Analyse Aktien IT-Security

Cybersecurity-Unternehmen als Profiteur der Digitalisierung?

Ein Beitrag von tzimmer 16 23.05 - 10:58

Einer der Märkte, die von der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags in den kommenden Jahren profitieren könnte, ist der Markt für IT-Sicherheit. Die Wettbewerber dieser Branche erfreuten sich bereits in den vergangenen Jahren eines Nachfrageanstiegs nach ihren Services. Themen wie das Internet of Things oder cloudbasierte Datenhaltung und Dienstleistungen könnten auch in den kommenden Jahren als Triebkräfte dieses Wachstums dienen.
 
Proofpoint Inc
 
 
Palo Alto Net
 
 
CyberArk Software
 
 
Qualys
 

Das Themengebiet „Cyber Security“ existiert grundsätzlich schon so lange wie das Internet selbst. Als sich durch die Einführung des World Wide Web die Nutzerzahlen und Zielgruppen des Internets massiv erhöhten, boten sich gleichermaßen auch für die Cyber-Kriminalität neue Möglichkeiten und Ziele. In Zukunft könnte sich die Rolle und Bedeutung der IT-Sicherheit weiter erhöhen. Die fortschreitende Verlagerung vieler Daten und Dienstleistungen in den digitalen Raum, die zunehmende Vernetzung unseres Alltags oder auch die Steuerung autonomer Fahrzeuge erfordern ein Höchstmaß an Sicherheitsvorkehrungen, da unerlaubte Zugriffe oder Angriffe weitreichende Konsequenzen mit sich bringen können. Nicht zuletzt deshalb schätzt das Marktforschungsunternehmen „Global Market Insights, Inc.“ das globale Marktvolumen für das Jahr 2024 auf bis zu 300 Milliarden US-Dollar. 2017 lag dieser Wert noch bei etwa 120 Milliarden US-Dollar. Vor diesem Hintergrund sollen im Folgenden einige der Marktführer beleuchtet und die jeweilige Geschäftsentwicklung betrachtet werden.

Qualys (US74758T3032)

Das amerikanische Unternehmen Qualys wurde kurz vor der Jahrtausendwende im Jahr 1999 gegründet und erlangte Bekanntheit durch seine Software zum Management von IT-Schwachstellen. Als erster Marktteilnehmer stellte das Unternehmen seinen Dienst auch als Software-as-a-Service (SaaS) zur Verfügung. Mitte des vergangenen Jahres wurde die Zahl der Kunden des Unternehmens auf mehr als 10.000 beziffert, die sich auf weltweit mehr als 130 Länder verteilten. Den Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres könnte man für Qualys als positiv einschätzen. Der Umsatz konnte im Vergleich zu 2017 um 21 Prozent auf knapp 279 Millionen US-Dollar gesteigert werden, der Gewinn lag bei 1,75 US-Dollar pro Aktie. Positiv fiel des Weiteren auf, dass der Prozentsatz der Kunden, welche 3 oder mehr Lösungen des Unternehmens nutzen von 32 auf 41 Prozent angehoben werden konnte. Dies könnte auf eine hohe Zufriedenheit der Kunden sowie eine stimmige Cross- und Up-Selling-Strategie hindeuten. Beide Umstände könnten die Abhängigkeit von der weniger profitablen Neukundenakquise senken und für Lock-In-Effekte der Nutzer sorgen. Zu diesem Phänomen dürfte auch die Qualys-Plattform beigetragen haben, welche Produkte des Unternehmens vereint und für Kunden leichter zugänglich macht. In der Vergangenheit flossen viele Mittel in die Entwicklung dieses Services, diese Investitionen könnten nun Früchte tragen. Die Kundenbindung fiel ebenfalls hoch aus. Kunden mit 4 oder mehr genutzten Diensten verlängerten in 99 Prozent der Fälle ihre Verträge, bei 2 oder mehr Services lag der Schnitt mit 91 Prozent noch immer im zufriedenstellenden Bereich. Den Fokus sollten interessierte Anleger auf die Beobachtung des Markterfolgs der Neuveröffentlichungen legen. Zwar kündigte Qualys eine Reihe neuer Produkte für 2019 an, die erwarteten Erträge aus diesen wurden jedoch nicht in die Umsatz- und Gewinnprognose aufgenommen. Nach Angaben des Managements war hierfür die Prognoseunsicherheit verantwortlich, die Anleger und Analysten reagierten nach Bekanntgabe der Zahlen im Februar dieses Jahres jedoch deutlich, der Kurs sank um zwischenzeitlich knapp 17 Prozent. Mittlerweile hat sich die Aktie hiervon wieder erholt, enttäuschende Zahlen im Zusammenhang mit den Neuveröffentlichungen könnten in diesem Zusammenhang jedoch zum Problem werden.

