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LKW-Entwicklung: Welche Rolle spielt der E-Antrieb?

Ein Beitrag von tzimmer 7 18.08 - 23:25

Laut OECD-Studien soll sich der weltweite Frachtverkehr bis zum Jahr 2050 vervierfachen, was für die ohnehin wachsende Speditionsbranche weitere Wachstumsdynamik bedeuten könnte. Sorgen macht hierbei allerdings, durch den Diesel-Skandal im PKW-Sektor derzeit medial im Fokus, der CO2-Ausstoß der Lastkraftwagen, welcher sich in Folge dieser Entwicklung ebenfalls drastisch erhöhen würde. Des Weiteren spielt die Effizienz in diesem Wirtschaftssektor eine äußerst wichtige Rolle. Daher bemühen sich LKW-Hersteller nun um eine zunehmende Elektrifizierung der Antriebskonzepte.
 
Tesla Motors Inc
 
 
MAN SE
 
 
Volvo AB
 

Durch den Dieselskandal sind die Absatzzahlen von PKWs mit dieser Motorentechnik derzeit stark rückläufig. Viele private Automobilkäufer entschieden sich in den letzten Monaten vermehrt für alternative Antriebstechnologien, neben benzingetriebenen Fahrzeugen stehen hier auch Hybridmodelle oder vollelektrische Automobile zur Auswahl. Eine ähnliche Angebotsvielfalt steht Spediteuren im Bereich von Lastkraftwagen nicht zur Verfügung, hier hat der Dieselmotor nach wie vor eine absolute Vormachtstellung. Dabei wuchs der Markt im Frachtverkehr für LKW-Produzenten in den vergangenen Jahren stetig. Allein in Deutschland wurde im vergangenen Jahr mit einem Gesamtabsatz von knapp 296.000 Fahrzeugen ein neuer Rekord aufgestellt, im Vergleich zum Jahr 2015 wuchs der Absatz hierbei um etwa 7,5 Prozent. Ähnlich wie beim PKW könnte auch im Bereich der LKW der Elektroantrieb für Einsparungspotenziale hinsichtlich von Verbrauchs- und Emissionswerten führen. Dieses Konzept dürfte in der nahen bis mittelfristigen Zukunft zunächst nur im innerstädtischen Verkehr mit planbaren Strecken realisierbar sein, aber auch hier könnten oben genannte Vorteile zur Geltung kommen. Darüber hinaus würde, gerade im innerstädtischen Verkehr, die durch den Antriebswechsel bedingte Reduzierung der Geräuschemissionen einen angenehmen Nebeneffekt darstellen. Technologische Fortschritte, welche die Effizienz der aktuellen LKW-Generation weiter verbessern würden und Spediteuren eventuell auch steuerliche Erleichterungen ermöglichen könnten, besitzen das Potenzial, die Marktposition von LKW-Produzenten maßgeblich zu verbessern. Daher erscheint es nicht verwunderlich, dass sich derzeit alle bedeutenden LKW-Produzenten mit alternativen Antriebskonzepten beschäftigen.

In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Konsortium „Council für nachhaltige Logistik“ beschäftigt sich das in München ansässige Unternehmen MAN SE (DE0005937007) mit vollelektrischen LKW. Man hat hierbei in den vergangenen Jahren gute Fortschritte erzielt und plant für Ende des laufenden Jahres bereits die Fertigstellung von neun vollelektrischen Prototypen für den Testbetrieb. Die im Werk Steyr gefertigten LKW sollen dabei von verschiedenen Handels- und Logistikunternehmen im städtischen Verteilerverkehr im Alltagsgeschäft erprobt werden. Bei einem erfolgreichen Verlauf der Tests soll in der Folge im Jahr 2018 eine erste Kleinserie produziert werden, die Serienproduktion ist schließlich für das Jahr 2021 anvisiert. Die Prototypen werden Reichweiten von etwa 100 Kilometer absolvieren können, bei einer Leistung von rund 250 kW. Das Gesamtgewicht der Test-LKW soll dabei zwischen 12 bis 26 Tonnen variieren. Der Akku soll sich laut Unternehmensangaben innerhalb von einer Stunde wieder vollständig aufladen lassen. Die nahende Serienreife der MAN-Modelle könnte für potenzielle Investoren ein gutes Zeichen sein, ähnlich wie der Umstand, dass die Prototypen bereits zum Testeinsatz im Unternehmensalltag der Handels- und Logistikbranchen fähig sind. Das von MAN gewählte Konzept des vollelektrischen und akkubetriebenen Antriebs dürfte für die nahe bis mittelfristige Zukunft allerdings noch Reichweitenbeschränkungen aufweisen, die den Einsatz im Fernverkehr nicht ermöglichen. In diesem Zusammenhang stellte MAN im Rahmen der IAA 2016 bereits einen Diesel-Hybrid vor, der einen 440 PS starken Dieselmotor um einen Elektromotor mit einer Leistung von 130 kW erweitert. Ein rein elektrischer Betrieb ist hier jedoch nicht vorgesehen, der Elektroantrieb soll lediglich der Unterstützung des Hauptantriebs dienen.

