Analyse Aktien Glas

Glas: Neue Anwendungsfelder sorgen für Wachstum

Ein Beitrag von tzimmer 8 08.11 - 17:55

Die Nachricht über die Einrichtung einer eigenen Glasabteilung bei Tesla sorgte bei Anlegern für Aufsehen. Glas besitzt allerdings eine wichtige Bedeutung für eine Vielzahl von Anwendungsfeldern und neuen Technologien. Neben Tesla ist auch der Blick auf einen der etablierten globalen Glasproduzenten aus Japan interessant.
 
Tesla Motors Inc
 
 
Asahi Glass KK
 

Der Markt für den Werkstoff Glas hat bereits in den vergangenen Dekaden beträchtlich an Volumen gewonnen. Technische Innovationen, die die Gestaltungsmöglichkeiten von Glas und auch dessen Festigkeit und Tragfähigkeit erhöhten, führten dazu, dass sich die Anwendungsgebiete und Verwendungszwecke stetig erweiterten. An dieser grundsätzlichen Entwicklung hat sich auch gegenwärtig kaum etwas verändert. Der Bedarf an Displays für mobile Endgeräte, die zunehmende Bedeutung von Glas als Designelement in der Architektur und im Automobilbau oder auch die Einführung von Solartechnologie sorgen aktuell unter anderem dafür, dass der Bedarf nach innovativen Glastechnologien hoch bleibt und das Absatzpotenzial in Zukunft auch weiterhin ansteigen könnte. Der Markt ist hierbei traditionell stark umkämpft. Hinsichtlich der aktuellen Wachstumskräfte könnte sich eine Analyse eines der großen internationalen Konzerne derzeit lohnen. Auch ein noch relativ junges Unternehmen sieht Potenzial im Aufbau einer eigenen Glasentwicklung und -produktion.

Asahi Glass KK (JP3112000009)

Eine erste interessante Aktie im Industriesektor Glas ist derzeit die japanische Asahi Glass Company. Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründete Unternehmen operiert als Glasproduzent im Baubereich, produziert Displays und beliefert darüber hinaus auch Automobilhersteller. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als 50.000 Mitarbeiter und generierte im Geschäftsjahr 2016 einen Gesamtumsatz von etwa 9,5 Milliarden Euro, wobei Glas nicht den alleinigen Unternehmensfokus darstellt. Auch die Biotechnologie, Elektronikbauteile und Telekommunikationskomponenten zählen zu den wichtigsten Geschäftsfeldern des Mischkonzerns. In den vergangenen Jahren stagnierte der Konzernumsatz, zuletzt war er gar leicht rückläufig. Insbesondere durch die weiter oben genannten Veränderungen im Markt für Glasprodukte könnte dieser Konzernbereich der Asahi Glass Company aber wieder Schwung verleihen. Im Automobilsektor konnte Asahi kürzlich eine Kooperation mit Audi eingehen. Für die neue Modellgeneration des A8 wird das Unternehmen das Deckglas für einen der beiden Touchscreens des Interieurs liefern. Die gebogene Form dieses Displays stellt hierbei eine Besonderheit dar. Das 10.1 Inch große Display ist das erste Curved-Display in einem Serienfahrzeug weltweit. Eine weitere Innovation strebt das Unternehmen im Zusammenarbeit mit der Daimler AG an. Für die neue Generation des S-Klasse Coupés wird die Asahi-Tochter AGC Automotive ein Produkt namens „Wonderlite“ zur Verfügung stellen. Hierbei handelt es sich um ein Glas, welches in der Lage ist, die eigene Lichtdurchlässigkeit anzupassen. Hierdurch wird es den Fahrzeuginsassen, neben Vorteilen wie besserem UV-Schutz, möglich sein, bei Bedarf die Fahrzeugaufheizung durch das Sonnenlicht zu reduzieren. Mit einer Fläche von 1,7 m² wird dieses Glasdach das derzeit größte skalierbare Fahrzeugdach am Markt darstellen. ACG Automotive beliefert eine Vielzahl bedeutender internationaler Automobilhersteller mit Front- und Seitenscheiben sowie Sonnen- und Glasdächern. Aufgrund der hohen Bedeutung dieser Tochtergesellschaft für den Konzernerfolg könnte man es als positiv beurteilen, dass Asahi versucht, aktuelle Markttrends des Automobilsektors aufzugreifen. Erfahrungsgemäß werden Technologien aus der automobilen Oberklasse im Zeitablauf auch für kleinere und massentauglichere Modelle verfügbar gemacht. Zukünftig könnten diese beiden relativ kleinen Aufträge also ein weitaus größeres Auftragsvolumen nach sich ziehen. Auch im Sektor für elektronische Geräte ist Asahi Glass mittlerweile gut am Markt platziert. Das sogenannte „Dragontrail Glass“ wird hierbei an Smartphones, Tablets sowie Notebooks verbaut und steht in direkter Konkurrenz zu „Gorilla Glas“ des US-Produzenten Corning. Dragontrail Glass kommt unter anderem bei Produkten der Marken Sony, Panasonic, Blackberry, Samsung oder LG zum Einsatz. Um den großen Marktanteil innerhalb Asiens zu festigen, plant die Unternehmensführung derzeit einen Ausbau der Produktionskapazitäten in Indien. In den vergangenen drei Jahren sind in Indien mehr als 100 neue Fertigungsbetriebe für mobile Endgeräte entstanden, nicht zuletzt aufgrund steuerlicher Anreize durch die indische Regierung. Darüber hinaus wird das Absatzpotenzial für Smartphones in Indien im Verlauf der nächsten fünf Jahre auf etwa eine Milliarde Geräte geschätzt. Momentan besitzt Asahi in Indien als Zulieferer einen Marktanteil von 20 Prozent. Ein Investitionsaufwand von rund 100 Millionen US-Dollar zur Modernisierung und Errichtung neuer Fabriken soll in der nahen Zukunft diese Marktposition sichern, eventuell auch ausbauen können. Die hohe Diversifizierung über viele verschiedene Anwendungsbereiche von Glas sowie die starke Marktpositionierung in Asien könnten für ein Investment in die Asahi Glass Company sprechen. In den vergangenen zehn Jahren waren die Kursbewegungen der Aktie allerdings auch sehr volatil, im Vergleich zum Jahr 2007 liegt der Kurs gar fast 20 Prozent tiefer. Risikoaverse Investoren könnten daher zunächst abwarten, in welchem Umfang sich die Innovationen des Unternehmens im Automobilsektor etablieren und ob sich die in das Projekt Indien gesetzten Hoffnungen bewahrheiten.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)

