Analyse Aktien Goldminen/-produktion

Gold: Zieht die Rallye Produzenten mit hoch?

Ein Beitrag von tzimmer 17 24.09 - 8:38

Im vergangenen Jahr konnte der Goldpreis kräftig zulegen, die Gründe hierfür sind vielfältig. Gold als „sicherer Hafen“ scheint in Zeiten wachsender Rezessionssorgen für Investoren wie Regierungen wieder an Attraktivität gewinnen. Gibt es auch Unternehmen, welche von den gegebenen Rahmenbedingungen in der näheren Zukunft profitieren könnten?
 
Newmont Mining Corp
 
 
Agnico Eagle Mines Ltd
 

In der vergangenen Woche erreichte der Goldpreis ein neues Sechs-Jahres-Hoch, alleine in den vergangenen sechs Monaten konnte das Edelmetall um mehr als 20 Prozent zulegen. Als Gründe für diese Entwicklung werden von Experten und Branchenkennern der nach wie vor aktuelle Handelskonflikt zwischen China und den USA, das derzeitige Vorliegen einer inversen Zinsstruktur sowie die Besorgnis hinsichtlich des Übergangs in eine Rezessionsphase genannt. Auch die sinkenden Leitzinssätze der Zentralnotenbanken dürften diese Entwicklung begünstigen. Erst vergangene Woche hatte die amerikanische FED den Leitzins erst wieder um 0,25 Prozent gesenkt. Auch andere Zentralbanken, etwa die australische Reserve Bank of Australia, haben in der jüngeren Vergangenheit ihre Zinssätze teils bedeutend reduziert. Darüber hinaus bauten zuletzt auch diverse größere Hedge-Fonds und Regierungen Goldbestände auf und sorgten somit für steigende Nachfrage nach dem Edelmetall. Zudem verursacht auch der nach wie vor schwelende Brexit-Konflikt weitere Unsicherheit bezüglich der globalen, makroökonomischen Entwicklung. In Folge dieser Entwicklung des Goldpreises profitieren vor allem Goldminenbetreiber und Goldhandelsunternehmen. Da die Geschäftsmodelle dieser Gesellschaften häufig in hohem Maße vom Goldverkauf abhängen, profitieren sie in Zeiten positiver Kursverläufe. Die Entwicklungen der vergangenen Monate könnten auch zukünftig ein gutes Geschäftsklima für Unternehmen in diesem Sektor bewirken. Im Folgenden soll daher auf eine Reihe von Goldförder- und Streaming-Gesellschaften geblickt werden. Dabei soll einerseits der Geschäftsverlauf der jüngeren Vergangenheit, andererseits aber auch der Ausblick für die kommenden Monate analysiert werden.

Agnico Eagle Mines Ltd (CA0084741085)

Die Agnico-Eagle Mines Ltd. ist ein kanadisches Minenunternehmen mit Fokus auf die Förderung von Gold. Der operative Fokus der Gesellschaft liegt in Nordeuropa sowie den amerikanischen Kontinenten. Im Jahr 2018 produzierte Agnico etwas mehr als 1,5 Millionen Unzen Gold, womit man das Rekordergebnis von 1,7 Millionen Unzen aus dem Vorjahr nicht wiederholen konnte. Dieser Trend könnte sich aber bereits im laufenden Geschäftsjahr wieder umkehren. Zwei wichtige Projekte des Unternehmens im kanadischen Territorium Nunavut, Meliadine und Amaruq, ergänzen das Portfolio seit diesem Jahr. Das Meliadine-Projekt konnte im Mai sogar vor dem ursprünglich geplanten Termin die Produktion aufnehmen, und blieb dabei sogar unter den ursprünglich prognostizierten Erschließungs- und Ausbaukosten. Dies könnte zu einer weiteren Steigerung der prognostizierten Fördermenge für das Jahr 2019 führen. In den kommenden Monaten soll auch das zweite Projekt in Amaruq mit der Förderung beginnen. In der verbleibenden Zeit bis zum Jahresende sollen aus dieser Mine noch 165.000 Unzen gefördert werden. Mit geschätzten Goldreserven in Höhe von circa 6 Millionen Unzen und prognostizierten Betriebszeiten von 14 Jahren (Meliadine) und 7 Jahren (Amaruq) besitzen diese beiden Explorationsstätten für die mittelfristige Zukunft eine hohe Bedeutung. Die Förderkosten liegen jedoch bei beiden neuen Explorationen über den Durchschnittskosten, die in der Vergangenheit realisiert werden konnten. So lag der durchschnittliche Förderpreis pro Unze im Jahr 2017 noch bei 558 US-Dollar, dieser wird für Meliadine auf 612 US-Dollar und für Amaruq auf 812 US-Dollar pro Unze geschätzt. Sollten sich diese Schätzungen bewahrheiten, so lägen die Margen der beiden Minen unter dem konzernweiten Durchschnitt. Positiv ist dagegen zu bewerten, dass sich beide Produktionsstätten in vollem Besitz von Agnico befinden und die Einnahmen somit nicht mit weiteren Unternehmen geteilt werden müssen. Die aktuelle Geschäftsentwicklung könnte man durchaus positiv bewerten. Im zweiten Quartal dieses Jahres etwa lag der Nettoertrag der Gesellschaft bei 27,8 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 5 Millionen US-Dollar gelegen. An dieser Stelle schlugen in der jüngeren Vergangenheit die hohen Investitionen für die Nunavut-Erschließungen zu Buche, so beliefen sich die Kosten für das Meliadine-Projekt etwa auf insgesamt 830 Millionen US-Dollar. Sorgen machen muss sich Agnico-Eagle aufgrund hoher Investitionen derzeit jedoch nicht. Mit einem Eigenkapital in Höhe von 4,65 Millionen US-Dollar und einer Eigenkapitalquote von 39 Prozent steht das Unternehmen im branchenweiten Vergleich gut da. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote wird im Minensektor auf lediglich 25 Prozent taxiert. Agnico-Eagle könnte für Anleger eine interessante Alternative zu den großen Goldproduzenten darstellen und könnte kurz- bis mittelfristig noch Wachstumspotenzial entfalten.

