Analyse Aktien Internet-Titans

Twitter legt furiosen Börsenstart hin

Ein Beitrag von Oli41Gel 31 17.11.2013

Am vergangenen Donnerstag war es so weit: der von vielen Anlegern lange ersehnte Börsenstart von Twitter wurde in die Tat umgesetzt. Die Kommunikationsplattform, die viele Millionen User schon seit mehreren Jahren in erster Linie nutzen, um über das Netzwerk Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen zu versenden, ist damit ein weiteres Unternehmen aus dem Bereich soziale Netzwerke, das den Gang an die Börse wagte.
 
LinkedIn Corp
 
 
Facebook Inc
 
 
Twitter Inc
 
 
XING AG
 

Was schon aufgrund der vorbörslichen Kursschätzungen vermutet wurde, trat dann mit der ersten Börsennotierung auch ein: Die Aktien legten einen furiosen Börsenstart hin. Gleich zu Beginn lag die erste Börsennotierung rund 80 Prozent über dem Ausgabekurs, der bei 26 Dollar lag, während die Erstnotierungen einen Kurs von rund 45 Dollar beinhalteten. Teilweise stiegen die Kurse noch bis auf knapp unter die 50-Dollar-Marke, sodass es im Vergleich zum Emissionskurs fast eine Kursverdoppelung gab.


Die am Markt platzierten Aktien brachten Twitter Gesamteinnahmen von etwas mehr als 2 Milliarden US-Dollar ein, von denen allerdings noch die Gebühren für die Konsortialbanken abgerechnet werden müssen. In Euro umgerechnet führten die ersten Kurse zu einer Gesamtbewertung des Unternehmens, die bei 19 Milliarden Euro lag. Damit war die Bewertung sogar höher als die mancher großer deutscher Unternehmen, wie zum Beispiel RWE oder Adidas. Rund eine Woche nach dem Börsenstart ist der Aktienkurs inzwischen etwas heruntergekommen und notiert bei rund 44,50 US-Dollar. Ein Grund für den guten Börsenstart sehen Experten unter anderem auch darin, dass Twitter aus dem er verpatzten Start von Facebook gelernt hat. Gab es bei der Börseneinführung der Facebook Aktien noch erhebliche technische Probleme, so verlief der Börsengang von Twitter reibungslos. Ganz bewusst entschied sich der Nachrichtendienst auch nicht für die Technologiebörse Nasdaq, sondern für die New York Stock Exchange. Spannend wird es nun in den nächsten Wochen und Monaten werden, ob sich die Twitter Aktien auf diesem Niveau halten können, weiter ansteigen oder vielleicht doch eine deutliche Korrektur stattfindet. Fernab des erfolgreichen Börsenstaats gibt es nämlich durchaus einige kritische Stimmen, die den Kurs schon jetzt als überbewertet bezeichnen.


Für Twitter spricht die stetig wachsende Anzahl von Kunden, die mittlerweile aus etwa 32 Millionen aktiven Nutzern bestehen, die dafür sorgen, dass jeden Tag und 500 Millionen Tweets abgesetzt werden. Sein Geld verdient Twitter in erster Linie durch Werbung, die rund um die Tweets befinden. Zwar konnte sich der Umsatz des Unternehmens in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf rund 420 Million Dollar verdoppeln, gleichzeitig gab es aber auch einen Verlust von über 130 Millionen US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr kam es somit fast zu einer Verdopplung des Verlustes. Die Hoffnung des Unternehmens besteht allerdings darin, dass zukünftig deutlich mehr Geld durch die Werbeanzeigen in die Kassen fließen soll, um auf diese Weise nicht nur den Verlust auszugleichen, sondern profitabel arbeiten zu können. Kritik übt unter anderem der bekannte Börsenexperte Dirk Müller, der dem Konzern vorwirft, dass die Kleinanleger erst jetzt die Möglichkeit erhalten haben, Twitter Aktien zu kaufen, während viele größere Investoren oder auch ausgesuchte Personen schon längere Zeit Aktien des Konzerns besaßen. Somit ist die Vermutung nicht abwegig, dass der Börsengang jetzt dazu dienen sollte, die Kurse in die Höhe zu treiben und somit vor allem die Anleger profitieren, die Aktien bereits zuvor besaßen. Damit Anleger sicher ein eigenes Urteil zur Situation und zur eventuellen weiteren Kursentwicklung machen können, ist sicherlich auch ein Vergleich von Twitter mit drei großen Mitbewerbern interessant, nämlich Facebook, XING und LinkedIn.


