Analyse Aktien Lithiumionen-Batterien

Auswirkungen eines wachsenden E-Mobilität-Marktes

Ein Beitrag von tzimmer 14 26.10 - 9:26

Während Forschung und Industrie bereits nach Alternativen zur Lithium-Ionen-Batterie suchen, könnte diese in der nahen Zukunft durch ehrgeizige Ziele der Elektromobilität nochmals einen Nachfrageschub erfahren. Derweil könnte hierdurch auch das Geschäftsfeld der Wiederaufbereitung solcher Akkus stärker in den Fokus von Anlegern rücken.
 
Sociedad Quimica y Minera de C...
 

Seit der Markteinführung der Lithium-Ionen-Batterie in den frühen 1990er-Jahren hat diese Technologie eine beachtliche Weiterentwicklung erfahren. Speicherkapazität und Lebensdauer der Akkus konnte um das jeweils Vielfache gesteigert werden, während die Kosten drastisch reduziert wurden. Die Markteinführung verschiedener elektronischer Endgeräte, beispielsweise der Mobiltelefone, Laptops oder Tablets, zunehmend aber auch die an Popularität gewinnende E-Mobilität, welche sich zunächst vor allem in Form von Hybridfahrzeugen manifestierte, sorgten für eine stetig steigende Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien. Komplementär hierzu stieg auch Nachfrage und Wert für einen der Hauptrohstoffe zur Herstellung der Akkus, Lithium. Auch wenn sich Lithium-Ionen-Akkus langsam der Grenze ihrer technischen Möglichkeiten nähren dürften und Forscher sowie Batterieproduzenten nach alternativen Konzepten Ausschau halten, könnte die Nachfrage nach Lithium in der nahen bis mittelfristigen Zukunft nochmals anziehen. Die in den kommenden 7 Jahren durch die internationale Energieagentur geschätzten Zuwächse bei den Elektroautos könnten für diesen Umstand verantwortlich sein. Von den derzeitig etwa 2 Millionen zugelassenen E-Autos soll die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge bis zum Jahr 2025 auf bis zu 70 Millionen steigen. Vor allem die chinesische Regierung hat sich für die kommenden Jahre in diesem Zusammenhang ehrgeizige Ziele gesteckt und möchte bis zum Jahr 2020 die Quote der Elektrofahrzeuge an allen zugelassenen Fahrzeugen auf 12 Prozent erhöhen. Die in diesem Szenario verkauften E-Autos würden sämtlich noch mit Lithium-Ionen Akkus ausgerüstet sein, was auch für den Ersatzteil- und Ausrüstungsmarkt die Nachfrage in den kommenden Jahren sichern könnte. Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Aufbereitung der Batterien zukünftig eine größere Rolle zukommen. Aus diesen Gründen soll im Folgenden neben einem Förderunternehmen für den Rohstoff Lithium auch einem Unternehmen aus dem Bereich der Batterieaufbereitung Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Sociedad Quimica y Minera de Chile SA SOQUIMICH (US8336351056)

