Analyse Aktien Kreuzfahrten

Kreuzfahrten: Schwierige Fahrwasser durch Corona-Krise

Ein Beitrag von Mr. Dow 0 25.03 - 15:43

Die Corona-Krise belastet die Märkte derzeit schwer. Insbesondere die Tourismus-Aktien leiden unter den Folgen der Virus-Ausbreitung, am härtesten trifft es momentan wohl die Kreuzfahrtgesellschaften. Wie sind die derzeitigen Marktführer in diesem Segment aufgestellt, auch hinsichtlich der Überwindung der aktuellen Krise?
 
Royal Caribbean Cruises Ltd
 
 
Norwegian Cruise Line Holdings...
 
 
Carnival
 

Kaum eine Branche wurde von der Corona-Krise so hart getroffen wie die Kreuzfahrt-Unternehmen. Während der Trendlink-Index für diese Branche am 1. Januar dieses Jahres noch bei einem Wert von 133,62 Euro lag, so beläuft er sich derzeit noch lediglich auf 80,31 Euro. Die Aktie von Carnival Cruises, einem der größten Anbieter in diesem Segment, hat sich beispielsweise in den vergangenen Wochen in ihrem Wert halbiert. Als Gründe für diese Entwicklung könnte man zunächst die Problematik einer Pandemie hinsichtlich des Reisekonzepts anmerken. Eine Kreuzfahrt versammelt mehrere Hundert beziehungsweise Tausend Personen auf einem recht eng abgegrenzten Raum. Bereits zu Beginn der Krise sorgte Anfang Februar das von den japanischen Behörden unter Quarantäne gestellte Schiff „Diamond Princess“ für weltweite Aufmerksamkeit. Rund zwei Wochen mussten die Passagiere im Hafen von Yokohama ausharren, bevor sie das Schiff verlassen durften. Seither hat sich das Virus global weiter stark ausgebreitet. Viele Reedereien mussten ihre Reiserouten daher verändern, um etwa das chinesische Festland im Rahmen der Reise zu vermeiden, weitere Änderungen bei zunehmender Ausbreitung des Virus können nicht ausgeschlossen werden. Zahlungsströme aus den aktuell gebuchten Reisen kommen den Unternehmen noch zu, die mittel- und langfristigen Folgen der aktuellen Krise sind hingegen schwieriger abzuschätzen. Das Jahr 2020 könnte für die Kreuzfahrtanbieter jedoch aufgrund der Unsicherheit der Passagiere und der direkten Einwirkung der Gegenmaßnahmen gegen Corona auf das operative Geschäft ein schwieriges Geschäftsjahr werden. Dabei bewegte sich die Branche vor dem Corona-Ausbruch in den vergangenen Jahren in ruhigen Fahrwassern, die Geschäftsentwicklung bei vielen Anbietern und in der Gesamtbranche verlief überwiegend positiv. Im Folgenden soll daher ein Blick auf einige der wichtigsten Anbieter gerichtet werden, um deren fundamentale Geschäftsposition zu beleuchten. Hieraus könnten sich auch Indizien ergeben, inwiefern die Unternehmen der aktuellen Krise trotzen können.

Carnival (GB0031215220)

Der größte Anbieter auf diesem Markt ist das US-amerikanische Unternehmen Carnival. Mit insgesamt 10 operierenden Tochtergesellschaften mit eigenen Markennamen, in Deutschland ist AIDA hier sicherlich die bekannteste, betreibt Carnival mehr als 100 Kreuzfahrtschiffe und besaß im Jahr 2018 einen Anteil am weltweiten Gesamtumsatz in Höhe von knapp 9 Prozent. Die Größe des Unternehmens könnte in diesem Krisenzeiten einen großen Vorteil bedeuten. Carnival operiert im Branchenvergleich sehr profitabel, erzielte im Fiskaljahr 2019 eine Kapitalrendite in Höhe von 9,2 Prozent. Insgesamt konnte das Jahr 2019 mit einem neuen bereinigten Rekordgewinn von 4,40 US-Dollar pro Aktie abgeschlossen werden, im Jahr zuvor hatte dieser Wert noch bei 4,26 US-Dollar gelegen. Der bereinigte Gesamtgewinn von 3 Milliarden US-Dollar konnte erzielt werden, obwohl die Gesellschaft in den ersten drei Quartalen des Jahres nicht an die erwarteten Zielsetzungen heranreichen konnte. Dies zeigt auch, dass für das Unternehmen nach wie vor noch Wachstumspotenzial vorhanden ist. Einen weiteren Vorteil der Carnival Corporation kann man in ihrem großen Portfolio an Schiffen und Marken sehen. Dies erlaubt es dem Unternehmen, spezifisch unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Viele der kleineren Reedereien haben diese Möglichkeit nicht oder müssen sie innerhalb der einzelnen Schiffe umsetzen, was sich negativ auf die Profitabilität der Schiffe und das Qualitätsempfinden der Kunden auswirken kann. Auch technisch versucht das Unternehmen weiterhin eine führende Rolle in der Branche einzunehmen. Gegen Ende des Jahres soll eines der neuen Aushängeschilder des Konzerns, das Schiff Mardi Gras, fertiggestellt werden. Dieses soll 5.200 Reisenden Platz bieten und wäre somit das größte Schiff der derzeitigen Carnival-Flotte. Zudem wird das Schiff die weltweit erste Achterbahn auf der Hochsee anbieten. Wichtiger ist jedoch noch der Umstand, dass die Mardi Gras zudem komplett mit Flüssiggas angetrieben werden soll. Bereits vor der Corona-Krise hatte die Kreuzfahrt-Branche im Jahr 2019 auch wegen der bestehenden Antriebskonzepte mit der Verbrennung von Schweröl vermehrt in der Kritik gestanden. Carnival hat angekündigt, diese Problematik zukünftig beheben zu wollen und scheint mit der Mardi Gras mit der Umsetzung zu beginnen, was für das Unternehmen auch positive Image-Effekte bewirken könnte.

