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Konjunkturprogramme als Chance für Baumaschinen-Produzenten?

Ein Beitrag von tzimmer 15 20.12.2016

Der Industriezweig der Baumaschinenhersteller kämpfte in der jüngeren Vergangenheit mit einem stagnierenden Marktwachstum in Europa und den USA. Der Wartungs- und Investitionsstau in vielen Ländern traf auch die Zuliefererbetriebe der Baubranche. Alarmierende Zahlen von Experten über den Zustand der Infrastruktur vieler westlicher Länder und nicht zuletzt auch der amerikanische Wahlkampf lassen nun zumindest auf einen Umschwung in diesem Industriezweig hoffen.
 
Wacker Neuson SE
 

Während des Wahlkampfs um die Präsidentschaft in den USA schnitt Donald Trump ein Thema an, welchem in der jüngeren Vergangenheit kaum politische Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Ankündigung eines umfassenden Bauprogramms für amerikanische Straßen, Krankenhäuser und Schulen wurde in seiner Realisierbarkeit von politischen Gegner zwar in Frage gestellt, die grundsätzliche Notwendigkeit eines solchen Programms konnte jedoch nicht angezweifelt werden. Die Vereinigung der Ingenieure in den USA, die ASCE, schätzt das Ausmaß des Wartungs- und Investitionsstaus bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf 3,6 Billionen Dollar. Aber auch in vielen Ländern Europas und insbesondere auch in Deutschland hat sich ein Investitionsstau gebildet. Experten schätzen, dass die Bundesrepublik Deutschland in der Vergangenheit zwischen 35 und 50 Milliarden Euro zu wenig in die Instandhaltung des Straßennetzes investiert habe. Das Verkehrsministerium musste jüngst einräumen, dass sich circa 17 Prozent der Autobahnen und etwa 35 Prozent der Bundesstraßen derzeit in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand befinden. Dazu passend vermeldete der ADAC für das Jahr 2015 einen neuen Staurekord. Insgesamt rund 830.000 Kilometer Stau wurden auf deutschen Straßen im vergangenen Jahr registriert. Darüber hinaus schätzt das Verkehrsministerium, dass bis zum Jahr 2030 der PKW-Verkehr um zusätzliche 10, der LKW-Verkehr sogar nochmal um 30 Prozent ansteigen soll. Die starke Belastung durch den LKW-Verkehr ist insofern problematisch, als dass das Deutsche Institut für Urbanistik schätzt, dass sich 15 Prozent der deutschen Brücken (Mehr als 10.000 Brücken) aufgrund ihrer Stahlkonstruktion nicht mehr ausreichend für den LKW-Verkehr reparieren lassen. Dies dürfte in Zukunft hohe Investitionen und eine große Menge neuer Großbauprojekte zur Folge haben. Zu den Gewinnern der aktuellen Situation könnten dabei die Produzenten von Baumaschinen gehören. Seit geraumer Zeit schon leidet dieser Industriezweig unter der Stagnation der europäischen und amerikanischen Absatzmärkte. Wachstum war zuletzt nur in Asien und in Schwellenländern zu generieren. Bau- und Konjunkturprogramme in den heimischen Märkten könnte dabei beispielsweise auch für die beiden Unternehmen Caterpillar und Wacker Neuson zu neuen Wachstumsmöglichkeiten führen.

