Analyse Aktien Gold

Gold: Sicherer Hafen in der Corona-Krise?

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 23.04 - 17:29

Wie bereits in Krisen und Rezessionen der Vergangenheit zu beobachten war, stieg der Goldpreis auch im Verlauf der Corona-Pandemie stark an. Könnte Gold also auch in der aktuellen Krise für Anleger zum sicheren Hafen werden? Und wie könnten Unternehmen, die sich mit dem Goldabbau beschäftigen, von der Marktlage profitieren?
 
Barrick Gold Corporation
 
 
Royal Gold Inc
 

Seit Beginn dieses Jahres ist der Goldpreis um mehr als 17 Prozent gestiegen. Die Gründe für diese Entwicklung dürften auf eine Reihe von Umständen zurückzuführen sein. Einige dieser Sachverhalte könnten auch in den kommenden Monaten in der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und ihrer Folgeerscheinungen Bestand haben. Gold ist grundsätzlich ein begrenzter Rohstoff, daher kann sich das Angebot nicht beliebig an eine hohe Nachfrage anpassen, wodurch die Preise steigen. Während andere Rohstoffe, wie etwa Rohöl, preislich derzeit enorm unter der fehlenden Abnahme der wirtschaftlichen Produzenten und Konsumenten leiden, deckt sich die Nachfrage nach Gold zu mehr als 90 Prozent als Reservewährung oder zu vermögensbildenden Zwecken. Auch deshalb dürfte der Goldpreis in den vergangenen Wochen stark zugelegt haben. Die Flucht in physische Goldanlagen bietet zudem den Vorteil, dass Investoren hierbei keinem Gegenparteiausfallrisiko unterliegen. Zahlungsvereinbarungen sind in Zeiten von Wirtschaftskrisen hingegen tendenziell mit einem gewissen Verzugs- oder Ausfallrisiko versehen. Darüber hinaus könnten die global stark steigenden Staatsverschuldungen, die als Reaktion auf die Pandemie zur Finanzierungszwecken entstanden, zukünftig negativ auf Anleihen- und Währungskurse wirken. In seiner Wirkungsweise als offizielle Reservewährung könnte auch der Gold-Wechselkurs zu großen Währungen künftig profitieren. Diese Entwicklungen könnten in der Folge auch Unternehmen begünstigen, die sich mit dem Abbau und der Erschließung von Goldvorkommen beschäftigen. Vor dem Hintergrund von möglichen Produktionsstörungen durch den lokalen Ausbruch von Corona-Erkrankungen werden im Folgenden vor allem Unternehmen behandelt, die aufgrund ihrer Größe und einer guten Diversifizierung in viele Produktionsstandorte, in einem solchen Szenario weniger stark getroffen werden.

Barrick Gold Corporation (CA0679011084)

Mit einer Produktion von 5,5 Millionen Unzen war Barrick Gold im Jahr 2019 weltweit der zweitgrößte Produzent von Gold. In Bezug auf seine Projekte ist das Unternehmen gut diversifiziert, die Minen erstrecken sich über 13 Länder in Nord- und Südamerika, Afrika, Papua Neu-Guinea sowie Saudi-Arabien. Die Gesellschaft war auf der Suche nach schierem Fördervolumen in der Vergangenheit zu stark gewachsen und hatte sich im Zuge dessen hoch verschuldet. In den vergangenen Jahren hat das Management den Kurs geändert und setzt jetzt auf Profitabilität. Im Jahr 2019 sank der Stand der Verbindlichkeiten um 47 Prozent auf 2,2 Milliarden US-Dollar. Barrick Gold gibt wenig profitable Projekte auf und konzentriert sich lediglich noch auf die Etablierung von „Tier 1“-Minen, die sich durch günstige Förderbedingungen bei hoher Restlebenszeit auszeichnen. Die Maßnahmen führten zu einer im Wettbewerbsvergleich hohen Profitabilität. Die Förderkosten pro Unze beliefen sich bei Barrick Gold auf lediglich 894 US-Dollar pro Unze, der größte Konkurrent Newmont vermeldete dagegen Eigenkosten in Höhe von 966 US-Dollar. Auch hierdurch konnte ein EBITDA von 8,8 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2019 erzielt werden. Als Reaktion auf die Corona-Pandemie hat das Unternehmen kürzlich 800.000 CoVid-19 Testkits erworben, um die eigenen Mitarbeiter in den Minen, aber auch die Bevölkerung in den umliegenden Siedlungen regelmäßig testen zu können. Um Schwierigkeiten in Lieferketten vorzubeugen, wurden Betriebsmittel und Arbeitsgüter zudem auf einen Dreimonatsvorrat aufgestockt. Durch diese Maßnahmen und basierend auf den Produktionszahlen des ersten Quartals geht das Management derzeit davon aus, dass das für 2020 gesetzte Produktionsziel von 4,8 bis 5,2 Millionen Unzen erreicht werden kann.

