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Smart Farming: Innovationsdruck für die Wettbewerber!

Ein Beitrag von tzimmer 14 31.01 - 9:56

Lange Zeit zeichnete sich der Markt für Landmaschinen vor allem durch inkrementelle technologische Weiterentwicklungen aus. Der Einzug von Digitalisierungsprozessen und -technologien in die Landwirtschaft könnte innerhalb dieser Branche nun aber für Bewegung sorgen. Ein Blick auf zwei der größten Wettbewerber auf diesem Feld soll deren aktuelle Aktivitäten hinsichtlich der neuen Technologien genauer betrachten.
 
Deere & Co
 
 
AGCO
 

Wie in vielen weiteren Branchen auch, bieten sich in der modernen Landwirtschaft ebenfalls Digitalisierungspotenziale, welche Prozessoptimierungen und Entscheidungsunterstützung bereitstellen könnten. Informationssysteme zum Management landwirtschaftlicher Daten, Robotik oder das von GPS und Satelliten unterstützte Precision Farming versprechen Kostensenkungen sowie Ertragsoptimierungen für Landwirte. Darüber hinaus spielen auch die Vernetzung von Maschinen, Big Data oder die Miteinbeziehung erneuerbarer Energiequellen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der landwirtschaftlichen Zukunft. Diese neuen Technologien könnten zukünftig einen wesentlichen Beitrag zur Befriedigung des global immer weiter steigenden Lebensmittelbedarfs leisten. Durch gezielteren Einsatz von Düngemitteln und optimierten Bewässerungszyklen könnte zudem die Umwelt entlastet und die Landwirtschaft nachhaltiger gestaltet werden. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „MarketsandMarkets“ soll der Markt für „Smart Agriculture“ bis zum Jahr 2023 auf weltweit etwa 13,5 Milliarden US-Dollar ansteigen. Für das Jahr 2018 schätzte das Unternehmen den globalen Markt noch auf circa 7,5 Milliarden US-Dollar. Über diesen Prognosezeitraum gerechnet würde sich somit eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in Höhe von 12,4 Prozent ergeben. Aus diesen Zahlen könnten sich insbesondere auch für Produzenten von Landmaschinen interessante Marktpotenziale ergeben. Andererseits müssen diese Unternehmen darauf achten, den technologischen Anschluss innerhalb ihrer Branche nicht zu verlieren. Ein Blick auf zwei der Wettbewerber soll im Folgenden deren momentane Situation und Aktivitäten hinsichtlich des neuen Technologiefeldes analysieren.

AGCO (US0010841023)









Das im amerikanischen Bundesstaat Georgia ansässige Unternehmen AGCO besteht erst seit 1990. Ursprünglich aus einem Buy-out der nordamerikanischen Aktivitäten der Klöckner-Humboldt-Deutz-Gruppe entstanden, entwickelte sich das Unternehmen im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte, unter anderem durch die Akquisitionen des amerikanischen Unternehmens Massey Ferguson und des deutschen Landmaschinenherstellers Fendt, zu einem der weltweit größten Produzenten für Landmaschinen. Im Jahr 2017 erwarb AGCO im Zusammenhang mit Smart Farming schließlich das Unternehmen „Precision Planting“. Eine erste wichtige Innovation wurde nun im Rahmen des Fendt Smart Farmings eingeführt. Die Precision Planting-Technologie soll, durch Sensorik unterstützt, auf unterschiedlichen Untergründen die optimale Ablagetiefe für das Saatgut umsetzen. Durch Hydraulikzylinder kann die Ablagetiefe permanent angepasst werden. Dies war mit mechanischer Schardruckverstellung bisher in diesem Maße nicht möglich und könnte zu einer bedeutenden Erhöhung der Erträge führen. Im Laufe der letzten Jahre ist vor allem bei Fendt das Portfolio an Software-Anwendungen für das Smart Farming zunehmend gewachsen. Schon fast zehn Jahre verfügt das Unternehmen über das System „VarioDoc“, mit dessen Hilfe Agronomie-Daten gesammelt werden können. Neu hinzu kam kürzlich „Fendt Connect“, eine Lösung zur Aggregation von Maschinendaten. „Next Machine Management“ ist eine Farm-Management-Software, während „Agrirouter“ zur Optimierung des Datentransfers konzipiert ist. Dieser umfassende Grundstock könnte es dem Unternehmen zukünftig erleichtern, neue Maschinen und Services in die bestehenden Datenstrukturen zu integrieren und könnte somit auch die Entwicklungsprozesse neuer Produkte verkürzen. Auf dem amerikanischen Markt finden die technologischen Lösungen des Konzerns vor allem in den Maschinen von Massey Ferguson Verbreitung. Ein Großteil der Entwicklungsarbeit findet im Tochterunternehmen „Fuse Technologies“ statt. Die „Datatronic“-Module finden hierbei bereits Anwendung in Traktoren. Dieses Bedienterminal umfasst hauptsächlich die Systeme „Auto Guide“ (Spurhaltesystem), „AgControl“ (Steuerung der Ausbringungsmenge), „AgCommand“ (Telemetrie) sowie „TaskDoc“ (Auftragsverwaltung). Für ein Investment in AGCO könnte die starke Markenpositionierung in Nordamerika sowie in Europa sprechen. Eine Reihe von Assistenzsystemen konnte der Konzern bereits in der Serienproduktion etablieren und insbesondere im Falle von Fendt existiert bereits eine umfassende Servicearchitektur. Potenziale bestehen für AGCO noch hinsichtlich von Hofinfrastrukturen und bei neuen Antriebskonzepten. Fendt hatte sich beispielsweise ursprünglich für 2018 die Markteinführung eines E-Traktors vorgenommen, momentan befindet sich dieses Konzept nach wie vor in der Testphase.

