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Online-Dating: Asien als Wachstumstreiber?

Ein Beitrag von tzimmer 15 13.08 - 12:41

Mittlerweile ist Online-Dating zu einer Normalität in unserem Alltag geworden, fast jedes dritte Date wird mittlerweile online vereinbart. Auch an der Börse ist dieser Trend zunehmend repräsentiert. Ein Blick auf zwei der vielversprechendsten Unternehmen soll klären, ob diese auch für Anleger attraktiv sein könnten.
 
Match Group Rg
 

Eine kürzlich von der Stanford University veröffentlichte Studie namens „How Couples Meet and Stay Together“ förderte ein interessantes Ergebnis zu Tage. Erstmals konnten die Forscher feststellen, dass die meisten der Befragten (19 Prozent der Stichprobe) angaben, ihren Partner durch eine Form des Online-Datings gefunden zu haben. Auch wenn man das Ergebnis einer einzelnen Studie nicht überbewerten sollte, so bleibt doch festzustellen, dass sich Online-Portale und Apps in den vergangenen Jahren die Gunst eines zunehmend größeren Teils der Gesellschaft gesichert haben, das anfängliche Stigma hat das Thema Online-Dating bereits seit einiger Zeit abgestreift. Zwischenzeitlich sorgte die Dating-App Tinder für hohes Aufsehen und revolutionierte ein Stück weit gar die Funktionsweise und den Ablauf des internetbasierten Datings. Wie bei fast allen Phänomenen, die einen solch starken Einfluss auf die Lebensgewohnheiten vieler Menschen auswirken, spielen die auf diesem Markt aktiven Unternehmen auch an der Börse eine zunehmend größere Rolle. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Allied Market Research“ könnte der Markt in den kommenden Jahren global nochmals wachsen. Im Jahr 2017 belief sich die Größe des Gesamtmarktes weltweit auf eine Summe von rund 6,4 Milliarden US-Dollar. Allied Market Research prognostiziert bis zum Jahr 2025 Gesamtumsätze in Höhe von bis zu 9,2 Milliarden US-Dollar. Prozentual betrachtet entspräche dies einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 4,7 Prozent über den Prognosezeitraum. Ein Blick auf zwei Wettbewerber aus diesem Markt soll deren gegenwärtige Geschäftsentwicklung beleuchten und Potenziale für zukünftiges Wachstum aufzeigen.

Match Group Rg (US57665R1068)

Investoren mit einem Interesse am Themenfeld Online-Dating dürften im Rahmen ihrer Recherche relativ früh auf die Match Group aufmerksam werden. Dieses ursprünglich aus dem Medienkonzern IAC/Interactive hervorgegangene Unternehmen hat sich mittlerweile, vor allem auf dem heimischen US-Markt, eine dominierende Marktstellung aufgebaut. Zum Portfolio der Websites und Apps des Konzerns zählen bekannte Namen wie Match.com, PlentyOfFish, OkCupid oder Tinder. Insgesamt ist das Unternehmen weltweit in mehr als 190 Ländern aktiv und bietet seine Services in mehr als 40 verschiedenen Sprachen an. Gerade in Bezug auf Tinder kann man aktuell beobachten, wie bedeutend die Position ist, welche sich die Match Group mit ihren Services aufgebaut hat. Derzeit sucht das Unternehmen den offenen Konflikt mit Google. Den dreißigprozentigen Anteil, den Google an Downloads und Transaktionsumsätzen aus seinem App-Store „Google Play“ von den App-Anbietern bezieht, hatte die Match Group in der Vergangenheit bereits wiederholt kritisiert. Dies führte zu dem Punkt, an dem die Match Group Nutzer ihrer Apps dazu aufforderte, Mitgliedschaften oder Zusatzfunktionen auf ihren Portalen abzuschließen und das Google-Portal somit zu umgehen. Als Reaktion hierauf drohte Google mit der Verbannung der Match-Apps aus dem Online-Angebot. Aufgrund der hohen Marktanteile dieser Apps könnte sich diese Maßnahme jedoch als Schnitt ins eigene Fleisch erweisen, da Google hiermit auf einen Schlag einen Großteil der wichtigsten Apps in einem der umsatzstärksten Themenfelder verlieren würde. Allgemein wird erwartet, dass sich beide Parteien in den kommenden Monaten in diesem Konflikt einigen. Anleger sollten die weitere Entwicklung dieser Situation verfolgen, ein Verhandlungserfolg aus Sicht der Match Group könnte durch die eingesparten Provisionen an Google umgehend zu neuem Umsatzpotenzial führen, ohne dass dies aus Sicht des Dating-Unternehmens mit Aufwand verbunden wäre. Die Zahl seiner zahlenden Nutzer konnte Match auch im Jahr 2018 nochmals erhöhen. Zum Ende des ersten Quartals 2019 konnte das Management 8,6 Millionen zahlende Kunden vermelden, dies entspricht im jahresübergreifenden Vergleich einem Plus in Höhe von etwa 16 Prozent. Ähnlich stellt sich die Situation hinsichtlich des Umsatzes dar. Hier konnte man einen Zuwachs von 14 Prozent auf 465 Millionen US-Dollar verbuchen. Weiteres Wachstum soll in Zukunft vor allem auf dem asiatischen Markt generiert werden. Zu diesem Zweck eröffnete Match in der jüngeren Vergangenheit neue Niederlassungen in Delhi, Tokyo, Seoul und Singapur. Der asiatische Markt umfasst die Hälfte aller globalen Singles mit permanentem Zugang zum Internet, etwa 300 Millionen Menschen befinden sich hier derzeit auf Partnersuche. Vor allem Tinder, mit seiner jüngeren Zielgruppe, hat sich in den vergangenen Jahren auf dem asiatischen Markt stark verbreitet. In Südkorea hat sich Tinder beispielsweise mittlerweile als an die Spitze der App-Charts gesetzt, sowohl in Bezug auf die Downloads als auch auf die monatlichen aktiven Nutzerzahlen. Mit 38,5 Millionen US-Dollar Umsatz konnte man sogar Apps wie Netflix oder YouTube outperformen. Der Erfolg der letzten Jahre spiegelt sich auch in der Bewertung der Aktie wider. Allein im Jahr 2019 hat sich der Kurs seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Dennoch verzeichnet die Match Group weiterhin ein solides Wachstum, in Asien konnte man in den vergangenen Jahren stark aufholen, daher könnte die Aktie nach wie vor für Anleger interessant sein. Insbesondere die Unternehmensmeldungen bezüglich Asiens sollten in der nahen Zukunft aufmerksam verfolgt werden.

