Analyse Aktien Hörgeräte

Neue Dynamik im Markt für Hörgeräte!

Ein Beitrag von tzimmer 14 13.09 - 15:58

Technologischer Fortschritt und die zunehmende Einbindung von Internettechnologien in die Geräte und deren Vertriebsstrukturen könnten in den kommenden Jahren die Kräfteverhältnisse innerhalb der Hörgeräte-Branche beeinflussen. Die demografische Entwicklung in den Industrienationen sowie steigender Wohlstand in Schwellenländern könnten dabei in Zukunft für weiteres Marktwachstum sorgen.
 
Sonova Holding AG
 
 
GN STORE NORD A/S (WKN 8547...
 

Die Produzenten von Hörgeräten und Hörimplantaten konnten sich bereits in der Vergangenheit eines wachsenden Marktes erfreuen. Die demografische Entwicklung in vielen Industrienationen, vor allem innerhalb Europas, technologische Fortschritte und langfristig rückläufige Preise sorgten für ein positives Geschäftsklima für die Wettbewerber in diesem Feld. In gewissem Maße sind diese Faktoren auch heute noch gültig. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Research and Markets“ soll der globale Markt für Hörgeräte in den kommenden fünf Jahren eine jährliche Wachstumsrate in Höhe von rund 8 Prozent erreichen, wodurch der Gesamtmarkt im Jahr 2023 mehr als 9 Milliarden US-Dollar betragen würde. Für diese Entwicklung soll auch die zunehmende Bedeutung von Online-Vertriebsstrukturen mitverantwortlich sein. E-Commerce spielte bisher, im Vergleich zu anderen Branchen, eine untergeordnete Rolle, was auch durch die Demografie der Zielgruppe bedingt gewesen sein dürfte. Eine stärkere Verlagerung der Vertriebsaktivitäten ins Internet könnte in naher Zukunft jedoch für Unternehmen eine Chance zur Gewinnung von Marktanteilen darstellen. Durch diesen Umstand, aber auch durch oben aufgeführte Faktoren besitzt dieser Markt derzeit eine gewisse Dynamik, welche ihn auch für Anleger potenziell interessant macht. Im Folgenden soll der Blick auf zwei europäische Unternehmen deren aktuelle Situation beleuchten.

GN STORE NORD A/S (WKN 854734) (DK0010272632)

Das erste betrachtete Unternehmen blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Die dänische GN Store Nord A/S wurde im Jahr 1869 ursprünglich als Telegrafieunternehmen gegründet. Mittlerweile ist die Gesellschaft auf die Entwicklung und Produktion von medizinischen Hörhilfen sowie Kopfhörern für den privaten und professionellen Gebrauch spezialisiert. Seine Produkte vertreibt GN dabei in rund 100 Ländern weltweit. Die mehr als 5.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 1,28 Milliarden Euro. Auf die Hörgeräte-Sparte entfallen hierbei circa 60 Prozent der Umsätze. Im Vergleich zum Vorjahr konnte man beim Umsatz ein Plus in Höhe von 11 Prozent vermelden, der Nettogewinn konnte um 3 Prozent auf etwas mehr als 150 Millionen Euro gesteigert werden. Auch das aktuelle Geschäftsjahr verläuft bisher positiv. Im Juni konnte die Unternehmensführung die Umsatz- und Gewinnprognose für das Jahr 2018 bereits zum zweiten Mal anheben. Anzumerken ist jedoch, dass die gesteigerte Prognose für den Unternehmensbereich der Kopfhörer gilt, in dem man nach derzeitigem Stand von einem Umsatzwachstum von 15 Prozent ausgeht. Hinsichtlich der Hörhilfen gelten die unter dem Markennamen „ReSound“ vertriebenen Geräte als technologisch hochwertig. So gelang GN vor den Mitbewerbern die Etablierung einer Cloudtechnologie auf den Markt. Über diese Technologie kann der Nutzer mit seinem jeweiligen Techniker in Kontakt bleiben und Optimierungen der Software direkt über eine Cloud beziehen. Dies könnte für Kunden und Techniker vor allem bei der Einstellung zu Beginn der Nutzung Kosten- und Zeitersparnisse bedeuten und somit einen Wettbewerbsvorteil für GN darstellen. Kürzlich gewährte die Europäische Investitionsbank dem Unternehmen einen Kredit in Höhe von 100 Millionen Euro zur Weiterentwicklung dieser Technologie. Hierdurch könnte GN zu guten Konditionen die Optimierung der Hardware- und Softwarekomponenten intensivieren und seinen aktuellen Entwicklungsvorsprung potenziell noch ausbauen. Weitere Innovationen des Unternehmens umfassten in der Vergangenheit beispielsweise die Einführung der digitalen Geräuschverarbeitung bei Hörgeräten, den Einsatz von kabelloser 2,4 Gigahertz-Technologie sowie das in Kooperation mit Apple entwickelte direkte Stereo-Streaming in Verbindung mit dem iPhone. Investoren sollten die Entwicklungsarbeit bei GN Store Nord beachten. Diese besitzt für das Unternehmen eine hohe Bedeutung. Solange GN hier weiterhin vorangeht, könnte man seine aktuelle Marktposition in Zukunft behaupten und potenziell ausbauen.

