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Autonomes Fahren: Chance für Halbleiterproduzenten?

Ein Beitrag von tzimmer 8 30.06 - 19:17

Autonome Fahrfunktionen spielen eine immer größere Rolle im Straßenverkehr und Automobilbau. Damit die Vision vom vollautonomen Fahren Realität werden kann, bedarf es allerdings enorm leis-tungsfähiger Prozessoren und Chips. Dieser Bedarf macht den Automobilsektor zunehmend auch für Halbleiterproduzenten attraktiv.
 
Delphi Automotive PLC
 
 
NVIDIA Corp
 

Das stetig größer werdende Angebot an Fahrassistenzsystemen im Automobilsektor führt uns mittlerweile den technologischen Fortschritt vor Augen, der in diesem Bereich in den letzten Jahren erreicht wurde. Selbst in kleineren Fahrzeugklassen lassen sich heute eine Reihe von Assistenzsystemen optional erwerben. Diese zunehmende Marktdurchdringung lässt erahnen, dass sich vollautonome Fahrzeuge nicht mehr allzu weit von der Serienreife entfernt befinden. Die Boston Consulting Group schätzt die Marktgröße für Autonomes Fahren in einer kürzlich veröffentlichten Studie auf bis zu 77 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035. Zu diesem Zeitpunkt soll jede vierte Neuzulassung weltweit über autonome Fahrfunktionen verfügen, jährlich sollen dann bis zu 12 Millionen teil- oder vollautonome Neuwagen verkauft werden. Autonomes Fahren stellt dabei enorme technologische Anforderungen an die Automobilproduzenten. Die benötigte Leistungsfähigkeit der Prozessoren macht den Automobilsektor hierdurch zunehmend auch für Halbleiterproduzenten interessant. Bereits in den letzten Jahren gelang dieser Branche durch die Infotainment-Systeme und die ersten Formen von Fahrassistenzsystemen sukzessive der Einstieg in den Automobilmarkt. Dieser Anteil an der Wertschöpfungskette des Automobils könnte sich durch die neuen technischen Herausforderungen in den kommenden Jahren erheblich erhöhen. Welchen Unternehmen könnte der Einstieg in den Zulieferermarkt hierbei am besten gelingen?

Ein Kandidat in diesem Zusammenhang ist der amerikanische Chip- und Prozessorproduzent NVIDIA Corp (US67066G1040). Nvidia ist bisher hauptsächlich für seine Grafikprozessoren bekannt, die Unternehmensleitung erkannte jedoch relativ früh die neuen Bedürfnisse der Automobilindustrie. Nach heutigem Stand sind weltweit bereits rund 10 Millionen Fahrzeuge mit Bauteilen des im kalifornischen Santa Clara sitzenden Unternehmens ausgestattet. Aber auch im Forschungs- und Entwicklungsbereich hat sich Nvidia eine starke Position erarbeitet. Laut eigenen Angaben nutzen mittlerweile mehr als 225 Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit Nvidia´s „Drive PX 2 AI“-Plattform, um ihre Lösungen zum autonomen Fahren zu entwickeln. Bei „Drive PX 2 AI“ handelt es sich um einen Computer mit enormer Leistungsfähigkeit, mit welchem erstmals auch vollautonome Fahrfunktionen möglich sein sollen. Die Leistung dieses Computers entspricht der Leistungsfähigkeit von etwa 150 MacBook Pros der neuesten Generation. In Verbindung mit dem aktuellsten Nvidia-Chip „Xavier“ sind mit „Drive PX 2 AI“ knapp 30 Millionen Deep Learning-Prozesse pro Sekunde möglich. Insbesondere durch die Markteinführung dieser Plattform konnte der Unternehmensbereich Automotive im Geschäftsjahr 2016 gute Zahlen erzielen. In diesem Bereich konnte man die Umsätze in 2016 um 52 Prozent auf 487 Millionen US-Dollar erhöhen. Angesichts der Tatsache, dass diese Summe nach wie vor weniger als 10 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, besteht die Möglichkeit, dass auch Nvidia als Gesamtkonzern durch das autonome Fahren in Zukunft noch Wachstumspotenzial besitzt. Eine potenziell enorm wichtige Kooperation konnte Nvidia kürzlich mit dem japanischen Automobilproduzenten Toyota vereinbaren. „Drive PX 2 AI“ soll die Grundlage für die autonomen Systeme des momentan größten Autoherstellers der Welt bilden. Auch die aktuellen Modelle der Marke Tesla sind mit der neuen Nvidia-Plattform ausgestattet, darüber hinaus bestehen aber auch Kooperationen mit bedeutenden Marken wie Audi, Mercedes-Benz oder Volvo. Auch diese Vielzahl an Partnerschaften könnte man als Indiz für die nach heutigem Stand vielversprechende Marktpositionierung des Unternehmens sehen.

