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5G: Der Ausbau beginnt endlich!

Ein Beitrag von tzimmer 15 15.05 - 8:31

Bereits seit mehreren Jahren verspricht die neue Generation des mobilen Internets, kurz 5G, bahnbrechende Möglichkeiten für unseren Alltag und die Wirtschaft. Kürzere Latenzzeiten und deutlich höhere Datenübertragungsraten könnten für viele technische Anwendungen zum Enabler werden. Seit dem vergangenen Jahr werden nun die ersten Netzwerke aufgebaut. Könnte sich ein Investment für Anleger in diesem Zusammenhang lohnen?
 
Qualcomm Inc
 
 
Deutsche Telekom AG
 
 
Verizon Communications Inc
 

Aufgrund des Vergabeverfahrens durch die Netzagentur des Bundes rückte der neue Mobilfunkstandard 5G zu Beginn des Jahres erstmalig in den Fokus der breiteren Öffentlichkeit. Eine flächendeckende Markteinführung wird global auf einen Zeitraum zwischen 2020 und 2025 prognostiziert. Die fünfte Generation des Mobilfunk-Internets soll bezüglich der Datenübertragung nochmal bedeutende Fortschritte gegenüber des 4G-Standards (auch bekannt als LTE) bieten, die Latenzzeit könnte in den Bereich von unter einer Millisekunde sinken. Für den neuen Standard wird die bestehende Infrastruktur jedoch nicht mehr ausreichend sein, wodurch mit der Einführung von 5G auch beträchtliche Investitionen notwendig werden. Allein die flächendeckende Abdeckung Deutschlands, die Netzagentur verlangt im Rahmen der Vergabe eine 100-prozentige Abdeckung des bundesdeutschen Raums, könnte das Aufstellen von circa 100.000 neuer Mobilfunkmasten erforderlich machen. Dass sich diese Investitionen lohnen könnten, lässt sich anhand der Technologiefelder und Branchen ablesen, für die 5G eine zentrale Rolle einnehmen soll. Neben einer schnelleren Datenverbindung bietet der neue Standard auch Fortschritte in den Themenfeldern der Maschinen- sowie der Echtzeit-Kommunikation. In diesem Zusammenhang könnten so zukünftig beispielsweise die kabellose Fabrik, das autonome Fahren oder viele Anwendungen im Themenfeld des Internet of Things optimiert oder erstmals ermöglicht werden. Aus diesen Gründen wird dem globalen Markt für den neuen Netzstandard ein großes Potenzial zugeschrieben. Das Marktforschungsunternehmen „Market and Research“ attestiert 5G in einer aktuellen Studie für den Zeitraum von 2020 bis 2025 ein jährliches Wachstumspotenzial in Höhe von 97 Prozent. Am Ende dieses Zeitraums soll sich die weltweite Marktgröße auf eine Summe von bis zu 250 Milliarden US-Dollar belaufen. Angesichts dieser Zahlen soll im Folgenden auf einige Unternehmen eingegangen werden, welche sich bereits in der Vergangenheit im Bereich des Mobilfunks bewiesen haben. Hinsichtlich ihrer Aktivitäten in Bezug auf den Ausbau und die Etablierung von 5G unterscheiden sich die Konzerne, hierdurch soll ein besserer Überblick über die verschiedenen Aufgaben und Fragestellungen im Zusammenhang mit der neuen Technologie ermöglicht werden.

Qualcomm Inc (US7475251036)