Sonova Holding AG (CH0012549785)

Im Falle von Sonova handelt es sich um eine Gesellschaft aus der Schweiz. Bezogen auf Hörsysteme zählt das Unternehmen zu den weltweit größten Wettbewerbern auf diesem Feld, im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten rund 14.000 Angestellte einen Gesamtumsatz in Höhe von mehr als 2,5 Milliarden Schweizer Franken. Im Detail betrug der Umsatz 2,65 Milliarden Franken, was einem Plus von 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Beim Gewinn konnte ein Zuwachs von mehr als 14 Prozent verzeichnet werden, er belief sich letztlich auf 407,4 Millionen Franken. Dieses gute Ergebnis lohnte sich schließlich auch für die Aktionäre, die Dividende wurde ebenfalls um 13 Prozent angehoben. Maßgeblich mitverantwortlich für die Zuwächse war auch die Übernahme des Handelsunternehmens Audionova, welche bereits 2016 in die Wege geleitet wurde. Durch die Übernahme des Audionova-Vertriebsnetzes konnte Sonova sein Vertriebs- und Servicenetz nochmals stark ausbauen. Hierdurch konnte das Europa-Geschäft stark zulegen, aber auch in Asien konnten Umsatzsteigerungen verzeichnet werden. Rückläufig war das Geschäft hingegen in den USA. Hier ist Sonova derzeit mit einer Umstrukturierung seines Vertriebskonzeptes beschäftigt. So soll das Filialnetz von etwa 300 Geschäften auf rund 200 Filialen reduziert werden, welche sich vor allem in den Bundesstaaten Florida und Kalifornien konzentrieren sollen. Zudem plant man eine Überarbeitung des Filialkonzepts. Das Angebot der Filialen soll umfassender als bisher sein sowie eine höhere Anzahl von spezialisierten Systemen bereitstellen. Für das kommende Geschäftsjahr geht die Unternehmensführung aufgrund des Aufwands noch von einem niedrigen Wachstum aus. Interessierte Anleger sollten die Umsatzentwicklung im wichtigen amerikanischen Markt dennoch im Blick behalten, denn auch die Konkurrenz an Einzelhändlern und Budgetanbietern könnte weiterhin an den Sonova-Marktanteilen zehren. Während das starke Vertriebsnetz des Unternehmens als große Stärke bezeichnet werden könnte, bleibt abzuwarten, ob die neu angekündigten Technologien die zwischenzeitlichen Rückstände auf manche Wettbewerber beseitigen können. Große Hoffnungen setzt man derzeit auf den neuen Halbleiter-Chip namens „Sword“, welcher eine Kompatibilität mit diversen mobilen Endgeräten ermöglicht und somit das Anwendungspotenzial neuer Hörgeräte beträchtlich steigern könnte. Bisher konzentrierten sich die Sonova-Lösungen primär auf medizinische Bedürfnisse. Sofern die vom neuen Vorstand angestrebte Entwicklung hin zu einer stärkeren Unterstützung von Alltagsanwendungen gelingt, könnte Sonova künftig auch Wachstum außerhalb seiner bisherigen Zielgruppe generieren.


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