Deere & Co (US2441991054)










Im Gegensatz zu AGCO blickt die Deere Corporation mit ihrer Kernmarke John Deere auf eine lange Geschichte zurück. Die Traktoren des Unternehmens zählten im vergangenen Jahrhundert, auch dank ihrer charakteristischen grünen Lackierung, zu den prägenden Maschinen im Bereich der Landwirtschaft. In der jüngeren Vergangenheit trieb die Unternehmensführung die Entwicklung hin zum Smart Farming intensiv voran. Im Kern dieser Bemühungen steht unter anderem die Akquise des Unternehmens „Blue River Technologies“, welche Ende des Jahres 2017 verkündet und im Laufe des vergangenen Jahres auch operativ vollzogen wurde. Insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz und der Vernetzung via Internet of Things liegen die Schwerpunkte dieses Unternehmens. Mittelfristig sollen hierdurch die Bemühungen unterstützt werden, John Deere als Anbieter von Infrastructure-as-a-Service (IaaS) zu etablieren. Durch die Bereitstellung einer umfassenden Maschinen- und Geräteinfrastruktur für Agrarbetriebe könnten sich für das Unternehmen zukünftig Möglichkeiten ergeben, die Kundenbindung zu erhöhen und durch die Kompatibilität der einzelnen Komponenten untereinander auch zusätzliche Absatzpotenziale zu erschließen. Eine der zentralen Entwicklungen von Blue River Technologies stellt ein Machine Learning-Ansatz dar, der es der Sensorik und Kameratechnik der Landmaschinen ermöglicht, Unkraut zu erkennen und dessen Art zu bestimmen. Auf diesen Informationen aufbauend können die Maschinen anschließend das passende Mittel gezielt versprühen. Der notwendige Pestizideinsatz könnte hierdurch erheblich gesenkt werden. Darüber hinaus könnten aufgrund dieses „See and Spray“-Ansatzes auch das Risiko von Pestizid-Resistenzen gesenkt werden. Bezüglich alternativer Antriebskonzepte fokussiert sich John Deere derzeit intensiv auf die Entwicklung von Hybrid-Antrieben. Prototypen dieser Antriebskonzepte sind momentan beispielsweise auf der „Smart Farm Allgäu“ des Allgäuer Überlandwerkes im Einsatz. In Verbindung mit einem durch Photovoltaik-Module des Unternehmens ABB gespeisten stationären Energiespeichers kann beim Einsatz des Traktors dessen Leistungsfähigkeit erhöht werden. Dem strategischen Ansatz der Bereitstellung einer umfassenden Hofarchitektur folgend, wird es interessant zu beobachten sein, ob John Deere zukünftig einen Produzenten von Energiespeichern und PV-Modulen akquiriert oder eine strategische Allianz mit einem solchen Unternehmen eingeht. Insbesondere die Entwicklung des Portfolios zur Umsetzung der Infrastructure-as-a-Service (IaaS) sollte zukünftig beobachtet werden. Eine erfolgreiche und umfassende Umsetzung eines solchen Konzepts könnte für John Deere eine Erhöhung der Marktdurchdringung bedeuten, vor allem bedingt durch eine gesteigerte Flexibilität, die für Landwirte und Agrarbetriebe hierdurch möglich wäre.

Verfolgen sollten Investoren im Zusammenhang mit einem Investment in die Landmaschinen-Hersteller die Entwicklung des 5G-Netzwerkausbaus, insbesondere in den ländlichen Gebieten der zentralen Staaten der USA. Für die Vernetzung der Maschinen untereinander, aber auch für den Datenupload sowie -download für cloudbasierte Dienste könnte der neue Mobilfunkstandard eine enorm wichtige Rolle einnehmen. Die Kommunikationszeit zwischen Maschinen würde durch den 5G-Standard auf etwa eine Sekunde gesenkt. Mit den aktuellen Kapazitäten würden solche Prozesse bedeutend mehr Zeit in Anspruch nehmen, wodurch einige der Services nicht sinnvoll umsetzbar wären. Die USA stellen derzeit den Markt mit der höchsten Abdeckung von Smart Farming-Produkten dar und die Bereitstellung der passenden Infrastruktur könnte den Absatz in dieser Region positiv beeinflussen.


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