Newmont Mining Corp (US6516391066)

Die Newmont Mining Corporation machte zu Beginn des Jahres Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass das amerikanische Unternehmen den kanadischen Konkurrenten Goldcorp für eine Gesamtsumme von 10 Milliarden US-Dollar übernehmen würde. Das resultierende Unternehmen nennt sich Newmont Goldcorp und stellt mengenmäßig den größten Goldproduzenten der Welt dar. Die Jahresfördermenge des neu entstandenen Konzerns soll sich zukünftig zwischen 6 und 7 Millionen Unzen pro Jahr einpendeln. Derzeit betreibt der neu entstandene Konzern weltweit 17 Minen in Afrika, Australien und Nord- sowie Südamerika. Des Weiteren wird dem neuen Unternehmen branchenweit nun das größte Portfolio an Goldreserven sowie Goldressourcen zugerechnet. Eine Erschließung dieser Vorkommen könnte auch zukünftig die hohe Produktionsrate der Newmont Goldcorp sichern. Zwar gibt es im Zusammenhang mit solchen Projekten keine Garantie, dass die Investitionen in den Minenausbau letztlich auch einen operativen Ertrag liefern, die hohe Anzahl an möglichen Projekten erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, zukünftig auf weitere Goldvorkommen zu stoßen. Darüber hinaus könnten diese Reserven und Ressourcen bei steigendem Goldkurs auch ohne Erschließung ebenfalls an Wert gewinnen, was eine Weiterveräußerung der Projekte attraktiver werden lässt, da man mit einem Verkauf zwar eventuell nicht das volle Potenzial ausschöpfen könnte, gleichzeitig jedoch auch das Risiko von Fehlinvestitionen umgehen kann. Mit dem kanadischen Unternehmen Barrick Gold lieferte sich Newmont Mining in den vergangenen Jahren ein Rennen um die Position des weltweit größten Goldproduzenten. Im Rahmen eines Joint Ventures namens „Nevada Gold Mines“ wollen beide Unternehmen nun bei ihren im US-Bundesstaat Nevada befindlichen Projekten künftig Synergien schaffen, was zu beträchtlichen Kosteneinsparungen führen könnte. In den insgesamt 8 Minen des Gemeinschaftsunternehmens, von welchen jeweils 4 Projekte von jedem Partner eingebracht wurden, sollen sich auf diese Weise über die Laufzeit der Exploration Einsparungen von bis zu 5 Milliarden US-Dollar realisieren lassen. Die Jahresproduktion des Joint Ventures wird hierbei auf jährlich etwa 4 Millionen Unzen geschätzt. Newmont Goldcorp ist mit 38,5 Prozent an Nevada Gold Mines beteiligt. Die Kooperation könnte zukünftig die Profitabilität des Gesamtportfolios erhöhen, aufgrund hoher bürokratischer Hürden und hohen Lohnkosten im Vergleich zu anderen Ländern könnte sich dieser Effekt sogar überproportional bemerkbar machen. Die Dividendenpolitik des Unternehmens könnte für interessierte Anleger ebenfalls ein Kaufargument darstellen. In der Vergangenheit hatte Newmont Mining die eigene Dividende immer an die Goldpreise angepasst. Auch für das laufende Quartal gab man eine Anpassung der Dividende auf 14 US-Cent pro Aktie bekannt, diese Politik scheint sich also auch nach dem Zusammenschluss mit Goldcorp fortzusetzen. Durch diese Ausschüttungspolitik könnten die Aktionäre in Zeiten steigender Goldpreise somit potenziell doppelt von deren Entwicklung profitieren.

