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Online-Dating: Weitere Bewegung durch Apps?

Ein Beitrag von tzimmer 8 27.09 - 17:07

Online-Dating ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, im Rahmen einer Statista-Befragung gaben in Deutschland ein Drittel aller Befragten an, derzeit oder in der Vergangenheit online auf Partnersuche gewesen zu sein. Der Trend zu mobilen Endgeräte könnte aber auch hier noch für Wachstumspotenziale sorgen.
 
Match Group Rg
 
 
ProSiebenSat.1 Media AG
 

Obwohl es sich beim Konzept Online-Dating noch um ein relativ junges Marktfeld handelt, hat sich das Profil dieses Marktes in den letzten Jahren nochmal drastisch verändert. Neben den ursprünglichen Internet-Präsenzen, welche auch nach wie vor eine große Rolle spielen, haben sich zunehmend auch mobile Applikationen für Smartphones etabliert. Die Apps führten neue Möglichkeiten im Bereich des Online-Datings ein, beispielsweise die Nutzung der GPS-Lokalisierung mobiler Endgeräte oder die Verbindung von Nutzern auf Basis verschiedener demografischer Daten durch Algorithmen. Diese Innovationen und Anwendungsmöglichkeiten dürften mit dafür verantwortlich sein, dass selbst auf etablierten Märkten wie den USA oder großen Teilen Europas nach wie vor Wachstum zu verzeichnen ist. Dabei hat der weltweite Markt für Online-Partnerbörsen ein beachtliches Volumen erreicht. Das Gesamtvolumen im Bereich „Dating Services“ lag im Jahr 2015 noch bei rund 3,9 Milliarden US-Dollar, bis zum Jahr 2021 wird laut Branchenkreisen hierbei ein Anstieg auf bis zu 5,3 Milliarden US-Dollar erwartet. Auch in Deutschland hat sich Online-Dating fest etabliert und ist zu einem umkämpften Marktfeld geworden. Die deutschen Partnerbörsen verzeichnen zusammen derzeit insgesamt etwa 118 Millionen Nutzerprofile, die Zahl der aktiven Nutzer beläuft sich in Deutschland auf 8,5 Millionen. Das Marktvolumen liegt hierzulande bei etwa 200 Millionen Euro, Tendenz steigend. Anhand der oben genannten Zahlen scheint das Phänomen Online-Dating auch aus Investorensicht eine nähere Betrachtung wert zu sein.

Match Group Rg (US57665R1068)

Bei der amerikanischen Match Group handelt es sich um ein Spin-Off des Medienkonzerns IAC/InteractiveCorp. Zum Portfolio des Unternehmens zählen unter anderem die Onlineangebote Match, OkCupid, Meetic sowie die zuletzt bei jüngeren Nutzern sehr populäre App Tinder für mobile Endgeräte. Mit seinem Angebot hat sich das Unternehmen als Marktführer in den USA etabliert. Mit einer monatlichen Besucherzahl von rund 35 Millionen Nutzern ist match.com das größte Dating-Portal in den Vereinigten Staaten, OkCupid landet mit 10,15 Millionen Nutzern auf Rang vier. Im Bereich der mobilen Apps platzieren sich Match und OkCupid ebenfalls in den Top fünf, zusätzlich besitzt man hier mit Tinder sogar die Marktführung, bei einem Marktanteil von rund 25 Prozent. Gerade der Blick auf Tinder ist für Anleger momentan sehr interessant. Ende August wurde die kostenpflichtige Funktion „Tinder Gold“ veröffentlicht, welche eine Reihe von zusätzlichen Funktionen umfasst. Direkt nach der amerikanischen Markteinführung für Apple-Geräte führte dies dazu, dass Tinder sich sofort als umsatzstärkste App in Apple´s „App Store“ etablierte. Weiteres Potenzial könnte hier durch die zukünftige Einführung auf der Android-Plattform bestehen. Bisher bestanden Zweifel, ob Tinder, trotz seiner starken Verbreitung als kostenlose Software, auch über die Standardversion hinaus Umsätze generieren könnte. Die erfolgreiche Markteinführung der Zusatzoptionen in den USA könnte die ohnehin hohe Bewertung Tinders, welche zuvor bei etwa drei Milliarden US-Dollar lag, weiter steigen lassen. Mit zusätzlichen Premiumfunktionen auf vielen seiner Partnerbörsen konnte die Match Group im zweiten Quartal bereits ihren Umsatz um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Zumindest für den Moment scheint es, dass die Match Group eine weitere lukrative Einnahmequelle auf dem mobilen Markt gefunden hat. Analysten schätzen das Umsatzpotenzial für Tinder Gold auf bis zu 150 Millionen US-Dollar für das Jahr 2018, Voraussetzung hierfür wären allerdings ähnlich erfolgreiche Markteinführungen auf anderen Kontinenten als Nordamerika. Investoren sollten jedoch bedenken, dass die Kundenbindung bei mobilen Apps in der Vergangenheit relativ schwach im Vergleich zum auch wesentlich teureren Online-Partnermarkt ausgeprägt war. Ein möglicher Hype um Tinder könnte zu einer Überbewertung der Aktie führen, welche aufgrund des nur noch wenig dynamisch wachsenden amerikanischen Kernmarktes im Onlinegeschäft des Unternehmens künftige Kursgewinne behindern könnte.