Der amerikanische Halbleiterspezialist Qualcomm ist ein solches Unternehmen, für das die Einführung von 5G in der näheren Zukunft eine wichtige Rolle spielen dürfte. Vielen ist Qualcomm als Zulieferer von Apple ein Begriff, in diesem Zusammenhang sorgte ein Rechtstreit mit Apple in den vergangenen beiden Jahren für Unsicherheit bei den Anlegern bezüglich der Beziehung des Unternehmens zu einem seiner wichtigsten Abnehmer. Im Kern drehte sich dieser Konflikt um den Vorwurf seitens Apple, Qualcomm habe überhöhte Lizenzgebühren gefordert und Rabatte zurückgehalten. Qualcomm konterte diese Vorwürfe mit einer Klage wegen Patentverletzungen durch Apple. Zumindest bezüglich der Zusammenarbeit hinsichtlich der Komponentenlieferung für ein 5G-fähiges iPhone haben die Parteien nun wohl eine einvernehmliche Lösung gefunden und auch die Patentrechtsklage scheint auf eine außergerichtliche Einigung hinaus zu laufen. So gab Qualcomm kürzlich bekannt, dass man in den nächsten Monaten von Apple eine Zahlungsverpflichtung zwischen 4,5 und 4,7 Milliarden US-Dollar erwarte. Diese Summe soll sich einerseits aus der Zahlung zur Niederlegung des Rechtsstreits um die Patente und andererseits aus einer Einmalzahlung zum rückwirkenden Abschluss eines neuen Vertrags mit Qualcomm, dessen Beginn auf den 1.April 2019 festgelegt wurde, zusammensetzen. Dieser neue Zulieferervertrag sieht eine Laufzeit von sechs Jahren vor und enthält eine Option zur Verlängerung der Vereinbarung um weitere zwei Jahre. In diesem Zeitraum wird Apple 5G-Modems für seine Produkte bei Qualcomm beziehen und hierfür auch wieder Lizenzgebühren zahlen. Dieser Verhandlungsdurchbruch könnte sich in den kommenden Monaten und Jahren für Qualcomm noch als sehr wichtig erweisen. Im Rahmen der Produktion der iPhone-Modelle XS und XR war Qualcomm nicht mehr vertreten, nachdem man bei früheren Generationen teils exklusiver Zulieferer für Modems war. Der fehlende Absatz an Apple hatte sich im ersten Quartal des Jahres 2019 bereits deutlich in der Geschäftsbilanz bemerkbar gemacht, die Rückgewinnung des wichtigen Kunden könnte man daher sehr positiv deuten. Darüber hinaus ließ mit Intel einer der wichtigsten Konkurrenten um die Entwicklung von 5G-Modems zur Anwendung in Smartphones jüngst verlauten, die Entwicklung an einem 5G-fähigen Chip eingestellt zu haben. Als Grund hierfür gab Intel Bedenken bezüglich der Profitabilität der Neuentwicklung an. Diese Ankündigung könnte die Qualcomm-Marktposition weiter verbessern, da neben Huawei derzeit keinen weiteren Unternehmen die Kombination aus technologischer Reife sowie ausreichender Produktionskapazität zugeschrieben wird. In Bezug auf eine Einführung von 5G-fähigen iPhones für das Jahr 2020 trauten viele Brancheninsider sogar ausschließlich Qualcomm das notwendige Knowhow zu. Mehr noch als bei den bisherigen Standards scheint sich Qualcomm in Bezug auf 5G einen Entwicklungsvorsprung erarbeitet zu haben, der Konkurrenten in absehbarer Zukunft vor große Herausforderungen stellen könnte. Ein Indiz hierfür könnte auch der Umstand sein, dass Apple sich gleich über einen Zeitraum von sechs Jahren verpflichtet hat, obwohl das Unternehmen gerüchteweise auch an der Entwicklung eines eigenen Kommunikations-Chips arbeiten soll. Qualcomm scheint für die Umstellung auf 5G gut vorbereitet zu sein. Es erscheint realistisch, dass man auch im veränderten Marktumfeld seine bisherige Position halten oder sogar ausbauen könnte.