Royal Caribbean Cruises Ltd (LR0008862868)

Das zweitgrößte Unternehmen der Branche, Royal Caribbean International, betreibt derzeit 26 Schiffe in unterschiedlichen Klassen und hat 6 weitere Schiffe in Planung. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen zudem erheblich in seine Schiffe und Infrastruktur investiert, um die Attraktivität für jüngere Reisende und Familien zu erhöhen. Royal Caribbean investierte etwa in die Unterhaltungsmöglichkeiten sowie die Gastronomie an Bord und stattete seine Inseln und Strände an den Zwischenstopps mit kinderfreundlichen Aktivitäten (z.B. Wasserparks) aus. Diese Strategie scheint aufzugehen. Im Jahr 2019 konnte man so einen Rekordnachfrage verzeichnen, der Auslastungsgrad der Kabinen stieg auf ein Rekordhoch von 109 Prozent, das dritte Jahr in Folge lag die Auslastung der Schiffe somit über der normierten Angabe von 2 Personen pro Kabine. Die hohe Auslastung der Schiffe macht sich auch im Ergebnis der Reederei bemerkbar. Im Jahr 2019 konnte man den Gesamtumsatz um 8,2 Prozent auf 9,5 Milliarden US-Dollar steigern. Der Nettoertrag stieg auf einen Rekordwert von 1,88 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 3,7 Prozent entsprach. Für den Start ins Jahr 2020 war das Unternehmen aufgrund einer guten Buchungslage eigentlich positiv gestimmt. Der ersten Frühbuchungen zeigten sowohl Steigerungen beim Passagieraufkommen als auch bei den durchschnittlichen Reisepreisen. Der Aufwärtstrend des Unternehmens schien also intakt, bevor durch die Corona-Krise unterbrochen wurde. Auch hinsichtlich der eigenen Flotte verfolgt Royal Caribbean weiterhin eine Expansionspolitik. Im Jahr 2021 soll dabei das bislang größte Kreuzfahrtschiff der Welt in See stechen. Die „Wonder of the Seas“ wird knapp 7.000 Passagieren Platz bieten und könnte das Marketing-Zugpferd für die nähere Zukunft des Unternehmens darstellen.

Norwegian Cruise Line Holdings Ltd (BMG667211046)

Ein weiterer großer Anbieter von Kreuzfahrten ist das Unternehmen Norwegian Cruise Line. Auch Norwegian konnte auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken. Der Nettogewinn belief sich auf 4,30 US-Dollar pro Aktie und stieg somit im Vergleich zum Vorjahr um 5 Cent an. Die Steigerung auf einen Gesamtgewinn in Höhe von 930,2 Millionen US-Dollar erfolgte dabei trotz einer Einstellung der Abfahrten nach Kuba, den Einflüssen des Hurrikans Dorian sowie ungünstigen Wechselkurseffekten, von denen vor allem das vierte Quartal betroffen war. Auch der Gesamtumsatz konnte um fast 7 Prozent auf 6,5 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Im Jahr 2019 konnte zudem das bislang größte Schiff der Flotte, die „Norwegian Encore“ fertiggestellt werden und steht der Reederei für das Geschäftsjahr 2020 zur Verfügung. Für die Tochtergesellschaft „Regent Seven Seas Cruises“ wurde kürzlich das Schiff „Splendor“ eingeweiht und wird dem Unternehmen von nun an für hochpreisige und luxuriöse Reisen zur Verfügung stehen. Die Verjüngung der Flotte wurde durch das Management derweil weiter forciert. Im Laufe des Jahres wurden insgesamt drei neue Schiffe, mit Auslieferungsdaten in den Jahren 2022, 2023 sowie 2025, in Auftrag gegeben. Ähnlich zur Situation bei Royal Caribbean konnte sich auch Norwegian über einen hohen Frühbuchungsbestand für das Jahr 2020 freuen, auch in diesem Fall mit höherem Bestand und gestiegenem Preisniveau. Mitte Februar lag der Bestand an Buchungen trotz der ersten Absagewelle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus immer noch über dem Vorjahresniveau, aktuellere Angaben fehlen in diesem Zusammenhang allerdings. Zudem konnte Norwegian öffentlichkeitswirksam sein Nachhaltigkeitsprogramm „Sail & Sustain“ starten. In einem ersten Schritt verbannte das Unternehmen sämtliche Einwegplastik-Artikel von den Schiffen. Zukünftig soll sich eine eigene Abteilung innerhalb des Unternehmens um die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns kümmern. Im laufenden Jahr wird man darüber hinaus das neue Flaggschiff-Terminal im Hafen von Miami einweihen, die sogenannte „Perle“ von Miami. Dieses neue, avantgardistische Terminal soll als Erkennungsmerkmal des Unternehmens am geschäftigen Hafen Miamis dienen und zusätzlich positive Imageeffekte für Norwegian erzielen.


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