Während des vergangenen Jahres kamen vereinzelt immer wieder Gerüchte um ein Glasprojekt von Tesla auf. Im Rahmen der Vorstellung der neuen Solar-Dachziegel wurden nun weitere Details zu „Tesla Glass“ bekannt. Neben dem Schutz der Solarzellen in den Dachziegeln spielt Glas auch in den Entwürfen der Fahrzeuge eine immer größere Rolle. So soll das Dach des neuen Model 3 Dach komplett aus Glas bestehen. Auch das Model S ist seit mittlerweile mit einem durchgängigen Glasdach erhältlich. Vor dem Hintergrund dieses hohen Bedarfs innerhalb des Konzerns könnten Skaleneffekte dazu geführt haben, dass sich Tesla für die Eigenproduktion der benötigten Glasflächen und -technologien entschieden hat. Neben den Skaleneffekten könnte die Innovationskraft von Tesla Glass zukünftig aber einen noch größeren positiven Effekt haben. Eine Vergünstigung der Produktionskosten könnte in Zukunft einen wichtigen Faktor für den Gesamterfolg des Unternehmens darstellen. Nachdem die Produktion der Elektroautos nach wie vor defizitär ist, könnte ein Weiterverkauf von Technologien und Patenten in diesem Bereich aber auch für zusätzliche Einnahmen sorgen. Solche Zusatzeinnahmen generierte Tesla auch in der Vergangenheit, beispielsweise beim Verkauf von Emissionspunkten an andere Automobilhersteller. Nach der Übernahme des Solarstromanlagenproduzenten Solarcity für 2,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr entwickelt sich Tesla wohl nach und nach vom Automobilproduzenten zum integrierten Anbieter erneuerbarer Energien. Der Vision von Elon Musk, ein System aus Solarzellen, hauseigenem Energiespeicher sowie Elektroauto anzubieten, kommt Tesla durch diese Akquisition wieder einen Schritt näher. Auch in diesem Zusammenhang wären die Einsparpotenziale der Eigenproduktion von Glastechnologien potenziell ein wesentlicher Faktor für den finanziellen Erfolg dieser Systeme. 


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