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Landmaschinen: Nahrungsmittelpreise befeuern das Geschäft!

Ein Beitrag von tzimmer 13 07.02 - 20:36

In den vergangenen beiden Jahren befand sich der Markt für Agrartechnik in der Krise. Hohe Lagerbestände sowie gesunkene Nahrungsmittelpreise erschwerten Investitionen vielerorts. Doch diese Marktvorzeichen scheinen sich gedreht zu haben, mit ersten positiven Geschäftssignalen für die Maschinenproduzenten.
 
Deere & Co
 
 
Bucher Industries Ltd
 

Der rasante Abfall der Milch-, Getreide- und Fleischpreise vor wenigen Jahren sorgte in der Branche der Landmaschinen- und Traktorenhersteller für einen Einbruch der Nachfrage. Viele Landwirte und Agrarbetriebe stellten Investitionen in den eigenen Fuhr- und Maschinenpark zunächst zurück. Eine Trendumkehr zeichnete sich nun im vergangenen Jahr ab, in dem einerseits die Lebensmittelpreise und hierdurch auch der Landmaschinenabsatz sich erholen konnten. Bei vielen Herstellern lagen die Zuwachsraten der Neuaufträge deutlich im zweistelligen Bereich, insgesamt wird für das Jahr 2017 mit einem Umsatzplus in Höhe von 4 Prozent gerechnet. In den für die Agrartechnikproduzenten wichtigen Zukunftsmärkten Russland und der Ukraine konnten die Umsätze im Jahr 2016 um 50 beziehungsweise 70 Prozent gesteigert werden. Im Jahr 2017 verzeichnete Russland gar einen neuen Ernterekord, wodurch sich der Markt für neue Maschine weiter vergrößern könnte. Dies alles geschieht vor dem Hintergrund eines, durch das Wachstum der Weltbevölkerung bedingten, tendenziellen Bedarfswachstums an Landmaschinen und Saattechnologien. Laut Berechnungen der UN könnte die Weltbevölkerung im Jahr 2050 erstmals die Marke von 10 Milliarden Menschen überschreiten, mit entsprechenden Herausforderungen für die globale Nahrungsproduktion. Diese Entwicklungen führen dazu, dass sich derzeit zwei Traditionsunternehmen der Landwirtschaft auf Expansionskurs bewegen und ihre lange Geschichte auch mittel- und langfristig erfolgreich gestalten möchten.

Bucher Industries Ltd (CH0002432174)

Bucher Industries ist ein solches geschichtsträchtiges Unternehmen im Bereich der Agrartechnik. Das 1807 gegründete Schweizer Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 12.000 Mitarbeiter. Für den Bereich der Landmaschinen ist im Konzern die Kuhn Landmaschinen S.A. zuständig, deren eigene Geschichte bis ins Jahr 1828 zurückreicht. Seit 1946 gehört das Unternehmen zu Bucher Industries und stellt derzeit auch den umsatzstärksten Teil des Konzerns dar. Kuhn Landmaschinen trägt etwa 40 Prozent zum Gesamtkonzernumsatz bei. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Landmaschinenabsatz insbesondere von den gestiegenen Milch- und Fleischpreisen profitieren, wodurch auch die Investitionen der Landwirte in ihre technische Ausstattung zunahmen. Die Umsätze legten in diesem Bereich in den ersten drei Quartalen um knapp zehn Prozent auf 807 Millionen Schweizer Franken zu. Gleichzeitig verzeichnete die Kuhn Gruppe eine Erhöhung des Auftragseingangs um gut 25 Prozent. Der Anstieg bezog sich jedoch größtenteils auf den Verkauf von Maschinen aus den Segmenten Fütterungstechnik und Futterernte, die anhaltend tiefen Preise vereinzelter Ackerbauerzeugnisse schmälerten das Geschäft im Bereich der Erntemaschinen. Bucher Industries begründete diese Entwicklung auch mit hohen Lagerständen in den USA sowie einem französischen Markt, der nach wie vor unter einer schlechten Ernte des Jahres 2016 leidet.  Interessierte Anleger sollten diese Entwicklungen dennoch im Auge behalten. Nachdem sich das Europageschäft aber weitestgehend positiv entwickelt, plant die Kuhn Gruppe eine Expansion auf dem russischen Markt. So erwarb das Unternehmen kürzlich ein 19 Hektar großes Areal nahe Woronesch, auf dem ein neues Werk zur Herstellung von Bodenbearbeitungs- und Sämaschinen für eine Investitionssumme in Höhe von 70 Millionen Euro entstehen soll. Die russische Getreideernte legte vergangenes Jahr mit einem Ertrag von etwa 130 Millionen Tonnen ein Rekordjahr hin. Die technische Ausstattung der Landwirte gilt hierbei branchenintern als veraltet, weitere positive Ernteerträge könnten hier zukünftig Investitionen nach sich ziehen und Russland kurz- bis mittelfristig als wichtigen Markt für Landmaschinenproduzenten etablieren. Die russische Regierung fördert einheimische Hersteller mit Subventionen und vergünstigten Krediten. Um langfristig auf diesem Markt Erfolg haben zu können, bräuchte die Kuhn Gruppe einen sogenannten „Spezialinvestitionsvertrag“, welcher neben der Eröffnung lokaler Werke auch weitere Investitionen verlangt. Die Unternehmensführung scheint nach eigenen Aussagen gewillt, diese Bedingungen zu erfüllen. Investoren sollten diese Entwicklung aber ebenfalls verfolgen. Darüber hinaus könnte man die derzeitige Marktsituation von Bucher Industries aber als gut bezeichnen. Der Mischkonzern profitiert dabei auch von dem Engagement in weiteren Geschäftsfeldern, welche die zuweilen stark von Ernteerträgen beeinflussten Einnahmen für Agrartechnik potenziell ausgleichen könnten.