CyberArk Software (IL0011334468)

Im Fall von CyberArk Software, Inc. handelt es sich um ein israelisches Unternehmen, welches ebenfalls im Jahr 1999 gegründet wurde. Spezialisiert ist CyberArk auf die Sicherheit von Benutzerkonten, insbesondere auch von privilegierten Konten (beispielsweise Administratorkonten). Zum Kundenstamm des Unternehmens zählen eine Vielzahl von Unternehmen aus Bereichen wie der Finanzbranche, des Handels oder der Energiebereitstellung. Das Geschäft, das sich vor allem auf die betriebsinterne IT-Sicherheit bezieht, konnte im vergangenen Jahr ein Wachstum verzeichnen, das über den Erwartungen vieler Marktteilnehmer lag. Auch im ersten Quartal des Jahres 2019 konnte CyberArk kürzlich mit guten Zahlen aufwarten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten die Lizenzverkäufe an der eigenen Software um 33 Prozent, die Wartungs- und Betriebsdienstleistungen gar um 34 Prozent gesteigert werden. Der Gesamtumsatz für das Quartal legte um 34 Prozent auf knapp 96 Millionen US-Dollar zu. Die Lizenzeinnahmen machen mit rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes immer noch den größeren Teil der Einnahmen aus. Das zuletzt starke Wachstum ist unter anderem auch auf eine gute Arbeit in der Neukundenakquise zurückzuführen. Allein im letzten Quartal des Jahres 2018 konnten nochmals mehr als 200 neue Kunden gewonnenen werden, der Gesamtbestand liegt hierdurch mittlerweile bei circa 4.500. Auch diese Entwicklung fällt positiv auf, da die Neukunden in Zukunft weitere Umsätze aus Wartung und Service liefern könnten. Auch bezüglich der Profitabilität sahen die Zahlen jüngst gut aus. Die Bruttomarge lag bei knapp 86 Prozent, die operative Cash-Flow Marge bei 38 Prozent. Angesichts des guten Ergebnisses aus dem ersten Quartal hob das Management die Erwartungen für das verbleibende Jahr an. Für das Gesamtjahr prognostiziert man einen Gesamtumsatz zwischen 415 und 419 Millionen US-Dollar, der Gewinn pro Aktie soll sich am Jahresende auf einem Korridor zwischen 2,10 und 2,16 US-Dollar bewegen. Die Erreichung dieser Zielmarken sowie die weitere Entwicklung der Kundenakquise könnten für interessierte Anleger bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Durch die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre hat sich die Erwartungshaltung des Marktes an das Unternehmen gesteigert, die Aktie hat währenddessen ein starkes Kurswachstum absolviert. Enttäuschte Erwartungen könnten infolgedessen zu potenziell stärkeren Kursrückgängen führen. Die aktuelle Situation des Unternehmens könnte man dennoch als solide bezeichnen, zumal das Kerngeschäft des Unternehmens durch die zunehmende Verlagerung von Datenbeständen und Services auf Cloud-Plattformen tendenziell noch an Bedeutung gewinnen könnte.

Palo Alto Net (US6974351057)