Royal Gold Inc (US7802871084)

Ebenfalls gut diversifiziert ist das Streaming-Unternehmen Royal Gold. Die Einnahmen dieser Gesellschaft fließen aus 40 produzierenden Goldminen und über 130 weiteren Rohstoffprojekten auf 6 Kontinenten. Der überwiegende Teil der Einnahmen kommt hierbei aus Goldprojekten, diese machen 78 Prozent der Umsätze aus. Als Streaming-Unternehmen unterstützt Royal Gold die Finanzierung von Explorationsvorhaben durch Goldminengesellschaften und sichert sich im Gegenzug Anteile am Ertrag der Mine oder Preisgarantien für die Abnahme der Erzeugnisse. In der aktuellen Situation bietet dieses Geschäftsmodell eine Reihe von Vorteilen. Royal Gold kommt mit einem sehr geringen Personalbestand aus, welcher zudem durch Home-Office geschützt werden kann, wodurch die Ausfallwahrscheinlichkeit des Personalbestands minimiert wird und die eigene operative Tätigkeit sichergestellt werden kann. Da die Abnahmepreise in der Regel Jahre im Voraus abgeschlossen werden, profitieren diese Unternehmen vom stark gestiegenen Goldpreis durch den eigenen günstigen Abnahmevereinbarungen derzeit tendenziell stark. Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte Royal Gold hierdurch seinen Umsatz um 27 Prozent auf 124 Millionen US-Dollar steigern, wodurch ein Gewinn in Höhe von 41,3 Millionen US-Dollar realisiert werden konnte. Trotz der Corona-Krise stieg hierbei das Goldabnahmevolumen um 5 Prozent an. Interessant für Anleger könnte zudem die Dividendenpolitik der Gesellschaft sein. Royal Gold hat die Dividende in den vergangenen 19 Jahren jährlich angehoben. Zuletzt stieg diese von 1,06 auf 1,12 US-Dollar pro Jahr. Um der Krise zu trotzen, verfügt das Unternehmen derzeit über eine Liquidität in der Größenordnung von 1 Milliarde US-Dollar (der verfügbare Kreditrahmen beläuft sich auf 865 Millionen US-Dollar), um auf Problemfälle zu reagieren oder von günstigen Geschäftsgelegenheiten zu profitieren.

Auch bei Franco-Nevada handelt es sich um ein Streaming-Unternehmen. Im Gegensatz zu Royal Gold wurden die Projekte der Gesellschaft härter durch Corona getroffen, dass eigene Ziel für 2020, 550.000 bis 580.000 Unzen Goldäquivalent, musste das Management kürzlich aufgeben. Dennoch dürfte das Unternehmen zur Bewältigung der Krise gut aufgestellt sein. Zum Abschluss des ersten Quartals am 31. März wies der Geschäftsbericht einen Kassenbestand von 205 Millionen US-Dollar sowie einen verfügbaren Kreditrahmen von 1,1 Milliarden US-Dollar aus. Da es sich bei Goldminen-Projekten tendenziell eher um risikoreiche Anlagen handelt, könnte sich in den kommenden Jahren die Finanzierungsbeschaffung für Minengesellschaften erschweren, vor allem im Falle einer länger währenden Rezession. Die gute Liquidität könnte die Verhandlungsposition Franco-Nevadas in diesem Szenario verbessern und vorteilhaftere Geschäfte ermöglichen. Seine solide finanzielle Basis verdankt das Unternehmen auch seiner enorm hohen Profitabilität. Im vergangenen Geschäftsjahr lagen die vorsteuerlichen Profitmargen der Gesellschaft bei knapp 48 Prozent. Daher gehen Analysten derzeit davon aus, dass eine Gewinnsteigerung von bis zu 20 Prozent im laufenden Jahr im Bereich des Möglichen ist, obwohl das Portfolio der Gesellschaft auch zu einem Drittel aus Öl- und Gasprojekten besteht. In Ähnlichkeit zu Royal Gold hat auch Franco-Nevada in den vergangen 12 Jahren stets die Dividende erhöht. Mit weltweit mehr als 300 Projekten, wovon zwei Drittel auf Gold, Silber und Platinum entfallen, könnte man auch dieses Unternehmen als gut diversifiziert bezeichnen.


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