Analyse Aktien Goldminen/-produktion

Steigender Goldpreis: Können Minenbetreiber profitieren?

Ein Beitrag von tzimmer 15 05.03 - 11:27

Gold genießt an der Börse seit jeher den Ruf eines „sicheren Hafens“ in Krisenzeiten. Im vergangenen Jahr war der Goldpreis sehr volatil, befindet sich jedoch seit wenigen Monaten wieder in einer Aufwärtsbewegung. Könnten Goldminenbetreiber vor diesem Hintergrund von den aktuellen Entwicklungen profitieren?
 
Barrick Gold Corporation
 
 
Royal Gold Inc
 

Betrachtet man die Entwicklung des Goldpreises für das Jahr 2018, so lässt sich feststellen, dass der Preis fast das komplette Jahr unter Druck stand und sich erst seit etwa Mitte Oktober wieder in eine positive Richtung entwickelt. Derzeit liegt er wieder knapp über der 1.300 US-Dollar-Marke. Laut der US-Investmentbank Goldman Sachs liege dieser Anstieg in einer „Rückkehr der Angst“ in die Märkte begründet. Zeitlich koinzidiert der Goldpreisanstieg tatsächlich mit einer Zunahme der negativen Finanzmarktberichte und Rezessions-Prognosen. Risikopotenziale für eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums könnten etwa durch die Handelsstreitigkeiten der USA, der nach wie vor ungeklärten Brexit-Situation oder der weltweit hohen Staatsverschuldung weiterhin gegeben sein. Eine weitere interessante Entwicklung in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass Zentralbanken im vergangenen Jahr so viel Gold erworben haben wie seit 1971 nicht mehr. So hat beispielsweise Russland massiv US-Anleihen in Goldbestände umgewandelt. Analog zum Goldpreis haben auch die Aktienkurse einiger Goldminenbetreiber in den vergangenen Monaten zugelegt. Die Aktienkurse der Goldminenunternehmen sind durch den oft starken Fokus auf Gold als primäres Produktionsgut stark von den Fluktuationen des Goldpreises betroffen. Lange Zeit sah es im vergangenen Jahr düster aus für diese Industrie, aber der Wiederanstieg des Goldpreises sowie eine aufsehenerregende Fusion innerhalb der Branche könnten manchen Minenbetreiber auch für Anleger interessant machen, potenziell begünstigt durch den Eintritt eines der oben beschriebenen Szenarien.

Barrick Gold Corporation (CA0679011084)

Eine erste interessante Alternative könnte das kanadische Unternehmen Barrick Gold sein. Das Unternehmen steht aktuell im Fokus der Öffentlichkeit aufgrund der anstehenden Fusion mit dem afrikanischen Konzern Randgold Resources. Die Transaktion lässt einen Konzern mit einer Marktkapitalisierung von 18,3 Milliarden US-Dollar entstehen und führt zur Bildung des größten Goldproduzenten der Welt. Durch den Zusammenschluss wird die starke Präsenz Barricks in Nord-, Mittel- und Südamerika mit den stark ausgeprägten afrikanischen Abbaugebieten Randgolds kombiniert. Zu diesem künftig ergiebigen Fördergebiet zählen auch einige sehr profitable Minen. So gehören von nun an 5 der 10 Minen mit den weltweit niedrigsten Förderkosten zum neu geschaffenen Konzern. Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert Barrick Gold eine Produktionssteigerung in Höhe von 13 Prozent, primär als Folge der Randgold-Übernahme. Für Aufsehen sorgte der Gewinneinbruch bei Barrick Gold in seiner letzten individuellen Bilanz vor der offiziellen Zusammenlegung. So sank der Nettogewinn auf 0,06 US-Dollar pro Aktie, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Verlust von fast 73 Prozent bedeutet. Ein genauerer Blick zeigt auf, dass diese letzte Bilanz allerdings auch dazu genutzt wurde, um teils hohe Abschreibungen durchzuführen. Auf diese Weise belasten diese nicht mehr den neu geschaffenen Konzern und ermöglichen einen „frischen Start“. Dennoch könnte für Anleger hier zunächst eine abwartende Haltung der richtige Ansatz sein. Der Ablauf der operativen Fusion bleibt zu beobachten. So sollen die Produktionskosten laut Unternehmensführung für das laufende Jahr zwischen 870 und 920 US-Dollar pro Unze liegen, im Jahr zuvor konnte Barrick Gold noch durchschnittliche Kosten in Höhe von 806 US-Dollar verbuchen. Mittelfristig rechnet die Konzernführung mit einem Rückgang der Kosten auf einen Wert um die 700 US-Dollar pro Unze, eine detaillierte Kostenprognose will das Unternehmen im Laufe des Jahres veröffentlichen, wenn Kosten und Verlauf der Randgold-Integration genauer abzuschätzen sind. Kurzfristig könnte der Aktienkurs des Unternehmens je nach Verlauf der Fusion Schwankungen unterliegen. Durch seine Größe und das vergleichsweise breite Portfolio an Minen könnte Barrick Gold bei anhaltendem Aufwärtstrend des Goldpreises mittelfristig jedoch ein Investment rechtfertigen. Sollten die Ziele bezüglich der Förderkosten erreicht werden, könnte in diesem Szenario zudem weiteres Kurspotenzial entstehen.