Einer der größten Wettbewerber im Bereich des Lithiumabbaus ist die chilenische Gesellschaft SQM, welche strategisch günstig in einem der drei Länder des Lithium-Dreiecks, einer Landschaft zwischen Bolivien, Chile und Argentinien, ansässig ist. Etwa 70 Prozent des weltweiten Lithium-Vorkommens werden dieser Region zugeschrieben. Dieser Umstand führte zu Beginn des Jahres auch dazu, dass SQM nach jahrelangen Verhandlungen mit der Regierung Chiles eine beträchtliche Ausweitung seiner Förderquoten verkünden konnte. Bis zum Jahr 2025 könnte SQM nach der neuen Vereinbarung seine Jahresproduktion auf bis zu 216.000 Tonnen erhöhen, im Jahr 2017 lag diese noch bei unter 60.000 Tonnen. Als Chemiekonzern besitzt SQM mehrere Geschäftsbereiche, zu denen unter anderem auch Düngemittel zählen, Lithium und Derivate zeichnen sich mittlerweile jedoch für mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Mit der neuen Förderquote gehen Analysten davon aus, dass das Segment, welches in den vergangenen Jahren bereits stark gewachsen ist, auch in den kommenden Jahren stetige Umsatzzuwächse verzeichnen könnte. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate wird hierbei bis zum Jahr 2025 auf einen Korridor zwischen 15 und 17 Prozent prognostiziert. Einen Wettbewerbsvorteil könnte in diesem Zusammenhang auch die chilenische Regierung darstellen, insofern sie für die Zuteilung der Förderquoten innerhalb Chiles alleinig verantwortlich ist. Für den Hauptkonkurrenten im chilenischen Abbaugebiet, das amerikanische Unternehmen Albemarle, ist derzeit lediglich eine Erhöhung der maximalen Förderquote auf 125.000 Tonnen vorgesehen. Im ersten Halbjahr 2018 konnte SQM seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf rund 1,16 Milliarden US-Dollar erhöhen. Der Bruttogewinn stieg im gleichen Zeitraum um rund 16,5 Prozent auf 417,1 Millionen US-Dollar. Anleger sollten jedoch die momentane Situation um SQM im Blick behalten. Das chinesische Unternehmen Tianqi möchte für eine Summe von 4,3 Milliarden US-Dollar den 24-prozentigen Anteil des kanadischen Unternehmens Nutrien an SQM übernehmen. Derzeit stehen dieser Transaktion jedoch kartellrechtliche Fragestellungen im Wege. Sollte das Geschäft vollzogen werden, bleibt abzuwarten, inwieweit sich der neue Großaktionär auf die Strategie des Unternehmens auswirkt.

Die Wurzeln des belgischen Unternehmens Umicore liegen im Bergbau- und Hüttenbereich. Der ursprünglich vor mehr als 200 Jahren aus einer Reihe von Bergbau- und Hüttengesellschaften zusammengeschlossene Konzern ist heute primär in den Sektoren Rohstoff- und Edelmetallhandel sowie im Recycling aktiv. Den Bedarf nach dem Recycling von Lithium-Ionen-Batterien hatte das Unternehmen frühzeitig erkannt und das eigene Verfahren „UHT“ (Ultra High Temperature Smelting) entwickelt. Mit diesem Verfahren gilt Umicore als einer der Technologieführer in diesem Bereich. Im Vergleich zu den Verfahren einiger Mitkonkurrenten entsteht beim Prozess der Rückgewinnung der Rohstoffe ein um bis zu 70 Prozent niedrigerer CO2-Ausstoß. Zusätzlich verbraucht das UHT-Verfahren bedeutend weniger Energie als vergleichbare Methoden. Aus diesen Gründen sind auch bedeutende Automobilproduzenten auf das belgische Unternehmen aufmerksam geworden. So lässt Tesla Akkus der in Europa abgesetzten Fahrzeuge in den Umicore-Werken recyclen. Kürzlich vereinbarte man zudem mit BMW und dem schwedischen Batterie-Zellen-Produzenten Northvolt eine Kooperation. Die Zusammenarbeit soll ein Konzept für einen „geschlossenen Lebenszyklus“ von Batterien innerhalb der EU hervorbringen. Neben der Nähe zu einem weiteren wichtigen Hersteller für Elektroautomobile könnte Umicore im Rahmen dieses Projekts auch Fördergelder der EU generieren, welche die Entwicklung europäischer Batteriezellen in den kommenden Jahren mit bis zu 200 Millionen Euro unterstützen möchte, und hierdurch seine Kapazitäten weiter erhöhen. Die Zahlen des ersten Halbjahres 2018 wiesen im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzwachstum von 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro und eine Steigerung des bereinigten EBITs in Höhe von 28 Prozent auf 261 Millionen Euro aus. Damit ist das Unternehmen auf Kurs, das strategisch ursprünglich erst für 2020 vorgeschriebene Ziel eines bereinigten EBITs von 500 Millionen Euro bereits in diesem Jahr zu erreichen. Vor diesem Hintergrund überraschen die geplanten Investitionen nicht. Umicore möchte bis ins Jahr 2021 660 Millionen Euro in China und Europa investieren, um die Gesamtkapazität des Segments „Rechargeable Battery Materials“ auf jährlich 175.000 Tonnen zu erhöhen.


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