Ein weiteres Unternehmen, das jüngst ebenfalls mit guten Zahlen aufwarten konnte, ist Palo Alto Networks. Das amerikanische Unternehmen baut sein Dienstleistungsportfolio um cloudbasierte Sicherheitslösungen sowie Firewalls auf. Mit diesem Angebot hat sich Palo Alto Networks einen bedeutenden Kundenstamm aufgebaut. Laut eigenen Angaben aus dem vergangenen Jahr nutzen mehr als 60.000 Firmen und Organisationen aus mehr als 150 Ländern die Produkte des Unternehmens. In den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres, welches bei Palo Alto Networks vom 01.07. bis zum 30.06. datiert wird, lasen sich die Zahlen auch hier gut. Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 31 Prozent (auf 656 Millionen US-Dollar) gesteigert werden, im zweiten Quartal wiederum um 30 Prozent (auf 711 Millionen US-Dollar). Beide Werte lagen über den Erwartungen der Marktbeobachter und Analysten. Dies traf auch auf die Gewinnwerte pro Aktie zu, welche im zweiten Quartal bei 1,51 US-Dollar pro Aktie lagen. Erwartet wurden im Vorfeld der Veröffentlichung lediglich 1,22 US-Dollar. Laut den Plänen des neuen CEO soll das Unternehmen auch weiter kräftig wachsen. Nachdem in der jüngeren Vergangenheit unter anderem schon Unternehmen wie CirroSecure, Cyvera, Event.io, LightCyber oder Morta Security erworben wurden, verkündete man kürzlich den Erwerb von RedLock. Für eine Summe von 173 Millionen US-Dollar kaufte man das auf die Überwachung von Clouds fokussierte Unternehmen auf. Diese Akquise soll Palo Alto Networks beim weiteren Ausbau seiner cloudbasierten und -fokussierten Dienste helfen, welchen branchenintern in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum prognostiziert wird. Ein weiteres Ziel scheint indes bereits ausgemacht. Der israelische Anbieter Demisto, welcher sich ebenfalls im Bereich der Cloudsicherheit betätigt, soll für eine Summe von mehr als 550 Millionen US-Dollar erworben werden. Das ausgegebene Wachstumsziel scheint das Management also mit Nachdruck zu verfolgen. Die Ankündigung eines Rückkaufprogramms für Aktien über einen Wert von einer Milliarde US-Dollar gab der Aktie zuletzt zusätzlichen Auftrieb. Ähnlich wie im Falle von CyberArk Software hat die Bewertung der Aktie auch hier in den vergangenen Jahren und Monaten kräftig zugelegt. Bei erfolgreicher Integration der neuen Zukäufe könnte ein Beibehalten des derzeitigen Wachstums aber vorstellbar sein, die Marktposition des Unternehmens könnte man darüber hinaus ebenfalls positiv hervorheben. Laut Unternehmensangaben zählen so derzeit 85 der Fortune 100 Unternehmen in den USA zum Kundenstamm von Palo Alto Networks.

Proofpoint Inc (US7434241037)

Der amerikanische Marktteilnehmer Proofpoint operiert vor allem als Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS) und konzentriert seine Services vor allem auf den Bereich des Mailverkehrs, der Sozialen Medien und der Prävention von Datenverlusten. Mit seinen derzeit 17 Produktvarianten adressiert das Unternehmen eine Marktgröße von etwa 12 Milliarden US-Dollar. Insgesamt verfügte Proofpoint zum Ende des Jahres 2018 über einen Kundenstamm von knapp 6.100 Kunden, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von circa 25 Prozent bedeutete. Im vergangenen Jahr hatten Bedenken über das weitere Wachstumspotenzial des Unternehmens sowie die Frage, ob ausreichendes Vermarktungspotenzial bei den neuen Produkten bestünde, den Kurs der Aktie noch belastet. Skeptikern konnte Proofpoint die Zahlen des ersten Quartals 2019 entgegenhalten. Aus diesen geht hervor, dass die Neuprodukte knapp 30 Prozent der Umsätze bei Neu- und Bestandskunden ausmachten. Positiv fiel zudem der Zukauf von Wombat ins Gewicht, der im vergangenen Jahr für 225 Millionen US-Dollar vollzogen wurde. Der Phishing-Experte erweitert das Marktpotenzial laut der Marktforschungsgesellschaft „Gartner“ um eine weitere Milliarde US-Dollar. Auch die weiteren Zahlen des ersten Quartalsberichts des laufenden Jahres lasen sich gut. Der Umsatz konnte im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 203 Millionen US-Dollar zulegen, auffällig war zudem die hohe Quote bei den Vertragsverlängerungen der Bestandskunden, welche auf über 90 Prozent anstieg. Der Gewinn von 40 Cent pro Aktie überstieg die Markterwartung ebenfalls. In Folge dieses guten Starts erhöhte auch die Unternehmensführung von Proofpoint den Ausblick für den Rest des Jahres. Die Umsatzprognose wurde um 4 Millionen US-Dollar gesteigert und liegt nun im Bereich zwischen 874 und 878 Millionen US-Dollar. Ähnlich wie im Fall von CyberArk sollten Investoren aufgrund der mittlerweile hohen Erwartungen die Entwicklung und Erreichung dieser Zielgröße beachten, da die Steigerung der Prognose bereits in der Bewertung eingepreist sein könnte.


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