Milliarden Euro an, begünstigt durch ein Absatzplus in Höhe von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Eine bedeutende Innovation in der Glastechnologie könnte das Intelligente Glas sein (im Englischen: „Smart Glass“). Intelligentes Glas kann seine Lichtdurchlässigkeit durch Veränderung der Glastemperatur oder durch Einfluss von elektrischer Spannung verändern und somit entweder Räume verdunkeln, vor Sonneneinstrahlung schützen oder als Sichtschutz dienen. Sowohl im Automotive-Bereich, als auch im Bausektor könnte dieses Produkt in Zukunft eine große Rolle spielen. Der weltweite Markt hierfür soll von 2,34 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf rund 8,13 Milliarden Dollar im Jahr 2022 wachsen. Saint-Gobain ist auch hier sehr stark durch Tochtergesellschaften vertreten. Die Unternehmen Sage Electrochromics oder Glassolutions wären hier gute Beispiele. Der Automobilsektor würde voraussichtlich durch die Tochtergesellschaften Sekurit und Autover abgedeckt werden.

Für ein Investment in Corning spricht die dominante Marktstellung des Unternehmens im Marktsegment für Displays von mobilen Endgeräten. Auch wenn das enorme Wachstum des Unternehmens der vergangenen Jahre in dieser Form wohl nicht beibehalten werden kann, könnte zumindest der nach wie vor wachsende Kernmarkt für Smartphones und Tablets weiteres Wachstumspotenzial bedeuten. Saint-Gobain könnte in diesem Fall für die Aktie mit der höheren Risikostreuung stehen. Das Engagement des Konzerns in vielen unterschiedlichen Produktgruppen und Branchen könnte es von technologischen Neuerungen und Marktverschiebungen im Bereich Glas unabhängiger machen, deckelt hinsichtlich dieser Faktoren aber womöglich auch die Renditepotenziale.


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