Royal Gold Inc (US7802871084)

Bei der Royal Gold Corporation handelt es sich nicht um einen klassischen Minenbetreiber. Das Geschäftsmodell der Gesellschaft liegt primär in der Bereitstellung von Finanzierungslösungen und Kapital für Minengesellschaften, vor allem für die Phasen des Infrastrukturaufbaus bis zum Beginn der Förderung. Im Gegenzug erhält Royal Gold Vorkaufsrechte auf einen bestimmten Anteil der Fördermenge, dieses Gold kann die Gesellschaft zu einem vergünstigten Preis erwerben und durch den Weiterverkauf Gewinne generieren. Weltweit verfügt Royal Gold in mehr als 20 Ländern über solche Vergütungsansprüche, der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2018 betrug 459 Millionen US-Dollar. Das Portfolio des Unternehmens geht dabei über Gold hinaus und umfasst unter anderem noch Silber, Kupfer, Blei oder Zink. Gold war im vergangenen Geschäftsjahr jedoch für 77 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich und könnte als eine wesentliche Komponente des Unternehmenserfolgs betrachtet werden. Für das Geschäftsjahr 2018 ergibt sich im Fall von Royal Gold ein gemischtes Bild. Zwar konnte ein neuer Rekordumsatz aufgestellt werden (459 Millionen US-Dollar) und auch bei den Goldäquivalent-Unzen konnte man dank eines einprozentigen Anstiegs mit 354.000 Unzen einen neuen Rekordwert verbuchen. Dem gegenüber steht allerdings auch ein Nettoverlust in Höhe von etwa 113 Millionen US-Dollar, welcher jedoch auch durch eine US-Steuerreform im vergangenen Jahr negativ beeinflusst wurde. Nichtsdestotrotz sollten Anleger die Entwicklung des Nettoergebnisses zukünftig genauer betrachten. Positiv könnten in diesem Zusammenhang die geplanten Erweiterungen Minen Wassa & Prestea (Ghana), Cortez Crossroads (USA), Penasquito (Mexiko) und Rainy River (Kanada) zu Buche schlagen. Im vergangenen Jahr konnten bereits Produktionssteigerungen in Wassa & Prestea und in Rainy River verzeichnet werden. Auffällig ist zudem, dass Royal Gold im vergangenen Jahr ausstehende Kreditverbindlichkeiten in Höhe von einer Milliarde US-Dollar beglichen hat. Analog zur Situation von Barrick Gold scheint die Unternehmensführung auch in diesem Fall die Gelegenheit eines voraussichtlich schlechteren Geschäftsjahrs, bedingt durch die Steuerreform und den fallenden Goldpreis in den ersten drei Quartalen des Jahres, genutzt zu haben, um Altlasten und Verbindlichkeiten aus der Bilanz zu streichen. Dieser Umstand könnte zu einer Verbesserung der Ausgangslage für das Geschäftsjahr 2019 geführt haben. Die Umsätze sowie der operative Cashflow waren in den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres im Jahresvergleich rückläufig. Das Geschäftsjahr erstreckt sich bei Royal Gold vom 1.7. bis zum 30.6. des jeweiligen Jahres, insbesondere das erste Quartal könnte unter dem temporären Tiefstand des Goldpreises gelitten haben. Die weitere Geschäftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2019 könnte für Investoren aber einen wichtigen Indikator zur Beurteilung eines Investments darstellen, insbesondere vor dem Hintergrund des Nettoverlusts im vergangenen Geschäftsjahr.


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