Volvo AB (SE0000115420) ist im LKW-Bereich traditionell stark auf den Fernverkehr konzentriert, womit sich auch für das schwedische Unternehmen die Problematik der momentan noch fehlenden Akkukapazitäten ergibt. Aus diesem Grund setzt Volvo, ähnlich wie MAN, auf einen Diesel-Hybrid-Antrieb. Im Gegensatz zu den MAN-Fahrzeugen strebt Volvo hierbei jedoch die Möglichkeit eines rein elektrischen Antriebsmodus an. Zwar wird die Reichweite in diesem Szenario eine Wegstrecke von etwa 10 Kilometern pro voller Ladung nicht überschreiten können, es könnte aber auf den verbrauchsintensiven Streckenabschnitten, wie dem Werksverkehr oder dem Stadtverkehr am Zielort, dennoch ein erhebliches Einsparungspotenzial entstehen. Das Unternehmen selbst geht aber auch im Hybridbetrieb von einem Einsparungspotenzial von bis zu 30 Prozent im Fernverkehr aus, in einer stark auf Kosteneffizienz angewiesenen Branche wie dem Speditionsbetrieb könnte dies enorme Kostenvorteile bedeuten. Die Fahrer sollen dabei durch das Assistenzsystem „I-See“ unterstützt werden, welches auf Grundlage verschiedener Parameter, beispielsweise dem Gefälle der Strecke, Informationen zum bestmöglichen Einsatzzeitpunkt der gespeicherten Energie liefert. Durch eine Verbesserung der Aerodynamik, des Rollwiderstands sowie einer Verringerung des Fahrzeuggewichts durch den Einsatz leichterer Materialien sollen sich darüber hinaus weitere Effizienzverbesserungen ergeben. Auch Volvo befindet sich mit diesem Konzept bereits in der Testphase, zu einem geplanten Markteinführungstermin hat sich das Unternehmen bisher allerdings noch nicht geäußert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint Volvo im Fernverkehr, den Anteil an elektrischer Energie im Antriebskonzept betreffend, die Vorreiterrolle einzunehmen. Das Unternehmen verzichtet dabei im Gegensatz zu Konkurrenten wie Mercedes-Benz oder MAN auf die Entwicklung eines vollelektrischen Nahverkehrskonzeptes. Sollten die anvisierten Effizienzpotenziale allerdings ausgeschöpft werden können, so könnte Volvo insbesondere im Bereich des Fernverkehrs seine momentane Markstellung festigen und womöglich gar ausbauen.

MAN und Volvo wählen im Hinblick auf das Thema Elektrizität im LKW-Verkehr unterschiedliche Herangehensweisen. Für beide könnten sich, bei Einhaltung der momentan gesteckten Ziele und Entwicklungspläne, in wichtigen Marktfeldern Absatzpotenziale ergeben. Aufgrund der hohen Bedeutung der Effizienz im Zusammenhang mit Nutz- und Transportfahrzeugen dürfte es für die Zukunft spannend sein, das „Technologierennen“ der LKW-Produzenten im Auge zu behalten. Möglicherweise könnte die für den 28. September angekündigte Vorstellung eines vollelektrischen, eventuell autonomen LKW von Tesla den Innovationsdruck hinsichtlich elektrischer Antriebe in der LKW-Branche verschärfen.

Tesla Motors Inc (US88160R1014)


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