Das schwedische Unternehmen Ericsson stellt einen der größten Telekommunikations- und Mobilfunkdienstleister der Welt dar. Nun scheint die beginnende Implementierung des 5G-Standards dem Unternehmen einen Schub zu verleihen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte Ericsson seinen Umsatz um 13 Prozent auf circa 4,7 Milliarden Euro steigern, eine stärkere Nachfrage nach der 5G-Technik wurde vom Unternehmen dabei als einer der Hauptgründe genannt. Der Gewinn belief sich auf etwa 230 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahresverlust von 700 Millionen Euro eine deutliche Verbesserung darstellte. Profitieren konnte der schwedische Konzern dabei insbesondere auch von der Situation des Konkurrenten Huawei auf dem wichtigen amerikanischen Markt. Die USA verzichten bisher aufgrund von Spionagebedenken auf den Einsatz von Huawei-Technik, wodurch das Absatzpotenzial der übrigen Anbieter, darunter fällt mit Nokia beispielsweise auch ein weiteres skandinavisches Unternehmen, merklich erhöht wird. Um das Geschäft weiter auszubauen, kaufte Ericsson kürzlich in Deutschland gezielt zu und erwarb den Geschäftszweig für Antennen und Filter im Mobilfunkbereich vom bayrischen Unternehmen Kathrein. In der Schweiz hat man gemeinsam mit Swisscom das erste kommerzielle 5G-Netz innerhalb Europas auf den Weg gebracht. Seit dem 17. April ist das 5G-Netzwerk in 54 Gemeinden und Städten verfügbar. Bis zum Ende des Jahres möchte man die Schweiz komplett abdecken, was durch eine Ericsson-Software namens „Spectrum Sharing“ auch teilweise mit der vorhandenen 4G-Infrastruktur noch möglich sein soll. Ungemach könnte Ericsson im Gegenzug auf dem chinesischen Markt drohen. So sieht sich das Unternehmen derzeit mit dem Vorwurf der Wettbewerbsbehörden konfrontiert, zu hohe Lizenzgebühren im Zusammenhang mit Patenten im Bereich der 3G- und 4G-Technologie verlangt zu haben. Ericsson betreibt wichtige Produktionsstandorte in China, besitzt zudem auch einen kleineren Marktanteil im Segment der Mobilfunktechnologie. Anleger sollten auf den weiteren Verlauf dieser rechtlichen Auseinandersetzung achten. Sanktionsmaßnahmen, welche beispielsweise die Produktionskosten in die Höhe treiben, könnten die Margen des schwedischen Unternehmens negativ beeinflussen. Davon abgesehen könnte man das aktuelle Marktumfeld Ericssons als solide bezeichnen. Man konnte das erste Netz bereits in Betrieb nehmen, die unsichere Situation um Huawei könnte sich positiv auf das eigene Geschäft auswirken und die Restrukturierungs- und Einsparungspläne der Unternehmensführung scheinen Früchte zu tragen. In Folge der Maßnahmen erwartet der Ericsson-Vorstand für das Jahr 2020 Bruttomargen zwischen 37 und 39 Prozent. Auch anhand dieser Zielvorgabe können Anleger das Unternehmen in naher Zukunft messen und die Geschäftsentwicklung genauer einschätzen.

Verizon Communications Inc (US92343V1044)

Analog zu Swisscom in der Schweiz begann auch der amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon Communications kürzlich mit dem Aufbau eines eigenen 5G-Netzes. Auf dem bedeutenden nordamerikanischen Markt befand sich das Unternehmen zuletzt in einem Wettlauf mit dem Konkurrenten AT&T bezüglich der Markteinführung des neuen Services. Diesen hat Verizon nun letztendlich für sich entschieden, als man vergangenen Monat in Chicago und Minneapolis 5G live geschaltet hat. Im restlichen Verlauf dieses Jahres sollen zudem noch 30 weitere amerikanische Städte ausgebaut werden. Während hier Metropolen wie Dallas, Houston oder Denver bereits genannt werden, hält sich Verizon bezüglich den Metropolregionen New York und Los Angeles, welche landesweit wohl die höchsten Kapazitäten benötigen dürften, noch bedeckt. Womöglich könnte sich das Roll-Out hier noch bis ins kommende Jahr ziehen. Diese Problematik sollte Verizon jedoch nicht exklusiv besitzen, die vergleichsweise geringe Reichweite der 5G-Sendetechnik dürfte für Netzwerkbetreiber zu Beginn einen hohen Aufwand erforderlich machen. Wichtig wird sein, ob Verizon seinen derzeitigen Vorsprung in den kommenden Jahren verteidigen kann. Neben dem mobilen Netzwerk bietet Verizon bereits seit Ende des vergangenen Jahres auch fix installierte 5G-Hardware an. In Houston, Indianapolis, Los Angeles sowie Sacramento können Kunden bereits eine nicht finale Version von „Verizon 5G Home“ ordern, zu einem Preis von monatlich 70 US-Dollar. Auch in diesem Fall ist im weiteren Verlauf des Jahres die Addition weiterer Städte geplant, diese wurden bisher jedoch noch nicht namentlich genannt. Die Router für diesen Service liefert das Unternehmen „inseego“. Ohne Probleme verlief das Roll-Out des neuen Netzwerks indes nicht. So musste Verizon von seinem ursprünglichen Plan, Kunden für die Nutzung von 5G zusätzlich 10 US-Dollar zu berechnen, mittlerweile wieder abweichen. Mit der momentanen Abdeckung zu Beginn des Dienstes waren die Kunden noch nicht bereit, diesen Mehrpreis zu akzeptieren. Wie sich diese Situation weiterentwickelt, wird interessant zu beobachten sein. Verizon scheint dem Ziel, als Erster am Markt zu sein, eine größere Anfangsabdeckung untergeordnet zu haben. Dauerhafte Kundenbeschwerden oder ein sehr zögerlicher Vertragsabschluss für 5G, auch nach breiterer Veröffentlichung von 5G-fähigen Endgeräten, könnten für Verizon dagegen zum größeren Problem werden. Insgesamt betrachtet könnte man aber auch die momentane Situation des Unternehmens hinsichtlich der Adaption von 5G als vielversprechend bezeichnen. Größe, Finanzkraft, Marktposition und der frühe Eintritt in den Markt könnten den Erfolg des Unternehmens unterstützen, interessant wird die flächendeckende Markteinführung im Zusammenhang mit der Kundenakzeptanz zu verfolgen sein.