Die beiden zuvor genannten Unternehmen stellen reine Bergbau- und Explorationsgesellschaften dar. Charakteristisch für solche Unternehmen ist der Umstand, dass sie in ihrem Geschäftserfolg teilweise stark abhängig von der Entwicklung des Goldpreises sind. Eine höhere Sicherheit könnten für Anleger in diesem Zusammenhang sogenannte „Streaming“-Unternehmen bieten. Diese Art von Unternehmen besitzen in Bezug auf Gold ein alternatives Geschäftsmodell. Streaming-Unternehmen stellen Goldproduzenten vorab Kapital zur Erschließung von Goldvorkommen zur Verfügung und sichern sich im Gegenzug Kaufoptionen zu vergünstigten Konditionen auf Erträge dieser Vorkommen. Zu den ersten Unternehmen, die dieses Geschäftskonzept auf die Förderung von Edelmetallen übertragen haben, zählt die kanadische Franco-Nevada Corporation. Neben Gold investiert dieses Unternehmen auch in Streaming-Projekte im Zusammenhang mit der Öl- und Erdgasförderung, Franco-Nevada strebt jedoch einen 80-prozentigen Anteil von Gold an seinen Gesamtumsätzen an. Der 20-prozentige Anteil an Erdgas- und Ölumsätzen könnte das Unternehmen wiederum weniger anfällig für das zeitweise volatile Goldgeschäft machen, was sich wiederum positiv im Kurs der Aktie niederschlagen könnte. Im vergangenen Jahr lag die sogenannte „Gold-Äquivalent-Produktion“, welche im Falle der Streaming-Unternehmen herangezogen wird, bei knapp 448.000 Unzen. Die Unternehmensführung geht in dieser Hinsicht von weiterem Wachstum aus und erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine Zahl zwischen 465.000 und 500.000 Unzen Gold-Äquivalent. Dieses Wachstum soll vor allem in Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Cobre Panama Mine in Panama stehen, welche aktuell nach der Erschließung die Produktion hochfährt. Der Cobra Panama Mine wird eine Goldproduktion in Höhe von 100.000 Unzen per annum für die nächsten 40 Jahre attestiert, gleichzeitig stellt sie das aktuell größte Investment der Franco-Nevada Corporation dar. Aktuell könnte man auch bei Franco-Nevada die Geschäftslage positiv einschätzen. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres beliefen sich die Umsätze auf 170,5 Millionen US-Dollar, was im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Plus in Höhe von 5,7 Prozent darstellte. Mit einem bereinigten Ergebnis pro Aktie von 34 US-Cent konnte man ebenfalls zulegen, vergangenes Jahr hatte dieser Betrag noch bei 29 US-Cent gelegen. Darüber hinaus geht das Management derzeit von Einnahmen zwischen 100 und 115 Millionen US-Dollar aus dem Öl- und Gasgeschäft für das Gesamtjahr aus, zu Jahresbeginn lag die Schätzung für diesen Bereich noch bei einem Wert zwischen 70 und 85 Millionen US-Dollar. Bei gleichbleibendem Förderergebnis seiner Beteiligungen würde Franco-Nevada zudem im oberen Sektor der eigenen Produktionsprognose liegen und könnte die Zielsetzung von 500.000 Unzen Gold-Äquivalent anvisieren. Für Investoren könnte in Bezug auf die weitere Geschäftsentwicklung vor allem das letztendlich erzielte Ergebnis für das Gesamtjahr von Interesse sein. Sofern die zweite Jahreshälfte ähnlich gut verläuft, könnte sich auch im Kursverlauf der Aktie weiteres Potenzial ergeben. Insbesondere aufgrund der oben beschriebenen Diversifizierung durch das Öl- und Erdgasgeschäft könnte Franco-Nevada aber im Vergleich zu einem reinen „Mineninvestment“ eine gute Alternative darstellen, auch im Vergleich zu anderen Gold Streaming-Gesellschaften.


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