Im Fall von Caterpillar (US1791231015) handelt es sich um den weltweit größten Baumaschinenhersteller mit insgesamt etwa 150.000 Mitarbeitern. Neben dem Hauptzweig der Geschäftstätigkeit, der Produktion und dem Vertrieb von Baumaschinen, betätigt sich der Konzern auch in der Produktion von Industrieturbinen, Bergbaumaschinen und Diesel- und Gasmotoren. Diese Produktionen sind in eigene Tochtergesellschaften ausgelagert oder wurden durch Unternehmensübernahmen in das Portfolio des Konzerns integriert. Der Hauptabsatzmarkt von Caterpillar liegt in den USA, auf Europa entfallen in etwa 25 Prozent des Unternehmensumsatzes. Aufgrund der eigenen Größe und dem Grad der Marktdurchdringung in Nordamerika und Europa befindet sich das Unternehmen innerhalb der eigenen Branche in einer guten Marktposition. Zu den Stärken könnte man hierbei insbesondere das globale Händlernetz zählen. Caterpillar kooperiert weltweit mit 220 eigenständigen Händlern, welche Vertriebsaufgaben einnehmen, aber auch Wartungs- und Servicearbeiten durchführen. Insbesondere der Support Service, welcher innerhalb von 48 Stunden nach einer Kundenanfrage mit der Problembehebung beginnen soll, kann hier positiv hervorgehoben werden. Caterpillar hat sich in der Vergangenheit darüber hinaus ein Markenbild mit hohem Wiedererkennungswert aufgebaut, was man ebenfalls als eine der großen Stärken des Unternehmens ansehen könnte. Des Weiteren fällt die Größe des Produktportfolios positiv auf. Durch eine Vielzahl verschiedener Baumaschinen, welche auch als Spezialanfertigungen ausgeliefert werden können, gelingt es dem Konzern eine breite Absatzschicht potenzieller Kunden anzusprechen. Dies dürfte eine hohe Marktdurchdringung möglich machen und könnte auch für die Kundenbindung förderlich sein. Diesen hohen Grad der Marktdurchdringung konnte Caterpillar in den Emerging Markets bisher allerdings noch nicht erreichen. Auch der Ausbau des Händlernetzes, beispielsweise in China, ist verglichen mit den amerikanischen und europäischen Verhältnissen momentan noch nicht weit entwickelt. In diesem Bereich liegt einerseits noch enormes Wachstumspotenzial für die Zukunft, andererseits könnte sich das Unternehmen hierdurch gegenüber der internationalen Konkurrenz angreifbar machen. Darüber hinaus fällt auch auf, dass Caterpillar eine, verglichen mit den Gesamtausgaben, relativ niedrige Investitionsquote für Forschung und Entwicklung aufweist. Dies ist in der Branche für Baumaschinen zwar durchaus üblich, bietet aber auch die Gefahr, dass kleinere Konkurrenten durch eine Spezialisierung auf die Weiterentwicklung einzelner Gerätetypen Marktanteile gewinnen könnten. Insgesamt betrachtet dürfte sich Caterpillar aber dennoch momentan in einer guten Position befinden, vor allem auch aufgrund der langjährigen Erfahrung und der guten Vertriebsstruktur in den eigenen Kernmärkten.

Aus deutscher Sicht rückt im Zusammenhang mit potenziellen zukünftigen Bauinvestitionen auch das Unternehmen Wacker (Wacker Neuson SE (DE000WACK012)) in den Fokus.


Wacker Neuson hält seinen Firmenhauptsitz in München und beschäftigt etwa 4.500 Mitarbeiter, wovon ein Teil auch in diversen Tochtergesellschaften oder im eigenen Vertriebs- und Servicenetz beschäftigt sind. Der Kernmarkt von Wacker Neuson erstreckt sich dabei über ganz Europa, insbesondere über Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Unternehmensfokus ist dabei spezieller als bei Caterpillar und umfasst die Bereiche Betontechnik, Verdichtungsgeräte, Baustellentechnik und Kompaktbaumaschinen. Vor allem im Straßenbau finden die Produkte des Unternehmens Anwendung. Diese Fokussierung könnte durchaus als Stärke des Unternehmens angesehen werden. Die hohe Spezialisierung führt zur Kompetenzbildung in diesem Segment der Baumaschinen und kann dadurch auch zur Kundenbindung beitragen. Eine weitere Stärke liegt in der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Wacker Neuson besitzt momentan eine Eigenkapitalquote von fast 70 Prozent. In der als zyklisch geltenden Baubranche könnte eine solche Kapitalstruktur als „Kapitalpuffer“ sehr wertvoll sein. Für Ende des Jahres 2017 plant das Unternehmen die Fertigstellung eines eigenen Werks in China. Unabhängig von den Entwicklungen in Europa möchte das Unternehmen also auch in neuen Märkten stärker wachsen. Insgesamt betrachtet befindet sich auch Wacker Neuson trotzt seiner vergleichsweise geringen Größe, nicht zuletzt aufgrund seiner hohen Spezialisierung, in einer soliden Position innerhalb der Branche.

Was ein Investment in Produzenten von Baumaschinen angeht, dürfte in naher Zukunft noch Geduld gefragt sein. Mittel- bis langfristig erscheinen in der westlichen Welt große Investitionen in die Infrastruktur unumgänglich, gerade hinsichtlich der Bedeutung der Infrastruktur für die Gesamtwirtschaft. Diese Investitionen werden in vielen Fällen wohl nur durch zusätzliche Steuereinnahmen zu realisieren sein und Steuererhöhungen sind auch in diesem Zusammenhang unpopuläre Entscheidungen. Somit könnten sich Investitionserhöhungen in diesem Bereich auch weiterhin in die Zukunft verlagern. Die Branche für Baumaschinen stellt einen Industriezweig mit einem vergleichsweise geringen Entwicklungs- und Innovationstempo dar, weshalb die momentan bestehenden Kräfteverhältnisse als relativ stabil gelten dürften. Der Einstieg in diesen Markt dürfte in der aktuellen Situation jedoch zeitlich schwierig abzuschätzen sein.


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