Deere & Co (US2441991054)

Ähnlich wie der Schweizer Konkurrent blickt auch das amerikanische Unternehmen John Deere auf eine lange Tradition zurück, mit noch stärkerer Fokussierung auf Landmaschinenproduktion. Auch bei John Deere sahen die jüngsten Ergebnisse gut aus. Das Unternehmen vermeldete für das Geschäftsjahr 2017 einen Gewinn in Höhe von circa 2,2 Milliarden Dollar. Auch durch einen gesteigerten Maschinenabsatz konnte der Gewinn, im Vergleich zum Vorjahr, um etwa 46 Prozent erhöht werden. Derzeit fällt John Deere Marktbeobachtern vor allem durch eine aggressive Strategie im Bereich der Unternehmensakquise auf, mit Hilfe derer sich das Unternehmen hinsichtlich einiger neuer Trends in der Agrartechnik positionieren will. Im September vergangenen Jahres gab der Konzern die Übernahme des kalifornischen Unternehmens Blue River Technology bekannt, für eine Gesamtsumme in Höhe von 305 Millionen US-Dollar. Das Kerngebiet von Blue River Technology stellt der Einsatz von Maschine Learning-Technologien in landwirtschaftlichen Sprühmaschinen dar, John Deere möchte die Technologien der neuen Tochtergesellschaft künftig jedoch auch in anderen Maschinenarten einsetzen, um so im Innovationsfeld „Precision Farming“ Lösungen anbieten zu können. Darüber hinaus plant man derzeit die Eröffnung eines neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums im US-Bundesstaat Iowa für eine Gesamtsumme von mehr als 32 Millionen US-Dollar. Das Zentrum soll für die unternehmensinterne „John Deere Intelligent Solutions Group“ konstruiert werden und den Entwicklungsfokus ebenfalls auf das Precision Farming legen. So sollen hier zukünftig beispielsweise Sensoren zur automatisierten Überwachung wichtiger Feldparameter, etwa des Düngegrades, oder auch selbstlenkende Traktoren entwickelt werden. Kürzlich sorgte das Unternehmen auch auf dem deutschen Markt für Schlagzeilen. Die Übernahme der Wirtgen Gruppe für eine konzerninterne Rekordsumme von 5,2 Milliarden US-Dollar könnte John Deere künftig noch breiter aufstellen. Durch dieses Geschäft steigt John Deere zum Weltmarktführer im Bereich der Baumaschinenproduktion auf. Diese weitergehende Diversifizierung der eigenen Geschäftsaktivitäten könnte sich auch für die Anleger langfristig positiv auswirken, da auch in diesem Fall die Abhängigkeit vom volatilen Agrarmarkt abnehmen könnte.


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