Weiterentwicklung der Twitter Aktien bleibt abzuwarten


Etwa eine Woche nach dem Börsenstart notieren die Kurse von Twitter (Twitter Inc (US90184L1026)) mit rund 44,50 Dollar zwar immer noch deutlich über dem Ausgabekurs von 26 Dollar, sind aber im Vergleich zu den nach der Emission erreichten Höchstkursen schon etwas abgesunken. Analysten sind sich derzeit relativ uneinig, was die Kursziele für die nächsten Monate angeht. Die Spanne ist hier relativ groß und bewegt sich zwischen 35 und 50 Dollar. Es bleibt also auf jeden Fall spannend, was sie weitere Entwicklung der Aktien angeht.


Facebook arbeitet bereits profitabel


Im Gegensatz zu Twitter hat es Facebook (Facebook Inc (US30303M1027)) schon seit längerer Zeit geschafft, profitabel zu arbeiten. Auch die Größenverhältnisse sind bei Facebook nach wie vor ganz andere, denn während Twitter etwa 14 Milliarden Dollar wert ist, hat Facebook einen Wert von etwa 120 Milliarden Dollar. Darüber hinaus hatte Facebook zwar einen sehr holprigen Börsenstart, konnte seitdem aber deutliche Kurssteigerungen verzeichnen. Im Mai des vergangenen Jahres wurden die Papiere zum Kurs von 38 Dollar an der Börse platziert, sanken aber relativ schnell auf teilweise unter 18 Dollar ab. Seit einigen Monaten hat sich der Kurs allerdings deutlich erholt und notiert mit mittlerweile knapp 50 Dollar über elf Dollar über seinem damaligen Ausgabekurs. Aber auch bei Facebook sind die Aussichten nicht nur rosig, denn unter anderem ist festzustellen, dass das soziale Netzwerk gerade bei Kindern und Jugendlichen in der jüngeren Vergangenheit an Attraktivität verloren hat. Die jüngeren Kunden nutzen stattdessen verstärkt Blog-Plattformen wie Tumblr oder auch den Chat-App-Dienst WhatsApp.


XING konzentriert sich weiterhin auf berufliches Netzwerk


XING (XING AG (DE000XNG8888)) ist im Vergleich zu Facebook und Twitter nach wie vor ein soziales Netzwerk, welches von den Mitgliedern in erster Linie aus beruflichen Gründen genutzt wird. Während bei Facebook und Twitter die private Nutzung deutlich im Vordergrund steht, ist es bei XING so, dass die Kommunikation dort in erster Linie geschieht, um neue berufliche Kontakte zu knüpfen, auch wenn natürlich auch XING zur privaten Konversation genutzt wird. Über XING haben die User die Möglichkeit, ein eigenes Profil zu erstellen, Stellengesuche oder Stellengebote einzustellen, an Fachdiskussionen teilzunehmen, Gruppen zu bilden oder auch Veranstaltungen zu organisieren. Die Aktien des Unternehmens werden bereits seit rund sieben Jahren an der Börse gehandelt und sind seit etwas mehr zwei Jahren im Tec-DAX notiert. Die Erstnotierungen der Aktien lagen bei etwas mehr als 20 Euro, während der Kurs von rund zwölf Monaten sich mit mehr als 45 Euro bereits verdoppelt hatte. Aktuell notieren die Aktien bei rund 78 Euro, sodass sich der Kurs in sieben Jahren fast vervierfacht hat.


LinkedIn als weiteres berufliches Netzwerk


Wie bei XING, so handelt es sich auch bei LinkedIn (LinkedIn Corp (US53578A1088)) in erster Linie um ein berufliches Netzwerk. Das soziale Netzwerk aus den Vereinigten Staaten hat mittlerweile rund 260 Millionen registrierte Nutzer und ist in über 200 Ländern vertreten. Damit ist LinkedIn aktuell die weltweit größte Plattform in diesem Bereich. Die Aktien des Unternehmens wurden erstmalig im Mai 2011 an der New York Stock Exchange notiert. Die knapp acht Millionen Aktien wurden damals zu einem Emissionspreis von 45 Dollar eingeführt, was zu einer Marktkapitalisierung von rund 4,3 Milliarden US-Dollar führte. Direkt nach dem Börsenstart verdoppelte sich die Marktkapitalisierung aufgrund des großen Kursanstieges und führte dazu, dass sich ein Kursgewinnverhältnis von sage und schreibe 550 ergab. Aktuell notieren die Aktien bei über 220 US-Dollar, haben sich also im Vergleich zur Erstnotierung in etwas mehr zwei Jahren fast vervierfacht.


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