Deutsche Telekom AG (DE0005557508)

Die Deutsche Telekom befand sich auf dem amerikanischen Markt, vertreten durch die Tochtergesellschaft T-Mobile US, in den vergangenen Jahren auf einem Wachstumskurs. Um die Position auf diesem Markt weiter zu verbessern und die beiden Platzhirsche Verizon und AT&T attackieren zu können, plant der Konzern derzeit die Übernahme des amerikanischen Konkurrenten Sprint. Die zugewonnene Größe und Kundenbasis könnten bei Ausbau und Vertrieb von 5G Vorteile bringen, das Einsparpotenzial wird vom Management auf jährlich 6 Milliarden US-Dollar beziffert. Der Gesamtumfang des Geschäfts könnte sich hierbei jedoch auf mehr als 30 Milliarden US-Dollar belaufen, die Investitionen für den operativen Zusammenschluss der beiden Unternehmen könnten darüber hinaus weitere 15 Milliarden US-Dollar erforderlich machen. Zudem ist derzeit noch unklar, ob und unter welchen Bedingungen die amerikanischen Kartellbehörden dem Geschäft zustimmen würden. Ein positiver Verlauf dieser Gespräche könnte für die Telekom in den USA hierbei jedoch weiteres Wachstumspotenzial eröffnen, vor allem hinsichtlich der Wettbewerbsverlagerung in Richtung des 5G-Standards. In Deutschland befindet man sich weiterhin im Auktionsverfahren für die Netzfrequenzen. Die Kosten stiegen hier in den vergangenen Wochen beträchtlich an. Nach derzeit knapp 300 Gebotsrunden belaufen sich die Gesamtausgaben der Auktionsteilnehmer bereits auf fast 5,7 Milliarden Euro. Insbesondere im Vergleich zu den Konkurrenten Drillisch und Telefónica wird der Deutschen Telekom finanziell jedoch der längste Atem zugetraut. Zusammen mit Vodafone führt man derzeit auch mit jeweils zwölf Frequenzblöcken das Verfahren an. Eine Behauptung dieser Frequenzbreite auf dem eigenen Heimatmarkt besitzt für das Unternehmen eine große Bedeutung und könnte für den Erhalt der aktuellen Marktposition dementsprechend wichtig sein, da die Telekom durch 5G auch lückenhafte Breitbandverbindungen verbessern könnte. In Österreich konnte man bereits in den ersten Gemeinden mit dem Ausbau des Netzes beginnen. Die ersten Stationen wurden dabei primär in ländlichen Gebieten installiert. Hier soll 5G den Kunden künftig auch über Funkverbindungen zur Verfügung gestellt werden. Für Österreich will die Telekom in den kommenden Jahren jährlich eine Milliarde Euro in den Ausbau des Netzes investieren, bis zum Jahr 2025 soll 5G dann flächendeckend verfügbar sein. Die Erfahrungen aus dem Nachbarland könnten der Telekom nach Ende der Frequenzauktion auch beim Aufbau des deutschen Netzes nutzen. Die aktuell gute Wettbewerbsposition im Mobilfunkmarkt könnte sich auf die Vermarktung des neuen Standards ebenfalls positiv auswirken. Investoren sollten zunächst jedoch das finale Ergebnis der Auktion abwarten.


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