Konkurrenz könnte die Match Group in ihren Bemühungen auf dem asiatischen Markt zukünftig von der Momo Corporation erhalten. Das chinesische Unternehmen wurde erst im Jahr 2011 gegründet, hat sich mittlerweile auf dem chinesischen Dating-Markt aber fest etabliert. Wie viele andere Apps auf dem chinesischen Markt vereint Momo eine Vielzahl von Funktionen in seiner App, beispielsweise können Nutzer auch Videos streamen oder Mini-Games spielen. Der Dating-Service stellt jedoch einen wesentlichen Teil der Unternehmensaktivität dar. Zum Ende des vergangenen Jahres belief sich die Zahl der Nutzer auf mehr als 110 Millionen, allein im letzten Quartal des Jahres konnte das Unternehmen nochmals 14 Millionen neuer Nutzer hinzugewinnen. Durch die Akquise des „chinesischen Tinder“ namens Tantan lenkte die Unternehmensführung die Aktivitäten der Momo Corporation stärker auf das Online-Dating aus und erhofft sich in den kommenden Jahren durch dieses Geschäftssegment weiteres Wachstum. Das erste volle Geschäftsjahr, in dem Tantan versuchte, seine Kundenbasis zu monetarisieren, deutete hierbei durchaus Potenzial an. Seit Januar 2018 umfasst die App Bezahlfunktionen und im Laufe der vergangenen 18 Monate konnte man 3,6 Millionen zahlende Nutzer verzeichnen. Hier besteht dennoch weiteres Potenzial nach oben. Insgesamt besitzt Tantan knapp 95 Millionen aktive monatliche Nutzer. Der Anteil an zahlenden Kunden ist beim Konkurrenten Tinder beispielsweise noch beträchtlich höher. Hier nutzen rund 4 Millionen Nutzer Bezahlfunktionen der App, der Kundenstamm ist mit weltweit etwa 50 Millionen Nutzern allerdings auch um einiges kleiner als bei Tantan. An dieser Stelle zeigt sich für das Management noch Optimierungsbedarf, welcher etwa durch neue Funktionen oder eine bessere Vermarktung erreicht werden könnte. Auch außerhalb Chinas befindet sich Momo derzeit auf einem guten Weg. Vor allem auf dem asiatischen Markt, wo man unter anderem in Singapur, Taiwan, Indonesien oder auf den Philippinen zu den Top 10 der meistgenutzten Apps im Sozialbereich zählt. Des Weiteren ist bei Momo zu berücksichtigen, dass es sich hinsichtlich des Datings nicht um ein „Pure Play“ handelt. So kann das Unternehmen im Gegensatz zu Match auch Einnahmen außerhalb des Datings generieren, vor allem das Videostreaming wäre in diesem Zusammenhang zu nennen. Zu den Faktoren, die man aktuell aus Anlegersicht noch beachten müsste, ist der Umstand, dass Tantan in einigen chinesischen Onlinestores für Apps auf Anweisung der Regierung gelöscht wurde. Dies ist nach Unternehmensangaben nicht als endgültiges Verbot zu werten, man befindet sich derzeit in Verhandlungen mit der Regierung, um die Inhalte anzupassen. Investoren sollten den Ausgang dieses Prozesses genauer im Auge behalten, bevor sie eine Investmententscheidung treffen.


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