Analyse Aktien Internet-Titans

Amazon/Twitter: Kann der Aufwärtstrend beibehalten werden?

Ein Beitrag von tzimmer 15 11.12.2018

Amazon und Twitter sind längst Bestandteile unseres Alltags geworden, auch unter Anlegern erfreuen sich beide Unternehmen seit jeher großem Interesse. Beide Aktien konnten im laufenden Jahr starke Gewinne verzeichnen. Woher rühren diese Zuwächse und bestehen Möglichkeiten zur Fortsetzung dieser Entwicklung?
 
Amazon.com Inc
 
 
Twitter Inc
 

Amazon und Twitter gehören zu einer Gruppe von Unternehmen, die trotz einer verhältnismäßig kurzen Unternehmensgeschichte fest in unserem Alltag verankert sind. In ihren Kerngeschäften der sozialen Medien sowie des Online-Versandgeschäfts haben sich diese Unternehmen hohe Marktanteile erarbeitet und stehen permanent im Fokus des öffentlichen Interesses. Beiden gemein ist zudem der Umstand, dass das Börsenjahr 2018 für sie erfolgreich verlief. So konnte Twitter in den vergangenen 12 Monaten einen Kursgewinn um fast 60 Prozent verzeichnen, der Kurs der Amazon-Aktie hat sich im gleichen Zeitraum um circa 45 Prozent erhöht. Zum Abschluss des Jahres soll nun noch einmal ein fokussierter Blick auf beide Unternehmen gerichtet werden, um aktuelle Entwicklungen und Geschäftsereignisse einzuordnen. Zudem sollen Potenziale aufgezeigt werden, welche eine Fortsetzung des Trends der vergangenen 12 Monate ermöglichen könnten.

Twitter Inc (US90184L1026)

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat sich mittlerweile fest im Alltagsgeschehen etabliert, insbesondere durch die Posts des amerikanischen Präsidenten Donald Trump rückt das Unternehmen immer wieder in die mediale Aufmerksamkeit. Twitter hat seit seinem Start im Jahr 2006 einen rasanten Aufstieg absolviert. Ende des vergangenen Jahres verzeichnete der Internetdienst weltweit rund 330 Millionen aktive Nutzer und einen Jahresumsatz in Höhe von 732 Millionen US-Dollar. Der medial viel beachtete Börsengang des Unternehmens im November 2013 sorgte für Euphorie unter vielen Anlegern, die hohen Erwartungen an Twitter konnten in der Folge nicht erreicht werden. Länger als ursprünglich erhofft, dauerte es bis zum vergangenen Geschäftsjahr, ehe erstmals ein Gewinn erzielt werden konnte. Zu den Zweifeln bezüglich der Profitabilität des Geschäftsmodells und den langsamer als erwartet wachsenden Nutzerzahlen gesellten sich in den vergangenen Jahren auch Fragen bezüglich der Rolle des sozialen Netzwerks im politischen Kontext. Insbesondere die Verbreitung falscher Nachrichtenmeldungen sowie ein erhöhtes Auftreten falscher Nutzerprofile brachten Twitter in das Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik. Seither hat die Unternehmensführung die Bekämpfung falscher Konten intensiviert und die Verifizierung der Nutzerkonten optimiert. Im Zuge dieses Prozesses nahm Twitter auch ein Sinken der Nutzerzahl in Kauf, die Beseitigung der bestehenden Probleme soll den Dienst für Werbekunden wieder attraktiver gestalten. Dieser Plan scheint sich im Verlauf des Jahres 2018 als effektiv zu erweisen. So betrug das Umsatzwachstum in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 21, 24 sowie 29 Prozent. Zurückzuführen sind die gestiegenen Umsätze vor allem auf gestiegene Einnahmen aus dem Werbegeschäft mit Videoinhalten, einem Bereich, in dem Twitter zuvor hohe Investitionen getätigt hatte. Während sich die Gesamtzahl der Nutzerkonten, auch im Zuge der Beseitigung der Falschkonten, verringert hat, so stieg die Nutzungsintensität der verbleibenden Konten an. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg auch im dritten Quartal wieder um knapp 10 Prozent an, während die Zahl der monatlich aktiven User im laufenden Jahr leicht rückläufig ist. Auch die Profitabilität, lange Zeit der größte Kritikpunkt an der Entwicklung des Unternehmens, scheint sich derzeit im positiven Bereich zu stabilisieren. So konnten die letzten vier Quartale jeweils mit Gewinn abgeschlossen werden. Positiv herausstellen könnte man im Zusammenhang mit Twitter die jüngsten Investitionen in die Plattform, welche sowohl die Integration von Videoinhalten, als auch die Qualität der Nutzerkonten verbessern konnten. Die Werbeeinnahmen scheinen sich als Folge dieser Aktivitäten wieder zu erholen. Zu beachten ist in Bezug auf Twitter, dass die Aktie seit jeher hohen Erwartungen unterlag. Investoren sollten auch weiterhin die Entwicklung der nächsten Quartalsergebnisse sowie die Reaktion der Marktteilnehmer auf diese Nachrichten berücksichtigen, um Kursrückschlägen aufgrund enttäuschter Markterwartungen vorbeugen zu können.