Einen Konkurrenten hinsichtlich des autonomen Fahrbetriebs stellt für Nvidia das britische Unternehmen Delphi Automotive PLC (JE00B783TY65) dar. Ähnlich wie Nvidia konnte auch Delphi kürzlich die Beteiligung an einer potentiell sehr lukrativen Kooperation verkünden. So ging Delphi eine Partnerschaft mit BMW, Intel sowie Mobileye ein, deren Ziel die Serienreife von vollautonomen beziehungsweise hochautonomen Fahrzeugen bis zum Jahr 2021 ist. Delphi ist innerhalb dieser Kooperation, wie Nvidia in seinen Partnerschaften auch, für die Computing Plattform zuständig, zudem könnte das Unternehmen aber auch Hardware-Komponenten liefern, beispielswiese Sensoren oder Kameras. Die Systeme sollen zunächst für BMW-Fahrzeuge verwendet werden, später aber auch an andere Hersteller verkauft werden. Delphi ist insbesondere auch für die Integration dieser Grundarchitektur in die Fahrzeuge anderer Hersteller verantwortlich. Das Projekt befindet sich in einer fortgeschrittenen Phase, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 ist die Aufnahme des Testbetriebs mit 40 Fahrzeugen geplant. Die Partnerschaft der Unternehmen ist nicht exklusiv, für Delphi wird es daher entscheidend sein, dass sich die hier entwickelten Konzepte auch zukünftig leicht in die Fahrzeuge anderer Hersteller integrieren lassen. Sollte das Unternehmen diese technischen Anforderungen lösen, könnte dies für Delphi auch außerhalb dieser Partnerschaft weitreichende positive Konsequenzen nach sich ziehen. Auch in Eigenregie führt Delphi momentan Entwicklungsarbeit durch. Ab 2018 soll ein Pilotprojekt mit insgesamt drei selbstfahrenden Taxis in den französischen Städten Paris und Rouen starten. Ziel dieses Projektes ist neben dem Test der autonomen Fahrfunktionen auch eine Konzepterstellung für ein neues Geschäftsmodell eines autonom operierenden Taxibetriebs. Auch bei Delphi konnten die Unternehmenszahlen im Jahr 2016 überzeugen. Im Vergleich zu 2015 konnte der Konzern seinen Umsatz um etwa 10 Prozent auf 16,7 Milliarden US-Dollar steigern. Der Nettogewinn stieg um 3,1 Prozent auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Zukünftig möchte die Unternehmensführung stärker auf das Geschäftsfeld Autonomes Fahren setzen, der Unternehmensbereich für Antriebstränge soll ausgegliedert werden. Investoren könnten daher zukünftig womöglich noch stärker vom Wachstum in diesem Sektor profitieren, sollten sie ein Investment in Delphi in Erwägung ziehen.

Maßgeblich für einen erfolgreichen Eintritt in den Automobilsektor dürften für neue Zulieferer Kooperationen mit großen Automobilproduzenten sein. In dieser Hinsicht liegt Nvidia vor dem Konkurrenten Delphi. Dieser könnte sich allerdings durch seine Rolle in der wichtigen BMW-Kooperation als Spezialist für die Integration seiner Systeme auf viele verschiedene Fabrikate werden. Die Unternehmenszahlen sahen zuletzt bei beiden Kontrahenten gut aus. Sowohl Delphi, als auch Nvidia könnten für Investoren derzeit einen genaueren Blick wert sein.


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