ProSiebenSat.1 Media AG (DE000PSM7770)

Den wachsenden Markt für Partnervermittlung hat in Deutschland auch die ProSiebenSat.1-Gruppe registriert. Aus diesem Grund übernahm der Medienkonzern durch seine Tochtergesellschaft „7 Commerce“ vor rund einem Jahr den deutschen Marktführer auf diesem Gebiet, die „Parship Elite Group“, für eine Summe von 200 Millionen Euro. Die von dieser Gruppe betriebenen Portale Elitepartner und Parship vereinen zusammen rund 14 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Zahlen des ersten Quartals 2017 gaben der Unternehmensführung hinsichtlich der Akquisition dabei Recht. Der Unternehmensbereich der Digitalangebote konnte seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 Millionen auf 47 Millionen Euro erhöhen, was eine Zunahme von etwa 27 Prozent bedeutete. Das klassische TV-Werbegeschäft konnte im gleichen Zeitraum lediglich um 3,8 Prozent zulegen. Die Münchner Mediengruppe setzt in Zeiten tendenziell stagnierender Werbeeinnahmen aus dem TV-Geschäft verstärkt auf Akquisitionen im Digitalbereich. Das Geschäftsmodell sieht dabei nicht zwangsläufig eine langfristige Integration in den Konzern vor. Bei entsprechenden Wertzuwächsen der erworbenen Unternehmen, zumeist unter anderem bedingt durch eine Steigerung des Bekanntheitsgrades durch vergünstigte Werbezeiten auf den Kanälen der Sendergruppe, trennt sich ProSiebenSat.1 oftmals wieder von den Akquisitionen. Jüngstes Beispiel hierfür wäre der Verkauf des Reiseveranstalters „Etraveli“ für 508 Millionen Euro an den Finanzinvestor CVC. Im November 2015 hatte ProSiebenSat.1 lediglich 235 Millionen Euro für den Erwerb gezahlt. Vor diesem Hintergrund wird es für Investoren, die sich explizit für die Partnerbörsen des Konzerns interessieren, spannend zu beobachten sein, welchen Weg die Unternehmensführung in diesem Fall einschlagen wird. Derzeit kokettiert ProSiebenSat.1 mit einer Abspaltung, samt anschließendem Börsengang, seiner digitalen Geschäftssparte. Für Anleger, die dem klassischen Geschäftsmodell der Mediengruppe skeptisch gegenüberstehen, könnte es sich hierbei lohnen, auf eine solche Abspaltung zu warten. In diesem Szenario wäre die Rolle der Parship Elite Group am Gesamtunternehmensergebnis auch deutlich größer als in der derzeitigen Konstellation.


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