Amazon.com Inc (US0231351067)

Ein weiteres Unternehmen, das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist, ist der amerikanische Amazon-Konzern. Analog zu Twitter ließen auch im Fall von Amazon die jüngsten Quartalszahlen aufhorchen. Im Vergleich zum dritten Quartal des Jahres 2017 konnte der Gewinn im vergangenen Quartal von 256 Millionen US-Dollar auf 2,9 Milliarden US-Dollar erhöht werden. Hohe Reinvestitionen von erwirtschafteten Einnahmen sorgten in der Vergangenheit immer wieder für niedrige ausgewiesene Gewinne. Amazon hat sich durch die hohen Investitionen mittlerweile in mehrere Geschäftsfelder diversifiziert. Neben dem klassischen Online-Versandgeschäft zählen nun auch Web-Services und diverse Software-Anwendungen, beispielsweise das Sprachassistenzsystem Alexa, zum Angebot des Konzerns. Insbesondere im Bereich der Web-Services konnte Amazon in der jüngeren Vergangenheit starkes Wachstum generieren. Vor allem Cloud-Services besitzen derzeit einen hohen Stellenwert für den Unternehmenserfolg. So stieg der Umsatz in dieser Konzernsparte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 46 Prozent auf rund 6,7 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn belief sich auf knapp 2 Milliarden US-Dollar. Weitere Umsatzpotenziale könnten sich durch das Werbegeschäft eröffnen. In der Werbebranche gilt E-Commerce Werbung derzeit als eines der am schnellsten wachsenden Felder. Die Platzierung von Werbeanzeigen innerhalb von Online-Shops besitzt gegenüber der Werbung auf Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken den Vorteil, den Kunden am Point-of-Sale anzusprechen, also direkt zu weiteren Käufen animieren zu können. Durch die dominierende Marktstellung, die sich Amazon im Online-Geschäft aufgebaut hat, könnte das Unternehmen von dieser Entwicklung im Vergleich zur Konkurrenz überdurchschnittlich profitieren, eventuell könnte auch eine Attacke auf Google und Facebook möglich werden, den derzeitigen Marktführern für Onlinewerbung in den USA. Staatliche Regulierung könnte man derzeit im Zusammenhang mit Amazon als eine der größten Gefahren für eine Verlangsamung des Wachstums sehen. Einerseits ist die Debatte zur Einführung einer Digitalsteuer innerhalb der EU nach wie vor im Gange, andererseits rückt Amazon durch seine Größe und Marktstellung zunehmend mehr in den Fokus von Kartellbehörden. So halten sich seit längerem Gerüchte, dass die profitable Sparte der „Web Services“ in Zukunft in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden könnte, nicht zuletzt, um Regulierungsbestimmungen zuvor zu kommen. Interessierte Anleger sollten diese Umstände daher stets im Blick behalten.


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